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Gemeinsam wachsen: Kultur und Politik auf eigene Faust

Was tun, wenn der Wille zum Engagement da ist, aber die Strukturen fehlen? Welche besonderen Herausforderungen und auch Möglichkeiten bringt es mit sich, eigene kreative Lösungen zu finden und sich das meiste selbst erarbeiten und erschließen zu müssen?

Die Betrachtung dieser Fragen ist für die Ruhrregion von großem Interesse. In der Antwort der Bundesregierung vom 21.02.2017 auf die kleine Anfrage von Bündnis90/Die Grünen-Abgeordneten werden drei Ruhrgebietsstädte – Oberhausen, Herne, Gelsenkirchen – mit zu sogenannten abgehängten Regionen gezählt[1]. Die Anfrage wurde auf Grund des zunehmenden Rechtspopulismus und der Vermutung eines Zusammenhangs mit wirtschaftlicher Strukturschwäche gestellt. Gerade in diesen Regionen können integrative und inklusive Kultur- und Politikkonzepte zu einem besseren Miteinander führen, und gerade in diesen Regionen fallen eben jene Konzepte oft als erstes Budgetkürzungen zum Opfer. Die Strukturschwäche nimmt somit Einfluss auf die Engagementpraktiken der AkteurInnen[2].

Der vorliegende Beitrag lässt vorrangig vier AkteurInnen mit ihren Überlegungen innerhalb eines Interviews zu Wort kommen, die für sich auf die oben gestellten Fragen Antworten finden mussten und konnten: Öffentlichen Raum aneignen, Kompetenzen aneignen, Vernetzen und viel Arbeit investieren. Weiterlesen

Das Selbstexperiment Zero Waste – Mehr als nur mal ausprobieren!

 

Verpackungswahnsinn – verpackte Gurken und Coffee to go

Im Jahr 2016 produzierte jede_r Deutsche_r im Durchschnitt 462 kg Müll (Statistisches Bundesamt, 2016). Diese Zahl ist nicht verwunderlich, wenn man sich im Supermarkt seinen Einkauf mal genauer ansieht und dort selbst das Gemüse kaum noch ohne Verpackung erhältlich ist. Doch nicht nur im Supermarkt wird man von einer Flut aus Verpackungen überschwemmt. Viele Verhaltensweisen sind in unseren Alltag längst integriert und selbstverständlich geworden. Bei einer Party mit Freunden gibt es praktischerweise Pappteller und Plastikbesteck, das Paket aus dem Internet kommt im Karton mit doppelter Luftpolsterfolie, der morgendliche Kaffee wird aus einem to go Becher getrunken und Seife, Shampoo, Schminke und Co. stehen in allen Variationen und Farben in den Regalen.

Oft fallen Stichwörter, wie Konsum-, oder Wegwerfgesellschaft und angesichts des Pro-Kopf Müllaufkommens, scheinen diese Worte auch zuzutreffen.    In Deutschland werden pro Jahr 6,7 Millionen Tonnen alleine an Lebensmittel weggeschmissen (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft).

Die Entwicklung dieser Konsum-, und Wegwerfmentalität ist allerdings eine vergleichsweise neue Errungenschaft unserer gegenwärtigen Dienstleistungsgesellschaft. Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Menschen noch überwiegend Selbstversorger_Innen und produzierten nur so viel, wie sie auch konsumierten. Mit der Industrialisierung und der damit verbundenen Verlagerung des Wohnortes in die Städte, änderte sich die Lebensweise der Menschen grundlegend. Es kam zum Übergang von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft. Die Produktion von Nahrung und Gütern wurde aus den Haushalten in die Betriebe verlagert und es entstand die Erwerbsarbeit. Technologischer Fortschritt, wachsende Produktivität und Globalisierung brachten ebenfalls steigenden Wohlstand mit sich und der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft war vollzogen (Bundeszentrale für politische Bildung, 2010). Während bis Ende des 19. Jahrhunderts die Lebensmittel noch selber angebaut wurden, eröffnete im Jahre 1957 bereits der erste Supermarkt in Deutschland. Nahrung, Kleidung, Freizeit, Genussmittel etc. werden heute dank steigender Massenkaufkraft im Überfluss konsumiert. Probleme, die diese Entwicklung mit sich bringen, sind unter anderem Verschwendung, Rohstoff-, und Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und soziale Ungerechtigkeit. Immer wieder tauchen diese Themen in der Politik und der Gesellschaft auf. Doch wie sehen die Möglichkeiten der_s Einzelnen aus, sich eine alternative Lebensweise, ohne Massenkonsum und Verpackungswahnsinn, zu gestalten?

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Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten

Die Arbeitsmarktteilhabe von Flüchtlingen ist entscheidend für das Gelingen der Flüchtlingspolitik und den sozialen Zusammenhalt in Deutschland. Die Möglichkeit, einer Arbeit nachzugehen, ist nicht nur Bedingung für einen wirtschaftlichen Erfolg, sondern steht zentral für ein selbstbestimmtes Leben. So ermöglicht Arbeit die finanzielle Unabhängigkeit der Flüchtlinge und schützt vor Armut und Unterbeschäftigung. Flüchtlinge können durch Arbeit aktiv werden und ihre eigene Zukunft gestalten. Durch das Ausüben einer Erwerbstätigkeit können neue Kontakte geknüpft werden und zu sozialer Anerkennung und Achtung führen. Durch die Arbeitsmarktteilhabe der Flüchtlinge wird eine nachhaltige Integration in die deutsche Gesellschaft realisiert und somit der soziale Zusammenhalt gestärkt. Weiterlesen

Den Arbeitsmarktzugang für geflüchtete Frauen ermöglichen!

Herausforderungen beim Arbeitsmarktzugang von geflüchteten Frauen

„Wir schaffen das“ ist die Positionierung von Deutschland angesichts des größten Flüchtlingsstroms seit dem Ende des zweiten Weltkrieges aufgrund der Massenunruhen und Instabilität im Nahen Osten und Afrika (Zeit Online 2015).  Die Hilfsbereitschaft der Bürger hat der Bundeskanzlerin, Angela Merkel, den Mut und die Hoffnung gegeben, ihre Position angesichts des Flüchtlingsstroms beizubehalten. Die Flüchtlingszuwanderung nach Deutschland wird kaum in Bezug auf Frauen thematisiert, obwohl im Jahr 2014 und 2015 rund ein Drittel der Asylantragstellenden Frauen waren (Flüchtlingsforschung 2016).  Besonders im Bereich der Arbeitsmarktintegration werden die Frauen vernachlässigt, obwohl eine Beschäftigung eine wichtige Grundvoraussetzung für eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und für soziale Anerkennung darstellt (Eußner et al. 2016: 2). Außerdem bringt eine Beschäftigung bessere Zukunftsperspektiven mit sich und kann auch bei der Bewältigung der möglicherweise existierenden Belastungen der Flucht helfen (Eußner et al. 2016: 2). Der Leitsatz von Angela Merkel „Wir schaffen das“ bzw. Integration bleibt ohne die Inklusion der geflüchteten Frauen unrealistisch, weil die Frauen in der Familie eine wichtige Rolle spielen und oft die Erzieherinnen der Kinder, der „Erwachsenen unserer Zukunft“ sind. Darüber hinaus dürfen von Politikern und Politikerinnen die in der Vergangenheit gemachten Fehler, sich nur auf die Arbeitsmarktintegration von männlichen Zuwanderern (zu den Herausforderungen der Arbeitsmarktintegration im Allgemeinen vgl. Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten) zu konzentrieren, sodass die gesamtgesellschaftliche Integration der Frauen nicht ermöglicht wurde, nicht wiederholt werden (Meissner 2015: 21). Weiterlesen