{"id":98,"date":"2017-01-27T10:20:55","date_gmt":"2017-01-27T09:20:55","guid":{"rendered":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=98"},"modified":"2017-02-27T16:02:41","modified_gmt":"2017-02-27T15:02:41","slug":"engagement-fuer-gefluechtete-in-bochum-mehr-als-die-summe-seiner-teile-eine-netzwerkperspektive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=98","title":{"rendered":"Engagement f\u00fcr Gefl\u00fcchtete in Bochum \u2013 Mehr als die Summe seiner Teile? Eine Netzwerkperspektive"},"content":{"rendered":"<p>\u201eBochum hilft\u201c hei\u00dft es auf der Internetpr\u00e4senz der Koordinierungsstelle f\u00fcr Fl\u00fcchtlingshilfe der Stadt Bochum, und: \u201eBochum ist eine Stadt, in der Hilfsbereitschaft und Solidarit\u00e4t gro\u00df geschrieben werden\u201c. Was genau versteckt sich hinter dieser Aussage? Ist die ganze Stadt mobilisiert, engagieren sich alle 369.314 Einwohner Bochums (vgl. Presseamt der Stadt Bochum) mit Herzblut f\u00fcr die Belange der Gefl\u00fcchteten?<\/p>\n<p>Nein. Dennoch engagieren sich mehr als \u201e50 Organisationen, Vereine oder Netzwerke\u201c (Koordinierungsstelle Bochum) in Bochum f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen und pr\u00e4sentieren eine Vielzahl von Aktivit\u00e4ten und Angeboten, die das Leben der zurzeit 4.261 Gefl\u00fcchteten in der Stadt verbessern sollen (vgl. Presseamt der Stadt Bochum). Diesen mehr als 50 einzelnen Gruppen werden sich bestimmt eine gro\u00dfe Anzahl engagierter Menschen zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, dennoch kann man wohl kaum davon sprechen, dass \u201eBochum hilft\u201c. Warum also wird hier von Bochum gesprochen und nicht nur von einem Teil seiner engagierten Bev\u00f6lkerung? Wahrscheinlich handelt es sich bei diesen Formulierungen nur um rein rhetorische Mittel um den Lesern eine gew\u00fcnschte Situation zu suggerieren und den Standpunkt der Stadtverwaltung darzustellen. Was aber, wenn diese Phrasen ein F\u00fcnkchen Wahrheit innehaben? Hei\u00dft es nicht, das Ganze sei mehr als die Summe seiner Teile?<!--more--><\/p>\n<p>Um den Gedanken fortzuf\u00fchren und seinen Wahrheitsgehalt zu \u00fcberpr\u00fcfen, muss man mit den \u201aTeilen\u2018 in dieser Gleichung beginnen: den Organisationen, Vereinen und Netzwerken. Auch sie selbst bestehen aus noch kleineren Einheiten; sie sind ein Zusammenschluss gleichgesinnter Menschen, die durch gemeinsame Arbeit ein Ziel verfolgen. Um zu verstehen, wie die Gefl\u00fcchtetenarbeit in Bochum funktioniert, sollten die Vernetzungen dieser Menschen innerhalb ihrer eigenen Gruppe und mit anderen Gruppen n\u00e4her betrachtet werden. Zu diesem Zweck wurden 9 Interviews mit Engagierten und Hauptamtlichen verschiedener Organisationsformen gef\u00fchrt und hinsichtlich ihrer Aussagen \u00fcber Interaktionen und Vernetzungen analysiert.<\/p>\n<p><strong>Vernetzung innerhalb der Gruppe<\/strong><\/p>\n<p>Bei den Befragten Personen gibt es viele, die in mehr als einer Gruppe aktiv f\u00fcr und mit Gefl\u00fcchteten arbeiten und dabei auch verschiedene Organisationsformen unterst\u00fctzen. Aufgrund der Ergebnisse der f\u00fcr dieses Essay gef\u00fchrten Interviews, lassen sich die Gruppen grunds\u00e4tzlich in drei, durch ihre Strukturen zu unterscheidende, idealtypische Organisationsformen einteilen: Vereine, Netzwerke und Gruppierungen. Die Unterschiede dieser Organisationsformen und die daraus entstehenden Arten der Vernetzung zwischen den Engagierten werden im Folgenden erl\u00e4utert.<\/p>\n<p><strong>Organisationsform Verein<\/strong><\/p>\n<p>Das grundlegendste Merkmal eines Vereins ist es, dass er eine offiziell eingetragene Organisationsform mit voller Rechtsf\u00e4higkeit ist. Diese Rechtsf\u00e4higkeit verleiht ihnen eine Legitimit\u00e4t, die Netzwerke und Gruppierungen in dieser Form nicht besitzen. Da zur Gr\u00fcndung eines Vereins eine Vereinssatzung und Handlungsorgane, wie zum Beispiel ein Vorstand und eine Mitgliederversammlung zwingend vorausgesetzt sind (vgl. Stiftung Deutsches Ehrenamt), zeichnet sich diese Organisationsform auch durch einen hohen Strukturierungsgrad aus. Vereine k\u00f6nnen aufgrund dieses hohen Organisierungsgrades und der starken Hierarchien oft nur unflexibel auf \u00c4nderungen in der Routine reagieren. Allerdings sind sie gerade aufgrund dieser eingespielten Routinen und der M\u00f6glichkeit zur Arbeitsteilung auch h\u00f6chst effizient, was sich unter anderem daran erkennen l\u00e4sst, dass die Vereine in dieser Erhebung schon viele Jahre in der Gefl\u00fcchtetenarbeit t\u00e4tig sind und sich einen breiten Wirkungskreis aufgebaut haben.<\/p>\n<p>Durch die Struktur der Vereine besitzt auch die Vernetzung ihrer Mitglieder einen teilweise sehr formellen Charakter. Sowohl Herr H als auch Frau E die sich beide in Vereinen engagieren, die unter anderem rechtliche Beratung und teilweise Begleitung bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen anbieten, berichten von monatlichen Terminen, an denen ein Austausch sowohl zwischen den Engagierten als auch mit den eventuell vorhandenen hauptamtlichen Kr\u00e4ften der Vereine stattfindet: \u201eDurch Teilnahme an regelm\u00e4\u00dfigen Treffen dann auch. Wir haben hier mindestens einmal im Monat unsere Sitzungen, wo dann\u00a0 alle anwesend sind\u201c (Interview Bochum 05.10.2016: Engagierter in der rechtlichen Beratung). Bei Frau E sind diese Treffen sogar im zwei Wochen Takt angesetzt: \u201eUnd hier in Bochum l\u00e4uft es so ab, das ist nicht ganz identisch \u00fcberall, aber ich denke die Grundstruktur ist \u00fcberall gleich. Bochum ist es hier, dass zweimal im Monat, Dienstagsabends, die Treffen sind. Und zwar am ersten und dritten [\u2026]\u201c (Interview Bochum 08.09.2016: Engagierte bei Menschenrechtsorganisation). \u00a0Diese Treffen werden zumindest von Herrn H als die offizielle Vernetzungsart innerhalb seines Vereins angesehen, er unterscheidet sie von anderen Kontaktarten, die eher informeller Natur sind:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir haben hier jeden Mittwoch den Vorteil, dass die Frau [Name4], Frau [Name3] selber auch mit reinschauen [\u2026] dass man also \u00fcber den kleinen Dienstweg miteinander spricht, also formal und offiziell einmal im Monat gro\u00dfes Arbeitssprechen, Arbeitstreffen auch, Besprechungen und ansonsten eben halt regelm\u00e4\u00dfiger Kontakt per Email, regelm\u00e4\u00dfiger Kontakt eben halt dann auch am Telefon und eben hier vor Ort\u201c (Interview Bochum 05.10.2016: Engagierter in der rechtlichen Beratung).<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Kontaktaufnahme per E-Mail, Telefon oder Face-to-Face ist f\u00fcr die Koordination kleinerer Handlungen und die St\u00e4rkung von pers\u00f6nlichen Bindungen zwar hilfreich und auch unerl\u00e4sslich, kann allerdings den Nachteil haben, dass nicht der ganze Verein in die Vernetzung miteingeschlossen wird, sondern nur die beteiligten Personen. Wenn nicht alle Personen die aus diesen Vernetzungen neu entstandenen Informationen mitgeteilt bekommen, k\u00f6nnte dies dazu f\u00fchren, dass sie weiterhin nach veralteten Informationen agieren und Entscheidungen treffen, die nicht mehr im Sinne des Vereins sind.<\/p>\n<p>Der Verein von Frau E nutzt ebenfalls E-Mails, aber auch den Messenger-Dienst WhatsApp zur internen Handlungskoordination (Interview Bochum 08.09.2016: Engagierte bei Menschenrechtsorganisation). Die Kommunikation \u00fcber Facebook schlie\u00dfen sowohl Frau E f\u00fcr sich pers\u00f6nlich (ebd.) als auch Herr H f\u00fcr seine gesamte Organisation aus:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eJa, es gibt eine ganze Reihe von Organisationen, die nutzen tats\u00e4chlich auch Facebook. Ja, ich stehe dem sehr kritisch gegen\u00fcber. Das ist jetzt meine ganz pers\u00f6nliche Einstellung, aber auch interessanterweise die Einstellung des Vorstandes hier. [\u2026] Wir nutzen neue Medien, auf jeden Fall, wir nutzen selbstverst\u00e4ndlich das Internet, wir nutzen selbstverst\u00e4ndlich Email und sonstiges. Aber wir nutzen nicht Facebook. Auch wegen der datenschutzrechtlichen Grauzonen\u201c (Interview Bochum 05.10.2016: Engagierter in der rechtlichen Beratung).<\/p><\/blockquote>\n<p>Facebook bietet eine Plattform f\u00fcr einen gruppeninternen Austausch, auf der Informationen f\u00fcr alle sichtbar an einer Stelle geb\u00fcndelt werden und zu dem alle an dem Verein beteiligten Engagierten gleicherma\u00dfen beitragen k\u00f6nnen. Weder die Kommunikation \u00fcber Telefon, E-Mail oder auch WhatsApp bieten diese M\u00f6glichkeit. Das diese Gelegenheit der Vernetzung nicht genutzt und scheinbar auch durch keine ebenb\u00fcrtige M\u00f6glichkeit ersetzt wird, ist zwar aus datenschutzrechtlichen Gr\u00fcnden verst\u00e4ndlich, jedoch aus vernetzungstechnischer Sicht ein Vers\u00e4umnis.<\/p>\n<p><strong>Organisationsform Netzwerk<\/strong><\/p>\n<p>Netzwerke sind eine Form \u201esekund\u00e4rer Systembildung\u201c (Bommes\/Tacke, 2006: S.\u00a059). In der Bochumer Gefl\u00fcchtetenhilfe sind sie ein lockerer Verbund von verschiedenen Akteuren in einzelnen Stadtteilen, seien es nun einzelne Engagierte, kleinere Initiativen und Projekte oder Vereine und Verb\u00e4nde. Sie entstanden aus einem Bed\u00fcrfnis an Vernetzung, meist innerhalb der letzten drei Jahre. Jeder Akteur agiert eigenst\u00e4ndig und selbstverantwortlich, bezieht aber mit Hilfe des Netzwerks die anderen Akteure in sein Handeln mit ein. F\u00fcr Netzwerke bieten die sozialen Medien, vor allem Facebook, neue M\u00f6glichkeiten der aktiven Vernetzung ihrer vielen Mitglieder. Facebook wird genutzt, um \u00fcber die neuesten Entscheidungen der Politik zu informieren, zu Aktivit\u00e4ten einzuladen oder die Menschen zu mobilisieren; auch gibt es private Gruppen, in denen sich Teile des Netzwerks austauschen (vgl. Netzwerk Wohlfahrtsstra\u00dfe). Der Vorteil einer Nutzung sozialer Medien als Kommunikationsweg gegen\u00fcber pers\u00f6nlichen Treffen ist, dass allen Mitgliedern gleichzeitig die gleichen Informationen mitgeteilt werden und sie sich dar\u00fcber austauschen k\u00f6nnen, ohne dass sie r\u00e4umlich anwesend sein m\u00fcssen. Eine Eigenschaft, die vor allem berufst\u00e4tigen Engagierten zu Gute kommt. Au\u00dferdem werden auf diesem Wege auch Menschen in Bochum erreicht, die bisher nicht Teil des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements sind und denen somit Teilhabe an der Gefl\u00fcchtetenhilfe n\u00e4hergebracht und erleichtert wird.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Organisation gibt es beim Netzwerk kein bestimmtes Themengebiet, auf das sich konzentriert wird, stattdessen werden je nach Bedarf und Interesse der Mitglieder unterschiedliche Aspekte der Gefl\u00fcchtetenhilfe thematisiert. Es gibt verschiedenste niederschwellige Angebote f\u00fcr Interessierte, sich unverbindlich in der Gefl\u00fcchtetenhilfe zu engagieren:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd dann habe ich \u00fcber Facebook dieses Netzwerk Wohlfahrtsstra\u00dfe gefunden [\u2026] und hab dann dort die angeschrieben und gesagt: Hey, ich finde cool, was ihr macht. Kann man so als nichts gro\u00df K\u00f6nnender irgendwie euch unterst\u00fctzen oder so? Und dann meinten die, ja klar, wir haben eine Spielgruppe f\u00fcr Kinder, die ist immer abends eine Stunde, kannst gerne vorbeikommen [\u2026]\u201c (Interview 15.08.2016: Engagierte im caritativen Bereich).<\/p><\/blockquote>\n<p>Obwohl die Zusammensetzung des Netzwerkes dadurch oft fluktuiert, bleibt meist ein fester Kern an Engagierten, die sich um organisatorische Belange k\u00fcmmern, die nicht Online geregelt werden k\u00f6nnen, und das Netzwerk steuern. Auch hier kommt es zu regelm\u00e4\u00dfigen Treffen, allerdings werden diese nicht so formal geregelt wie in Organisationen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eInterviewer: Und du hast vorhin eine Steuerungsgruppe [im Netzwerk 1] erw\u00e4hnt. Was ist das denn f\u00fcr eine?\u201c Antwort \u00a0Person C: \u201eAlso, alle die etwas da machen, [mit denen] treffen wir uns um Sachen zu besprechen. Wie letztes Mal hatten wir dieses Begegnungsfest, so, B\u00fchne, Musik, welche Veranstaltungen, Getr\u00e4nke, Essen, alles muss organisiert werden. Und da treffen wir uns\u201c (Interview 05.08.2016: Engagierte im Netzwerk 1).<\/p><\/blockquote>\n<p>Trotz der informellen Eigenschaften, die ein Netzwerk aufweist, ist aufgrund seiner Gr\u00f6\u00dfe doch ein gewisser Grad der Strukturierung erforderlich, es koordiniert sich nicht von alleine. Im Gegensatz zu einer Organisation bestehen innerhalb eines Netzwerkes jedoch flache Hierarchien, da die Mitglieder, wie oben bereits beschrieben, eigenst\u00e4ndig und flexibel agieren. Ein Nachteil der Organisationsform Netzwerk ist dadurch aber auch, dass die Bindungen zwischen den einzelnen Akteuren, mit Ausnahme der organisierenden Kerngruppe, nicht besonders stark ausgepr\u00e4gt sind. Insgesamt bieten jedoch Netzwerkstrukturen vor allem zwei Vorteile f\u00fcr die Koordinierung von Fl\u00fcchtlingsengagement: Erstens k\u00f6nnen zielgerechter bestimmte Bedarfe gedeckt werden (wer hilft Person 1 mit Kleidung, Person 2 mit Sprachkurs und Person 3 mit einem Beh\u00f6rdengang?), zweitens erh\u00f6ht der einfache Zugang zu Engagement die Menge an Engagierten, auch wenn das Engagement unter Umst\u00e4nden nicht von Dauer ist.<\/p>\n<p><strong>Organisationsform Gruppierung<\/strong><\/p>\n<p>Die Gruppierung ist eine kleine Gruppe von Engagierten, die alle auf die gleiche Art und Weise helfen m\u00f6chten. Als Organisationsform steht die Gruppierung zwischen Verein und Netzwerk. Auch sie sind zum Gro\u00dfteil erst in den letzten Jahren aus dem Wunsch heraus, Gefl\u00fcchtete zu unterst\u00fctzen, entstanden. Obwohl es \u00e4hnlich der Organisation geregelte Abl\u00e4ufe und feste Mitglieder gibt, ist die Gruppierung aufgrund der geringeren Helferzahl in ihrer Arbeitsweise, \u00e4hnlich wie Netzwerke, flexibler und die einzelnen Helfer freier in ihrer Entscheidungsfindung:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eOrganisation ist aber zu hoch gegriffen, weil wir eigentlich- also wir haben keinen Verein gegr\u00fcndet, das waren immer flache Hierarchien und jede hat das gemacht, was er oder sie gut konnte und aus seinem Umkreis vielleicht noch Leute angeworben. Also ich hab noch ehemalige Nachbarinnen angeworben mit mir zusammen zu unterrichten, mir zu helfen, aus dem Umkreis der Kirche sind Spenden gesammelt worden f\u00fcr Deutschlernmaterial. Ja und aus der Nachbarschaftshilfe hat jeder das getan was er gut konnte, bei Bewerbungen vielleicht geholfen oder solche Dinger.\u201c <\/em>(Interview 11.08.2016: Engagierte im Sprachunterricht)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Vernetzung innerhalb der Gruppierung verl\u00e4uft neben dem pers\u00f6nlichen Kontakt \u00e4hnlich der des Netzwerkes \u00fcber soziale Medien, bei Frau A und Herrn I allerdings bei Facebook nur \u00fcber private Gruppen: \u201eUnd dann haben wir noch ne Gruppe, von den Lehr- alle, die da unterrichten, Lehrergruppe und dann, ja [\u2026] Manchmal sag ich auch meinen Kolleginnen und Kollegen dann \u00fcber Facebook, was ich gemacht hab, ne, wenn irgendwas wichtiges war\u201c (Interview 11.08.2016: Engagierte im Sprachunterricht); \u201eEs gibt bei Facebook, haben wir extra kleine Messengergruppen, wo wir uns \u00fcber&#8217;n kurzen Weg ganz schnell austauschen k\u00f6nnen wenn irgendwas ist\u201c (Interview 06.10.2016: Engagierter im politischen Bereich). Regelm\u00e4\u00dfige Treffen, zur Kl\u00e4rung organisatorischer Angelegenheiten werden von den interviewten Mitgliedern der Gruppierungen nicht erw\u00e4hnt, allerdings berichtet Herr I, dass Treffen bei Bedarf stattfinden, beispielsweise t\u00e4glich w\u00e4hrend des Refugee Strike auf dem Rathausplatz (vgl. Interview 06.10.2016: Engagierter im politischen Bereich)<\/p>\n<p>Es ist anzunehmen, dass die Bindung zwischen den Mitgliedern einer Gruppierung aufgrund ihrer \u00fcberschaubaren Gr\u00f6\u00dfe st\u00e4rker ist, als die zwischen den Mitgliedern eines Netzwerkes. Ob sie jedoch st\u00e4rker oder schw\u00e4cher ist, als die innerhalb einer Organisation, l\u00e4sst sich pauschal nicht feststellen. Durch die Auswertung der gef\u00fchrten Interviews entstand jedoch der Eindruck, dass die interviewten Mitglieder der Gruppierungen st\u00e4rker miteinander vernetzt sind als die innerhalb der Organisationen.<\/p>\n<p><strong>Zusammenfassend<\/strong> kann festgestellt werden, dass die Interaktionen zwischen den Mitgliedern bei Gruppierungen und Vereinen st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt sind als zwischen den einzelnen Mitgliedern von Netzwerken. Dies kann auf den unverbindlichen Charakter eines Netzwerkes zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Allerdings werden durch ein Netzwerk mehr Engagierte erreicht als durch eine Gruppierung oder einen Verein, somit kann ein Netzwerk flexibler auf unerwartete Situationen reagieren oder spontane Aktionen durchf\u00fchren und dabei auf die unterschiedlichen F\u00e4higkeiten seiner Mitglieder zur\u00fcckgreifen. Dies ist sicherlich ein Grund, warum einige Vereine Teil von Netzwerken sind; n\u00e4mlich um bei Bedarf auf die Ressourcen innerhalb des Netzwerkes zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Vernetzung zwischen den Gruppen<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem ein \u00dcberblick \u00fcber die verschiedenen Vernetzungsstrategien innerhalb der einzelnen Gruppenformen gegeben wurde, wird nun die Summe, also die Gesamtheit der ehrenamtlichen Gefl\u00fcchtetenarbeit in Bochum n\u00e4her betrachtet. Ist die Aussage, die auf der Internetseite der Koordinierungsstelle der Stadt Bochum getroffen wird, dass \u201eBochum hilft\u201c, gerechtfertigt?<\/p>\n<p>In der Studie der Bertelsmann Stiftung \u201eKoordinationsmodelle und Herausforderungen ehrenamtlicher Fl\u00fcchtlingshilfe in den Kommunen\u201c (Hamann u.\u00a0a., 2016), werden drei wiederkehrende Koordinationsformen der Gefl\u00fcchtetenarbeit in St\u00e4dten unterschieden: Initiativen-Koordination, Netzwerk-Koordination und zentrale Koordination. Bei der Initiativen-Koordination, meist in kleineren St\u00e4dten und Gemeinden gefunden, wird die gesamte Handlungskoordination der Engagierten der Gemeinde durch eine Initiative geleistet, ohne Unterst\u00fctzung durch Stadt oder freie Tr\u00e4ger. Netzwerkkoordination liegt dann vor, wenn die Koordination der Gefl\u00fcchtetenarbeit durch ein Netzwerk mehrerer Akteure vollzogen wird. Die zentrale Koordination geschieht durch eine eigens durch die Stadt eingerichtete Koordinationsstelle. Die Existenz einer dieser Koordinationsformen schlie\u00dft die Existenz der anderen nicht aus, es k\u00f6nnen auch Mischformen entstehen. (vgl. Hamann u.\u00a0a., 2016: S.\u00a017) Anhand dieser Unterscheidung sollen nun die Koordinationsstrukturen in Bochum untersucht werden. Dort findet man sowohl das netzwerkf\u00f6rmige, als auch das zentrale Koordinationsmodell.<\/p>\n<p><strong>Netzwerkkoordination<\/strong><\/p>\n<p>Mittelpunkt der netzwerkf\u00f6rmigen Koordination in Bochum ist der Initiativkreis Fl\u00fcchtlingshilfe.\u00a0 Bereits Anfang 2014 (vgl. Taschner 2015) bildete er sich als ein Zusammenschluss von inzwischen \u00fcber 40 verschiedenen Netzwerken, Organisationen und Gruppierungen, der sich regelm\u00e4\u00dfig trifft, um sich \u00fcber den aktuellen Stand und eventuelle Probleme der Gefl\u00fcchtetenarbeit auszutauschen und geplante Projekte zu besprechen: \u201e[\u2026] und zwar deshalb ist der entstanden, weil man gemerkt hat, hier arbeiten ganz viele Organisationen in Bochum zum Thema Asyl und Fl\u00fcchtlinge und es w\u00e4re eigentlich sinnvoll das mal zu koordinieren, damit man \u00fcberhaupt wei\u00df, wer macht was und wird nicht alles doppelt und\u00a0 gemacht und kann man nicht zusammenarbeiten\u201c (Interview Bochum 08.09.2016: Engagierte bei Menschenrechtsorganisation).<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich \u00fcberwogen die b\u00fcrgerschaftlich engagierten Gruppen, \u201e[\u2026] aber mittlerweile sind eben halt auch viele Betreiber von Unterk\u00fcnften da mit drin, politische Parteien sind da mit drin, Musikschule, also alle die irgendwo sich im weitesten Sinne engagieren, sind dann mit dazu gesto\u00dfen\u201c (Interview 06.10.2016: Engagierter im politischen Bereich). Diese Ausweitung des beteiligten Personenkreises auf Akteure, die eine wichtige Rolle in der st\u00e4dtischen Fl\u00fcchtlingsarbeit spielen, ist sinnvoll um die Ziele des Initiativkreises auf st\u00e4dtischer Ebene auch realisieren zu k\u00f6nnen, f\u00fchrt durch die verschiedenen Interessen und Vorstellungen aber mitunter zu Schwierigkeiten:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs gibt auch Kritik, weil es wird auch sehr stark von den Gr\u00fcnen gesteuert und gelenkt, und dabei ist nat\u00fcrlich auch ab und zu dann, das was der Initiativkreis m\u00f6chte, dass was die Gefl\u00fcchteten m\u00f6chten, was die freien Gruppen m\u00f6chten, so wie Refugee Strike und die Supporter dabei, und dann, was die Gr\u00fcnen im Rat umsetzen. Dann gibt&#8217;s dann h\u00e4ufig Schwierigkeiten, was sich dann auch schon mal innerhalb des Initiativkreises niederschl\u00e4gt. Sind ja auch Vertreter von der Stadt im Initiativkreis mit drin\u201c (ebd.).<\/p><\/blockquote>\n<p>Obwohl er aufgrund dieser Probleme in seiner Funktion als Koordinationsorgan erfolgreich ist,<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eEs l\u00e4uft ja im Prinzip mittlerweile, dass selten nur noch m\u00f6gliche Beschl\u00fcsse und konkrete Sachen getroffen werden m\u00fcssen. Es ist eher so ein beratendes Gremium, in dem man sich trifft und guckt, was l\u00e4uft gerade hier, wo kann man was verbessern, wo kann man was ver\u00e4ndern. Und in Einzelf\u00e4llen dann auch schon mal Probleme, die aufgetaucht sind, da eben halt besprochen werden und die dann evtl. an kleinere Untergruppen weitergegeben werden\u201c (ebd.)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>f\u00fchren die Konflikte auch dazu, dass einzelne Anliegen, die im Initiativkreis vorgebracht werden, nicht durch ihn an die richtigen Stellen weitergeleitet werden:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Menschen sind ziemlich alleine gelassen. Der Initiativkreis, sagen wir mal, ist Etagen h\u00f6her angesiedelt, da geht dann aus einer Unterkunft einer mal hin und bis das evtl. nach unten oder nach oben gesackt ist, das ist nicht so interessant. Also das sind viele Einzelk\u00e4mpfer, die da sind\u201c (ebd.).<\/p><\/blockquote>\n<p>Die folgende Abbildung stellt die Beziehungen zwischen den Akteuren dar, wie sie durch ihre Mitglieder in den Interviews geschildert wurden. Da blo\u00df Interviews mit den Mitgliedern neun verschiedener Gruppen gef\u00fchrt wurden, ist die Darstellung nur ein Ausschnitt aus dem Gesamtgef\u00fcge der \u00fcber 50 Gruppen, die in Bochum aktiv sind. Sie gibt aber einen ersten Eindruck, wie die Vernetzungen zwischen den einzelnen Gruppen der Stadt aussehen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Abb. 1: Schaubild der Beziehungen zwischen den einzelnen Akteuren. Eigene (vereinfachte) Darstellung<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Schaubild_Langer.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-99 size-full\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Schaubild_Langer.png\" width=\"734\" height=\"837\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Schaubild_Langer.png 734w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Schaubild_Langer-263x300.png 263w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Schaubild_Langer-624x712.png 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 734px) 100vw, 734px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Obwohl die Reichweite des Initiativkreises durch seine Vernetzungen sehr gro\u00df ist und viele Bochumer durch ihn animiert werden zu helfen, zeigt die Abbildung, dass durch ihn nicht alle Initiativen und Engagierte in Bochum erreicht werden. Da sich viele Interessenten an der Gefl\u00fcchtetenhilfe mit ihren Anliegen nicht direkt an die verschiedenen Gruppen, sondern an die Stadt Bochum wandten, wurde am 01.03.2015 durch die Stadt eine Koordinierungsstelle eingerichtet: \u201eJa meine Arbeit hat damit angefangen, dass es eben viele ehrenamtliche Anfragen bei der Stadt gab. Wie kann man helfen, was kann man tun und dann hat man irgendwann gesagt das kann nicht jeden einzelnen Sachbearbeiter in der Fl\u00fcchtlingshilfe treffen, das soll eine Person geb\u00fcndelt machen. Da kam ich dann in das Spiel und ja wie gesagt seit M\u00e4rz mach\u2019 ich das auch\u201c (Bochumschau, 04.11.2015).<\/p>\n<p><strong>Zentrale Koordination<\/strong><\/p>\n<p>Die zentrale Koordinierungsstelle besteht aus zwei hauptamtlichen Kr\u00e4ften und erg\u00e4nzt die Arbeit des Initiativkreises dahingehend, dass sie einen \u00dcberblick \u00fcber die aktuellen Bed\u00fcrfnisse der Gefl\u00fcchteten beh\u00e4lt und diese in tabellarischer Form f\u00fcr die Einsicht durch hilfsbereite Menschen auf ihrer Internetseite zur Verf\u00fcgung stellt. Auf ihr wird auch \u00fcber laufende Aktivit\u00e4ten in der Gefl\u00fcchtetenhilfe informiert. (Stadt Bochum) Die Internetpr\u00e4senz selbst war eine Idee einer Engagierten und entstand durch eine Zusammenarbeit ihres Institutes mit dem Sozialamt (Stahl, 20.07.2015). Die zwei Hauptkr\u00e4fte beraten Menschen, die Interesse an einem Engagement in der Gefl\u00fcchtetenhilfe haben, telefonisch und pers\u00f6nlich und geben ihnen Tipps, an welche Stellen sie sich wenden k\u00f6nnten. Nach eigenen Aussagen ber\u00e4t die Koordinierungsstelle momentan 20-25 Interessierte pro Monat (vgl. Schriftliches Interview Koordinierungsstelle).<\/p>\n<p>Eine Vernetzung der Menschen, die bereits b\u00fcrgerschaftlich engagiert sind, leistet die Koordinierungsstelle durch die Organisation von zweimonatlichen Netzwerktreffen mit den Koordinatoren der ehrenamtlichen Fl\u00fcchtlingshilfenetzwerke. Ansonsten wird der Kontakt \u00fcber E-Mail-Verteiler hergestellt. Dies wird allerdings von einigen Engagierten als zu wenig empfunden: \u201eIch erwarte von der Stadt Bochum [\u2026] eine richtige Koordination von dem ganzen Ehrenamtlichen Engagements-Bereich, nicht nur einfach nur E-Mails weiterleiten, sondern etwas zu erg\u00e4nzen\u201c (Interview 05.08.2016: Engagierte im Netzwerk 1). Sie w\u00fcnschen sich eine bessere Unterst\u00fctzung seitens der Stadt und bessere Betreuungsangebote. Deswegen versuchen einige Gruppen, die durch sie wahrgenommenen M\u00e4ngel in der Koordination der Gefl\u00fcchtetenarbeit selbst zu beheben:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eKeine wirklich gute Struktur, auch das, was von der Stadt angeboten wird, mit der [Koordinierungsstelle]das bringt es auch nicht so wirklich. Da sind Ans\u00e4tze, aber es m\u00fcsste auch irgendwie konkreter gemacht werden. Wir \u00fcberlegen mit dem [Mitarbeiter der Stadtverwaltung] dr\u00fcber, wie man das machen kann. Wie man da irgendwie noch mehr Unterst\u00fctzung hinkriegen kann f\u00fcr die Ehrenamtlichen, dass die auch eine Anlaufstelle haben, wo sie dann nachfragen k\u00f6nnen, wo sie nachhaken k\u00f6nnen, wo sich auch die Unterst\u00fctzer und die Ehrenamtlichen eben halt auch mal selbst Unterst\u00fctzung holen k\u00f6nnen. An so was fehlt&#8217;s eigentlich[&#8230;.]\u201c<\/em> (Interview 06.10.2016: Engagierter im politischen Bereich)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Mitarbeiter der Koordinierungsstelle wissen um die Einstellung einiger Engagierter. Auf die Frage hin, welche Schwierigkeiten sie bei ihrer Arbeit zu bew\u00e4ltigen h\u00e4tten, antworteten sie: \u201eDie Erwartungen von den Ehrenamtlichen an die Kommune bzw. an die zust\u00e4ndigen Wohlfahrtsverb\u00e4nde, was die Unterst\u00fctzung u. \u00e4. anbetrifft sind oft nicht mit den Rahmenbedingungen (Personal\/Zeitaufwand\/Gesetzgebung) des jeweiligen Tr\u00e4gers umsetzbar\u201c (Schriftliches Interview Koordinierungsstelle). Um welche Erwartungen es sich konkret handelt, wurde in der Beantwortung des Fragebogens nicht ausgef\u00fchrt. Aus den gef\u00fchrten Interviews und einer gefilmten Fragerunde aus dem Jahr 2015 (vgl. Bochumschau, 04.11.2015) nach zu schlie\u00dfen, erwarten die Engagierten von der Koordinierungsstelle einen gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die Vorgehensweise der Stadtverwaltung und eine intensivere Auseinandersetzung mit den, sowie eine schnellere Reaktionszeit auf die Forderungen der einzelnen Engagierten.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Bochum hilft. Doch wer hilft Bochum?<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eAlso das Engagement ist gro\u00df. Viele Ehrenamtliche engagieren sich, wo es nicht auff\u00e4llt, die Deutschunterricht machen, die Nachhilfe geben. Also da haben wir ein ganz ganz gro\u00dfes Feld hier in Bochum, was gemacht wird. Also im Prinzip so um jede Unterkunft, die wir haben, da bildet sich eine Gruppe und aus der Gruppe heraus, ja- von unterschiedlichen Gruppierungen best\u00fcckt wird quasi, wenn die Leute\u00a0 da hinkommen, bildet sich dann im Umfeld irgendwas aus [\u2026]\u201c<\/em> (Interview 06.10.2016: Engagierter im politischen Bereich)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie in diesem Zitat beschrieben, ist Bochum voll von hilfsbereiten Menschen, die sich aktiv daf\u00fcr einsetzen wollen, die Gefl\u00fcchteten in ihrer Stadt zu unterst\u00fctzen. Etwa 20 \u2013 25 Interessierte melden sich monatlich bei der st\u00e4dtischen Koordinierungsstelle um zu helfen, dazu kommt eine unbestimmte Zahl Menschen, die durch die Netzwerkarbeit der b\u00fcrgerschaftlich Engagierten mobilisiert werden. Ihre Koordinationsarbeit mit den Mitgliedern ihrer eigenen Gruppen macht eine effektive Vernetzung auf st\u00e4dtischer Ebene erst m\u00f6glich. Verschiedenste Organisationen, Gruppierungen und Netzwerke entlasten die Stadt, indem sie einen Gro\u00dfteil der ben\u00f6tigten karitativen Hilfe leisten: \u201e[\u2026] ich glaube, dass Ehrenamt so mit das meiste auff\u00e4ngt, was einfach durch die Stadt, durch die verschiedenen Tr\u00e4ger nicht in dem Umfang geleistet werden kann\u201c (Interview 27.09.2016: Hauptamtliche in einem Stadtteilprojekt). Doch diese Entlastung der Stadt kommt nur durch eine starke und durchdachte Vernetzung und Koordination der einzelnen Einheiten zu Stande, eine Aufgabe, die momentan \u00fcberwiegend durch die Gruppen selbst geleistet wird: \u201eAlso ich finde eigentlich, dass die Ehrenamtlichen die Big Player sind, weil da so ein riesen Apparat entstanden ist, ich sehe das bei Facebook, in den verschiedensten Gruppen [\u2026]\u201c (ebd.) Aus den einzelnen Gruppen wird ein \u201eApparat\u201c, eine \u201eGesamtheit der f\u00fcr eine bestimmte Aufgabe [\u2026] ben\u00f6tigten Personen [\u2026]\u201c (<em>Duden<\/em>, 15.01.2017); aus den Teilen wird ein Ganzes, dass in Bochum ganze Arbeit leistet.<\/p>\n<p>Bochum hilft. Die Aussage ist richtig. Aber dieses stadtumspannende Geflecht der Gefl\u00fcchtetenhilfe kann auch zuk\u00fcnftig nur helfen, wenn weiterhin aktive Vernetzungs- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit betrieben wird und zwar nicht nur seitens der Engagierten, sondern durch die Stadt selbst. Die Einrichtung der Koordinierungsstelle war ein Schritt in die richtige Richtung, aber wie die Interviews zeigten, noch nicht genug. Es m\u00fcsste mehr auf die Belange der Einzelnen geachtet werden, der \u201eEinzelk\u00e4mpfer\u201c (Interview 06.10.2016: Engagierter im politischen Bereich). Auch die Autoren der Studie der Bertelsmann Stiftung sind der Meinung, dass durch die Kommunen mehr zur Unterst\u00fctzung der Engagierten getan werden kann. Sie empfehlen unter anderem \u201eausreichend Supervisions- und Qualifikationsangebote zu schaffen, [\u2026] materielle Unterst\u00fctzung [zu bieten]\u201c (<em>Hamann u.\u00a0a.<\/em>, 2016, S.\u00a055) und Vertretern der verschiedenen Hilfsinitiativen einen Platz in der zentralen Koordinierungsstelle anzubieten (<em>Hamann u.\u00a0a.<\/em>, 2016, S.\u00a034). Vor allem letzteres w\u00fcrde f\u00fcr die Koordination des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements in Bochum durchaus Sinn machen, da es den Engagierten die Chance bietet, die zentrale Koordinierung durch die Stadt aktiv selbst mitzugestalten und vielleicht auch ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Grenzen des M\u00f6glichen zu entwickeln. Eine aktivere Zusammenarbeit der Stadt mit den Engagierten kann f\u00fcr alle Beteiligten nur von Vorteil sein, denn durch mehr Interaktion und Kommunikation zwischen B\u00fcrgern und Stadt k\u00f6nnte auch in der Zukunft jede Krise bew\u00e4ltigt werden.<\/p>\n<h3>Ein Beitrag von Anna-Lena Langer<\/h3>\n<h3><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/h3>\n<p><em>Bochumschau <\/em>(04.11.2015): Fl\u00fcchtlingshilfe in Bochum &#8211; Refugees Welcome. Fragen und Antworten., http:\/\/\u200bwww.bochumschau.de\u200b\/\u200bvideo\/\u200brefugees_\u200bwelcome_\u200bschauspielhaus-bochum-2015.htm (Zugriff 2017-01-12)<\/p>\n<p><em>Bommes, Michael\/Tacke, Veronika <\/em>(2006): Das Allgemeine und das Besondere des Netzwerks, in: <em>Bettina<\/em> <em>Hollstein\/Florian<\/em> <em>Straus<\/em> (Hrsg.), Qualitative Netzwerkanalyse, 2006<\/p>\n<p><em>Duden <\/em>(15.01.2017): Duden | Ap\u00adpa\u00adrat | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Synonyme, http:\/\/\u200bwww.duden.de\u200b\/\u200brechtschreibung\/\u200bApparat (Zugriff 2017-01-15)<\/p>\n<p><em>Hamann, Ulrike u.\u00a0a. <\/em>(2016): Koordinationsmodelle und Herausforderungen ehrenamtlicher Fl\u00fcchtlingshilfe in den Kommunen: Qualitative Studie des Berliner Instituts f\u00fcr empirische Integrations- und Migrationsforschung, Berlin (Zugriff 2016-11-08)<\/p>\n<p><em>Hollstein, Bettina\/Straus, Florian<\/em> (Hrsg.) (2006): Qualitative Netzwerkanalyse: Konzepte, Methoden, Anwendungen, Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, 2006<\/p>\n<p><em>Koordinierungsstelle Bochum: <\/em>Fl\u00fcchtlingshilfe in Bochum, http:\/\/\u200bfluechtlingshilfe-bochum.de\u200b\/\u200b (Zugriff 2017-01-13)<\/p>\n<p><em>Netzwerk Wohlfahrtsstra\u00dfe: <\/em>Netzwerk Wohlfahrtstra\u00dfe &#8211; Fl\u00fcchtlingshilfe | Facebook, https:\/\/\u200bwww.facebook.com\u200b\/\u200bnetzwerkwohlfahrtstrasse (Zugriff 2017-01-13)<\/p>\n<p><em>Presseamt der Stadt Bochum: <\/em>Aktuelle Zahlen, https:\/\/\u200bwww.bochum.de\u200b\/\u200bC125708500379A31\/\u200bvwContentByKey\/\u200bW2A5A9RK432BOCMDE (Zugriff 2017-01-13)<\/p>\n<p><em>Stadt Bochum: <\/em>Bochum hilft | Fl\u00fcchtlingshilfe in Bochum: Organisationsformen, http:\/\/\u200bfluechtlingshilfe-bochum.de\u200b\/\u200bbochum-hilft\/\u200b (Zugriff 2016-07-09)<\/p>\n<p><em>Stahl, J\u00fcrgen <\/em>(20.07.2015): P\u00e4dagogin will die Fl\u00fcchtlingshilfe in Bochum vernetzen, in: Der Westen v.\u00a020.7.2015, http:\/\/\u200bwww.derwesten.de\u200b\/\u200bstaedte\/\u200bbochum\/\u200bpaedagogin-will-die-fluechtlingshilfe-in-bochum-vernetzen-id10896678.html (Zugriff 2017-01-05)<\/p>\n<p><em>Stiftung Deutsches Ehrenamt: <\/em>Vereinsgr\u00fcndung auf einen Blick | Deutsches Ehrenamt, https:\/\/\u200bdeutsches-ehrenamt.de\u200b\/\u200bverein-gruenden\/\u200bdie-vereinsgruendung\/\u200b (Zugriff 2017-01-12)<\/p>\n<p><em>Taschner, Frank: <\/em>Infoblatt Initiativkreis, Bochum, http:\/\/\u200bfluechtlingshilfe-bochum.de\u200b\/\u200bwp-content\/\u200buploads\/\u200b2015\/\u200b07\/\u200bInfoblatt-Initiativkreis.pdf (Zugriff 2016-12-23)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBochum hilft\u201c hei\u00dft es auf der Internetpr\u00e4senz der Koordinierungsstelle f\u00fcr Fl\u00fcchtlingshilfe der Stadt Bochum, und: \u201eBochum ist eine Stadt, in der Hilfsbereitschaft und Solidarit\u00e4t gro\u00df geschrieben werden\u201c. 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