Schlagwort-Archive: Initiative/Projekt

NUR DAGEGEN SEIN REICHT NICHT!

Gewerkschaften im Kampf gegen Rechtsextremismus – auch in den eigenen Reihen

Deutschland und Europa haben im Zuge der “Flüchtlingskrise” einen enormen Rechtsruck erfahren. Menschen die vor Krieg, Hunger und Armut fliehen schlägt vielerorts offen Ablehnung, Hass oder gar Gewalt entgegen. Was vor nicht allzu langer Zeit nur hinter vorgehaltener Hand gesagt wurde, ist nun nicht nur salonfähig, inzwischen sitzen sogar gewählte Volksvertreter in Landtagen und im Bundestag, die offen ihre rechtsextremen Ansichten verbreiten. Doch es gibt auch Menschen die sich nicht nur für die Geflüchteten, sondern auch gegen die Menschen engagieren, die mit ihrem Gedankengut versuchen Angst und Hass zu schüren. Zunächst gilt es hierzu die Begriffe Rechtsextremismus und Rechtspopulismus zu definieren.

Rechtsextremismus lässt sich nach einer Definition der Bundeszentrale für politische Bildung zusammenfassend durch folgende Punkte charakterisieren. Diese Punkte sind eine antidemokratische Gesinnung, die Ablehnung der Gleichheit von verschiedenen ethnischen Gruppen, Diffamierung politischer und gesellschaftlicher Gegner und Relativierung von rassistischen Gewalttaten.

Rechtspopulismus setzt sich hingegen aus zwei verschiedenen Dimensionen zusammen. Diese Dimensionen sind der Populismus und eine rechte Orientierung. Unter Populismus versteht sich die Mobilmachung eines als homogen gedachten Volks gegenüber einer vermeintlichen, politischen, oberen Elite. Der Populismus ist durch Opportunismus geprägt (vgl. bpb [2][3]) und nutzt Einzelfälle gekonnt für die eigene Propaganda aus. Genutzt werden im Populismus Schwarz-Weiß-Konstellationen um auf komplexe Probleme einfache Antworten geben zu können.

Die rechte Orientierung im Rechtspopulismus ist gekennzeichnet durch eine kulturelle Abgrenzung und der Warnung vor einer vermeintlichen Überfremdung durch andere Kulturen und der Verdrängung der eigenen Kultur. Jedoch gehört dazu auch eine Ablehnung von kultureller Veränderung innerhalb der eigenen Kultur, wie das Entstehen neuer Lebensentwürfe (vgl. bpb [2]).

Wie der Umgang mit Rechtspopulismus bis hin zu Rechtsradikalismus aussehen soll wird gesellschaftlich seit den letzten Bundestagswahlen diskutiert. Es herrscht Uneinigkeit darüber, wie mit diesen Tendenzen umgegangen werden soll. Die beiden Pole vollständige Isolation und vollständige Integration von rechten Tendenzen lassen sich als Extreme wiederfinden. Manche plädieren dafür den Dialog mit dem Rechtspopulismus zu suchen und sie in Entscheidungen einzubinden, während andere die Ansicht vertreten, dass im Umgang mit rechtspopulistischen und rechtsradikalen Tendenzen nur ein Weg die optimale Lösung darstellt: die Isolation. Welcher dieser Ansätze der richtige Weg ist, wird hier nicht beantwortet werden können. Diese Forschungsarbeit setzt einen anderen Schwerpunkt und fragt, warum und wie sich Gewerkschaften in Deutschland gegen diese Tendenzen positionieren. Weiterlesen

„Das nimmt uns halt niemand ab“

Engagement gegen „Rechts“ in Dortmund

Die politische Rechte hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Sie war zwar stets präsent, aber erst mit den parlamentarischen Erfolgen und neueren Erscheinungsformen in Europa und Nordamerika, rückte sie auch in breiteren Teilen der Gesellschaft in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. In Deutschland waren es zu Beginn beispielsweise die Proteste von Pegida oder die Aktionen der Identitären Bewegung. Mit der Bundestagswahl im September 2017 hat sich gezeigt, dass auch in Deutschland eine rechtspopulistische Partei den zweistelligen Einzug in den Bundestag schaffen kann, die in einem Bundesland sogar als stärkste Kraft hervorgegangen ist. In ganz Europa, so scheint es, werden rechte und rechtspopulistische Thesen wieder salonfähig.

Allerdings gerät dabei leicht aus dem Blick, dass Rechte in Deutschland auch schon vor Pegida und AfD Wirkmächtigkeit erlangen konnten. In Dortmund zum Beispiel, einer Hochburg des Neonazismus auch über NRW hinaus, gibt es eine organisierte rechte Szene, deren Kontinuitäten bis in die 1980er Jahre reichen. Auch ganz ohne „Metapolitik“, um eines der Schlagworte in der Neuen Rechten zu bedienen, gelang es hier Neonazis, sich festzusetzen und ihre Vorstellungen in Teilen zu verwirklichen. Im Zeitraum zwischen den Jahren 2000 und 2005 ermordeten Neonazis in Dortmund fünf Menschen. Mit Bezug auf den Stadtteil Dortmund-Dorstfeld schwärmen sie von einem angeblichen „Nazikiez“. Auch mit Organisationsverboten war der Szene nicht auf Dauer beizukommen.

Gleichzeitig findet sich in Dortmund eine Vielzahl an unterschiedlichen Akteur*innen, die sich gegen die rechte Szene engagieren. Ebenso zahlreich wie die Organisationen sind ihre Aktionsformen, ihre Analysen und Perspektiven auf die politische Rechte aber auch auf die eigene Tätigkeit. Diesen Umstand haben wir zum Anlass genommen, uns näher mit dem Engagement gegen „Rechts“ in Dortmund zu beschäftigen. Um einen möglichst breiten Eindruck zu gewinnen, führten wir daher problemzentrierte Interviews mit Vertreter*innen unterschiedlicher Gruppen sowie Aktionsformen durch. Wir wollten wissen, ob sich das Engagement gegen „Rechts“ von anderen Formen zivilgesellschaftlichen Engagements unterscheidet und verglichen daher unsere Ergebnisse mit bereits gewonnenen Erkenntnissen aus der Forschung. Unser Fokus lag dabei auf den Faktoren, die Engagement gegen „Rechts“ beeinflussen. Warum haben die Befragten begonnen, sich in Dortmund gegen Rechts zu engagieren? Warum tun sie das heute immer noch, nicht mehr oder anders?

Im folgenden Abschnitt Der Dortmunder Kontext versuchen wir zunächst, die Bedingungen zu umreißen, unter denen Engagement gegen „Rechts“ in Dortmund stattfindet. Dafür geben wir eine grobe Übersicht über die rechte Szene in Dortmund und ihre Entwicklung einerseits und eine ebenso grobe Übersicht über die verschiedenen Akteur*innen, die sich in der Stadt gegen „Rechts“ engagieren. Hier finden sich auch Erläuterungen zu unseren Interviewpartner*innen und ihren Engagementformen. Der Abschnitt Was sagt die Forschung? gibt einen kurzen Überblick über die Untersuchungen zu politischem Engagement, die wir herangezogen haben, um sie mit unseren Interviews zu vergleichen und eventuelle Spezifika des Engagements gegen Rechts herauszuarbeiten. Es folgt der vierte Abschnitt Untersuchungsergebnisse zu Faktoren…, der die Ergebnisse unserer Interviews behandelt. Dieser ist in drei kleine aufgeteilt. Sie beschäftigen sich jeweils mit den Faktoren, die für den Beginn des Engagements gegen „Rechts“ relevant waren, mit den Faktoren, die seine Aufrechterhaltung fördern und zuletzt mit Gründen, das eigene Engagement zu beenden oder zu ändern. Im Abschnitt Verbesserungsvorschläge wenden wir uns den Ideen unserer Interviewpartner*innen bezüglich der Frage, wie Engagement gegen „Rechts“ in Dortmund gefördert werden könnte, zu und zuletzt ziehen wir ein Fazit, in dem wir auszuwerten versuchen, ob und falls ja, welche Unterschiede es zum politischen Engagement allgemein gibt.

Zu beachten ist dabei, dass unsere Ergebnisse natürlich nur einen geringen Teil des breiten Spektrums der verschiedenen Akteur*innen im Engagement gegen „Rechts“ in Dortmund abbilden. Zusätzlich stellen unsere Befragten auch erstmal nur einzelne Stimmen innerhalb der von ihnen gewählten Engagementform dar. Außerdem ergeben sich mögliche Verzerrungen dadurch, dass unsere Interviewpartner*innen überwiegend männlich und mit einer Altersspannweite von 19 bis 29 Jahren auch verhältnismäßig jung waren.


Weiterlesen

Das Leben in einem „Ökodorf“ als Ausdruck präfigurativer Politik – Eine Analyse der Lebensweisen der BewohnerInnen einer ökologischen Siedlung in Nordrhein-Westfalen

 

(Alle Fotos in diesem Beitrag sind private Aufnahmen)

Innerhalb der letzten Jahrzehnte ist eine ökologische Lebensweise in verschiedenen Hinsichten populär geworden. Zum einen hat ökologisches Leben Einzug in die Ernährungs- und Konsumweisen gefunden. Beispiele hierfür sind eine vegetarische oder vegane Ernährung, um zum Klimaschutz und/oder zu einer besseren Tierhaltung beizutragen. Die Zero-Waste-Bewegung hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst keinen Abfall zu produzieren und durch das sogenannte Containern, versuchen Menschen die Verschwendung von Lebensmitteln und Alltagsprodukten zu vermeiden. Zum anderen lässt sich der Trend auch in den Wohn- und Bauarten einzelner Individuen beobachten. Von allgemein technischen Fortschritten (Energieeffizient etc.) abgesehen, gibt es Wohnprojekte, deren Existenz primär auf der Vorstellung basiert, umweltverträglicheren Wohnraum zu schaffen. Exemplarisch lassen sich an dieser Stelle Baumhäuser, verschiedene Varianten von Mehrgenerationenhäuser oder auch ökologische Siedlungen nennen. Meistens wird mit solchen Lebensformen das Ziel verfolgt, sich von den gängigen sozialgesellschaftlichen Lebensweisen zu lösen und mögliche Alternativen zugunsten des Umweltschutzes oder der Gesellschaft aufzuzeigen. Für dieses Ziel, stellt die präfigurative Politik eine passende Beschreibung dar. Es handelt sich um ein Konzept, bei der Individuen oder auch Gruppen von Individuen versuchen, durch das eigene Handeln einen Wandel der Gesellschaft herbeizuführen.

Um herauszufinden, ob es sich bei solch einer ökologischen Lebensweise um dieses Ziel, also um Präfiguration handelt, hat sich der folgende Essay auf eine ökologische Siedlung in Nordrhein-Westfalen fokussiert, weil diese aufgrund einer ökologischen Bauweise mit nachhaltigen Rohstoffen ein Beispiel für eine umweltfreundliche Lebensweise darstellt. Das Forschungsinteresse wurde durch zwei Fragen geweckt. Die erste Frage, die sich stellt ist, inwieweit das Leben der Bewohner durch die Entscheidung, in die Siedlung zu ziehen, beeinflusst wurde. Die zweite Frage lautet „inwiefern unterscheidet sich dieses Leben von der konventionellen Wohnkultur?“. Aus diesen Fragen ergab sich die Forschungsfrage des Essays, bei der in Erfahrung gebracht werden soll, inwieweit sich das Leben in einer ökologischen Wohnsiedlung mit dem Konzept der präfigurativen Politik erklären lässt. Weiterlesen

Gemeinsam wachsen: Kultur und Politik auf eigene Faust

Was tun, wenn der Wille zum Engagement da ist, aber die Strukturen fehlen? Welche besonderen Herausforderungen und auch Möglichkeiten bringt es mit sich, eigene kreative Lösungen zu finden und sich das meiste selbst erarbeiten und erschließen zu müssen?

Die Betrachtung dieser Fragen ist für die Ruhrregion von großem Interesse. In der Antwort der Bundesregierung vom 21.02.2017 auf die kleine Anfrage von Bündnis90/Die Grünen-Abgeordneten werden drei Ruhrgebietsstädte – Oberhausen, Herne, Gelsenkirchen – mit zu sogenannten abgehängten Regionen gezählt[1]. Die Anfrage wurde auf Grund des zunehmenden Rechtspopulismus und der Vermutung eines Zusammenhangs mit wirtschaftlicher Strukturschwäche gestellt. Gerade in diesen Regionen können integrative und inklusive Kultur- und Politikkonzepte zu einem besseren Miteinander führen, und gerade in diesen Regionen fallen eben jene Konzepte oft als erstes Budgetkürzungen zum Opfer. Die Strukturschwäche nimmt somit Einfluss auf die Engagementpraktiken der AkteurInnen[2].

Der vorliegende Beitrag lässt vorrangig vier AkteurInnen mit ihren Überlegungen innerhalb eines Interviews zu Wort kommen, die für sich auf die oben gestellten Fragen Antworten finden mussten und konnten: Öffentlichen Raum aneignen, Kompetenzen aneignen, Vernetzen und viel Arbeit investieren. Weiterlesen

Füllbar – zwischen Hoffnung, Leidenschaft und Berufung

Ein verpackungsfreier Supermarkt als Antrieb und Ergebnis bürgerschaftlichen Engagements

NRW ist anders – und das Ruhrgebiet ganz besonders. Es hat weder das internationale Flair von Frankfurt noch die außergewöhnliche Anziehungskraft Hamburgs, ist weniger schick als München und schon gar nicht so populär wie Berlin – aber im Ruhrgebiet leben Menschen, die es zu etwas Besonderen machen. Menschen, die sich für das einsetzen, das ihnen am Herzen liegt, sich engagieren und Wandel anstoßen wollen. Dazu geht jeder dritte Ruhrgebietler einer freiwilligen Tätigkeit in Organisationen, Vereinen oder Verbänden nach.

Im Jahr 2016 überstieg die Zahl der eingetragenen Vereine in Deutschland erstmals die Schwelle von 600.000. Doch nicht nur die Zahl der Organisationen stieg, sondern auch die Zahl der MitgliederInnen in vielen Organisationen. Immerhin ein Drittel der Organisationen gibt an, heute mehr MitgliederInnen zu haben als im Jahr 2012. (Ziviv-Survey, 2017)

Etwas über 120.000 der deutschen Vereine sind dabei in das nordrhein-westfälische Register eingetragen, was gut jedem fünften entspricht. Somit kommen auf 1000 Einwohner 6,7 Vereine (vgl. Ziviz-Survey, 2017). Neben Berufs- und Wirtschaftsverbänden sind Vereine, die sich dem Umwelt- und Naturschutz sowie Verbraucherinteressen widmen, diejenigen, die seit 2012 die stärksten Mitgliederzuwächse verzeichnen können. Vom sogenannten Vereinssterben kann zumindest in diesem Punkt nicht die Rede sein. Während 42% der Vereine der Verbraucherinteressen im großstädtischen Raum beheimatet sind, sind es nur ein Viertel der Vereine, die den Umweltschutz zum Ziel haben.  Obwohl das Ruhrgebiet mit 5,1 Millionen Einwohnern verteilt auf 15 Städte und Kreise als größtes Ballungsgebiet Europas gilt, findet man hier nur eine Handvoll verpackungsfreier Supermärkte, wohingegen ähnlich viele schon in einer Stadt wie Hamburg oder Köln zu finden sind.

Eine Richtung, die immer größere Aufmerksamkeit genießt, ist dabei die sogenannte Zero Waste-Bewegung, mit der nichts Anderes gemeint ist als Müll weitestgehend bis vollständig zu vermeiden zu wollen. Das Zukunftsinstitut mit Sitz in Frankfurt am Main ist sich dabei sicher: „Der Zero Waste-Trend ist mehr als nur der nächste Ökotrend. Das Precycling wird als Nachfolger des Recycling Märkte und Wirtschaft verändern.“ Ein Bespiel für einen Verein, der in einem solchen Handlungsfeld operiert, ist die Füllbar e.V. in Witten, die sich als Träger eines Lebensmittelmarktes zum Ziel gesetzt hat, verpackungsfreies Einkaufen zu erleichtern und den Weg hin zu einer deutlichen Reduktion von Müll zu ebnen. Diese Idealvorstellung erzeugt nicht nur eine völlig neue Art des Konsums, sondern führt auch zu einer Weiterentwicklung bisher dagewesener Engagementformen.

© Pixabay

Weiterlesen

Bürgerschaftliches Engagement in der Flüchtlingshilfe in Nordrhein-Westfalen

Einführung und Überblick zur Vorgehensweise, zentralen Erkenntnissen und studentischen Beiträge einer Lehrforschung zum Flüchtlingsengagement

Bürgerschaftliches Engagement zählt als grundlegend für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen und als Motor für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. So ist es kaum verwunderlich, dass dem Engagement in der Flüchtlingshilfe zunehmende Aufmerksamkeit gewidmet wird (vgl. Aumüller et al. 2015; Biesenkamp und Daphi 2015; Fleischmann 2016; Hamann et al. 2016; Han-Broich 2015; Netzwerk Flüchtlingsforschung; Speth und Becker 2016). Weiterlesen

Gastbeitrag: Engagement in der Geflüchtetenarbeit in Oberhausen

In diesem Blog-Eintrag möchte ich gerne etwas über die unterschiedlichen Akteure innerhalb der Geflüchtetenarbeit in Oberhausen (für eine Übersicht über die Akteure in Bochum vgl. Beitrag zur Netzwerkperspektive) berichten sowie die einzelnen Engagementbereiche näher beleuchten.

Seit Oktober 2016 arbeite ich im Kommunalen Integrationszentrum (KI) der Stadt Oberhausen. Im Rahmen des Programmes des Landes Nordrhein-Westfalen „KOMM-AN NRW“ zur Förderung der Integration von Geflüchteten in den Kommunen und zur Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements in der Geflüchtetenarbeit umfassen meine Tätigkeiten insbesondere die Koordinierung, Vernetzung und Qualifizierung im Bereich der Integration, insbesondere der Geflüchtetenarbeit entlang einer Integrationskette. Dabei wird das freiwillige Engagement ausdrücklich einbezogen. Zuvor konnte ich bereits als freie Mitarbeiterin im KI die Entwicklungen und strukturellen Prozesse in der Geflüchtetenarbeit seit April 2015 beobachten.

In der Stadt Oberhausen sind neben der städtischen Verwaltung und vielen hauptamtlichen Akteuren und Wohlfahrtsverbänden auch viele OberhausenerInnen freiwillig in der Geflüchtetenarbeit aktiv. Hierbei lässt sich feststellen, dass die freiwillige Geflüchtetenarbeit ein heterogenes Feld ist und die einzelnen Initiativen unterschiedliche Organisationsstrukturen aufweisen. Zum einen gibt es Geflüchteteninitiativen, die bereits seit den 90er Jahren aktiv sind und welche, die sich erst 2011 zu Beginn des Bürgerkrieges in Syrien oder im Zuge der Ereignisse im Sommers 2015 gebildet haben. Weiterlesen

Die politische Dimension des Engagements

Der Ausgangspunkt unseres Interesses am Thema „Engagement in der Geflüchtetenhilfe“ lag ursprünglich darin, Menschen zu untersuchen, die sich für die politische Partizipation von Geflüchteten engagieren. Als wir begonnen haben unser Datenmaterial in Form von sechs qualitativen Interviews mit Engagierten der Ruhrregion auf dieser Grundlage auszuwerten, veränderte sich jedoch unser Forschungsinteresse.

Wir mussten feststellen, dass sich nicht nur die Definition von dem was „Engagement im Bereich politische Partizipation von Geflüchteten“ war zwischen den Befragten stark unterschied, sondern auch die eindeutige Verortung der Engagierten in diesem Bereich schwierig war. So kamen wir zu dem unerwarteten Schluss, nicht das Engagement für die politische Beteiligung (von Geflüchteten) zu untersuchen, sondern das Engagement der Freiwilligen, als Form der individuellen politischen Beteiligung, beziehungsweise Partizipation (die Begriffe „Partizipation“ und „Beteiligung“ werden im Folgenden Synonym verwendet). Unser Forschungsinteresse bezieht sich also auf die politische Dimension des zivilgesellschaftlichen Engagements. Folgende Abschnitte sollen den – unseren Kriterien zufolge – politischen Charakter des Engagements skizzieren. Weiterlesen