{"id":75,"date":"2017-01-26T13:58:31","date_gmt":"2017-01-26T12:58:31","guid":{"rendered":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=75"},"modified":"2017-03-02T13:36:50","modified_gmt":"2017-03-02T12:36:50","slug":"studierende-schaffen-raum-fuer-begegnungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=75","title":{"rendered":"Studierende schaffen Raum f\u00fcr Begegnungen"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201e\u2026 weil man einfach mit so extrem vielen Menschen, die komplett unterschiedlich sind, in Kontakt tritt, was man im universit\u00e4ren Kontext zum Beispiel nicht hat.\u201c<\/em> (Interview am 06.10.2016: Organisatorin der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe)<a name=\"_Toc476064106\"><\/a><\/p>\n<p>Studierende gelten gemeinhin als weltoffen, engagiert und politisch. Sie sind eine gro\u00dfe, bunte und kreative Gesellschaftsgruppe, bevorzugen Gro\u00dfst\u00e4dte als Wohnorte und haben h\u00e4ufig den Anspruch am Puls der Zeit zu leben. Sie haben ein hohes Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t, w\u00e4hrend andere zwischen 8:00 und 16:30 Uhr zur Arbeit gehen m\u00fcssen. Tats\u00e4chlich ist der Anteil junger Menschen mit h\u00f6heren Bildungsabschl\u00fcssen im Engagementbereich \u00fcberdurchschnittlich hoch (BMFSFJ 2016). Auch in der aktuellen Fl\u00fcchtlingshilfe sind Studierende wichtige Akteure und leisten wesentliche Unterst\u00fctzung (Karakayali\/Kleist 2015).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im folgenden Beitrag interessiert uns, in welcher Art und Weise Studierende sich engagieren und welche Beweggr\u00fcnde sie daf\u00fcr benennen. Inwiefern ist ein Engagement im Kontext der Universit\u00e4t m\u00f6glich? Oder organisieren sich Studierende lieber eigenst\u00e4ndig?<\/p>\n<p>Wir gehen davon aus, dass Studentinnen und Studenten (1) eine flexible Zeiteinteilung haben, (2) allgemein an der Mitgestaltung bzw. der Zukunft der Gesellschaft interessiert sind und (3) die Absicht verfolgen Netzwerke aufzubauen und zu erweitern. Dar\u00fcber hinaus wird angenommen, dass sie (4) die auf sie zugeschnittenen universit\u00e4ren Engagementangebote annehmen.<\/p>\n<p>Der Beitrag bietet zun\u00e4chst einen einleitenden \u00dcberblick \u00fcber Studierende als Unterst\u00fctzer in der Fl\u00fcchtlingshilfe. Im <a href=\"#Teil 1\"><u>ersten Teil<\/u><\/a> konkretisieren wir, wie Studierende sich engagieren. Nehmen sie freiwillige T\u00e4tigkeiten auf, um ihren Lebenslauf zu erweitern? Oder sehen sie das Engagement viel mehr als ein Lernfeld f\u00fcrs Leben? Nachfolgend er\u00f6rtern wir, inwiefern engagierte Studierende zwischen den Kulturen vermitteln.<\/p>\n<p>Im <u><a href=\"#Teil 2\">zweiten Teil<\/a><\/u>\u00a0geht es um die Rolle und Funktion der Universit\u00e4ten im Kontext des studentischen Engagements: Wie f\u00f6rdern die Bildungseinrichtungen dieses und welche Unterst\u00fctzung bieten sie den Studierenden an? Zus\u00e4tzlich wird die Rolle von Facebook &amp; Co. f\u00fcr das Engagement betrachtet.<\/p>\n<h2><a id=\"Teil 1\"><\/a>Wer sind die engagierten Studierenden und was bewegt sie?<\/h2>\n<h3>Studierende als wichtige Unterst\u00fctzer in der Fl\u00fcchtlingshilfe &#8211; wen wir interviewt haben<a name=\"_Toc472287155\"><\/a><\/h3>\n<p>Durch die Forschung in den letzten zwanzig Jahren wird deutlich, dass sich \u201ePersonen mit einem abgeschlossenen Fachhochschul- oder Universit\u00e4tsstudium zu den h\u00f6chsten Anteilen\u201c (Simonsen et al. 2016: 438) engagieren. W\u00e4hrend Menschen mit einer hohen Schulbildung sich mit 52,3 Prozent engagieren, liegt der Anteil an Engagierten bei Personen mit niedriger Schulbildung mit 28,3 Prozent deutlich geringer. Des Weiteren zeigen sich deutliche Unterschiede in der Entwicklung zwischen den Jahren 1999 bis 2004 bei den verschiedenen Bildungsgruppen: W\u00e4hrend der Anteil Engagierter mit hoher Bildung um 11,9 Prozentpunkte stieg, waren es bei Menschen mit niedrigem Bildungshintergrund lediglich 3,8 Prozentpunkte (vgl. Simonsen et al. 2016: 657).<\/p>\n<p>Gerade auch in der Fl\u00fcchtlingshilfe engagieren sich Personen, welche \u201evorwiegend weiblich, gut gebildet und wirtschaftlich in einer relativ sicheren Position\u201c (Karakayali\/Kleist 2015: 4) sind. Da das Engagement h\u00e4ufig schon im Jugend- oder fr\u00fchen Erwachsenenalter beginnt, scheint es koh\u00e4rent, dass Sch\u00fclerInnen und Studierende im Ehrenamtsbereich der Fl\u00fcchtlingshilfe \u00fcberproportional aktiv sind (vgl. Simonsen et al. 2016: 72f; Karakayali\/Kleist 2015: 4).<\/p>\n<p>Studierende haben eine niedrige Schwelle ein Engagement zu beginnen, denn das soziale Umfeld von Studierenden ist meist \u00e4hnlich hoch gebildet, politisch interessiert und engagiert sich h\u00e4ufig freiwillig. Diese Aktivit\u00e4ten aus dem direkten Lebensumfeld dienen als Orientierung f\u00fcr das eigene Engagement (vgl. Schenkel 2007: 116; Enquete Kommission 2002: 289).<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch habe halt auch schon viele Freunde [und] Freundinnen, die sich engagieren, auch ehrenamtlich. Auch in der Familie [&#8230;].\u201c (Interview vom 31.10.2016: Engagierte in der Nachhilfe)<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch das studienbedingte Interesse an sozialen oder politischen Zusammenh\u00e4ngen korrespondiert mit der Motivation zum Engagement (vgl. Interview vom 31.10.2016: Engagierte in der Nachhilfe; Wenzel et al. 2012: 56). Au\u00dferdem l\u00e4sst sich vermuten, dass selbstorganisierte Studierendengruppen und -initiativen diesbez\u00fcglich einen Einfluss auf ihre Mitglieder haben, denn sie generieren eine Gruppenzugeh\u00f6rigkeit, welche die Bereitschaft ein freiwilliges Engagement aufzunehmen unterst\u00fctzen kann (vgl. Wenzel et al. 2012: 55f; Enquete Kommission 2002: 295). Dar\u00fcber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass Studierende ein Interesse an einem zus\u00e4tzlichen Erfahrungs- und Qualifikationsgewinn durch das Engagement haben, welcher f\u00fcr das sp\u00e4tere Berufsleben verwertbar ist (vgl. Interview vom 18.11.2016: ehrenamtliche Kursleiterin; Gensicke\/Geiss 2010: 148; D\u00fcx\/Sass: 2007).<\/p>\n<p>Bei Studierenden liegt demzufolge ein gro\u00dfes Engagementpotential vor, welches sich auch in unseren Interviews wiederfinden l\u00e4sst. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden insgesamt sieben (ehemalige) Studierende aus Nordrhein-Westfalen befragt, welche sich f\u00fcr Gefl\u00fcchtete engagieren. Die leitfragengest\u00fctzten Interviews fanden zwischen September und November 2016 statt und dauerten zwischen 20 und 50 Minuten. Ein Teil der Interviews kam \u00fcber pers\u00f6nliche Kontakte zustande. Zus\u00e4tzlich wurden studentische Organisationen kontaktiert, durch welche weitere engagierte Studierende f\u00fcr die Interviews gefunden werden konnten. Im Folgenden eine kurze Vorstellung der befragten Studierenden:<\/p>\n<p><strong>Studentin, Sozialwissenschaften, K\u00f6ln: <\/strong>Organisatorin eines einmal w\u00f6chentlich stattfindenden Freizeit-Treffpunkts f\u00fcr Deutsche und Gefl\u00fcchtete mit offenem Programm<\/p>\n<p><strong>Doktorandin, Rechtswissenschaften, Bochum: <\/strong>Organisatorin der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe an der Ruhr-Universit\u00e4t<\/p>\n<p><strong>Architektin, Bochum: <\/strong>freiwillig Engagierte mit eigener Fluchterfahrung, die sich in den letzten zwei Jahren ein Engagiertennetzwerk abseits ihrer Universit\u00e4t (TU Dortmund) aufgebaut hat und mit unterschiedlichen lokalen, nationalen und internationalen Organisationen zusammenarbeitet<\/p>\n<p><strong>Doktorandin, Volkswirtschaftslehre, Bochum: <\/strong>freiwillig Engagierte bei der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe der Ruhr-Universit\u00e4t; vor allem aktiv bei der w\u00f6chentlichen Sprechstunde in einer Gefl\u00fcchtetenunterkunft in Bochum<\/p>\n<p><strong>Studentin, Politikwissenschaften, M\u00fcnster: <\/strong>Nachhilfelehrerin f\u00fcr Kinder von Gefl\u00fcchteten; engagiert sich \u00fcber eine lokale Organisation mit kirchlichem Tr\u00e4ger<\/p>\n<p><strong>Studentin, Sozialwissenschaften, Bochum: <\/strong>Engagierte mit Migrationshintergrund, die \u00fcber das International Office der Ruhr-Universit\u00e4t aktiv ist sowie in einem weiteren lokalen ehrenamtlichen Verein<\/p>\n<p><strong>Studentin, Theater- und Geschichtswissenschaften, Bochum: <\/strong>freiwillig engagierte Leiterin eines Deutschkurses f\u00fcr studieninteressierte Gefl\u00fcchtete an der Ruhr-Universit\u00e4t<\/p>\n<h3>Freie Zeit ist keine Freizeit, sondern Zeit f\u00fcr Engagement<\/h3>\n<p>Zu Beginn unserer Forschung gingen wir davon aus, dass Studentinnen und Studenten eine flexiblere Zeiteinteilung haben. Theoretisch k\u00f6nnen sie sich aufgrund freier Zeitbl\u00f6cke sowie einer geringen institutionellen Einbindung (z.B. durch fehlende Anwesenheitspflicht und offene Stundenplangestaltung) unabh\u00e4ngiger engagieren als Arbeitnehmende oder Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>So berichten uns durchaus einige Befragte, dass sie sich f\u00fcr zeitintensive Aufgaben entschieden haben: es werden sowohl Sprachkursleitungen (4-8 Stunden\/Woche), bei welcher die Verantwortung f\u00fcr den Ablauf einzelner Sitzungen, als auch leitende Posten, wobei die Organisation eines ganzen Projekts \u00fcbernommen wird (10 Stunden\/Woche), angenommen. Eine weitere Befragte organisiert einen w\u00f6chentlich stattfindenden Treffpunkt (2 Stunden\/Woche) f\u00fcr etwa 20 Personen, welchen sie durch regelm\u00e4\u00dfige Ausfl\u00fcge und zus\u00e4tzliche Programme erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Andere Befragte w\u00e4hlen gezielt zeitlich abgegrenzte T\u00e4tigkeiten, welche meist durch Organisationen vermittelt werden: Zum Beipiel engagiert sich eine Befragte einmal die Woche als Nachhilfelehrerin f\u00fcr Kinder von gefl\u00fcchteten Eltern (1,5 Stunden\/Woche). Die Studentische Fl\u00fcchtlingshilfe an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum bietet ihren Engagierten an, sich zweimal im Monat f\u00fcr jeweils zwei Stunden f\u00fcr eine Sprechstunde in einem Gefl\u00fcchtetenheim zu melden. Neben informativen Ausk\u00fcnften unterst\u00fctzten sie Gefl\u00fcchtete beispielsweise beim Ausf\u00fcllen von Formularen und dem Schreiben von deutschen Texten. Au\u00dferdem k\u00f6nnen sich die Studierenden f\u00fcr einzelne Begleitungstermine melden (Anmerk. 1).<\/p>\n<p>Die Mehrheit der Befragten gibt dar\u00fcber hinaus an, auch au\u00dferhalb der festen Engagementzeiten f\u00fcr Gefl\u00fcchtete erreichbar zu sein sowie gelegentlich erg\u00e4nzende Angebote ihrer Organisationen wahrzunehmen. Das Engagement erf\u00e4hrt dadurch eine Erweiterung in die Zeitbereiche, welche \u00fcblicherweise f\u00fcr andere Freizeitbesch\u00e4ftigungen freigehalten w\u00fcrden. Mitunter umfasst das Engagement daher, wie bei der Studentin, die den Treffpunkt organisiert, durchschnittlich \u00fcber 15 Stunden pro Woche.<\/p>\n<p>Wenn das Engagement nicht \u00fcber eine Organisation oder einen festen Treffpunkt, sondern frei gestaltet wird, ist eine konkrete Zeitangabe schwierig. Die ehemalige Studentin, die wir befragt haben, sch\u00e4tzt in diesem Kontext einen w\u00f6chentlichen Aufwand in H\u00f6he von sechs bis zehn Stunden. Es k\u00f6nne jedoch vorkommen, dass sie f\u00fcr akute F\u00e4lle oder aufwendigere Reisen deutlich mehr Zeit aufwende (vgl. Interview am 30.09.2016: Engagierte mit eigenem Netzwerk).<\/p>\n<h3>F\u00fcr den Lebenslauf&#8230;<\/h3>\n<p>Die Kontakte, die gekn\u00fcpft und die Zusammenh\u00e4nge, die im Zuge des Engagements verstanden werden, sind vielf\u00e4ltig. Dass freiwilliges Engagement sachbezogene, also kognitive und organisatorische Kompetenzen erweitert, wird in der Forschung und Praxis immer wieder hervorgehoben (vgl. D\u00fcx\/Sass: 2007; Hansen 2008: 37ff). So sind die dabei erworbenen Qualifikationen auch f\u00fcr den eigenen Arbeitsmarkteinstieg der Studierenden interessant, denn informell erworbene Qualifikationen, gerne auch \u201aSoft Skills\u2018 genannt, sind nicht zu untersch\u00e4tzende Faktoren bei Bewerbungserfolgen (vgl. Gensicke\/Geiss 2010: 148ff; Enquete Kommission 2002: 295).<\/p>\n<p>Inzwischen werden zahlreiche Workshops und Weiterbildungen f\u00fcr Studierende angeboten, die das Engagement professionalisieren. Die Studentische Fl\u00fcchtlingshilfe bietet zum Beispiel \u201eFortbildungen zum Thema Asylrecht [\u2026] [und] zum Thema Umgang mit traumatisierten Fl\u00fcchtlingen\u201c (Interview am 06.10.2016: Organisatorin der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe) f\u00fcr ihre Engagierten an, welche von Experten durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Auch die Universit\u00e4ten selbst institutionalisieren das eigentlich freiwillige Engagement, indem sie beispielsweise das Leiten eines Deutschkurses als Berufsfeldpraktikum im Optionalbereich anrechnen (vgl. Interview am 18.11.2016: freiwillig engagierte Kursleiterin; Anmerk. 2) Au\u00dferdem wurde es der ehemaligen Jurastudentin mithilfe von Drittmitteln der Fakult\u00e4t erm\u00f6glicht, die Organisation der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe an der Ruhr-Universit\u00e4t von einer vormals freiwilligen T\u00e4tigkeit zu einem Nebenjob mit zehn Wochenstunden auszubauen (vgl. Interview am 06.10.2016: Organisatorin der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe).<\/p>\n<p>In den Interviews wurde deutlich, dass das freiwillige Engagement durchaus als eine Art Vorbereitung f\u00fcr das sp\u00e4tere Berufsleben angesehen wird. So wird einerseits das erworbene Wissen als wertvolle Ressource f\u00fcr den eigenen beruflichen Werdegang angesehen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch m\u00f6chte halt auch in diesem Bereich verst\u00e4rkt arbeiten und forschen, sodass ich auch praktisch beruflich so einen relativ guten \u00dcberblick auf der Arbeit [\u2026] haben [m\u00f6chte], [\u2026] was f\u00fcr Initiativen und Ansprechpartner vorhanden sind.\u201c (Interview am 20.10.2016: Engagierte in der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe)<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-77\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-1-300x198.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-1-300x198.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-1-768x508.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-1-624x413.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-1.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\u2026 oder ein Lernfeld f\u00fcrs Leben?<\/h3>\n<p>Es w\u00e4re jedoch zu kurz gegriffen, die Motive von Studierenden auf den Qualifikationserwerb f\u00fcr den eignen Werdegang zu reduzieren. Vielmehr herrscht h\u00e4ufig auch Interesse an Erfahrungen anderer Art vor, was wir hier als \u201aLernen f\u00fcrs Leben\u2018 bezeichnen. Im Sinne der Enquete Kommission zur Zukunft des b\u00fcrgerlichen Engagements sei das b\u00fcrgerschaftliche Engagement ein Lernfeld, wobei die Qualifikation eher als \u201eEffekt\u201c denn als Weiterbildung verstanden werden solle (vgl. Enquete Kommission 2002: 280f).<\/p>\n<p>Der Austausch mit multikulturellen Gruppen und Personenkreisen h\u00e4lt f\u00fcr die Studierenden einen anderen Blickwinkel auf die aktuellen Problemlagen bereit, zum Beispiel vor Ort bei den Asylverfahren, aber auch in Syrien oder Eritrea. Die Kursleiterin findet es gut, \u201ehalt einen ganz anderen Zugang zu Informationen und Geschichten\u201c (Interview vom 18.11.2016: freiwillig engagierte Kursleiterin) zu haben, da man durch die nationale Presse nicht immer vollst\u00e4ndig \u00fcber die Geschehnisse in Kriegsregionen informiert werden k\u00f6nne. Die sich dadurch vollziehende Reflektion \u00fcber politische und soziale Zusammenh\u00e4nge f\u00fchrt nicht selten dazu, dass die Studierenden sich kritisch \u00e4u\u00dfern:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDann finde ich es auch verkehrt, zu sagen, Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge vor allen Dingen, halt aus afrikanischen L\u00e4ndern, haben kein Recht auf Asyl. Wo man sich dann irgendwie auch mal \u00fcberlegen muss, welche Rolle spielen wir denn dabei.\u201c (Interview am 26.09.2016: Engagierte des Treffpunkts)<\/p><\/blockquote>\n<p>Einige der Befragten dr\u00fccken auch ihre Best\u00fcrzung \u00fcber die Situation in den Gefl\u00fcchtetenunterk\u00fcnften aus. W\u00e4hrend ihres Engagement sind sie zu Besuch in Heimen, Containern oder Wohnungen und realisieren durch den Einblick in den Gefl\u00fcchtetenalltag ihre Privilegien, z.B. das eigene WG-Zimmer, in welches man sich zur\u00fcckziehen kann (vgl. Interview vom 31.10.2016: Engagierte in der Nachhilfe). Eine andere Befragte spricht von Dankbarkeit f\u00fcr das eigene Leben und dass sie \u201egeerdet [wird], einfach durch die Menschen, die man da kennenlernt.\u201c (Interview am 18.11.2018: freiwillig engagierte Kursleiterin) Die Arbeit in der Fl\u00fcchtlingshilfe f\u00fchre dazu, dass sie \u201eetwas lockerer und flexibler geworden, spontaner\u201c (vgl. Interview am 06.10.2016: Organisatorin der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe) sei, berichtet eine weitere Interviewte.<\/p>\n<p>Dass Studierende an der Mitgestaltung bzw. der Zukunft der Gesellschaft interessiert sind, war eine unserer Hypothesen (vgl. Karakayali\/Kleist 2015: 6). Durch die Interviews konnten wir feststellen, dass diese Motivation zwei Dimensionen hat: Zum einen sehen sie die gesellschaftliche Aufgabe, Erg\u00e4nzungen zum staatlichen Angebot zu schaffen (z.B. Sprachkurse, Begleitung), zum anderen m\u00f6chten die Studierenden den Gefl\u00fcchteten eine Teilhabe an der deutschen Gesellschaft anbieten:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd deswegen habe ich dann gedacht, ich will das eigentlich gar nicht so schulisch machen, sondern [&#8230;] quasi so einen Raum der Begegnung schaffen, einfach eine Plattform \u00fcber die man sich treffen kann, \u00fcber die man Leute kennenlernen kann, damit sich das Ganze ein bisschen mischt, weil das ist auch super wichtig.\u201c (Interview am 26.09.2016: Engagierte des Treffpunkts)<\/p><\/blockquote>\n<p>Den Treffpunkt anbieten zu k\u00f6nnen, bedeutet der Studentin viel. Sie h\u00e4tte dadurch eine sinnstiftende T\u00e4tigkeit gefunden, in welcher sie im Vergleich zum Studium oder im Nebenjob aufgehe (vgl. ebd). Der Kontakt zwischen den Mitgliedern sei inzwischen sehr gut und gehe auch \u00fcber die Treffen hinaus: \u201eMan sieht auch wie diese Gruppe zusammenw\u00e4chst, wie jeder ein Verantwortungsgef\u00fchl f\u00fcr die anderen irgendwie hat [\u2026]\u201c (ebd.). Aus dem Engagement ziehen somit auch die Gefl\u00fcchteten positive Erfahrungen und Motivation, welche sich vice versa auch wieder auf die Engagierten \u00fcbertragt (vgl. Schenkel 2007: 117). So empfiehlt die Kursleiterin \u201esich in dem Bereich zu engagieren, weil man [\u2026] in seiner gesamten Lehrert\u00e4tigkeit nie wieder so motivierte, nette und freundliche Sch\u00fcler haben [wird] wie eben in Fl\u00fcchtlingssprachkursen.\u201c<\/p>\n<p>Im diesem Sinne kann das Engagement als ein informeller Lernort verstanden werden, in welchem die Studierenden \u201eKompetenzen pers\u00f6nlichkeitsbildender, sozialer und politischer, aber auch fachlicher Art\u201c (D\u00fcx\/Sass 2007: 18) gewinnen. Die Verantwortungs\u00fcbernahme f\u00fcr sich selbst und andere kann nicht gelehrt, sondern muss erfahren werden (vgl. Schenkel 2007: 111): Engagierte \u201elernen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen\u201c (Enquete Kommission 2002: 280) und binden die vielf\u00e4ltigen Eindr\u00fccke ganz individuell in ihren Alltag ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"_Toc472287159\"><\/a>Engagierte Studierende als Vermittler zwischen den Kulturen<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie effektiv und nachhaltig das Engagement Einzelner sein kann, wird deutlich am folgenden Beispiel: Eine bereits berufst\u00e4tige junge Frau mit eigener Fluchterfahrung, die sich w\u00e4hrend ihres Studiums vor allem f\u00fcr ihre vom IS betroffene Heimatregion einsetzte, berichtet \u201e[&#8230;], dass die Kontakte, die ich jetzt habe, ich habe ja auch in wirklich jeder Organisation [\u2026] Vertrauenspersonen drin, wo ich jetzt rund um die Uhr da anrufen kann. Auch Leute, die im Ausland sind.\u201c (Interview am 30.09.2016: Engagierte mit eigenem Netzwerk; Anmerk. 3)<\/p>\n<p>Dieses gut funktionierende Netzwerk bestehe aus alten und neuen Kontakten und f\u00fchre dazu, dass sie nach Deutschland geflohenen Personen gezielt Unterst\u00fctzung anbieten k\u00f6nne: So leite sie F\u00e4lle mit besonderem Handlungsbedarf an erfahrene Organisationen weiter oder vermittle zwischen deutschen Institutionen und den Gefl\u00fcchteten. Zus\u00e4tzlich erf\u00fchre die ehemalige Studentin immer recht z\u00fcgig von neuen Problemlagen oder Bed\u00fcrfnissen derjenigen aus ihrer Heimatregion. Mithilfe ihres Netzwerkes kann sie inzwischen schnell Hilfe vor Ort anfordern bzw. unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen von Deutschland aus antreiben (z.B. den Transport von Hilfs- und Versorgungsg\u00fcter). Durch ihr Engagement schafft sie demnach ein Bewusstsein f\u00fcr spezielle kulturelle Besonderheiten und Bed\u00fcrfnisse von Personen aus ihrer Heimatregion (vgl. Interview am 30.09.2016: Engagierte mit eigenem Netzwerk).<\/p>\n<p>Studierende k\u00f6nnen, so wie alle Engagierten in der Fl\u00fcchtlingshilfe, \u201eals Meinungsmultiplikator eine aufkl\u00e4rende Rolle in der Gesellschaft [\u2026] \u00fcbernehmen\u201c (Han-Broich 2015: 46). Die interkulturellen und demokratischen Kompetenzen, welche sie durch ihr Engagement gewonnen haben, f\u00fchren dazu, dass sie gegen\u00fcber fremden Personen offener sind (vgl. Schenkel 2007: 111). Indem sie Erfahrungen mit anderen Kulturkreisen machen, deren Besonderheiten selbst erleben und diese Wahrnehmungen reflektieren, wird das \u201aFremde\u2018 Teil ihres Alltags:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd es ist auch total spannend, weil sich v\u00f6llig neue Kulturkreise dadurch erschlie\u00dfen und man einfach direkteren Kontakt hat zu interkulturellen Erfahrungen und Austausch und ganz viele spannende Sachen erf\u00e4hrt.\u201c (Interview am 18.11.2018: freiwillig engagierte Kursleiterin)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Organisatorin des Treffpunkts f\u00fcr Gefl\u00fcchtete und Deutsche, zum Beispiel, hat Interesse daran, ihre Einstellungen zu den Gefl\u00fcchteten in ihrem sozialen Umfeld zu verbreiten. Denn durch den Anspruch, \u201e[d]ass sie sich f\u00fcr die Schicksale interessieren, dass sie sich f\u00fcr Politik interessieren\u201c (Interview am 26.09.2016: Engagierte des Treffpunkts) sowie den Wunsch, dass sich die Kulturkreise mischen, generiere sie immer wieder Engagement aus ihrem Bekanntenkreis f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingshilfe (vgl. ebd.). Indem sich immer \u00f6fter kleine Netzwerke untereinander vermischen und gemeinsame Kooperationen gestalten, werden mehr und mehr Personen aus unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen involviert (vgl. Granovetter 1973).<\/p>\n<p>Begegnungen lassen aus Fremden Freunde werden. Diesen Aspekt nannten fast alle unsere Befragten und mit diesem Anspruch gestalten sie auch ihr Engagement. Integration sei nur m\u00f6glich, wo auch interpersoneller Austausch stattfindet, denn durch den Kontakt zu Deutschen erlenen die Gefl\u00fcchteten \u201eSprache, Verhalten, Normen, Werte und Er\u00adwartungen der aufnehmenden Gesellschaft kennen.\u201c (Han-Broich 2015: 46) Im Zuge dessen f\u00e4llt es ihnen leichter, sich kognitiv-kulturell sowie sozial zu integrieren (vgl. Han-Broich 2015: 46; Enquete Kommission 2002: 290). So fordert eine Befragte, Gefl\u00fcchtete \u201e[..] mehr involvieren, ja, nicht nur willkommen hei\u00dfen, sondern auch [\u2026] engagieren [zu] lassen.\u201c (Interview am 11.11.2016: Engagierte mit Migrationserfahrung)<\/p>\n<p>Diese integrative Gesinnung f\u00fchrt dazu, dass Studierende eine vermittelnde Rolle zwischen der Aufnahmegesellschaft und den Gefl\u00fcchteten einnehmen. Durch die Motivation, Freunde und Familie Teil ihres Engagements werden zu lassen, tragen sie demnach auch zur Aktivierung von neuen Engagierten bei (vgl. Enquete Kommission 2002: 289; Han-Broich 2015: 47). In diesem Kontext nehmen die Befragten gerne die Funktion eines Vorbildes ein:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch mein, wenn man jemanden als Vorbild hat und sagt, bei dem funktioniert das ja auch gut und irgendwie zieht er da auch selber positive Sachen raus, dann guck ich doch vielleicht auch mal in die Richtung.\u201c (Interview am 06.10.2016: Organisatorin der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe)<\/p><\/blockquote>\n<h2><a id=\"Teil 2\"><\/a>Institutionelle Unterst\u00fctzung des studentischen Engagements<\/h2>\n<h3>Wie Universit\u00e4ten das Engagement f\u00f6rdern<\/h3>\n<p>Da der konkrete Forschungsgegenstand unserer Arbeit die Universit\u00e4t sowie deren Studierenden bilden, folgt nun eine genaue Betrachtung der M\u00f6glichkeiten des Engagements im universit\u00e4ren Kontext. Hierbei richtet sich der Fokus demnach darauf, inwiefern die Universit\u00e4t au\u00dferhalb der von ihnen gewohnten Aufgaben Unterst\u00fctzung bietet und somit die Soft Skills in Form eines freiwilligen Engagements vorantreibt \u2013 sei es mithilfe von Informationsveranstaltungen \u00fcber M\u00f6glichkeiten, sich zu engagieren, eigens gegr\u00fcndeten Organisationen oder sonstigen Hilfestellungen.<\/p>\n<p>Die qualitativ durchgef\u00fchrten Interviews spiegeln hier ein vielf\u00e4ltiges Meinungsbild der Befragten dar\u00fcber wider, wie unterschiedlich die M\u00f6glichkeiten sind, im universit\u00e4ren Kontext in der Fl\u00fcchtlingshilfe aktiv zu werden. So macht beispielsweise ein Interview mit einer Engagierten der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln den Anschein, dass ihr die Universit\u00e4t keine konkreten M\u00f6glichkeiten aufzeige, sich \u00fcber diese zu engagieren. Ihr Engagement entstand aus eigenem Antrieb, wodurch ein \u201eRaum der Begegnung\u201c (Interview am 26.09.2016: Engagierte des Treffpunkts) geschaffen werden konnte. Auf die Frage, ob die Universit\u00e4t eine Rolle dabei gespielt h\u00e4tte, antwortet die Interviewte mit den klaren Worten \u201eNe, gar nicht.\u201c (ebd.).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Universit\u00e4t zu K\u00f6ln entsteht noch mal ein anderer Eindruck, wenn man sich nicht nur auf die Aussagen der Interviewten beschr\u00e4nkt, sondern zus\u00e4tzlich die Internetpr\u00e4senz betrachtet. Denn hier werden verschiedene M\u00f6glichkeiten des Engagements aufgelistet. Zudem wird zum Spenden f\u00fcr die universit\u00e4tseigene Stiftung aufgerufen. Hier scheint die F\u00f6rderung von Engagement von hoher Bedeutung zu sein, schlie\u00dflich wurden viele Bereiche geschaffen, in denen die Studierenden t\u00e4tig werden k\u00f6nnen, wie beispielsweise beim Vermitteln der Sprache, beim Unterst\u00fctzen von Wissenschaftlern oder auch von Kindern und Jugendlichen (vgl. Universit\u00e4t zu K\u00f6ln).<\/p>\n<p>In dem Interview mit einer Engagierten, welche selber Fluchterfahrungen gemacht hat und ohne eine konkrete Organisation t\u00e4tig ist, jedoch mit vielen verschiedenen kooperiert, wird zudem die TU Dortmund und deren Angebote thematisiert. Die Interviewte kann &#8211; vermutlich auch dadurch, dass sie ihr Studium bereits abgeschlossen hat &#8211; nicht eindeutig sagen, inwiefern man sich im universit\u00e4ren Kontext engagieren kann. Dass sie \u201edavon nichts geh\u00f6rt [hat]\u201c (Interview am 30.09.2016: Engagierte mit eigenem Netzwerk) l\u00e4sst vermuten, dass zumindest kein so gro\u00dfes Spektrum geschaffen worden ist.<\/p>\n<p>Beim Hinzuziehen von Informationen aus dem Internet wird jedoch deutlich, dass die in Dortmund ans\u00e4ssige Universit\u00e4t keineswegs unt\u00e4tig bleibt. Allerdings sollte differenziert werden, um welche Art von Engagement seitens der Universit\u00e4ten es sich handelt: Werden Plattformen f\u00fcr Studierende, oder direkt Angebote f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten geschaffen? Im Falle der TU Dortmund scheint letzteres zuzutreffen. \u00dcber Studierendeninitiativen speziell f\u00fcr Gefl\u00fcchtete l\u00e4sst sich im Internet nichts finden, jedoch erkennt auch die TU, dass auf die politische Situation reagiert werden sollte. Dies geschieht in Dortmund dadurch, dass Gefl\u00fcchtete kostenlos in die Vorlesungen hinein schnuppern d\u00fcrfen. Um ein Gasth\u00f6rer zu sein, werden die Schwellen so niedrig gesetzt wie m\u00f6glich, schlie\u00dflich m\u00fcssen keine Voraussetzungen hierf\u00fcr erf\u00fcllt werden. Ein besonderes Programm, welches die TU au\u00dferdem geschaffen hat, nennt sich \u201eOpen Courses\u201c und richtet sich an ganze Familien. Inhalt dieses Programms sind neben einer Kinder-Uni \u00f6ffentliche Vortr\u00e4ge zu verschiedensten F\u00e4chern (vgl. P\u00f6ting 2015).<\/p>\n<p>Wiederum anders sehen die M\u00f6glichkeiten des Engagements bei der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum aus. Eine der Interviewpartnerinnen ist mithilfe der studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe t\u00e4tig geworden, obwohl sie selber nicht an dieser Universit\u00e4t studiert. Dennoch hat sie hier die M\u00f6glichkeit, ihr Engagement miteinbringen zu k\u00f6nnen, da dieses trotz des universit\u00e4ren Kontextes nicht auf Studierende beschr\u00e4nkt wurde. Auf die Frage, wieso die Befragte sich f\u00fcr die Studentische Fl\u00fcchtlingshilfe entschieden hat, spricht sie die m\u00f6glichen T\u00e4tigkeitsfelder an: Es werden auf der Internetseite \u201egenau die Sachen aufgelistet\u201c (Interview am 20.10.2016: Engagierte in der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe), die sie sich f\u00fcr ihr Engagement vorstellen k\u00f6nne. So ist der Internetseite der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe ganz klar zu entnehmen, in welchen Situationen im Alltag die Studierenden helfen k\u00f6nnen: Beim Ausf\u00fcllen von Formularen, bei \u00dcbersetzungsarbeiten und bei der Kommunikation mit Deutschen, wie beispielsweise mit \u00c4rzten oder Beh\u00f6rden (vgl. Studentische Fl\u00fcchtlingshilfe der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum).<\/p>\n<p>Eine weitere Befragte antwortet auf die Frage sehr \u00e4hnlich: Dass \u201eder gro\u00dfe Teil von dem, was [sie macht] durch die Universit\u00e4t\u201c (Interview am 11.11.2016: Engagierte mit Migrationserfahrung) geschieht, verdeutlicht, wie essenziell die M\u00f6glichkeit ist, sich mithilfe dieser Institution zu engagieren. Auch in diesem Beispiel werden die universit\u00e4ren Angebote f\u00fcr ehrenamtliche T\u00e4tigkeiten gerne und offensichtlich auch viel genutzt. Dass die Befragte hervorhebt, dass ihre \u201eUni ganz viel [macht]\u201c (ebd.), verdeutlicht noch einmal, dass im Falle der Ruhr-Universit\u00e4t ein vielseitiger und einfacher Zugang zum Ehrenamt geschaffen worden ist. Eine andere Befragte der Ruhr-Universit\u00e4t f\u00fchrt dort Sprachkurse durch und betont die Rolle der Universit\u00e4t im Kontext ihres Engagements. Die Universit\u00e4t ist f\u00fcr sie \u201eein ganz wesentlicher Partner\u201c (Interview am 18.11.2016: freiwillig engagierte Kursleiterin) ihres Engagements, der ihr mit Rat zur Seite steht.<\/p>\n<p>Aus Sicht der Interviewten, die bei einer langj\u00e4hrig verwurzelten Organisation mit kirchlichem Tr\u00e4ger in M\u00fcnster t\u00e4tig ist und Nachhilfeunterricht gibt, hat die Universit\u00e4t keine Anreize f\u00fcr ihr Engagement geschaffen. Ihre Aussage \u201eAber selbst die Uni ist ja [\u2026] hier in M\u00fcnster zumindest recht wenig pr\u00e4sent, was halt eben die Fl\u00fcchtlinge und auch die Arbeit mit Fl\u00fcchtlingen angeht\u201c (Interview am 31.10.2016: Engagierte in der Nachhilfe) zeigt, dass die Universit\u00e4t ihren Studierenden mehr Antrieb zum Engagement geben k\u00f6nnte. Jedoch stellt die Studentin infrage, inwiefern es \u00fcberhaupt n\u00f6tig sei, sich im universit\u00e4ren Kontext zu engagieren: Auf die Frage, was sie sich von ihrer Universit\u00e4t in Bezug auf ein erm\u00f6glichtes studentisches Engagement w\u00fcnscht, fragt sie, ob es die Rolle der Universit\u00e4t sei, beispielsweise st\u00e4rker zu informieren (ebd.).<\/p>\n<p>Ein Blick auf die Internetseite der M\u00fcnsteraner Universit\u00e4t verschafft noch mal ein anderes Bild dar\u00fcber, wie engagiert diese wirklich ist. Die Westf\u00e4lische Wilhelms-Universit\u00e4t setzt sich aktiv f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge ein, wobei der Fokus weniger darauf liegt, Studierende zum Engagement zu ermutigen. Vielmehr werden mithilfe der Universit\u00e4tsgesellschaft Gelder akquiriert, um die Sprachf\u00f6rderung voranzubringen (vgl. Westf\u00e4lische Wilhelms-Universit\u00e4t). Zudem wird unter dem Stichwort \u201eHochschulgruppen\u201c auf \u201eFl\u00fcchtlinge Willkommen M\u00fcnster\u201c und weitere Gruppen verwiesen, die sich engagieren (vgl. ebd.). Mit dem Verweis auf diese engagierten Gruppen sowie die Universit\u00e4tsgesellschaft wird deutlich, dass die Universit\u00e4t in M\u00fcnster keineswegs desinteressiert an den aktuellen Debatten und Geschehnissen ist, jedoch auf anderem Wege als die Ruhr-Universit\u00e4t Bochum damit umgeht. Letztere scheint sich st\u00e4rker daf\u00fcr einzusetzen, Studierende zum Engagement zu bewegen und hierf\u00fcr neue M\u00f6glichkeiten ins Leben zu rufen.<\/p>\n<p>Mithilfe dieser Antworten wird der Kontrast zwischen den Universit\u00e4ten deutlich. Dass die Ruhr-Universit\u00e4t Bochum so schnell und vielseitig auf den Bedarf des Engagements reagiert, zeigt, dass sie dem Geist der Zeit folgt und auf den gesellschaftlichen Wandel angemessen zu reagieren scheint. Hiermit ist nicht nur den Gefl\u00fcchteten geholfen sowie denjenigen, die Freude daran haben in der Gesellschaft etwas zu bewegen, sondern ebenfalls der Universit\u00e4t selber. Schlie\u00dflich ist sie es, die Jahre sp\u00e4ter noch davon profitieren kann, Gefl\u00fcchtete insbesondere mithilfe von Sprachkursen unterst\u00fctzt zu haben, um sie bestenfalls durch ein Studium an die Institution zu binden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-80\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-2-300x221.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"221\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-2-300x221.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-2-768x566.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-2-624x460.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/studentisches-Engagement-Bild-2.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><a name=\"_Toc472287161\"><\/a>Und wie unterst\u00fctzt die Uni euch so?<\/h3>\n<p>Im Gegensatz zu der vorherigen Frage zielt diese weniger darauf ab, ob die Universit\u00e4t \u00fcberhaupt Anreize zum Engagement schafft, sondern wie die Unterst\u00fctzung aussieht, wenn generell Angebote f\u00fcr Studierende geschaffen wurden. Einige der Interviews verschaffen hierzu einen guten Eindruck, da konkrete unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen genannt worden sind.<\/p>\n<p>Eine der Befragten, welche ein professionelles Netzwerk an der Ruhr-Universit\u00e4t geschaffen hat und ihr Engagement somit zum Nebenjob machen konnte, nennt einige unterst\u00fctzende Faktoren: so hei\u00dft es, dass die Juristische Fakult\u00e4t die Druckkosten \u00fcbern\u00e4hme und der AStA F\u00f6rdermittel bereitstelle, mit denen Fortbildungen finanziert werden k\u00f6nnen. Die Interviewte erg\u00e4nzt, dass \u201edie Uni [uns] vor allem mit der Werbung [unterst\u00fctzt]\u201c (Interview am 06.10.2016: Organisatorin der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe). Die finanzielle Unterst\u00fctzung durch die Universit\u00e4t wird ebenfalls von einer anderen Befragten betont, welche sich \u00fcber die Studentische Fl\u00fcchtlingshilfe der Ruhr-Universit\u00e4t engagiert. Diese haben \u201eauch wirklich von der Uni viele Mittel bekommen [\u2026], beispielsweise eben Laptops.\u201c (Interview am 20.10.2016: Engagierte in der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe) Trotz der Tatsache, dass die Organisation nicht an die Uni gebunden ist, sondern eigenst\u00e4ndig t\u00e4tig ist, stellt die Ruhr-Universit\u00e4t offensichtlich insbesondere im Hinblick auf den finanziellen Aspekt einen wichtigen Partner dar. Des Weiteren w\u00fcrde die Organisation finanziell von der Stadt unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Bei einer anderen Studentin, die sich ebenfalls mithilfe der Ruhr-Universit\u00e4t engagiert, beinhaltet die Hilfe nicht nur finanzielle Mittel, sondern vielmehr eine wichtige Anlaufstelle bei Problemen oder Unklarheiten jeglicher Art. So sagt sie, die Universit\u00e4t \u201eist nat\u00fcrlich auch immer ein wichtiger Ansprechpartner bei Fragen.\u201c (Interview am 18.11.2016: freiwillig engagierte Kursleiterin) Gerade dieser Aspekt ermutigt vermutlich viele Studierende, die sich vorstellen k\u00f6nnen, aktiv zu werde, dass auch in die Tat umzusetzen.<\/p>\n<p>Da ein Engagement nicht bei allen Interviewten im universit\u00e4ren Kontext m\u00f6glich ist, f\u00e4llt dieses erfreuliche Urteil \u00fcber die unterst\u00fctzenden Ma\u00dfnahmen der Universit\u00e4ten nicht durchweg so positiv aus. Jedoch wird deutlich, dass jene Universit\u00e4ten, die ein Engagement erm\u00f6glichen, auch eine wichtige Hilfestellung bieten \u2013 sei es aufgrund der finanziellen Mittel, welche stets einen hohen Stellenwert darstellen, um effektiv arbeiten zu k\u00f6nnen, oder als Ansprechpartner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a name=\"_Toc472287162\"><\/a>Die Rolle von Facebook &amp; Co.<\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Dass die sozialen Netzwerke f\u00fcr die Organisation der Engagierten untereinander sehr wichtig sind, war kaum anders zu erwarten und best\u00e4tigt sich auch in einigen der Interviews. So ist f\u00fcr die Studentische Fl\u00fcchtlingshilfe an der Ruhr-Universit\u00e4t Facebook von elementarer Bedeutung, weil dar\u00fcber einzelne Aufgaben, wie beispielsweise das Begleiten zu Beh\u00f6rden, geregelt werden (vgl. Interview am 20.10.2016: Engagierte in der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe). Zudem wird Moodle, eine Onlineplattform der Ruhr-Universit\u00e4t, genannt. Eine Interviewte sagt, dass es \u201eda einen Haufen Informationen\u201c (ebd.) g\u00e4be, die dazu dienen, den Engagierten einen \u00dcberblick \u00fcber alle Ansprechpartner und deren T\u00e4tigkeiten zu geben.<\/p>\n<p>Plattformen wie Moodle oder auch Facebook stellen f\u00fcr die Vereinbarung gemeinsamer Treffen oder f\u00fcr die Strukturierung von Aufgabenbereichen schnelle M\u00f6glichkeiten dar, um diese zu kommunizieren und festzulegen. Es kristallisierte sich jedoch heraus, dass die Onlinekommunikation pers\u00f6nliche Treffen nicht ersetzen k\u00f6nnen und diese wichtig sind, um sich auszutauschen. Vor allem der Kontakt zu anderen Organisationen sei wichtig, um sich \u201egegenseitig auf dem Laufenden [zu halten]\u201c (Interview am 26.09.2016: Engagierte des Treffpunkts). Deshalb betont eine der Interviewten auch die Bedeutung der \u201eregelm\u00e4\u00dfige[n] Netzwerktreffen\u201c (Interview am 06.10.2016: Organisatorin der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe), bei denen die Engagierten ihre Erfahrungen und Gedanken teilen k\u00f6nnen. Da die Schicksale der Gefl\u00fcchteten jedem Einzelnen sehr nahegehen kann, ist ein pers\u00f6nlicher Austausch mit anderen weiterhin wichtig.<\/p>\n<p>Die Studentin, die den Treffpunkt f\u00fcr Gefl\u00fcchtete und Deutsche organisiert, betrachtet die \u00fcberwiegende Nutzung der sozialen Medien kritisch. Ihr Angebot wird n\u00e4mlich vor allem durch pers\u00f6nliche Kontakte und Freunde getragen, welche immer mal wieder neue Interessierte mitbringen. Sie res\u00fcmiert, \u201edass es ganz oft am besten ist, wenn man pers\u00f6nlich in Kontakt tritt. Dass was am meisten zieht, das, was die Leute h\u00e4lt und bindet, das sind pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che.\u201c (Interview am 26.09.2016: Engagierte des Treffpunkts)<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc472287164\"><\/a>Res\u00fcmee und Ausblick<\/h2>\n<p>Anhand unserer Interviews l\u00e4sst sich zusammenfassend festhalten, dass Studierende wichtige Akteure in der Fl\u00fcchtlingshilfe in Nordrhein-Westfalen sind. Durch ihr regelm\u00e4\u00dfiges Engagement, welches sich auf verschiedene Bereiche ausdehnt, bieten sie eine wertvolle Unterst\u00fctzung bei der Aufnahme und Integration von Gefl\u00fcchteten sowie der Entlastung \u00f6ffentlicher Einrichtungen. F\u00fcr die im NOMOS Verlag erschienene Schriftenreihe \u201eMigration &amp; Integration\u201c leistet diese Erkenntnis einen wichtigen Beitrag zur Betrachtung relevanter Komponenten bei der Integration Gefl\u00fcchteter. Schlie\u00dflich sind es neben den politischen Rahmenbedingungen auch bestimmte Personengruppen, wie in diesem Falle Studierende, die mitbewirken, dass Neuank\u00f6mmlinge ein gutes Leben in der neuen Heimat beginnen k\u00f6nnen. Die qualitative Forschung \u00fcber engagierte Studierende im Bereich der Gefl\u00fcchtetenarbeit tr\u00e4gt dazu bei, eine individuelle Einsicht in diese zu erhalten und zu erfahren, wodurch sie Erleichterung erf\u00e4hrt, aber auch wo es noch Verbesserungsbedarf gibt. Des Weiteren konnte die Universit\u00e4t als eine wichtige &#8218;Organisation&#8216; in diesem Bereich identifiziert werden, die ihre Studierenden sowohl monet\u00e4r als auch pers\u00f6nlich unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Zudem sollte hervorgehoben werden, dass das Engagement f\u00fcr Studierende &#8211; \u00e4hnlich wie bei anderen Engagiertengruppen auch \u2013 \u201eLern- und Erfahrungsr\u00e4ume\u201c (Schenkel 2007: 111) bereith\u00e4lt, in welchem vielseitige Kompetenzen erlernt und zahlreiche Erfahrungen gewonnen werden k\u00f6nnen: Neben dem Erwerb neuen Wissens, haben sie die M\u00f6glichkeiten sowohl berufliche als auch pers\u00f6nliche Netzwerke auszubauen. Dar\u00fcber hinaus wird durch das Engagement eine Plattform bereitgestellt, um die Gesellschaft zu gestalten. Durch den interkulturellen Austausch lernen die Studierenden unter anderem auch eine weitere Perspektive auf die sogenannte \u201aFl\u00fcchtlingskrise\u2018 kennen, n\u00e4mlich die der Gefl\u00fcchteten selbst. In diesem Kontext sagen einige unserer Befragten, dass sie kritischer geworden w\u00e4ren: Einerseits w\u00fcrden sie die politischen Entscheidungen st\u00e4rker hinterfragen, andererseits erwecke dies in ihnen ein Verantwortungsgef\u00fchl gegen\u00fcber der Zukunft der deutschen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Im Jahre 2002 hielt die Enquete Kommission zur Zukunft des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements noch fest: \u201eAls Lernorte f\u00fcr [\u2026] Engagement haben [die Universit\u00e4ten] nur einen geringen Stellenwert.\u201c (Enquete Kommission 2002: 295). Insofern forderte die Kommission deutsche Universit\u00e4ten dazu auf, sich systematisch diesem Thema anzunehmen \u201eund die eigenen M\u00f6glichkeiten zur Herausbildung und Bef\u00f6rderung b\u00fcrgerschaftlicher Dispositionen und Kompetenzen [zu] pr\u00fcfen\u201c (ebd.). Vor diesem Hintergrund scheint es den hier beleuchteten Universit\u00e4ten gelungen zu sein eine \u201eEngagements- und Anerkennungskultur\u201c zu etablieren und das freiwillige Engagement in den Universit\u00e4tsalltag zu integrieren (vgl. ebd.). Insbesondere die studentischen Organisationen auf dem Campus spielen dabei eine gro\u00dfe und bedeutende Rolle. Betont sei weiterhin, dass sich die Universit\u00e4ten den Herausforderungen im Kontext der sogenannten \u201aFl\u00fcchtlingskrise\u2018 gestellt und sich ganz im Sinne der Enquete Kommission fortentwickelt haben.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus scheint die Ruhr-Universit\u00e4t Bochum zu erkennen, dass beispielsweise gefl\u00fcchtete Syrer in wenigen Jahren deren Studierendenklientel sein k\u00f6nnten. Dass Universit\u00e4ten sich damit profilieren k\u00f6nnen, Gefl\u00fcchteten zu unterst\u00fctzen, muss m\u00f6glichenfalls an einigen Standorten noch erkannt werden. Jedoch darf selbstverst\u00e4ndlich nicht vergessen bleiben, dass dies auch immer eine Frage der Kapazit\u00e4ten von R\u00e4umen und Personal ist.<\/p>\n<p>Dass Studierende tatkr\u00e4ftige Akteure in der Fl\u00fcchtlingshilfe sind, war nicht anders zu erwarten. Ihr Potential wird seitens der Organisationen und Vereine abgerufen sowie von den (Bildungs)Institutionen gezielt gef\u00f6rdert. Damit kann allerdings auch eine klare Anforderung formuliert werden: Auch Menschen mit einem niedrigen Bildungsgrad sollten zu einem Engagement motiviert werden. Auf einer Rede anl\u00e4sslich des \u201eEurop\u00e4ischen Jahres der Freiwilligent\u00e4tigkeit 2011\u201c sagte der damalige Bundespr\u00e4sident Christian Wulff einmal, b\u00fcrgerschaftliches Engagement \u201eh\u00e4lt unsere Gemeinschaft zusammen.\u201c (Wulff 2011) Dies kann jedoch nur realisiert werden, wenn sich Menschen aus m\u00f6glichst allen Bildungsschichten engagieren. Deshalb ist es zwar einerseits spannend zu sehen, inwiefern Personen aus der h\u00f6heren Bildungsschicht unterst\u00fctzt werden, andererseits ist es auch wichtig zu betonen, dass die Menschen niedrigerer Bildungsschichten ebenfalls die n\u00f6tige Hilfestellung hierf\u00fcr erhalten sollten (vgl. Schenkel 2007).<\/p>\n<p>Gerade deshalb sollte das eigene Engagement immer mal wieder Thema in Gespr\u00e4chen mit Freunden, aber auch Fremden sein. Denn je mehr dar\u00fcber gesprochen wird, desto deutlicher wird, welche positiven Erfahrungen man dadurch sammeln kann. Eine unserer Befragten formulierte es schlie\u00dflich so:<\/p>\n<p>\u201e[\u2026] wenn mehr Studenten, wenn mehr Menschen in Deutschland sich engagieren, dann [sagen] sie im Endeffekt [\u2026]: Warum k\u00f6nnen sie [Anmerk.: die Gefl\u00fcchteten] nicht hierbleiben?\u201c (Interview am 11.11.2016: Engagierte mit Migrationserfahrung)<\/p>\n<h3>Ein Beitrag von Anncharlott Nienhuys und Dorthe Flothmann<\/h3>\n<h2><a name=\"_Toc472287165\"><\/a>Anmerkungen<\/h2>\n<p>1 Auf Nachfrage bez\u00fcglich einer Evaluation der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum berichtet die Organisatorin, dass das Engagement in letzter Zeit nachgelassen h\u00e4tte. Sowohl neue als auch l\u00e4nger Engagierte w\u00fcrden sich seltener f\u00fcr die Termine in den Gefl\u00fcchtetenheimen melden. Durch die Evaluation, welche eine sehr schwache R\u00fcckmeldung hatte, konnte festgestellt werden, dass diese teilnehmenden Studierenden aktuell weniger freie Zeit f\u00fcr das Engagement h\u00e4tten, sich aber weiterhin daf\u00fcr interessieren und sich nach M\u00f6glichkeit wieder regelm\u00e4\u00dfiger f\u00fcr die Termine melden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>2 Der Optionalbereich wird von der Ruhr-Universit\u00e4t folgenderma\u00dfen beschrieben: \u201eDer Optionalbereich vermittelt Kompetenzen, die sowohl f\u00fcr eine wissenschaftliche T\u00e4tigkeit als auch f\u00fcr den au\u00dferuniversit\u00e4ren Arbeitsmarkt qualifizieren. Die weitgehende Wahlfreiheit dient der pers\u00f6nlichen Profilbildung, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Internationalisierung. Zum Modulangebot geh\u00f6ren u.a. Fremdsprachen, Pr\u00e4sentations- und Kommunikationsangebote, Informationstechnologien, interdisziplin\u00e4re Module und Einblicke in andere F\u00e4cher sowie schul- und unterrichtsbezogene Module f\u00fcr angehende Lehrerinnen und Lehrer.\u201c (Ruhr-Universit\u00e4t Bochum 2017)<\/p>\n<p>3 Die Engagierte mit eigenem Netzwerk arbeitet vor allem mit folgenden Organisationen zusammen:<\/p>\n<ul>\n<li>Diakonie Ruhr gGmbH<\/li>\n<li>Amnesty International Essen<\/li>\n<li>C.Y.C.I \u2013 The Liberation of Christian and Yazidi Children of Iraq<\/li>\n<li>Unicef Bremen<\/li>\n<li>Studentische Fl\u00fcchtlingshilfe der RUB<\/li>\n<li>jesidischen Gemeinden sowie dem Zentralrat der Jesiden in Deutschland<\/li>\n<\/ul>\n<h2><a name=\"_Toc472287166\"><\/a>Quellenverzeichnis<\/h2>\n<p>Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2016): Immer mehr Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Aktuelle Meldung vom 14.04.2016. Online-Resource: <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/aktuelles\/alle-meldungen\/immer-mehr-menschen-engagieren-sich-ehrenamtlich\/109030?view=DEFAULT\">https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/aktuelles\/alle-meldungen\/immer-mehr-menschen-engagieren-sich-ehrenamtlich\/109030?view=DEFAULT<\/a>; Aufruf am 20.11.2016.<\/p>\n<p>D\u00fcx, Wiebken und Sass, Erich (2007): Kompetenzerwerb Jugendlicher durch ein freiwilliges Engagement in ZEP : Zeitschrift f\u00fcr internationale Bildungsforschung und Entwicklungsp\u00e4dagogik 30 (2007) 4, S. 17-22.<\/p>\n<p>Enquete Kommission des Deutschen Bundestags (2002): Enquete-Kommission &#8222;Zukunft des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements&#8220;. Bericht: B\u00fcrgerschaftliches Engagement: auf dem Weg in eine zukunftsf\u00e4hige B\u00fcrgergesellschaft. Opladen: Leske +Budrich.<\/p>\n<p>Gensincke, Thomas und Geiss, Sabine (2010): Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009. Zivilgesellschaft, soziales Kapital und freiwilliges Engagement in Deutschland 1999-2004-2009. M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Granovetter, Mark S. (1973): The Strength of Weak Ties. American Journal of Sociology, Vol. 78, Issue 6. Chicago: University of Chicago Press. S. 1360-1980.<\/p>\n<p>Han-Broich, Misun (2015): Engagement in der Fl\u00fcchtlingshilfe \u2013 eine erfolgsversprechende Integrationshilfe. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (2015): Engagement. 14-15\/2015. S. 43-48.<\/p>\n<p>Hansen, Stefan (2008): Lernen durch freiwilliges Engagement. Eine empirische Studie zu Lernprozessen in Vereinen. Wiesbaden: VS.<\/p>\n<p>Karakayali, Serhat und Kleist, Olaf (2015): EFA-Studie. Strukturen und Motive der ehrenamtlichen Fl\u00fcchtlingsarbeit (EFA) in Deutschland. 1. Forschungsbericht. Ergebnisse einer expolaritven Umfrage vom November\/Dezember 2014. Berliner Institut for empirische<\/p>\n<p>P\u00f6ting, Inga (2015): Fl\u00fcchtlinge: Students Welcome! Online Ressource: <a href=\"http:\/\/www.coolibri.de\/redaktion\/kultur\/1015\/fluechtlinge-studieren-universitaet-ruhrgebiet.html\">http:\/\/www.coolibri.de\/redaktion\/kultur\/1015\/fluechtlinge-studieren-universitaet-ruhrgebiet.html<\/a> ; Aufruf am 24.01.2017.<\/p>\n<p>Ruhr-Universit\u00e4t Bochum: Optionalbereich. Online-Resource: <a href=\"http:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/optionalbereich\">http:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/optionalbereich<\/a> ; Aufruf am 14.01.2017.<\/p>\n<p>Ruhr-Universit\u00e4t Bochum: Studentische Fl\u00fcchtlingshilfe. Online-Ressource: <a href=\"http:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/sfh\/Projekt.html\">http:\/\/www.ruhr-uni-bochum.de\/sfh\/Projekt.html<\/a> ; Aufruf am 20.01.2017.<\/p>\n<p>Schenkel, Martin (2007): Engagement macht kompetent &#8211; Zivilgesellschaft und informelle Bildung. In Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen (2007): B\u00fcrgergesellschaft. Wunsch und Wirklichkeit. Heft 2\/Jahrgang 20. Stuttgart: Lucius&amp;Lucius. S. 111-125<\/p>\n<p>Simonson, Julia et al. (2016): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Deutsches Zentrum f\u00fcr Altersfragen (DZA).<\/p>\n<p>Universit\u00e4t zu K\u00f6ln: Initiativen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Online-Ressource: <a href=\"http:\/\/international.uni-koeln.de\/11171.html\">http:\/\/international.uni-koeln.de\/11171.html<\/a> ; Aufruf am 20.01.2017<\/p>\n<p>Wenzel et al. (2012): Motivation und Haltekraft im Ehrenamt. Die Bedeutung von Organisationsmerkmalen f\u00fcr Engagement, Wohlbefinden und Verbleib in Freiwilliger Feuerwehr und THW. Freiburg: Centaurus.<\/p>\n<p>Westf\u00e4lische Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster: Hochschulgruppen an der Uni M\u00fcnster. Online-Ressource: <a href=\"http:\/\/www.uni-muenster.de\/leben\/hsgruppen.html\">http:\/\/www.uni-muenster.de\/leben\/hsgruppen.html<\/a> ; Aufruf am 20.01.2017.<\/p>\n<p>Westf\u00e4lische Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster: Universit\u00e4tsgesellschaften hilft Fl\u00fcchtlingen. Online-Ressource: <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/news\/view.php?cmdid=8158\">https:\/\/www.uni-muenster.de\/news\/view.php?cmdid=8158<\/a> ; Aufruf am 20.01.2017.<\/p>\n<p>Wulff, Christian (2011): \u201eFestakt anl\u00e4sslich des \u201aEurop\u00e4ischen Jahres der Freiwilligent\u00e4tigkeit 2011\u2018\u201c. Online-Resource:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Christian-Wulff\/Reden\/2011\/06\/110614-Jahr-der-Freiwilligentaetigkeit.html\">http:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Christian-Wulff\/Reden\/2011\/06\/110614-Jahr-der-Freiwilligentaetigkeit.html<\/a>; Aufruf am 10.01.2016.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026 weil man einfach mit so extrem vielen Menschen, die komplett unterschiedlich sind, in Kontakt tritt, was man im universit\u00e4ren Kontext zum Beispiel nicht hat.\u201c (Interview am 06.10.2016: Organisatorin der Studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe) Studierende gelten gemeinhin als weltoffen, engagiert und politisch. Sie sind eine gro\u00dfe, bunte und kreative Gesellschaftsgruppe, bevorzugen Gro\u00dfst\u00e4dte als Wohnorte und haben h\u00e4ufig [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[33,54,34,35,73,30,46],"class_list":["post-75","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-studentisches-engagement","tag-botschafter","tag-entgrenzung-engagement-und-privatleben","tag-motive","tag-social-media","tag-universitaet","tag-vernetzung","tag-wissensgewinn"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=75"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":279,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75\/revisions\/279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=75"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=75"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=75"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}