{"id":524,"date":"2018-10-17T18:58:49","date_gmt":"2018-10-17T16:58:49","guid":{"rendered":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=524"},"modified":"2018-10-17T19:00:29","modified_gmt":"2018-10-17T17:00:29","slug":"buergerschaftliches-engagement-in-der-arbeitsmarktintegration-der-gefluechteten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=524","title":{"rendered":"B\u00fcrgerschaftliches Engagement in der Arbeitsmarktintegration der Gefl\u00fcchteten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/echo360.rub.de:8443\/ess\/portal\/section\/17583c32-412a-46fe-809d-fee924b5d8f3\">Link zum Video\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Im folgenden Essay soll die Frage, welche Rolle sich b\u00fcrgerlich engagierte Menschen bei der Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten zuschreiben, erarbeitet werden.<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die Auswahl dieser Fragestellung und dieses Themenbereiches liegt darin, dass das b\u00fcrgerschaftliche Engagement in der Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten als Entlastung staatlicher Aufgabenspektren seit langem kritisch diskutiert wird, da die Gefahr gesehen wird, dass b\u00fcrgerschaftlich Engagierte als L\u00fcckenb\u00fc\u00dfer*Innen dienen, indem sie T\u00e4tigkeiten \u00fcbernehmen, die der Staat nicht bereit ist zu leisten (vgl. Gottschalk\/Zajak 2018:10).<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> Der historische Kontext ist zudem dahingehend relevant, da durch die seit 2015 nach Deutschland kommenden \u201eFl\u00fcchtlinge\u201c eine kurzfristig starke, jedoch langfristig abflachende Unterst\u00fctzung durch ehrenamtlich T\u00e4tige zur Entlastung der anfallenden Aufgaben zu verzeichnen ist.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Akteure im Zusammenhang der Integration von Gefl\u00fcchteten in Deutschland sind neben dem Bund, welcher f\u00fcr die Festlegung des Rechtsrahmens der Integration verantwortlich ist, den Bundesl\u00e4ndern, welche f\u00fcr die konkreten Umsetzungen zust\u00e4ndig sind, und den Kommunen, welche gro\u00dfe Ermessensfreiheit haben (vgl. OECD 2017:25) <a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> die b\u00fcrgerschaftlich Engagierten.<\/p>\n<p>Laut dem OECD unterst\u00fctzt die Bundesagentur die Asylbewerber und Fl\u00fcchtlinge bei der Arbeitssuche und der Erh\u00f6hung ihrer beruflichen Kompetenzen. Sie sind teilweise auch f\u00fcr die Arbeitsmarktintegration w\u00e4hrend des Asylverfahrens zust\u00e4ndig (OECD 2017:25).\u00a0 Jedoch welche Rolle spielen in diesen Prozeduren die b\u00fcrgerlich Engagierten?<\/p>\n<p>Die Freiwilligen spielen ganz klar eine zentrale Rolle bei der Unterst\u00fctzung von Gefl\u00fcchteten im Rahmen der Orientierung und Integration auf dem Arbeitsmarkt. Obwohl die bisherigen Untersuchungen zur Freiwilligenarbeit mit Gefl\u00fcchteten das Thema Arbeitsmarktintegration kaum erfassen, ist zu beobachten, dass es neben den Regelstrukturen im Bereich der Arbeitsmarktintegration zahlreiche ehrenamtliche Initiativen und berufsspezifische Mentoring-Programme gibt (vgl. Ziegler 2017:5).<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Die inhaltliche Gliederung des Essays ist wie folgt:<\/p>\n<p>In einem ersten Teil sollen die <a href=\"#T\u00e4tigkeitsfelder\"><em>T\u00e4tigkeitsfelder des Bundes im Rahmen der Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten<\/em><\/a> erl\u00e4utert werden. Hierzu sind einige T\u00e4tigkeitsbereiche, die in die Aufgabenfelder des Bundes fallen, um die Gefl\u00fcchteten in den Arbeitsmarkt zu integrieren, zu schildern. In einem zweiten Teil sollen die <em><a href=\"#Teil 2\">T\u00e4tigkeitsfelder der ehrenamtlichen B\u00fcrger zur Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten\u00a0<\/a><\/em>erl\u00e4utert werden<em>. <\/em>Diese umfassen die <em>Zusammenarbeit der b\u00fcrgerschaftlich Engagierten mit den Beh\u00f6rden<\/em> einerseits und die <em>Zusammenarbeit mit den Unternehmen<\/em> andererseits. Au\u00dferdem werden die <em>Vermittlung von Kultur<\/em> als Aufgabenfeld und die <em>Vermittlung von Sprache beleuchtet<\/em>. Somit sollen die Schnittpunkte oder ggf. L\u00fccken herausgearbeitet werden.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt werden die auf einer Literaturrecherche basierenden Befunde dieses Beitrags durch Erkenntnisse, welche sich aus der Analyse\u00a0 &#8211; des im Rahmen dieses Forschungsprojektes gef\u00fchrten qualitativen Interviews mit einem Ehrenamtlichen aus dem Soli-Fl\u00fcchtlingsfond Ennepetal &#8211; ergeben.<\/p>\n<p>Wichtig ist hervorzuheben, dass die auf dieses Interview basierende Ergebnisse keinesfalls einen repr\u00e4sentativen Anspruch erheben, da es sich um ein Fallbeispiel handelt. Die Befragung erfolgte mittels eines leitfadengest\u00fctzten episodischen Interviews.<\/p>\n<h2><strong><a id=\"T\u00e4tigkeitsfelder\"><\/a>Teil 1 &#8211; <\/strong><strong>die T\u00e4tigkeitsfelder des Bundes zur Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten <\/strong><\/h2>\n<p>Die F\u00f6rderpolitik des Bundes zur Arbeitsmarktintegration Asylsuchender konzentriert sich haupts\u00e4chlich auf den Zugang von Fl\u00fcchtlingen zu Sprachkursen, die Anerkennung ausl\u00e4ndischer Berufsabschl\u00fcsse und den Einsatz der Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik (vgl. Aum\u00fcller 2016:20). Die Ma\u00dfnahmen, um die Gefl\u00fcchteten in den Arbeitsmarkt zu integrieren sind seitens des Bundes folgende:<\/p>\n<p>Sprachkurse \u2013 ein erster Schritt Richtung Arbeitswelt (?!)<\/p>\n<p>Sprachkenntnisse sind eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr die Integration in den Arbeitsmarkt. Der BAMF koordinierte kostenlose Integrationskurse, welche 600 Stunden Sprachkurse und 60 Stunden Orientierungskurse umfassen, f\u00fcr Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive und f\u00fcr schutzberechtigte Fl\u00fcchtlinge (Aum\u00fcller 2016:21).<\/p>\n<p>Die Hauptaufgabe des BAMF besteht haupts\u00e4chlich in der Durchf\u00fchrung des Asylverfahrens. Dabei spielt die Arbeitsmarkttauglichkeit von Asylsuchenden erstmal keine Rolle. Das BAMF sieht sich jedoch verst\u00e4rkt in der Funktion, die Hindernisse, die einer Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit im Weg stehen, fr\u00fchzeitig auszur\u00e4umen und diese schnellstm\u00f6glich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aus diesem Grund besch\u00e4ftigt sich eine Arbeitsgruppe vom BAMF und der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit gesondert mit der Prozessgestaltung der Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen.(Aum\u00fcller 2016:22). <a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a><\/p>\n<p>Leichte Anerkennung der Berufsabschl\u00fcsse &#8211; Schneller in den Arbeitsmarkt!<\/p>\n<p>Es werden diverse Ma\u00dfnahmen entwickelt, um die im Herkunftsland erworbenen Berufsqualifikationen als gleichwertig mit den entsprechenden Referenzberufen in Deutschland anzuerkennen. Jeder Asylbewerber und Gefl\u00fcchtete hat dabei unabh\u00e4ngig vom Aufenthaltsstatus das Recht auf ein formales Anerkennungsverfahren. Meistens hat aber nur eine Minderheit der Gefl\u00fcchteten eine formale Berufsbildung erworben, sodass unterschiedliche Musterverfahren entwickelt werden, um auch ohne formale Ausbildung und ohne schriftlichen Qualifikationsnachweis die M\u00f6glichkeit zu erhalten, Kenntnisse und Fertigkeiten f\u00fcr die Aus\u00fcbung wesentlicher beruflicher T\u00e4tigkeiten nachzuweisen. So werden beispielweise Projekte wie das \u201ePrototyping Transfer\u201c vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung gef\u00f6rdert, um eine individuell konzipierte Kompetenzfeststellung bekannt zu machen (Aum\u00fcller 2016:22).<\/p>\n<p>Das tut der Bund \u2013 Einige Angebote der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit<\/p>\n<p>Ma\u00dfnahmen einer aktiven Arbeitsmarktpolitik liegen haupts\u00e4chlich in der Zust\u00e4ndigkeit der Arbeitsagenturen und der kommunalen Jobcenter. Gefl\u00fcchtete haben grunds\u00e4tzlichen Anspruch auf eine Arbeits- und Berufsberatung durch die Arbeitsagenturen (vgl. Aum\u00fcller 2016:23).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat die Bundesagentur verschiedene zielgruppenspezifische Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge entwickelt, die sogenannten \u201eFl\u00fcchtlingsintegrationsma\u00dfnahmen\u201c (FIM). Das Ziel ist es, den Gefl\u00fcchteten erste Erfahrungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu bieten. Diese k\u00f6nnen jedoch keine regul\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse ersetzen, sondern sind nur Zus\u00e4tze zu den bereits von den regul\u00e4ren Arbeitskr\u00e4ften durchgef\u00fchrten Arbeiten. Hierf\u00fcr muss die Bundesagentur jedes Mal \u00fcberpr\u00fcfen, ob diese Bedingung erf\u00fcllt ist. Im Gegenzug erhalten die Teilnehmer, Aufwandsentsch\u00e4digungen f\u00fcr die Verwaltungsarbeiten. Wichtig ist, dass die Teilnehmer keine offenen Stellen besetzen d\u00fcrfen. Die Arbeitsgelegenheiten k\u00f6nnen eine Dauer von bis zu sechs Monaten und einen Umfang von bis zu 30 Wochenstunden haben, sodass in Vollzeit t\u00e4tige Asylbewerber eine Pauschale von h\u00f6chstens 96 Euro monatlich zus\u00e4tzlich zu den Sozialleistungen erhalten k\u00f6nnen. Die Teilnahme kann vorgeschrieben werden. Eine Verweigerung der Teilnahme kann zur einer K\u00fcrzung der Sozialleistungen f\u00fchren. Interessant ist, dass bei den Fl\u00fcchtlingsintegrationsma\u00dfnahmen im Vergleich zu dem seit 1993 geltenden System die Pflicht besteht, dass der Ma\u00dfnahmentr\u00e4ger auf die Evaluierung der F\u00e4higkeiten und Kenntnisse der Asylbewerber R\u00fccksicht nehmen muss (vgl. OECD 2017:59).<\/p>\n<p>Weitere Projektentwicklungen sind beispielsweise das Projekt \u201ePerspektiven f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge\u201c, welche Gefl\u00fcchteten einen fr\u00fchzeitigen Zugang zum Arbeitsmarkt erm\u00f6glichen sollen. Mit den Modulen \u201eProfiling und Vermittlung\u201c sollen arbeitsmarktrelevante Informationen, berufspraktische Kompetenzfeststellung in Unternehmen, Bewerbungstraining sowie die Unterst\u00fctzung bei der Arbeitsplatzsuche realisiert werden. \u00c4hnliche Projekte werden auch f\u00fcr Jugendliche konzipiert. Dabei geht es neben der Ausbildungs- und Arbeitsmarktorientierung, um die Orientierung in Bezug auf schulische Bildung und Studium (Aum\u00fcller 2016:23).<\/p>\n<p>Zu den gro\u00dfen Herausforderungen der Arbeitsagenturen z\u00e4hlt es jedoch, die notwendige interkulturelle und aufenthaltsrechtliche Kompetenz f\u00fcr die Betreuung und Vermittlung von Fl\u00fcchtlingen zu erwerben. Obwohl zus\u00e4tzliche Vermittlungsstellen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge eingerichtet wurden, sind viel mehr spezialisierte Fachpersonalkr\u00e4fte und spezialisierte Angebote in den Arbeitsagenturen unumg\u00e4nglich (vgl. Aum\u00fcller 2016:24).<\/p>\n<h2><strong><a id=\"Teil 2\"><\/a>TEIL 2 &#8211; T\u00e4tigkeitsfelder der ehrenamtlichen B\u00fcrger bei der Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten<\/strong><\/h2>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, spielen ehrenamtlich Engagierte eine gro\u00dfe Rolle bei der Erleichterung der Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten. Die Bereitstellung von Leistungen zur F\u00f6rderung von Integration sind wichtige Bestandteile im deutschen Integrationskontext. Sie engagieren sich n\u00e4mlich dort, wo staatliche Ma\u00dfnahmen nicht ausreichend genug t\u00e4tig sind oder nicht schnell genug eingearbeitet werden k\u00f6nnen. Am h\u00e4ufigsten hat das Engagement dazu beigetragen, Engp\u00e4ssen bei den Sprachkursen entgegenzuwirken (OECD 2017:65).<\/p>\n<p>Auch unser Interviewpartner Bruno, der ehrenamtlich beim Soli Fl\u00fcchtlingsfond in Ennepetal aktiv ist, \u00a0verdeutlicht zu Beginn des Interviews, dass der Soli Fl\u00fcchtlingsfond als Zusatzunterst\u00fctzung zu den staatlichen Leistungen dienen soll.<\/p>\n<blockquote><p>\u201e [Ich] bin 2015 in die Fl\u00fcchtlingsarbeit eingestiegen, weil hier im Ort Ennepetal, das liegt bei Hagen praktisch \u00fcber Nacht 150 Fl\u00fcchtlinge aus aller Herrenl\u00e4nder der Stadt zugewiesen wurden. Die waren dann in einer Sporthalle untergebracht und die Stadt war relativ kooperativ und auch kreativ. Sie hat schnell eine dezentrale Unterbringung f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten organisiert und <strong>wir haben im Grunde die Stadt dabei unterst\u00fctzt<\/strong>. Wir haben dann mit einigen Bekannten auch mit evangelischen Pfarrern den Soli-Fl\u00fcchtlingsfond Ennepetal gegr\u00fcndet. [&#8230;] Freundlicherweise gibt es auch hier in Ennepetal Unternehmen, die uns unterst\u00fctzen, oder die Kirchengemeinden durch Kollekten, sodass wir also immer dann, wenn die <strong>Stadt finanziell an ihre Grenzen kommt was die Unterst\u00fctzung von Gefl\u00fcchteten angeht, dass wir dann zus\u00e4tzlich eingreifen k\u00f6nnen. Wir sind sozusagen eine sehr beliebte Telefonnummer bei der Stadt Ennepetal<\/strong>.\u201c (Video 1_ 1:39 Min)<\/p><\/blockquote>\n<p>Au\u00dferdem best\u00e4tigt Bruno auch, dass durch das Erlernen der Sprache gro\u00dfe H\u00fcrden \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen, die so zur Arbeitsmarktintegration f\u00fchren, denn Bruno sagt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eBeruflich T\u00e4tigsein hei\u00dft Sprache erlernen.\u201c (Video 3_ 1:39 Min)<\/p>\n<p>\u201eDas was uns bisschen bekannt gemacht hat, ist unsere Fahrradwerkstatt. [..] Wir haben von den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern mal in einer \u00f6ffentlichen Aktion darum gebeten, dass sie uns gebrauchte oder nicht mehr gebrauchte Fahrr\u00e4der anbieten und wir sie abholen und dann haben wir eine Werkstatt aus Ennepetal das ist eine st\u00e4dtische Einrichtung und da reparieren wir mit Gefl\u00fcchteten Fahrr\u00e4der also sie k\u00f6nnen sich Fahrr\u00e4der aussuchen und da muss mal was dran geschraubt werden und da helfen die dann mit. Learning by doing. Also sie fragen ;was ist denn das\u2018? Oder \u201aKann ich\u00a0 dieses Ger\u00e4t haben?\u2018 Also eine Zange oder ein Schraubenschl\u00fcssel. Und dann lernen sie das.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Es wird deutlich, dass die b\u00fcrgerschaftlich Engagierten eben nicht nur traditionelle, konkrete Sprachkurse in diesem Fall anbieten, sondern durch kleine Projekte wie die Fahrradwerkstatt die Sprache vermitteln.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem erfolgte laut einer Umfrage der OECD bei \u00fcber 40% der Arbeitgebern, die Gefl\u00fcchtete eingestellt hatten, die Kontaktaufnahme \u00fcber zivilgesellschaftliche Initiativen. B\u00fcrgerschaftlich Engagierte k\u00f6nnen staatlich gef\u00f6rderte Integrationsma\u00dfnahmen in dem Sinne nicht ersetzen, dennoch ist die Unterst\u00fctzung bei der Arbeitssuche von Fl\u00fcchtlingen von entscheidender Bedeutung, denn Sie k\u00f6nnen beispielsweise bei Bewerbungsverfahren helfen oder ihre eigenen Netzwerke nutzen, um die Gefl\u00fcchteten mit Arbeitgebern in Kontakt zu bringen (vgl. OECD 2017:65)<\/p>\n<p>Betreuungen dieser Art k\u00f6nnen au\u00dferdem f\u00fcr Gefl\u00fcchtete, die vom Arbeitsmarkt weit entfernt sind, wie beispielsweise weibliche Gefl\u00fcchtete mit wenig oder gar keiner Berufserfahrung in ihrem Herkunftsland, besonders hilfreich sein. Au\u00dferdem kann eben durch die unterst\u00fctzende Betreuung die Kultur viel mehr vermittelt werden (vgl. OECD 2017:66).<\/p>\n<p>Festzustellen ist, dass in Deutschland viele Mentoring-Programme entstanden sind, die sich \u00fcberwiegend darauf konzentrieren, Neuank\u00f6mmlinge bei Alltagsaktivit\u00e4ten, Sprachkursen und Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen zu unterst\u00fctzen. \u00a0Mentoring Programme, die konkret darauf abzielen, Gefl\u00fcchteten bei der Arbeitssuche zu helfen, sind jedoch relativ selten und von begrenztem Umfang (vgl. OECD 2017:66).<\/p>\n<p>Laut Bruno geschieht jedoch die Arbeitsmarktintegration w\u00e4hrend den ganzen Handlungen und Unterst\u00fctzungen, da dies das oberste Ziel aller ist.<\/p>\n<blockquote><p>\u201e[In der Arbeitsmarktintegration] da sind wir eigentlich alle aktiv, weil das ist das oberste Ziel: die Integration. Also nachdem Grundkurse in den Sprachen praktisch \u00fcberw\u00e4ltigt worden sind, geht es darum: Wie kriegen wir die Leute in Besch\u00e4ftigung vielleicht sogar auch in Ausbildung? Aber da muss man sagen sind wir auch etwas ern\u00fcchtert.\u00a0 Das ist ein hartes Brot.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Zudem werden aus den Worten Brunos das Zusammenspiel des Staates und der ehrenamtlich Engagierten deutlich, da die Sprachkurse, die vom Bund angeboten werden, Voraussetzungen f\u00fcr die Kommunikation der Ehrenamtler und der Gefl\u00fcchteten sind.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit der Ehrenamtler im Vergleich zu staatlichen Beh\u00f6rden ist auch, dass sie meistens einen pers\u00f6nlichen Zugang zu gefl\u00fcchteten Menschen haben. Der pers\u00f6nliche Kontakt kann eher von Gleichheit und gegenseitigem Respekt gepr\u00e4gt sein und den negativen Erfahrungen, die mit den Beh\u00f6rden auch gemacht werden k\u00f6nnen, entgegenwirken. Somit wird eine Voraussetzung geschaffen, dass Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, sich hier willkommen f\u00fchlen und einleben k\u00f6nnen.(vgl. Linnert 18:8) <a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a><\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnser Staat w\u00fcrde zusammenbrechen, wenn es nicht die Ehrenamtliche Freiwillige Arbeit von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern g\u00e4be. Also ohne B\u00fcrgerengagement w\u00fcrde unser Staat glaube ich nicht funktionieren. Weil es ist ein anderes Denken, ob ich als Verwaltungsmensch und Beamter eine Sache angehe. Die m\u00fcssen viel mehr darauf achten. Es darf nichts passieren. Die haben ihre Vorschriften, die sind auch sinnvoll. Wir sind freier. Wir k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch kreativer sein.\u00a0 Also ich f\u00fchle mich nicht ausgenutzt. Also ich kann das ja jeden Tag begrenzen. Ich k\u00f6nnte morgens sagen ich mach das nicht mehr. Will ich aber gar nicht und es ist notwendig, dass es dieses Engagement gibt.\u00a0 [\u2026] Und ich mache die Erfahrung auch in dem Kreis der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, [\u2026] viele machen die Erfahrung: mein Leben ist auch wichtiger geworden. [\u2026] In Beziehung leben, ist wichtiger als haben!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend Bruno all den T\u00e4tigkeiten nachgeht, verdeutlicht er ganz klar, dass er sich keineswegs als eine Art L\u00fcckenf\u00fcller sieht, da er in all dem was er tut immer selber entscheiden kann, wieviel Aufwand und Arbeit er in die T\u00e4tigkeit investieren m\u00f6chte. Abgesehen davon, ist er als Ehrenamtlicher viel kreativer in der Gestaltung der T\u00e4tigkeiten und empfindet, wie viele seiner ehrenamtlichen Bekanntschaften, das Engagement als sinnstiftende T\u00e4tigkeit. F\u00fcr ihn, ist n\u00e4mlich das \u201ein Beziehung leben, wichtiger als das Haben.\u201c<\/p>\n<h2>Handlungsstrategien<\/h2>\n<p>Folgende Handlungsempfehlungen bzw. \u2013erwartungen lassen sich entnehmen:<\/p>\n<ul>\n<li>Zur Erleichterung der Prozeduren ist der Wunsch nach einem Einwanderungsgesetz deutlich erkennbar.<\/li>\n<li>Die Gefl\u00fcchteten sind in jeder Hinsicht eine Bereicherung f\u00fcr den Facharbeitermarkt in Deutschland. Die Frage stellt sich, warum es so hohe H\u00fcrden bei Leuten (Facharbeitern) gibt, die man braucht. Der Wunsch von Reduktion der H\u00fcrden f\u00fcr Arbeitskr\u00e4fte, sodass der Arbeitsmarktzugang erleichtert wird, ist ebenso w\u00fcnschenswert.<\/li>\n<li>Aufgrund der gro\u00dfen Unterschiede zwischen den Kulturen w\u00e4re auch eine gr\u00f6\u00dfere Anstrengung zur Integration von weiblichen Gefl\u00fcchteten ein besonderer Wunsch.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Fazit:<\/h2>\n<p>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die aus Not entstandenen ehrenamtlichen Initiativen aufgrund des seit 2015 verzeichneten Zustroms von Fl\u00fcchtlingen notwendig waren. Unser b\u00fcrgerschaftlich Engagierter versteht sich jedoch keineswegs als L\u00fcckenf\u00fcller. Ehrenamtlich Engagierte ersetzen nicht die staatlichen Integrationsma\u00dfnahmen, sondern sie sehen sich als Erg\u00e4nzung dieser.\u00a0 Durch den Freiraum, den die T\u00e4tigkeit bietet, und der wahrgenommenen Sinnstiftung wird eine ganz andere Ebene von unserem Ehrenamtler wahrgenommen. Insbesondere werden \u00a0T\u00e4tigkeitsbereiche \u00fcbernommen, die der Staat aufgrund seiner rechtlichen Rahmenbedingungen schwer wahrnehmen kann. Das Zwischenmenschliche und Soziale, das Vertrautsein mit einer neuen Umgebung, das Verst\u00e4ndnis Fremden gegen\u00fcber ist haupts\u00e4chlich auf der Mensch-zu-Mensch Ebene und nicht Mensch-Institutionen Ebene zu schaffen. So erg\u00e4nzt sich das b\u00fcrgerschaftliche Engagement in der Gefl\u00fcchtetenhilfe mit den Pflichten und Rechten des Staates und tr\u00e4gt somit zur Diversit\u00e4t einer Gesellschaft bei.<\/p>\n<h3>Ein Beitrag von G\u00f6zde Usta<\/h3>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Gottschalk, I., Zajak, S. (2018): Gefl\u00fcchtetenengagement in Deutschland: Konturen eines neuen Engagementfelds. In: Fl\u00fcchtlingshilfe als neues Engagementfeld. Chancen und Herausforderungen des Engagements f\u00fcr Gefl\u00fcchtete. Baden-Baden: Nomos Verlag. (S. 7-22)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> OECD (2017): Nach der Flucht, der Weg in die Arbeit \u2013 Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen in Deutschland; <a href=\"http:\/\/www.bmas.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/PDF-Pressemitteilungen\/2017\/oecd-studie-arbeitsmarktintegration-fluechtlinge.pdf;jsessionid=C5B015D01AA5DA444593247B3E4DC173?__blob=publicationFile&amp;v=3\">http:\/\/www.bmas.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/PDF-Pressemitteilungen\/2017\/oecd-studie-arbeitsmarktintegration-fluechtlinge.pdf;jsessionid=C5B015D01AA5DA444593247B3E4DC173?__blob=publicationFile&amp;v=3<\/a>; 09.08.18)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Ziegler, Janine \/ Lange, Miguel Montero (2017): Ehrenamtliche Arbeit im Bereich der Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten; https:\/\/www.netzwerk-iq.de\/fileadmin\/Redaktion\/Downloads\/Fachstelle_Einwanderung\/Publikationen_2017\/FE_WP_EHRENAMT_17-10-04_Online_Version.pdf; Berlin)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Aum\u00fcller, Jutta (2016): Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen: bestehende Praxisans\u00e4tze\u00a0 und weiterf\u00fchrende Empfehlungen; Bertelsmann Stiftung;\u00a0 G\u00fctersloh; 9.8.2018; <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/Projekte\/28_Einwanderung_und_Vielfalt\/Studie_IB_Arbeitsmarktintegration_Fluechtlinge_2016.pdf\">https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/Projekte\/28_Einwanderung_und_Vielfalt\/Studie_IB_Arbeitsmarktintegration_Fluechtlinge_2016.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Linnert, Julius (2018): Perspektive Teilhabe \u2013 Unterst\u00fctzung von Ehrenamtlichen in der Fl\u00fcchtlingsarbeit \u2013 Erm\u00f6glichung gesellschaftlicher Teilhabe f\u00fcr Gefl\u00fcchtete; Minor; Working Paper: Berlin; 10.8.18;\u00a0 <a href=\"https:\/\/minor-kontor.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Minor_PT_Freiwilliges-Engagement-in-Kommunen_2018.pdf%208\">https:\/\/minor-kontor.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Minor_PT_Freiwilliges-Engagement-in-Kommunen_2018.pdf <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Link zum Video\u00a0 Im folgenden Essay soll die Frage, welche Rolle sich b\u00fcrgerlich engagierte Menschen bei der Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten zuschreiben, erarbeitet werden. Der Grund f\u00fcr die Auswahl dieser Fragestellung und dieses Themenbereiches liegt darin, dass das b\u00fcrgerschaftliche Engagement in der Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten als Entlastung staatlicher Aufgabenspektren seit langem kritisch diskutiert wird, da die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,7],"tags":[53,32,78],"class_list":["post-524","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-arbeitsmarktintegration","tag-kompensation-staatlicher-unterversorgung","tag-teilhabe","tag-wohnen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/524","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=524"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/524\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":525,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/524\/revisions\/525"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=524"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=524"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=524"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}