{"id":49,"date":"2017-01-27T11:00:23","date_gmt":"2017-01-27T10:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=49"},"modified":"2017-03-01T13:35:14","modified_gmt":"2017-03-01T12:35:14","slug":"was-kann-kultur-an-der-ruhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=49","title":{"rendered":"Was kann Kultur an der Ruhr?"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Integrationsarbeit und gesellschaftliche Teilhabe durch kulturelle Projekte im Ruhrgebiet<\/strong><\/h3>\n<p>Die kontroverse Diskussion, wie Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergr\u00fcnden zusammen in Deutschland leben k\u00f6nnen, ist bis heute in vollem Gange. Dabei verteilen sich die verschiedenen Argumente und Forderungen zwischen den beiden Gegensatzpolen Multikulturalismus und Leitkultur. Hinter den beiden Begriffen verbergen sich divergente Vorstellungen, wie sich dieses Zusammenleben gestalten soll (vgl. Ohlert 2014: 577).<\/p>\n<p>Der Ausdruck <em>Multikult<a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Photo-Kultur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-52 size-medium alignleft\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Photo-Kultur-300x184.jpg\" width=\"300\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Photo-Kultur-300x184.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Photo-Kultur-768x471.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Photo-Kultur-1024x628.jpg 1024w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Photo-Kultur-624x383.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>uralismus<\/em> stammt urspr\u00fcnglich aus Kanada, wird in den 1980er Jahren in die deutsche Debatte eingef\u00fchrt und zielt \u201eauf die Umwandlung der nationalen Fundierung des Staates in die Offenheit einer postnationalen Weltb\u00fcrgerrepublik\u201c (ebd.). Dabei soll es zu einem Neben- und Miteinander unterschiedlicher Kulturen innerhalb einer Gesellschaft kommen und gleichzeitig soll sich die Politik bem\u00fchen, die verschiedenen kulturellen Identit\u00e4ten anzuerkennen und zu beachten (vgl. Brandenburgische Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2014).<!--more--><\/p>\n<p><em>Leitkultur<\/em> hingegen stellt die Nation bzw. den Nationalstaat in den Mittelpunkt und erachtet einen \u201eauf die universalistischen Werte der Verfassung ausgerichteten Grundkonsens als notwendige Erhaltungsvoraussetzung der freiheitlich-demokratischen Staats- und Verfassungsform der westlichen Welt\u201c (Ohlert 2014: 577)<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a>. So erwarten viele Politiker von Migranten, dass sie sich an die deutsche Kultur anpassen. Bundesinnenminister Thomas de Maizi\u00e8re verlangt unter anderem, \u201edass alle, die hier leben wollen, die deutsche Kultur kennen und unsere Grundwerte akzeptieren\u201c (zit. nach Spiegel 2016) sollen, w\u00e4hrend die CSU-Landesgruppe in dem Dokument \u201eIntegration: unsere Werte gelten\u201c von der Klausurtagung Anfang Januar 2017 fordert: \u201eNicht wir m\u00fcssen uns anpassen, sondern unsere Regeln und Werte m\u00fcssen beachtet werden\u201c (2017). Darin gehen sie au\u00dferdem auf \u201eunsere Leitkultur als Leitbild\u201c ein und halten fest: \u201eF\u00fcr uns gilt: Leitkultur statt Multi-kulti-Beliebigkeit\u201c (ebd.). Doch was genau Integration und Leitkultur beinhalten und bedeuten, wird dabei nicht herausgearbeitet.<\/p>\n<p>Der Begriff Leitkultur selbst wird in der \u00f6ffentlichen Debatte als unklar (vgl. Schnell 2016) oder \u201eskurril\u201c (D\u00f6nhoff 2014) kritisiert und hinterfragt. Da selbst der Kulturbegriff vieldeutig und schwer greifbar ist (vgl. N\u00fcnning 2009), kann auch die Bedeutung von Leitkultur schwer definiert werden. Die UNESCO hat sich jedoch auf einer Weltkonferenz \u00fcber Kulturpolitik darauf geeinigt,<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] dass die Kultur in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden kann, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schlie\u00dft nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen. (1982)<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Bereiche sind in jeder Kultur und sogar bei Individuen verschieden, daher m\u00fcssen sie auch bei der Integration mit einbezogen werden, denn laut dem Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Zuwanderung und Migration (SVR) ist Integration \u201eein gesellschaftlicher und kultureller Prozess und eine allgemeine gesellschaftspolitische Aufgabe\u201c (2004: 3). Dabei sollen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund \u201ein die Gesellschaft einbezogen werden\u201c (ebd.). So verfolgt Integration das Ziel,<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] dass Menschen sich ihren Begabungen, ihrem Leistungsverm\u00f6gen und ihrer Leistungsbereitschaft entsprechend m\u00f6glichst uneingeschr\u00e4nkt und eigenst\u00e4ndig entfalten und diskriminierungsfrei arbeiten und leben k\u00f6nnen. Die Verbesserung der Beteiligungschancen muss in allen, insbesondere aber in den f\u00fcr Integration zentralen gesellschaftlichen Lebensbereichen gef\u00f6rdert werden [\u2026] (ebd.).<\/p><\/blockquote>\n<p>Der langj\u00e4hrige Vorsitzende des SVR, Klaus Bade, fasst Integration \u201eals die m\u00f6glichst chancengleiche Teilhabe an den zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens\u201c (2009: 1) zusammen. Dazu geh\u00f6ren u.a. Bildung und Ausbildung. In Deutschland wird Integration zudem durch das Aufenthaltsgesetz bestimmt, nach dem \u201eEingliederungsbem\u00fchungen von Ausl\u00e4ndern [\u2026] durch ein Grundangebot zur Integration (Integrationskurs) unterst\u00fctzt [werden]. Ziel des Integrationskurses ist es, den Ausl\u00e4ndern die Sprache, die Rechtsordnung, die Kultur und die Geschichte in Deutschland erfolgreich zu vermitteln\u201c (BMJV 2015).<\/p>\n<p>MigrantInnen sollen eine Verbindung zur deutschen Kultur durch diese Kurse herstellen k\u00f6nnen. Gleichzeitig wird kulturellen Projekten generell eine gewisse Kompetenz \u2013 vor allem in Bezug auf Integration \u2013 zugesprochen:<\/p>\n<blockquote><p>Die Kulturelle Bildung ist ein Feld, in dem viele ambitionierte Projekte mit Gefl\u00fcchteten realisiert werden. [\u2026] Hier herrscht die \u00dcberzeugung: Kunst und Kultur kommen aufgrund ihrer \u00fcbergreifenden kommunikativen und in ihrer Kreativit\u00e4t besonders zukunftsweisenden Potentiale eine Schl\u00fcsselfunktion bei der sogenannten gesellschaftlichen Integration zu. (Ziese und Gritschke 2016: 23)<\/p><\/blockquote>\n<p>Neben den staatlich gef\u00f6rderten Integrationskursen gibt es eine ganze Reihe von F\u00f6rderungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr kulturelle Projekte, z.B. Museen und Musikzentren (vgl. Bundesregierung 2017). Auch Nordrhein-Westfalen setzt auf Integration durch Kultur und formuliert als erstes Bundesland ein Kulturf\u00f6rdergesetz, denn \u201edurch die aktuell stark angestiegenen und weiterhin steigenden Zuwanderungszahlen wird das Thema Integration in NRW noch st\u00e4rker auch in kulturpolitischen Ma\u00dfnahmen Ausdruck und Ber\u00fccksichtigung finden m\u00fcssen\u201c (Ministerium f\u00fcr Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalens 2014: 6-7). Der Kulturf\u00f6rderplan geht au\u00dferdem auf die besondere Rolle des Ruhrgebiets in Bezug auf Kultur ein, das als \u201eMotor und Impulsgeber f\u00fcr regionale Strukturentwicklung und gesellschaftlichen Wandel\u201c beschrieben wird (ebd. 43).<\/p>\n<p>Mit Blick auf das Gelingen von Integration r\u00fcckt deutschlandweit b\u00fcrgerschaftliches Engagement in den Fokus, da Ehrenamtliche einen Teil der vielen Aufgaben abfangen, die durch die vermehrte Einwanderung aufkommen. So betont die Landesregierung NRWs: \u201eB\u00fcrgerschaftliches Engagement von, mit und f\u00fcr Migrantinnen und Migranten st\u00e4rkt gleichberechtigte Teilhabe, erm\u00f6glicht Mitgestaltung und Beteiligung. Engagement unterst\u00fctzt in diesem Sinne Integration\u201c (engagiert in NRW 2017). Laut dem Freiwilligensurvey, das freiwilliges Engagement in Deutschland untersucht, liegt der Anteil von engagierten B\u00fcrgern in dem Bereich Kultur und Musik bei 9% und geh\u00f6rt damit zu den drei Bereichen, in denen sich die meisten Menschen engagieren (vgl. 2014: 6).<\/p>\n<p>Doch wie positionieren sich im Ruhrgebiet die kulturellen Projekte, die mit Gefl\u00fcchteten arbeiten oder von ihnen initiiert werden, selbst innerhalb der Integrationsdebatte? Wie gestaltet sich das Wechselverh\u00e4ltnis zwischen dem Verst\u00e4ndnis von Selbsterm\u00e4chtigung bzw. Teilhabe durch Kultur und der Forderung nach Integration? Wie wirken sich kulturelle Projekte auf die Beteiligten aus?<\/p>\n<p>Im Folgenden wird versucht, diese Fragen anhand von sechs Interviews mit Kulturschaffenden zu beantworten, die sich f\u00fcr Projekte engagieren und die mit Gefl\u00fcchteten im Ruhrgebiet arbeiten. Die Interviewten bewegen sich in den Bereichen Musik, Theater, Kunst und Film und sind teilweise hauptamtlich besch\u00e4ftigt, jedoch weisen alle ein Engagement \u00fcber die geregelte Arbeitszeit hinaus auf.<\/p>\n<p>Diesbez\u00fcglich wird im Kapitel<a href=\"#Gr\u00fcndung\"><em> A. Gr\u00fcndung, Vernetzung und Organisation der Kulturprojekte<\/em><\/a> auf die Sonderstellung des Ruhrgebiets eingegangen, da diese Region einerseits eine besonders hohe Dichte an Kulturangeboten aufweist und andererseits auf eine lange Vorgeschichte von Zuwanderung blicken und durch diese Erfahrungen profitieren kann. Das darauffolgende Kapitel<a href=\"#Selbstverst\u00e4ndnis\"><em> B. Selbstverst\u00e4ndnis und Auffassung kultureller Projekte<\/em><\/a> beleuchtet den Gegensatz zwischen politischen Erwartungen an solche Projekte, integrativ zu wirken, und dem Eigenverst\u00e4ndnis von Kulturprojekten, die das Aufst\u00fclpen und Abw\u00e4lzen von Sozialaufgaben auf sich selbst kritisieren. Letztgenannte beteiligen sich immer an gesellschaftlichen Wandlungsprozessen und k\u00f6nnen nicht allein auf ihre integrative Wirkung reduziert werden. Der dritte Teil <a href=\"#Bildung\"><em>C. Kulturelle Bildung durch Kulturprojekte<\/em><\/a> skizziert, was solche Projekte bei Veranstaltern, Beteiligten und in der Gesellschaft bewirken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zuletzt werden die Aussagen im<a href=\"#Schlussteil\"> Schlussteil <em>Kultur kann mehr als integrieren<\/em> <\/a>zusammengefasst und auf die Integrationsdebatte bezogen. Au\u00dferdem werden Empfehlungen der Interviewten an die Politik in Bezug auf Verbesserungen kultureller Projekte zusammengetragen.<\/p>\n<p><strong>A <a id=\"Gr\u00fcndung\"><\/a>Gr\u00fcndung, Vernetzung und Organisation der Kulturprojekte<\/strong><\/p>\n<p>Nordrhein-Westfalen ist in ganz besonderem Ma\u00dfe durch Einwanderung gepr\u00e4gt. So hat circa ein Viertel der Bev\u00f6lkerung ausl\u00e4ndische Wurzeln (vgl. engagiert in NRW 2017). Dabei kommt dem Ruhrgebiet als dichtbesiedelte Industrieregion eine Sonderstellung zu, denn es kann auf eine lange Geschichte von Zuwanderung und Anwerbung von Gastarbeitern zur\u00fcckblicken, sodass es teilweise auch als \u201eSchmelztiegel\u201c oder \u201eMelting Pot\u201c bezeichnet wird (vgl. Institut f\u00fcr soziale Bewegungen 2006).<\/p>\n<p>Diese Vorgeschichte macht sich auch bei manchen Kulturprojekten bemerkbar. F\u00fcr Adem K\u00f6stereli und Wanja van Suntum<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> ist z.B. die Gr\u00fcndung des Kunst- und Theaterprojekts \u201eRuhrorter\u201c des Theaters an der Ruhr \u201ekeine \u00dcberraschung oder in dem Sinne auch nichts Neues, weil [f\u00fcr] das Theater an der Ruhr die internationale Arbeit der feste Bestandteil des Konzepts seit der Gr\u00fcndung vor \u00fcber 30 Jahren [ist], [\u2026] eine feste S\u00e4ule [ist] die internationale Arbeit\u201c (Interview M\u00fchlheim a.d.R., 12.08.2016: Adem K\u00f6stereli). Dazu geh\u00f6ren demnach \u201eder Umgang mit dem Fremden, der Dialog\u201c oder ein Austausch durch Gastspiele (ebd.). Aber auch ihre Erfahrungen \u201eim Rahmen [\u2026] der Jugoslawienkriege, wo die Zusammenarbeit eben auch extrem intensiviert [wurde], mit den Theatern [dort]\u201c (ebd.) spielen eine Rolle, da ein Roma-Theater, das aus dem B\u00fcrgerkrieg geflohen war, in M\u00fchlheim Asyl gefunden hatte. Andere Projekte im Ruhrgebiet, die bereits l\u00e4nger bestehen und die von MigrantInnen selbst organisiert wurden, erweitern ihre Angebote, wie ein Musikschulleiter aus dem Ruhrgebiet berichtet: \u201eDa gibt es eine IFAK, eine schon seit 20 Jahren bestehende Migrantenselbstorganisation damals der T\u00fcrken, die jetzt sehr, sehr intensiv Fl\u00fcchtlingsbetreuung macht\u201c (Interview Bochum 09.08.2016).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus tummeln sich die Kunstschaffenden l\u00e4ngst nicht mehr nur in gro\u00dfen Kultur-Metropolen wie Hamburg, M\u00fcnchen oder Berlin. In dem ehemals von der Montanindustrie gepr\u00e4gten Ruhrgebiet ist die dichteste Kulturregion Europas gewachsen (vgl. Regionalkunde Ruhrgebiet 2016). Laut der Webseite der Regionalkulturpolitik NRW waren und sind Gro\u00dfereignisse wie das Kulturhauptstadt-Jahr 2010, das Klavierfestival Ruhr oder die Museumsnacht \u201eExtraschicht\u201c Publikums-Magnete. Aber auch die Hochkultur mit ihren \u00fcber 200 Museen, Schauspiel- und Konzerth\u00e4usern von Duisburg bis Dortmund deckt ein breites Spektrum an unterschiedlichen Kunstformen ab. Eine zentrale Rolle bei der Vernetzung und Organisation der hiesigen Kulturszene nimmt hierbei der Regionalverband Ruhr (RVR) und die ihm untergeordnete Kultur Ruhr GmbH ein. Sie ist unter anderem hauptverantwortlich f\u00fcr die im Dreijahresrhythmus stattfindende Ruhrtriennale (vgl. Regionalkulturpolitik NRW 2014).<\/p>\n<p>Da es eine so gro\u00dfe und vielseitige Anzahl an Veranstaltungen, Institutionen und Projekten gibt, ist Netzwerkarbeit f\u00fcr die Kulturschaffenden \u201eein Riesenthema\u201c (Interview Bochum 08.08.2016: k\u00fcnstlerische Leiterin) bei ihrer Arbeit. Dabei wird versucht, die vielen verschiedenen kulturellen Beteiligten zu verbinden und Kontakte zu kn\u00fcpfen, und die Engagierten sehen dies auch als Teil ihrer Aufgabe an. Diese beinhaltet laut der k\u00fcnstlerischen Leiterin \u201eMenschen zu treffen, Akteure kennen zu lernen, das zu systematisieren nach unseren Arten, Dinge zu systematisieren, und Verbindungen zu stiften zwischen Leuten\u201c (ebd.). Neben einem Verketten von kulturellen Beteiligten, wie Musikschulen und Theatern, r\u00fccken auch vermehrt andere Einrichtungen und neue Kooperationspartner, wie z.B. Volkshochschulen, in den Fokus. Auch hierbei geht es um Vernetzung und Organisation von Kultur und Integration, wie es ein Interviewter erl\u00e4utert:<\/p>\n<blockquote><p>[&#8230;] aber trotzdem hat man sie [die VHS] vorher nicht auf dem Schirm gehabt. Weil man sonst eben mit Theatern arbeitet und sonst mit fast niemanden. Dadurch kam halt so eine strukturelle Sache mit rein. [&#8230;] Da ist eben die VHS mit ihren Sprachkursen, und \u00fcber die [werden] B\u00fccher in Umlauf gebracht [\u2026]. Die Kulturdezernenten h\u00e4tten auch nicht gedacht, dass sie diese Leute [aus Kulturf\u00f6rderfonds] zu solchen Runden mit einladen m\u00fcssen. Aber [die haben] sich als spannende Gespr\u00e4chspartner herausgestellt. (Interview Bochum 08.08.2016: Projektbegleiter und Ethnograph).<\/p><\/blockquote>\n<p>So bietet die Vielfalt an kulturellen Beteiligten im Ruhrgebiet auf der einen Seite viele Chancen, wie z.B. die M\u00f6glichkeit, sich auszutauschen. Die k\u00fcnstlerische Leiterin betont daher die Herstellung von \u201eheterogenen Gespr\u00e4chszusammenh\u00e4ngen\u201c (Interview Bochum 08.08.2016) zwischen allen m\u00f6glichen Gespr\u00e4chspartnern, teilweise auch mit unerwarteten. Dar\u00fcber hinaus berichtet sie von<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] runde[n] Tische[n], zu denen wir uns einladen lassen, in den Kulturb\u00fcros der einzelnen St\u00e4dte. [\u2026] Teilweise sind das wirklich gro\u00dfe Kulturinstitutionen, die da eingeladen werden, aber manchmal sind das auch ganz kleine sozialr\u00e4umliche Akteure, manchmal sind das auch so soziokulturelle Zentren, die dann mit an die Tische gesetzt werden, oder es sind Stadtbibliotheken. (ebd.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dort werden Themen von diversen Teilnehmern diskutiert wie beispielsweise die Bedeutung von \u201eInterkultur\u201c (ebd.). In M\u00fchlheim befindet sich ebenfalls \u201eein starkes Netzwerk\u201c (Interview M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016: Adem K\u00f6stereli), an dem verschiedene Akteure beteiligt sind. Dort findet \u201eNetzwerkarbeit zu den Fl\u00fcchtlingsinstitutionen, zu den Ehrenamtlichen, zu den ehrenamtlichen Koordinierungsgruppen, zu Fl\u00fcchtlingsr\u00e4ten, zur Stadtverwaltung\u201c (ebd.) statt. An diesen Aussagen erkennt man die Bem\u00fchungen, im Ruhrgebiet verschiedene Projekte, Institutionen und andere Akteure zusammenzubringen. Ein weiteres Beispiel hierf\u00fcr ist die Regionale Kulturpolitik NRWs, welche die Kommunikation und Kooperation zwischen den zehn Kulturregionen des Bundeslandes f\u00f6rdern will (vgl. RKP 2017).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen die einzelnen Projekte durch diese Netzwerke Vorteile gewinnen, denn andere Institutionen wissen durch sie von den jeweiligen Angeboten: \u201e[W]ir haben ja auch den positiven Effekt [\u2026], die wissen davon, dass wir da sind und die schicken dann auch Leute zu uns\u201c (Interview M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016: Wanja van Suntum). Au\u00dferdem sprechen sich solche Programme unter Interessierten herum, da \u201ediese Leute nachher auch einfach wissen, es gibt auch [bei uns] ein Kunstangebot\u201c (ebd.). Die Vernetzung funktioniert ebenfalls bei Projekten, die von wissenschaftlichen Einrichtungen initiiert wurden. An einer Bochumer Universit\u00e4t gibt es ein Projekt in Kooperation mit einem Kino, bei dem es Kindern mit Fluchterfahrung erm\u00f6glicht wird, altersgerechte Filme in deutscher Sprache zu schauen. Und auch hier berichtet eine engagierte Studentin \u00fcber Unterst\u00fctzung von verschiedenen Seiten: \u201eWir hatten halt auch Hilfe von Gastprofessoren. Da war noch ein Professor aus Oberhausen, der auch f\u00fcr das Institut Medienwissenschaft gearbeitet hat und auch jemand von einem anderen Institut\u201c (Interview Bochum 20.10.2016: Studentin Medienwissenschaften).<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite birgt diese un\u00fcbersichtliche Struktur und Verwebung aus Kulturinstitutionen, -schaffenden und -projekten auch einige Herausforderungen und Probleme in sich. Neu gegr\u00fcndete Projekte m\u00fcssen sich beispielsweise zun\u00e4chst in bereits bestehende Gef\u00fcge einordnen. Eine Interviewte schildert, dass \u201eman dann noch gucken muss, wohin bewegt man das Ganze tats\u00e4chlich, wo ist die richtige Positionierung von unserem Projekt in so einer gesamten Struktur von Kulturgeschehen und Sozialgeschehen im Ruhrgebiet\u201c (Interview Bochum 08.08.2016: k\u00fcnstlerische Leiterin). Au\u00dferdem gestaltet es sich als sehr m\u00fchsam, in einer so gro\u00dfen Region wie dem Ruhrgebiet in mehreren St\u00e4dten gleicherma\u00dfen pr\u00e4sent zu sein. Zugleich ist nicht immer eine gute Erreichbarkeit von Verantwortlichen der Projekte gegeben und eine \u00fcber eine Region verteilte Arbeit ist mit einem hohen Zeitaufwand verbunden, wie es durch die Aussage von einem Interviewten verdeutlicht wird: \u201eAlso diese Komplexit\u00e4t ist schon sehr spannend, aber genau darin steckt auch das Schwierige und Anstrengende, dass man eben nicht so schnell dazu kommt, dies und das zu planen und gut ist. Das dauert einfach nun mal\u201c (Interview Bochum 08.08.2016: Projektbegleiter und Ethnograph).\u00a0 Zudem entdecken die Engagierten \u201emassive Unterschiede zwischen den Kommunen\u201c (Interview M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016: Adem K\u00f6stereli) innerhalb des Ruhrgebiets, was z.B. die Kommunikation untereinander angeht (zur Koordination des Fl\u00fcchtlingsengagement innerhalb von Bochum vgl. Engagement f\u00fcr Gefl\u00fcchtete in Bochum \u2013 <a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=98\">Mehr als die Summe seiner Teile? Eine Netzwerkperspektive<\/a>). Auch in der Verwaltungsstruktur gibt es Probleme, die durch die Engagierten kritisiert werden. Neben dem \u00fcberlasteten Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF) in Berlin, \u00fcber das in den letzten Monaten in der Presse viel berichtet wurde (vgl. S\u00fcddeutsche 2016), gibt es auch in der Kommunalverwaltung erhebliche Schwierigkeiten mit der Bew\u00e4ltigung der zus\u00e4tzlichen Aufgaben durch Asylsuchende. So schildert ein Kulturschaffender seine Probleme und Frustration, denn<\/p>\n<blockquote><p>[&#8230;] strukturell bin ich schon entt\u00e4uscht. Dass eine Stadtverwaltung die ankommenden Menschen verwaltet und hin und her schiebt und sie es nicht schafft, Ressourcen aufzubringen und so zwei, drei Ansprechpartner mehr zu installieren. [&#8230;] Unterst\u00fctzer wurden ausgebremst, sodass sie nicht einfach in die Institutionen oder Wohnheime gehen konnten. Nicht nur von der Stadt aus, sondern auch konkrete Personen, die in Verwaltungsstellen sitzen, die halt eben sagen \u201aIhr k\u00f6nnt nicht mehr rein, weil Ihr zu engagiert seid\u2018 oder sie [die Engagierten] zu harte Fragen stellen. (Interview Bochum 08.08.2016: Projektbegleiter und Ethnograph).<\/p><\/blockquote>\n<p>Dabei spricht er nicht nur eine \u00dcberforderung der Verwaltung an, sondern auch deren<br \/>\nnachteilige Auswirkung auf andere Bereiche und Beeintr\u00e4chtigung engagierter Personen, die sich gerne mehr eingebracht h\u00e4tten. Als Verbesserung schl\u00e4gt er \u201eLeute, die so eine Art Libero-Position haben\u201c vor, \u201edie mit Gefl\u00fcchteten sprechen k\u00f6nnen, aber genauso auch mit Leuten aus der Stadtverwaltung, die dann so eine Botschafterfunktion haben\u201c (ebd.). Des Weiteren sollte \u00fcber eine strukturelle Umverteilung nachgedacht und z.B. Migrantenvereine finanziell gef\u00f6rdert werden, denn diese h\u00e4tten eine viel st\u00e4rkere Expertise aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen (vgl. ebd.).<\/p>\n<p>Auch in anderen Verwaltungen gibt es Probleme. In der Musikschule gibt es z.B. \u201eein bisschen Beharren an alten Strukturen\u201c (Interview Bochum 09.08.2016: Leiter einer st\u00e4dtischen Musikschule) wenn es zum Beispiel darum geht, ein Verfahren zum Feststellen der Berechtigung eines Rabatts durchzuf\u00fchren, da viele Nachweise von den Gefl\u00fcchteten nicht erbracht werden k\u00f6nnen. Dabei beschreibt der Musikschulleiter die Ungewissheit der gesamten Situation: \u201eDagegen gab es nicht Widerstand, aber es gab Bef\u00fcrchtungen \u201aWo f\u00fchrt das hin?\u2018\u201c (ebd.).<\/p>\n<p>Neben der Vernetzung der Projekte ist auch immer deren Finanzierung ein wichtiges Thema. So werden im Rahmen des Kulturrucksackprojekts des Landes Nordrhein-Westfalen j\u00e4hrlich rund 3 Mio. \u20ac zus\u00e4tzlich zu dem regul\u00e4ren Budget f\u00fcr Kulturprogramme f\u00fcr Kinder zwischen 10 und 14 Jahren bereitgestellt. Diese Projekte kn\u00fcpfen an bereits bestehende Initiativen wie zum Beispiel JeKi (Jedem Kind ein Instrument) an (vgl. Kulturrucksack 2016). Im Rahmen dieses Programms hat eine st\u00e4dtische Musikschule im Ruhrgebiet f\u00fcr ein Projekt mit Gefl\u00fcchteten und unterprivilegierten Kindern 50.000 \u20ac f\u00fcr ein halbes Jahr erhalten. Der Leiter dieser Musikschule vergleicht diese Summe mit vorherigen F\u00f6rdersummen:<\/p>\n<blockquote><p>Das ist eine Zahl bzw. Betrag, der fr\u00fcher unerreichbar war. [&#8230;] Also die Zuwendung, die wir als Musikschule bekommen f\u00fcr innovative Dinge, die liegen immer zwischen 2.500 \u20ac und 7.000 \u20ac. Das fand ich schon riesig so was. Und jetzt pl\u00f6tzlich 50.000 \u20ac und das noch in diesem Jahr mit der Ank\u00fcndigung, im n\u00e4chsten Jahr wird es noch mal doppelt so viel [&#8230;]. (Interview Bochum 09.08.2016: Leiter einer st\u00e4dtischen Musikschule).<\/p><\/blockquote>\n<p>Generell habe sich in der Politik etwas in Bezug auf Kultur und deren Finanzierung bewegt: \u201e[&#8230;] gerade jetzt in diesen drei Monaten vorm Sommer [2016] hat sich etwas in der Politik wohl irgendwie ereignet, dass jetzt die Forderung oder der Wunsch nach einer finanziellen Unterst\u00fctzung [&#8230;] anders eingesch\u00e4tzt wird\u201c (ebd.). Diesen Vorgang bringt der Musikschulleiter mit folgender Aussagen auf dem Punkt: \u201eAlso \u201aKultur kann helfen\u2019, da hat ja jetzt fr\u00fcher jeder genickt in der Politik, jetzt nickt man aber und schickt 50.000 \u20ac. Das ist der Unterschied!\u201c (ebd.)<\/p>\n<p><strong>B. <a id=\"Selbstverst\u00e4ndnis\"><\/a>Selbstverst\u00e4ndnis und Auffassung kultureller Projekte<\/strong><\/p>\n<p>Die Bundesregierung f\u00f6rdert \u2013 neben den eben genannten Musikangeboten \u2013 auch kulturelle Integrationsprojekte und k\u00fcnstlerische Projekte mit Gefl\u00fcchteten durch finanzielle Mittel. So lautet der Titel eines Antrags, den die Fraktionen der CDU\/CSU und der SPD im Dezember 2016 in den Deutschen Bundestag einbrachten: \u201eKultur baut Br\u00fccken \u2013 Der Beitrag von Kulturpolitik zur Integration\u201c (Deutscher Bundestag 2016: 1). Darin wurde festgestellt, dass \u201egerade das ehrenamtliche Engagement im kulturellen Sektor [\u2026] in der Vergangenheit und [\u2026] auch heute einen wichtigen Beitrag zur Etablierung einer \u201eWillkommenskultur\u201c in unserem Land\u201c (ebd.: 3) leistet und geleistet hat. In dem Antrag wurde die Bundesregierung aufgefordert zu pr\u00fcfen, \u201ewie bislang unterrepr\u00e4sentierte Gesellschaftsgruppen im kulturellen Bereich st\u00e4rker gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen\u201c (ebd.). So sollen in Deutschland ehrenamtliche Strukturen verfestigt, ehrenamtlich Engagierte qualifiziert und Netzwerke ausgebaut werden. Au\u00dferdem soll gepr\u00fcft werden, wie k\u00fcnstlerische Projekte der freien Szene, die einen Beitrag zur Integration leisten, gest\u00e4rkt werden k\u00f6nnen (vgl. ebd.).<\/p>\n<p>Das bereits erw\u00e4hnte Kulturf\u00f6rdergesetz NRWs geht ebenfalls auf seine Bestrebungen bez\u00fcglich der Kulturpolitik ein:<\/p>\n<blockquote><p>Eines der zentralen Ziele der Landeskulturpolitik und -f\u00f6rderung ist es, Diversit\u00e4t zu unterst\u00fctzen, d.h. jeder Person unabh\u00e4ngig von sozialer Lage, ethnischer Herkunft, gesundheitlicher Einschr\u00e4nkung oder dem Aufenthaltsstatus kulturelle Teilhabe in allen Lebensphasen zu erm\u00f6glichen. (Ministerium f\u00fcr Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen 2014: 6-7)<\/p><\/blockquote>\n<p>In Folge dessen werden auch auf Kommunalebene diese F\u00f6rderungsans\u00e4tze als n\u00fctzliches Werkzeug f\u00fcr Integration betrachtet. Die Musikschule soll sich daher an der Aufgabe der Verbesserung der Sprachkenntnisse bei Gefl\u00fcchteten beteiligen:<\/p>\n<blockquote><p>[&#8230;] was jetzt gerade ansteht ist, dass wir wohl als Musikschule auch den Auftrag bekommen, in den n\u00e4chsten Monaten das mit der Sprachf\u00f6rderungsunterst\u00fctzung durch musikalische Aktionen weiter auszubauen und zu intensivieren und zu pr\u00fcfen und vielleicht auch weitergabef\u00e4hig zu machen. (Interview Bochum 09.08.2016: Leiter einer st\u00e4dtischen Musikschule)<\/p><\/blockquote>\n<p>Einerseits stellt die Bundespolitik fest, dass \u201eb\u00fcrgerschaftliches Engagement die \u00f6ffentliche Verantwortung f\u00fcr eine gelingende Integration nicht ersetzen kann\u201c (Deutscher Bundestag 2016: 4), dieses aber den kulturellen Austausch zwischen Gefl\u00fcchteten, Zugewanderten und Einheimischen im hohen Ma\u00dfe st\u00e4rkt und verschiedene Gruppen n\u00e4her zusammenbringt (vgl. ebd.). Andererseits fordert sie im \u201eNationalen Kulturplan Integration\u201c von Kultureinrichtungen mehr Engagement im Bereich Integration: \u201eSie m\u00fcssen sich dem Dialog mit ihren Besucherinnen und Besuchern \u00f6ffnen und dabei systematisch neue Zielgruppen ansprechen.\u201c (Bundesregierung 2014). Darin werden \u201ekonkret nachpr\u00fcfbare und verbindliche Integrationsma\u00dfnahmen und -ziele\u201c (ebd.) formuliert. Diese Formulierungen l\u00f6sen bei einigen Engagierten das Gef\u00fchl aus, als Integrationswerkzeug verpflichtet zu werden. Daher hinterfragen viele Engagierte diese Unterst\u00fctzung bzw. die Zuweisung von Integrationsaufgaben. So meint der k\u00fcnstlerische Leiter des Theater- und Kunstprojekts Ruhrorter: \u201eDas ist keine verlagerte Sozialarbeit, die wir hier machen in dem Theater. Was ich generell superkritisch finde, auch f\u00fcr die Theater- und Kulturszene, wenn dort gewisse Funktionen des Staates \u00fcbernommen werden\u201c (Interview M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016: Adem K\u00f6stereli). Er spricht dabei die soziale Verantwortung in erster Linie dem Staat zu und sieht sogar eine Gefahr f\u00fcr Kulturprojekte, wenn diese politische Pflichten auf sich nehmen. Eine andere Interviewte kritisiert das Verhalten der Politik gegen\u00fcber kulturellen Projekten, die sich als Notl\u00f6sung aufgrund der \u00dcberforderung der Aufnahmestellen empfinden:<\/p>\n<blockquote><p>Und da habe ich halt schon das Gef\u00fchl, dass die Kulturprojekte in der Regel eher eine besser ausgestattete Verl\u00e4ngerung des Wartesaals gewesen sind, in dem die Leute hier gehalten werden, auch von der Politik. Das finde ich richtig schwierig, damit umzugehen. (Interview Bochum 08.08.2016: k\u00fcnstlerische Leiterin)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die k\u00fcnstlerische Leiterin geht sogar noch ein St\u00fcck weiter und bem\u00e4ngelt, \u201edass im Moment der Kulturbetrieb als so ein Valium benutzt wird f\u00fcr so eine Gesellschaft, [\u2026] dann ist das alles ruhiggestellt\u201c (ebd.). Mit der Metapher spielt die Interviewte auf die beruhigende Wirkung des Medikaments an und beanstandet, dass Kulturprojekte so auf die Gesellschaft wirken sollen. Auch die \u201eZeit\u201c bedient sich diesem Stilmittel, indem sie das Integrationsgesetz als \u201eBeruhigungsmittel\u201c betitelt und erl\u00e4utert, dass dieses dazu diene \u201edie durch die Fl\u00fcchtlingskrise aufgew\u00fchlte Bev\u00f6lkerung zu beruhigen und die Botschaft zu vermitteln: Wir tun was, um innere Gefahren und Belastungen abzuwehren\u201c (Greven 2016). Die Interviewte sieht diese Einflussnahme jedoch nicht nur auf die Gesellschaft, sondern auch auf sich als Kulturschaffende. So ist sie der Meinung, dass die Politik ihr \u201eviele Limitierungen\u201c gibt, weil sie von dieser \u201ein erster Linie [\u2026] eingesetzt [wird], um zu repr\u00e4sentieren\u201c (Interview Bochum 08.08.2016: k\u00fcnstlerische Leiterin). Die Engagierten f\u00fchlen sich von der Politik missverstanden oder sogar missbraucht. Die \u00c4u\u00dferungen zeigen, dass politische Forderungen und F\u00f6rderungen bei den Engagierten eher kritisch hinterfragt und teilweise als Einmischung oder Missbrauch gesehen werden. Diese Problematik wird auch in anderen Zirkeln ausdiskutiert und behandelt. Der deutsche Kulturrat z.B., der sich mit kulturpolitische Fragen auseinandersetzt, unterst\u00fctzt Mitstreiter, die den Eigenwert \u201evon Kunst und Kultur gegen wirtschaftliche sowie politische Instrumentalisierung\u201c verteidigen (vgl. Zimmermann).<\/p>\n<p>Eine Trennung sozialer Wirkungen und Kultur ist allerdings nicht m\u00f6glich, wird letztgenannte doch eng mit gesellschaftlicher Teilhabe verkn\u00fcpft (vgl. Europ\u00e4ische Kommission Besch\u00e4ftigung und Soziales 2004: 86). Jedoch kommen bei den Interviewten Fragen auf, wie man sich in diesem Fall als Kulturprojekt verorten und wie man mit der politischen Ausnutzung umgehen soll:<\/p>\n<blockquote><p>Was sind denn diese kulturellen Projekte? Also, warum sind denn Kulturprojekte \u00fcberhaupt ein Integrationsinstrument? Oder was hei\u00dft es denn dann eigentlich k\u00fcnstlerisch? [\u2026] [I]st es dann Sozialpolitik, die sich quasi irgendwie mit k\u00fcnstlerischen Mitteln versucht? Das ist ja dann eher [eine] Form von Ergotherapie f\u00fcr &#8217;ne Gesellschaft eigentlich, so w\u00fcrde ich auch vieles davon tats\u00e4chlich benennen. Also auch wenn [\u2026] das wichtig ist, dass es das gibt [\u2026]. (Interview Bochum 08.08.2016: k\u00fcnstlerische Leiterin)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dabei spricht die Interviewte erneut den Zwiespalt zwischen sozialpolitischen und k\u00fcnstlerischen Aufgaben an, die zwar teilweise auch zusammenfallen k\u00f6nnen, aber nicht einseitig von der Politik bestimmt werden sollen. Gleichzeitig deutet sie auch an, dass die Projekte eine heilende Wirkung f\u00fcr die Gesellschaft haben k\u00f6nnen, setzt dies aber in einen kritischen Kontext, weil es eigentlich die Aufgabe des Staates sei. Doch ganz von einem Einfluss auf die Gesellschaft k\u00f6nnen und wollen sich Kulturprojekte auch nicht trennen, sehen sie es doch als Teil ihrer Aufgabe, sich mit gesellschaftlichen Prozessen auseinander zu setzen, denn \u201ees ging immer darum, Zusammenh\u00e4nge von Begegnungen zu schaffen und die Kunst als Ort daf\u00fcr zu sehen, die einem Mangel in unserer Gesellschaft Raum gibt\u201c (ebd.).<\/p>\n<p>Einen Mangel \u2013\u00a0 allerdings an Betreuung \u2013 erfahren auch viele Gefl\u00fcchtete, die in Ihrem Heimatland und auf Ihrer Flucht schlimme Erfahrungen gemacht haben und teilweise traumatisiert sind. Da es nicht gen\u00fcgend Behandlungs- und Versorgungsm\u00f6glichkeiten gibt, fordert der deutsche Kulturrat, dass es hauptamtlich und b\u00fcrgerlich Engagierten m\u00f6glich sein sollte, Reflexionsangebot in Anspruch zu nehmen. Von der Politik m\u00fcssten insbesondere kostenlose Qualifikationen f\u00fcr die Ehrenamtler bereitgestellt werden (vgl. Kulturrat 2016) \u2013 dies w\u00e4re somit eine weitere sozialpolitische Aufgabe, die den Engagierten \u00fcbertragen werden soll. Auch der Musikschulleiter hat zu diesem Punkt eine klare Meinung, denn die \u201eVerarbeitung von Traumata, das ist eine sehr, sehr kritische Sache. Und da gibt es die \u00dcberlegung: Wie k\u00f6nnen wir unsere Mitarbeiter vorbereiten, um das zu erkennen. Man kann ja nicht als Musiker an einem Trauma arbeiten. Das geht nicht\u201c (Interview Bochum 09.08.2016: Leiter einer st\u00e4dtischen Musikschule). Er beschreibt damit die komplexe Aufgabenstellung an die Mitarbeiter, die nicht allein durch Kulturschaffende gel\u00f6st werden kann und sollte. Der Kulturrat betont ebenfalls, dass \u201eB\u00fcrgerschaftliches Engagement allerdings kein Ersatz f\u00fcr staatliche Daseinsvorsorge und kein Vorwand f\u00fcr deren fortdauernde Mangelwirtschaft sein [darf]&#8220; (Kulturrat 2016). Aber der Musikschulleiter schl\u00e4gt einen m\u00f6glichen L\u00f6sungsansatz im Rahmen des M\u00f6glichen f\u00fcr Kulturschaffende vor: \u201eMan kann nur eine Situation herstellen, wo sich jemand wohl f\u00fchlt, wo jemand \u201aAnkommensgef\u00fchle\u2018 entwickeln kann oder Kontakte schlie\u00dfen kann\u201c (Interview Bochum 09.08.2016: Leiter einer st\u00e4dtischen Musikschule).<\/p>\n<p>Wanja van Suntum hingegen betont besonders die Unterscheidung zwischen Engagement und Kunst, denn<\/p>\n<blockquote><p>[d]ie ist f\u00fcr uns ziemlich zentral, weil wir glauben, dass wenn wir Theater anbieten oder Kunst [\u2026], dass wir dann diesen Schritt der sozialen Arbeit oder des sozialen Engagements ein bisschen &#8211; ich sag jetzt nicht, auslassen k\u00f6nnen, weil jeder Theaterprozess nat\u00fcrlich ein extrem sozialer Prozess [ist] und das ist halt f\u00fcr uns sehr wichtig. Wir haben in erster Linie aus unserer Selbstbeschreibung Theater gemacht und das ist auch sehr angenehm, weil man nicht gro\u00dfartig was Anderes machen muss als mit anderen Leuten [\u2026]. (M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016)<\/p><\/blockquote>\n<p>Soziale Aufgaben liegen bei Kulturprojekten nicht im Mittelpunkt oder werden angestrebt, sondern passieren w\u00e4hrenddessen. So sieht das auch van Suntums Arbeitskollege: \u201eDa behaupte ich schon, dass wir einen Fokus auf Kunst und \u00e4sthetische Werte [legen] statt auf Sozialp\u00e4dagogik, [um das] nochmal zu unterscheiden\u201c (M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016: Adem K\u00f6stereli). Au\u00dferdem beschreibt er die Ruhrorter sogar als \u201eein Spezifikum, [weil] wir uns tats\u00e4chlich auf den \u00e4sthetischen Ansatz fokussieren, den Moment des Theaters, der Kunst, der Improvisationen in den Proben, weil alles andere sind positive Nebeneffekte\u201c (ebd.). Auch in \u00f6ffentlichen Debatten wird \u00fcber den \u201eWiderstreit von Werten und Verwertbarkeit\u201c (Wildermann 2016) von Kultur diskutiert, so stellt der Generalsekret\u00e4r des Goetheinstituts, Johannes Ebert, bei einer Diskussion \u00fcber Wert und Bewertung von Kultur, die \u201eInstrumentalisierung von Kunst\u201c dem \u201eEigenwert des \u00c4sthetischen\u201c (2016) gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Andere Projekte wiederum wollen allenfalls erg\u00e4nzend die Situation der Gefl\u00fcchteten verbessern. Bei dem Filmprojekt geht es auch darum, den Menschen mit einem Kulturangebot eine kurze Auszeit aus Ihrem Alltag im Fl\u00fcchtlingsheim zu geben:<\/p>\n<blockquote><p>Die meiste Zeit wissen sie nicht, was sie machen sollen, weil es halt langweilig ist. Die sind irgendwo auf einem Dorf und haben nicht so viele Leute, mit denen sie reden k\u00f6nnen und die sind einfach total gl\u00fccklich mit Leuten in Kontakt treten und reden zu k\u00f6nnen, und ein paar von denen haben sp\u00e4ter halt auch angefangen Deutschkurse zu nehmen. Wir haben also wirklich versucht einander zu helfen. (Interview Bochum 20.10.2016: Studentin Medienwissenschaften)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Kulturinstitutionen und -projekte wollen sich integrativen Aufgaben auch nicht generell verschlie\u00dfen und zum Integrationsprozess beitragen. So erl\u00e4utert der Musikschulleiter die Perspektiven, die er bieten kann:<\/p>\n<blockquote><p>Wir wollen gerne als kulturelle Einrichtung Gefl\u00fcchteten die M\u00f6glichkeit bieten, sich und ihre Kultur zu pr\u00e4sentieren, das ist eine M\u00f6glichkeit. Die andere M\u00f6glichkeit ist, [etwas] zum Integrationsprozess mit kulturellen Formen [&#8230;] beizutragen. Da hat die Kultur eine ganze Menge und Musik besonders. (Interview Bochum 09.08.2016: Leiter einer st\u00e4dtischen Musikschule)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Kulturschaffenden wollen sich mit ihrem Angebot aber schon klar von staatlichen Integrationseinrichtungen abgrenzen und nicht f\u00fcr, sondern mit den Gefl\u00fcchteten zusammenarbeiten. Das Ziel ist es, die Protagonisten aktiv in die Gestaltung der Projekte mit einzubinden, auch wenn dies manchmal schwierig ist, wie ein Interviewter es aufzeigt:<\/p>\n<blockquote><p>Es gibt haupts\u00e4chlich, zu einem gro\u00dfen Teil, Koordinatoren und Projektleiter, die im Endeffekt mit Gefl\u00fcchteten arbeiten und die schon emanzipieren wollen, was aber praktisch oft nicht funktioniert, weil die Leute oft dann nicht mehr zu den Projekten hinkommen und die Projektleiter beleidigt oder entt\u00e4uscht sind. [&#8230;] Ich denke, wenn man da etwas schaffen kann, dass zum einen den Neuangekommenen Orientierung verschafft, andererseits sie st\u00fcckweit zu Autoren macht, dann ist das grunds\u00e4tzlich eine gute Sache. (Interview Bochum 08.08.2016: Projektbegleiter und Ethnograph)<\/p><\/blockquote>\n<p>Bei den Gr\u00fcndungsmotiven der Projekte f\u00e4llt zum einen eine Betonung auf das Selbstverst\u00e4ndnis als Kulturprojekt auf, denn dieses \u201eKunstprojekt mit Gefl\u00fcchteten [\u2026] [ist] in erster Linie [\u2026] gegr\u00fcndet worden aus der Logik der Historie des Theaters selbst heraus\u201c (Interview M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016: Adem K\u00f6stereli). Bei diesem Projekt gab es bereits \u2013 wie im vorherigen Kapitel erl\u00e4utert \u2013 internationale Zusammenarbeiten durch das Theater an der Ruhr und \u201c[d]eswegen ist der Umgang oder die Gr\u00fcndung, auch die fr\u00fchzeitige, also bevor eigentlich alles hier in den Medien war, nur ein konsequenter Schritt\u201c (ebd.). Die Ruhrorter sind also kein Projekt, das aufgrund der verst\u00e4rkten Zuwanderung entstanden ist, sondern es ist in erster Linie ein Theater- und Kunstprojekt.<\/p>\n<p>Zum anderen treten auch soziale Motive hervor, wie z.B. in dem folgenden Zitat herauszulesen ist:<\/p>\n<blockquote><p>Bei mir ist es so gewesen, dass ich die letzten Jahre bei meiner kuratorischen Arbeit eigentlich einen Schwerpunkt auf die Kunst der Begegnung gesetzt habe auf eine Art. Es ging immer darum, Zusammenh\u00e4nge von Begegnungen zu schaffen und die Kunst als Ort daf\u00fcr zu sehen, die einem Mangel in unserer Gesellschaft Raum gibt. F\u00fcr mich war das ein wichtiger Schritt, einen Rahmen zu haben, innerhalb dessen ich meine T\u00e4tigkeiten st\u00e4rker auf den Sozialraum ausdehnen kann. (Interview Bochum 08.08.2016: k\u00fcnstlerische Leiterin)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Interviewte hat sich bereits vor Projektbeginn mit gesellschaftlichen Prozessen auseinandergesetzt und sieht ihre Arbeit als M\u00f6glichkeit, Einfluss zu nehmen. In diesem Fall betrachtet sie Kultur als Chance, auf gesellschaftliche Missst\u00e4nde einzuwirken. Aber auch \u201ebiografische Gr\u00fcnde, die auch irgendwie politisch sind\u201c (ebd.), spielen eine Rolle, denn sie spricht ein Verantwortungsgef\u00fchl bzw. die Frage an, ob das \u201ef\u00fcr mich moralisch verantwortbar ist, [nicht] da zu sein\u201c (ebd.), wenn so viele Gefl\u00fcchtete in Europa ankommen.<\/p>\n<p>Ziese und Gritschke beschreiben die Basis von der Zusammenarbeit von Kulturprojekten mit Gefl\u00fcchteten folgenderma\u00dfen: \u201eKulturinstitutionen haben sich ihrem eigenen Selbstverst\u00e4ndnis nach als wichtige zivilgesellschaftliche Akteure f\u00fcr Gefl\u00fcchtete und ihre kulturelle Teilhabe engagiert eingesetzt\u201c (2016: 23). Dabei kann das Selbstverst\u00e4ndnis der Kulturschaffenden sowohl sozial als auch kulturell-k\u00fcnstlerisch begr\u00fcndet sein.<\/p>\n<p><strong style=\"font-size: 1rem;\">C. <a id=\"Bildung\"><\/a>Bildung und Wissensgewinn<\/strong><\/p>\n<p>Kulturelle Teilhabe wird als ein wichtiger Bestandteil kultureller Bildung betrachtet. Der deutsche Kulturrat unterstreicht in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Kultur, denn \u201e[a]ufgrund der Globalisierung kommt der kulturellen Bildung eine Schl\u00fcsselfunktion zu, [\u2026] sie kann kulturelle Identit\u00e4t vermitteln und st\u00e4rken\u201c (B\u00e4\u00dfler 2009: 69). Dabei versucht dieser auch den Begriff zu definieren:<\/p>\n<blockquote><p>\u201aKulturelle Bildung\u2018 ist offensichtlich ein Sammelbegriff f\u00fcr Prozesse und Aktivit\u00e4ten in unterschiedlichen Sparten. [\u2026] Offensichtlich ist kulturelle Teilhabe ein Menschenrecht, wobei es oft gemeinsam mit sozialer, politischer und \u00f6konomischer Teilhabe zusammen aufgef\u00fchrt wird. Es wird zudem eine erste inhaltliche F\u00fcllung Angeboten: differenzierter Umgang mit Kunst und Kultur und gestalterisch-\u00e4sthetisches Handeln. (Fuchs 2009: 8-9)<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch Ziese und Gritschke setzen sich mit kultureller Bildung als M\u00f6glichkeit auseinander, Gefl\u00fcchteten eine allt\u00e4gliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erm\u00f6glichen, denn \u201eKulturelle Bildung, d.h. die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur, wird [\u2026] als eigenst\u00e4ndige kulturelle Praxis verstanden, die Beziehungen herstellt, Handlungsr\u00e4ume er\u00f6ffnet und die kritische Reflexion und Umgestaltung von Verh\u00e4ltnissen anstrebt\u201c (Ziese und Gritschke 2016: 23). Eben diese kritische Reflexion und Umgestaltung von Verh\u00e4ltnissen wird auch von einer Interviewten beschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>Mir ist es ein gro\u00dfes Anliegen, eine Form zu finden daf\u00fcr, Realit\u00e4t auch sein zu lassen und mitzumachen. gerade wenn es um postmigrantische Situationen von einer Gesellschaft geht. Weil ich das Gef\u00fchl habe, dass das Sprechen dar\u00fcber und auch das Ausagieren dessen total hinter der H\u00f6he der Dinge ist. [Der] Kulturbetrieb und viele Programme [sind] regressiv, weil sie eine Stigmatisierung &#8211; auch im positiven Sinne &#8211; praktizieren oder aktualisieren. (Interview Bochum 08.08.2017: k\u00fcnstlerische Leitung)<\/p><\/blockquote>\n<p>Damit kritisiert sie nicht nur die Gesellschaft, sondern auch Kulturinstitutionen und<br \/>\n-projekte selbst als der aktuellen Entwicklung hinterherhinkend. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, dies zu \u00e4ndern: \u201e[D]ann k\u00f6nnte ich [\u2026] wirklich richtige Verh\u00e4ltnisse gr\u00fcnden, die ja wiederum einen eigenen Handlungsraum hervorbringen\u201c (ebd.).<\/p>\n<p>Kulturelle Bildung ist vor allem f\u00fcr Gefl\u00fcchtete von Bedeutung, da es bisher kein \u201egleichberechtigtes Miteinander au\u00dferhalb einer \u201aWillkommenskultur\u2018\u201c (Ziese und Gritschke 2016: 24) gibt. So sieht eine Interviewte die M\u00f6glichkeit, Gefl\u00fcchtete durch Projekte zu unterst\u00fctzen, wenn z.B. die \u201eberufliche Qualifikation irgendwie in deinem Kontext [\u2026] zur Entfaltung\u201c gebracht oder ein \u201eBoden\u201c daf\u00fcr gegeben werden kann, so dass sich der Mensch \u201eeinfach, als der, der [ist], [\u2026] sich in die Gesellschaft einbringen\u201c (Interview Bochum 08.08.2017: k\u00fcnstlerische Leitung) kann. Damit beschreibt die Interviewte einen m\u00f6glichen Prozess von gesellschaftlicher Teilhabe, wie ihn auch Ziese und Gritschke formulieren.<\/p>\n<p>Eine gemeinsame Sprache stellt einen weiteren Grundstein f\u00fcr eine Beteiligung an gesellschaftlichen Prozessen und zur Bildung von Gefl\u00fcchteten dar (zur Bedeutung von Sprache bei der Arbeitsmarktintegration vgl. Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten). Dies unterstreicht auch die Bundesministerin Johanna Wanka, denn \u201eBildung ist der Schl\u00fcssel f\u00fcr Integration und sozialen Aufstieg. Um an Bildung teilhaben zu k\u00f6nnen, ist es eine wesentliche Voraussetzung, die deutsche Sprache zu beherrschen\u201c (zit. in BMBF 2015). Die Kulturprojekte sind zwar keine Sprachkurse, aber die positive Auswirkung auf die Deutschkenntnisse machen sich bei den Teilnehmern bemerkbar, \u201eweil wir viel auf Deutsch reden, [so]dass die Leute Sprache einfach viel besser lernen als in so einem Sprachkurs, weil sie es einfach praktischer anwenden\u201c (Interview M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016: Wanja van Suntum). Auch die musikalischen Projekte haben<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] f\u00fcr die Sprachbildung und das Sprachverm\u00f6gen eine gro\u00dfe Rolle gespielt. Insbesondere zum Fl\u00fcssigsprechen, auch die Melodie und das fl\u00fcssige Sprechen in einer angepassten Satzmelodie zu \u00e4u\u00dfern; das hat sehr geholfen in diesem Bereich, das kriegen wir deutlich zur\u00fcckgemeldet [von den Gefl\u00fcchteten]. (Interview Bochum 09.08.2016: Leiter einer st\u00e4dtischen Musikschule)<\/p><\/blockquote>\n<p>Viele Projekte wollen auch den Gefl\u00fcchteten in ihrer pers\u00f6nlichen Situation helfen. In der Musikschule geschieht dies in Form von musikalischen Visitenkarten:<\/p>\n<blockquote><p>Da kommt sehr viel Positives. Also bis hin zur Frage: Gelingt es uns, eine Identit\u00e4t wiederaufzubauen? Bei diesem einen Projekt, wo es um musikalische Visitenkarten geht, [&#8230;] bekommen die, die das machen, eine neue Identit\u00e4t. Sie k\u00f6nnen sich darstellen, es kann ihnen ein Film zusammengeschnitten werden und dann eben pr\u00e4sentiert werden. Und da sehe ich eben auch eine M\u00f6glichkeit weiter zu arbeiten. (ebd.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Gefl\u00fcchteten k\u00f6nnen in den Visitenkarten ihre individuellen F\u00e4higkeiten, aber auch W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume, in Form eines Videos selbst herausarbeiten. Damit wird es ihnen erm\u00f6glicht, sowohl Kontakt mit anderen aufzunehmen, als auch ihre Pers\u00f6nlichkeit zu entfalten und dadurch das Bild des Gefl\u00fcchteten abzustreifen und als Mensch wahrgenommen zu werden.<\/p>\n<p>Bei den Ruhrortern beobachtet Wanja van Suntum eine Weiterentwicklung eines Gefl\u00fcchteten: \u201e[D]er hat jetzt drei Projekte mitgemacht, und bei dem dritten Projekt ist er nat\u00fcrlich auch jemand, der viel selbstbewusster k\u00fcnstlerische Entscheidungen trifft\u201c (Interview M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016). Diese Beispiele zeigen verschiedene Auswirkungen kultureller Bildung auf Gefl\u00fcchtete, wie sie auch der Arbeitskreis nieders\u00e4chsischer Kulturverb\u00e4nde festh\u00e4lt: Sie \u201eunterst\u00fctzt [\u2026] bei der Entwicklung [der] Pers\u00f6nlichkeit, verbessert Bildungschancen, f\u00f6rdert unentdeckte Potenziale und er\u00f6ffnet Handlungsspielr\u00e4ume\u201c (Arbeitskreis nieders\u00e4chsischer Kulturverb\u00e4nde 2016: 4).<\/p>\n<p>Aber auch die Engagierten profitieren auf unterschiedliche Weisen von den Projekten. Ein Interviewter berichtet von Eindr\u00fccken, die er bei der Projektarbeit sammeln kann:<\/p>\n<blockquote><p>Das ist f\u00fcr mich ein spannender Kontext, da jetzt auch mitzuarbeiten und genau in diesem sich gerade formierenden Feld sich zurechtzufinden und etwas Produktives zu machen. [&#8230;] [D]as kann auch ein Tool sein, wir hatten zum Beispiel bestimmte Begriffsdiskussionen oder Definitionen von \u201aWas bringen so kurzfristige Projekte? Was sind l\u00e4ngerfristige?\u2018 (Interview Bochum 08.08.2016: Projektbegleiter und Ethnograph)<\/p><\/blockquote>\n<p>Zum einen muss er sich erst in dem neuen Umfeld orientieren und kann darauf auch einwirken. Zum anderen beschreibt er diese Arbeitsprozesse als \u201eTool\u201c, als Werkzeug, das die Projektmitglieder nutzen, um Begrifflichkeiten zu finden und zu bewerten. Andere Engagierte hingegen finden sich selbst in ganz neuen Positionen wieder, wie z.B. der Musikschulleiter, der sich eigentlich in einer ganz anderen Lebensphase befindet:<\/p>\n<blockquote><p>Ich bin weniger als zwei Jahre vor meiner Rente [&#8230;] und hab nicht erwartet, dass [\u2026] ein komplett neues Standbein f\u00fcr die Musikschule sich noch mal er\u00f6ffnet. Und das war f\u00fcr mich v\u00f6llig \u00fcberraschend. Ich war also eher auf Ausklingen gepolt und stand wieder pl\u00f6tzlich als Innovator in der Mitte und hatte auch die Rolle, [\u2026] zu \u00fcberlegen, wie kriegen wir denn die Kulturbereiche und die Fl\u00fcchtlingsarbeit mit rein. (Interview Bochum 09.08.2016: Leiter einer st\u00e4dtischen Musikschule)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Musikschulleiter beschreibt hier die neuen Herausforderungen, welche die vermehrte Einwanderung mit sich bringt. So m\u00fcssen sich einige Engagierte neu orientieren, sich in neue Rollen hineindenken und verschiedenartige Aufgaben \u00fcbernehmen. Aber auch die pers\u00f6nliche Wahrnehmung gegen\u00fcber Gefl\u00fcchteten \u00e4ndert sich durch die Zusammenarbeit in den Projekten. Ein Kulturschaffender charakterisiert die Prozesse, die in ihm selbst angesto\u00dfen wurden, folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>Irgendwie hat sich alle paar Wochen so ein Gef\u00fchl von einer Losl\u00f6sung von Grenzen eingestellt. Ich habe halt viele Vorurteile reflektiert und ich glaube, dass sich auch die Wahrnehmung ver\u00e4ndert hat dadurch, dass ich die Aufgabe habe, auf andere Leute zuzugehen und mit denen zu sprechen. Dadurch musste ich auch kleine H\u00fcrden ignorieren und mit vielen Menschen aus anderen Nationen einfach so sprechen. (Interview Bochum 08.08.2016: Projektbegleiter und Ethnograph)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Engagierte zeigt durch den Willen neue Aufgaben zu \u00fcbernehmen, die Bereitschaft eigenes Denken zu hinterfragen, weil er sich auf neue Situationen und fremde Menschen einl\u00e4sst. Damit einher geht eine verst\u00e4rkte Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und eine \u00d6ffnung gegen\u00fcber Menschen mit ausl\u00e4ndischen Wurzeln und eine \u00dcberwindung eigener Schranken.<\/p>\n<p>Es entstehen aber nicht nur neue Aufgaben, sondern auch neue Beziehungen durch die Projektarbeit, denn dabei treffen Menschen aus verschiedenen Bereichen aufeinander. So veranschaulicht ein Engagierter die Auswirkungen der Projektarbeit wie folgt:<\/p>\n<blockquote><p>Bei mir hat sich das pers\u00f6nliche Umfeld schon ziemlich ge\u00e4ndert. Einfach, weil ich mich mit vielen Leuten, mit denen ich zu tun hatte, die ich auch aus Neugier getroffen habe, auch immer wieder mal treffe. Vielleicht ist aber auch ein \u201aProtegiergef\u00fchl\u2018 dabei. Ich treffe halt schon private Leute aus dem Kontext [der Projekte]. Ich war halt auch viel bei der selbstorganisierten Bewegung von Neuankommenden in Bochum dabei und hab versucht, [\u2026] diese Ideen und starken Statements von Refugee Strike f\u00fcr uns in unser Programm zu \u00fcbernehmen und vielleicht auch zu helfen, diese Ideen zu konfigurieren und ihnen einen Ort zu geben, wo sich auch Partner einladen k\u00f6nnen. (ebd.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Neben den neu entstandenen Bekanntschaften und Freundschaften beschreibt er einen wechselhaften Prozess der Ideenfindung und -gestaltung. Dabei nimmt er einerseits selbst Ideen mit und auf, andererseits versucht er diese auch aktiv zu gestalten.<\/p>\n<p>Eine andere Kulturschaffende beschreibt ebenfalls die Auswirkungen ihres Engagements auf sich selbst:<\/p>\n<blockquote><p>[E]s ist halt auch ein ganz gro\u00dfes Nachdenken [\u2026] \u00fcber meine eigene Biografie passiert in der letzten Zeit. [\u2026] Ich merk das so wie am eigenen K\u00f6rper gerade und sehe das aber auch, wie sich Gesellschaft im Kleinen auch immer in dir vollzieht. Und diese Verbindung herzustellen, sich zu fragen, was bedeutet das jetzt denn \u2013 und das glaube ich, w\u00fcrde ich nicht machen, wenn ich nicht diese Arbeit jetzt machen w\u00fcrde. (Interview Bochum 08.08.2016: k\u00fcnstlerische Leiterin)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Projektarbeit f\u00fchrt bei ihr zu einer Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit und sich selbst. Gleichzeitig stellt sie eine Verbindung von gesellschaftlichen und pers\u00f6nlichen Ver\u00e4nderungsprozessen her und benennt die Projektarbeit als Grund f\u00fcr die Besch\u00e4ftigung mit und dem Hinterfragen von Bedeutungen und Wirkungszusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Andere Engagierte wiederum setzen sich mit f\u00fcr sie fachfremden Inhalten auseinander und bilden sich in anderen Bereichen weiter. Die Ruhrorter besch\u00e4ftigen sich u.a. mit rechtlichen Grundlagen von Gefl\u00fcchteten:<\/p>\n<blockquote><p>[W]ir gucken uns wirklich auch genauer die Texte an und so die Ratgeber f\u00fcr Fallentscheider vom BAMF oder so, und das ist einfach interessant zu sehen, was da f\u00fcr Beispiele stehen und wie das wirklich gebaut ist, also so zu sehen: Was bedeutet Nationalit\u00e4t? Was bedeutet ein Staat? Was bedeutet ein Grenzregime oder so? Das sind alles wichtige Fragen. (Interview M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016: Wanja van Suntum)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dabei besch\u00e4ftigen sich die beiden Kulturschaffenden nicht nur mit gesetzlichen Bestimmungen, sondern hinterfragen dar\u00fcber hinaus grundlegende Begriffe und Bedeutungen. Wie bereits erw\u00e4hnt, gibt es noch kein allt\u00e4gliches Miteinander von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland \u2013 eher das Gegenteil ist der Fall, sodass Gefl\u00fcchtete von vielen gesellschaftlichen Prozessen und Bereichen ausgenommen sind (vgl. Ziese und Gritschke 2016: 24). Diese Ausgrenzung aus der Gesellschaft geschieht oft \u00fcber Sprache. Zum einen k\u00f6nnen einige MigrantInnen wenig oder gar kein Deutsch und zum anderen kann man den gesellschaftlichen und sprachlichen Umgang mit und Austausch \u00fcber Gefl\u00fcchtete kritisieren, der Ausgrenzung erm\u00f6glicht (vgl. ebd.). Auch eine Engagierte bem\u00e4ngelt einen reaktion\u00e4ren Verhalten, was die Wahrnehmung von Menschen mit Fluchterfahrung angeht:<\/p>\n<blockquote><p>[D]iese Menschen &#8211; auch wenn wir ihre Sprache nicht sprechen und sie unsere nicht &#8211; sind [\u2026] keine Kinder, ne. Also es kann keine F\u00fcrsorgeprinzipien eigentlich geben, [\u2026] \u00a0[wie zwischen] Erwachsenen und Kindern. Ich glaube, das war eine ganz gro\u00dfe Verwechslung im Bewusstsein [\u2026] am Anfang, oder ist es auch ganz oft immer noch. (Interview Bochum 08.08.2016: k\u00fcnstlerische Leiterin)<\/p><\/blockquote>\n<p>Durch die Projekte entsteht die M\u00f6glichkeit, solche Wahrnehmungen zu hinterfragen und zu brechen. Die Ruhrorter versuchen \u00fcber Theater und Kunst \u201edie Befreiung, die Emanzipation gegen die Stigmatisierung von Fl\u00fcchtlingen [zu f\u00f6rdern], indem man sie nicht nur als Gefl\u00fcchtete auftreten l\u00e4sst, sondern eben die sozialen Grenzen verwischt\u201c (Interview M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016: Adem K\u00f6stereli). Bei seiner Arbeit legt K\u00f6stereli, wie bereits erw\u00e4hnt, besonders viel Wert auf \u00c4sthetik. Der Theater- und Kunstwissenschaftler Lars G\u00f6hmann betitelt \u201e\u00c4sthetisches Wahrnehmen und \u00e4sthetisches Handeln\u201c als Unterst\u00fctzung des \u201eBewusstsein[s] gegen\u00fcber Differenzen und damit die Akzeptanz der Pluralit\u00e4t von Lebensstrukturen\u201c (2007: 8). Diese Aussage gilt auch f\u00fcr das Wirken der Ruhrorter.<\/p>\n<p>Die Kulturschaffenden sind sich ihrer Wirkung auf die Gesellschaft bewusst, so will eine Bochumer Engagierte \u201eeine Struktur [\u2026] schaffen, in der die Gesellschaft sich selbst sehen kann\u201c (Interview Bochum 08.08.2016: k\u00fcnstlerische Leiterin). Auch Adem K\u00f6stereli beschreibt die positiven Auswirkungen der langj\u00e4hrigen Arbeit seines Theater- und Kunstprojekts auf die Bewohner M\u00fchlheims:<\/p>\n<blockquote><p>[D]iese \u00f6ffentliche Sichtbarkeit, diese Aufl\u00f6sung dieser Grenzen, die Begegnung auf Augenh\u00f6he etc., der Umgang mit der Angst, mit Ressentiments [\u2026] gerade auch inmitten der Stadt so etwas zu etablieren, bringt nat\u00fcrlich auch der Stadt was und der Stadt-Gesellschaft. (Interview M\u00fchlheim a.d.R. 12.08.2016)<\/p><\/blockquote>\n<p>Durch die Positionierung des Projekts in die Stadtmitte werden die Anwohner direkt auf die Arbeiten aufmerksam und auch mit den Themen der Ruhrorter konfrontiert. Dieses Aufeinandertreffen gestaltet sich vielseitig, denn \u201ehier k\u00f6nnen die Menschen arbeiten, zusammenkommen, diskutieren, sprechen, pr\u00e4sentieren, und dann auf Augenh\u00f6he wiederum mit dem Publikum, mit den B\u00fcrgerInnen hier in Kontakt treten\u201c (ebd.). Damit bieten die Ruhrorter zum einen der Gesellschaft eine Plattform, sich kennen zu lernen und auszutauschen. Zum anderen er\u00f6ffnet sich den Gefl\u00fcchteten eine M\u00f6glichkeit zur kulturellen Teilhabe, wie sie von Karl Ermert erl\u00e4utert wird: \u201eKulturelle Teilhabe bedeutet Partizipation am k\u00fcnstlerisch kulturellen Geschehen in einer Gesellschaft im Besonderen und an Lebens- und Handlungsvollz\u00fcgen im Allgemeinen\u201c (2009).<\/p>\n<p><strong><a id=\"Schlussteil\"><\/a>Kultur kann mehr als integrieren<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt kann man erkennen, dass die kulturellen Projekte im Ruhrgebiet sich den Herausforderungen der Zuwanderung angenommen haben und auf verschiedenste Art und Weise in die Integrationsarbeit von Neuangekommenen involviert sind. Dies ist zwar teils gewollt, aber nicht immer die Hauptintention der Projekte.<\/p>\n<p>In den Interviews hat sich herausgestellt, dass die in Jahrzehnten gewachsenen Strukturen von Migrantenvereinen und die Erfahrungen mit Zuwanderern im Ruhrgebiet die Projekte in der Auseinandersetzung mit Integrationsarbeit unterst\u00fctzt haben. Generell ist die Netzwerkarbeit sehr wichtig f\u00fcr alle Projektteilnehmer. Besonders der Wissensaustausch zwischen verschiedenen Projektpartnern und die gegenseitige Unterst\u00fctzung bei der Durchf\u00fchrung der Projekte haben sich als sehr hilfreich erwiesen. Kritisiert wurde hingegen, dass ein Gesamt\u00fcberblick \u00fcber all die Projekte im Ruhrgebiet fehlt und dass die \u00f6ffentlichen Verwaltungen teilweise die Engagierten ausbremsen. Hier muss man aber betonen, dass die Erfahrungen mit Verantwortlichen in den \u00f6ffentlichen Institutionen durchaus<br \/>\nunterschiedlich waren. Ein Wunsch eines Engagierten ist es, im Bereich Netzwerkarbeit das Zusammenspiel zwischen Beh\u00f6rden und Engagierten zu st\u00e4rken, indem man zum Beispiel Personen mit \u201eLibero-Position\u201c einsetzt, die sowohl f\u00fcr Verwaltungen als auch Projektinitiatoren als Ansprechpartner fungieren. In der Politik scheint bei dem Thema Finanzierung von Kulturprojekten ein Umdenken stattgefunden zu haben, denn pl\u00f6tzlich stehen gro\u00dfe F\u00f6rdersummen zur Verf\u00fcgung, die von Bund und L\u00e4ndern gleicherma\u00dfen bereitgestellt werden. In diesem Bereich lautet eine weitere Forderung, das Augenmerk auf andere (Migranten-) Organisationen zu legen und diese finanziell zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Forderungen und F\u00f6rderungen der Politik werden nicht nur positiv von den Kulturschaffenden aufgefasst, sondern auch kritisch hinterfragt. Die Verantwortlichen f\u00fchlen sich teilweise ausgenutzt und in ihrem Kunstschaffen eingeschr\u00e4nkt, wenn sie von der Politik zur Integrationsarbeit verpflichtet werden. Einigkeit besteht unter den Interviewten darin, dass Kultur kein Allheilmittel gegen soziale und organisatorische Probleme ist, wobei allerdings auch erkannt wird, dass ihre Projekte eine soziale Wirkung auf die Beteiligten haben. Die Intention, sich f\u00fcr Gefl\u00fcchtete zu engagieren, ist nicht nur durch ein soziales, sondern auch durch ein k\u00fcnstlerisches Selbstverst\u00e4ndnis begr\u00fcndet. Nach Meinung der Interviewten sollte es von der Politik in der \u00d6ffentlichkeit daher eine ausgewogenere Perspektive auf Kultur und kulturelle Projekte geben.<\/p>\n<p>Die kulturelle Bildung durch die Projekte wirkt sich auf Gefl\u00fcchtete, Engagierte und die Gesellschaft gleicherma\u00dfen aus. Die Erstgenannten profitieren in vielerlei Hinsicht von den Kulturangeboten: Vor allem die Verbesserung ihrer sprachlichen Kenntnisse sowie die Pers\u00f6nlichkeitsentfaltung werden durch Beteiligung an k\u00fcnstlerischen Projekten verbessert und gest\u00e4rkt. Daneben k\u00f6nnen sie sich k\u00fcnstlerisch und beruflich weiterentwickeln und werden durch Kontakte mit Mitb\u00fcrgern in die Gesellschaft eingebunden. Die Projektarbeit beinhaltet eine Herausforderung f\u00fcr die Engagierten, weil sie neue Aufgaben und Rollen \u00fcbernehmen m\u00fcssen, indem sie sich teils mit neuen oder fachfremden Inhalten, z.B. Traumabehandlung oder rechtliche Fragen, auseinandersetzen m\u00fcssen. Dadurch kann es auch zu einem Nachdenken \u00fcber grundlegende Begriffe und Bedeutungen, wie z.B. Nationalit\u00e4t und Staat, sowie zu einer neuen Wahrnehmung von Gefl\u00fcchteten kommen. Die Arbeit l\u00f6st au\u00dferdem bei manchen Kulturschaffenden eine Auseinandersetzung mit sich und der eigenen Vergangenheit aus. Durch die Kunstprojekte wird ein Publikum angesprochen, welches sich im Idealfall durch die Konfrontation mit Neuangekommenen mit deren Situation auseinandersetzt. Dadurch tragen Kulturprojekte von und mit Gefl\u00fcchteten dazu bei, Vorurteile zu \u00fcberwinden und gegen Stigmatisierung anzugehen.Trotz der diversen Perspektiven aus dem Kulturbereich, der Politik und der Gesellschaft ist man sich aber einig, dass Kultur zur Integration von Neuangekommenen beitragen kann. In ihr steckt allerdings ein noch viel gr\u00f6\u00dferes Potenzial, denn Kultur kann Teilhabe und aktive Mitgestaltung an der Gesellschaft erm\u00f6glichen, H\u00fcrden \u00fcberwinden und ein friedliches Miteinander f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Urspr\u00fcnglich stammt der Begriff der Leitkultur von dem Politologen Bassam Tibi. Er spricht allerdings von einer europ\u00e4ischen Leitkultur \u201eals demokratischer, laizistischer sowie an der zivilisatorischen Identit\u00e4t Europas orientierter Wertekonsens zwischen Deutschen und Einwanderern\u201c und versucht \u201edamit eine Diskussion \u00fcber Rahmenbedingungen von Migration und Integration auszul\u00f6sen\u201c (2002).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Adem K\u00f6stereli ist die K\u00fcnstlerische Leitung und Regie und Wanja Van Suntum ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die Klang- und Rauminstallation sowie Dramaturgie bei dem Theater- und Kunstprojekt \u201eRuhrorter\u201c. Beide wollen in diesem Artikel nicht anonymisiert werden.<\/p>\n<h3>Ein Beitrag von Anna-Katharina D\u00f6brich und Philipp Pospieszny<\/h3>\n<p>Titelphoto: Ruhrorter \/ Pixabay<\/p>\n<h3>Literaturverzeichnis<\/h3>\n<p>Arbeitskreis nieders\u00e4chsischer Kulturverb\u00e4nde (2016): Kultur wirkt! Argumente und Beispiele freier Kunst, Kultur und kultureller Bildung aus Niedersachsen, [online] https:\/\/lkjnds.de\/fileadmin\/user_upload\/lkj\/aktuelles\/Kultur_wirkt__A4_final.pdf [13.01.2016].<\/p>\n<p>Bade, Klaus (2009): Wirtschaft und Arbeitsmarkt als Integrationsmotoren. Vier Thesen von Klaus J. Bade, [online] http:\/\/kjbade.de\/bilder\/Berlin_Wirtschaft_und_Arbeitsmarkt_FDP [13.01.2016].<\/p>\n<p>B\u00e4\u00dfler, Kristin (2009): Handlungsfelder Kultureller Bildung, in: Kristin B\u00e4\u00dfler et al.,\u00a0<em>Kulturelle Bildung: Aufgaben im Wandel.<\/em> Berlin: Deutscher Kulturrat, S. 27-372.<\/p>\n<p>BMBF (2015): Kultur macht auch Fl\u00fcchtlinge stark, [online] https:\/\/www.bmbf.de\/de\/kultur-macht-auch-fluechtlinge-stark-1891.html [08.01.2017].<\/p>\n<p>BMJV (2017): Gesetz \u00fcber den Aufenthalt, die Erwerbst\u00e4tigkeit und die Integration von Ausl\u00e4ndern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz &#8211; AufenthG) \u00a7 43 Integrationskurs, [online] http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/aufenthg_2004\/__43.html [11.01.2017].<\/p>\n<p>Brandenburgische Landeszentrale f\u00fcr Politische Bildung (2014): Multikulturalismus und Leitkultur, [online] http:\/\/www.politische-bildung-brandenburg.de\/node\/9901 [10.01.2017].<\/p>\n<p>Bundesregierung (2014): Kultur und Integration, [online] https:\/\/www.bundesregierung.de\/Webs\/Breg\/DE\/Bundesregierung\/BeauftragtefuerKulturundMedien\/kultur\/kulturelleBildung\/integration\/_node.html [14.01.2017].<\/p>\n<p>Bundesregierung (2017): Kultur und Integration, [online] https:\/\/www.bundesregierung.de\/Webs\/Breg\/DE\/Bundesregierung\/BeauftragtefuerKulturundMedien\/kultur\/kulturundintegration\/_node.html [11.01.2017].<\/p>\n<p>CSU-Landesgruppe (2017): Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Kloster Seeon vom 4. bis 6. Januar2017. Integration: Unsere Werte gelten, [online] https:\/\/www.csu landesgruppe.de\/sites\/default\/files\/2017-01-05_integration_klausurtagung_seeon_final.pdf [11.01.2017].<\/p>\n<p>Deutscher Bundestag (2016): Antrag der Fraktionen der CDU\/CSU und SPD: Kultur baut Br\u00fccken. Der Beitrag von Kulturpolitik zur Integration, [online] http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/18\/106\/1810634.pdf [20.12.2016].<\/p>\n<p>D\u00f6nhoff , Marion Gr\u00e4fin (2014): Leitkultur-Debatte. Leitkultur gibt es nicht. In: Die Zeit, [online] http:\/\/www.zeit.de\/2000\/46\/200046_leitkultur.xml [02.01.2017].<\/p>\n<p>Ebert, Johannes (2016): Rede von Johannes Ebert bei der Konferenz \u201eKultur wirkt \u2013 Mit Evaluation Au\u00dfenbeziehungen nachhaltig gestalten\u201c, [online] https:\/\/www.goethe.de\/de\/uun\/prs\/int\/gen\/20711059.html [12.01.2016].<\/p>\n<p>engagiert in NRW (2017): Engagement und Integration [online] https:\/\/www.engagiert-in-nrw.de\/engagement-und-integration [12.01.2017].<\/p>\n<p>Ermert, Karl (2009): Was ist kulturelle Bildung? 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Wege der Begriffskl\u00e4rung, in: Kristin<\/p>\n<p>B\u00e4\u00dfler et al., <em>Kulturelle Bildung: Aufgaben im Wandel.<\/em> Berlin: Deutscher Kulturrat, S.8-12.<\/p>\n<p>G\u00f6hmann, Lars (2007): Kunst, Kultur, Gesellschaft \u2013 zwischen Provinz und<\/p>\n<p>Globalisierung Kunst in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts, [online] <a href=\"http:\/\/www.proskenion.de\/cms\/upload\/pdf\/Goehmann_Vortraege_und_Aufsaetze\/Kunst_Kultur_Gesellschaft.pdf\">http:\/\/www.proskenion.de\/cms\/upload\/pdf\/Goehmann_Vortraege_und_Aufsaetze\/Kunst_Kultur_Gesellschaft.pdf<\/a> [13.01.2016].<\/p>\n<p>Greven, Ludwig (2016): Integrationsgesetz: Beruhigungsmittel f\u00fcrs Volk, in: Die Zeit, [online] http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2016-04\/integrationsgesetz-einwanderungsgesetz-grosse-koalition-schwarz-gruen [12.01.2016].<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr soziale Bewegungen (2006): Schmelztiegel Ruhrgebiet? 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Deutschen Bundestag vertretenen Parteien<\/em>. Wiesbaden: Springer VS.<\/p>\n<p>Regionalkunde Ruhrgebiet (2016): Theater [online] http:\/\/www.ruhrgebiet-regionalkunde.de\/erneuerung_der_infrastruktur\/kultur_und_regionalbewusstsein_\/theater.php?p=5,2 [20.12.2016].<\/p>\n<p>Regionalkulturpolitik NRW (2014): Kulturregion Ruhrgebiet. Vielf\u00e4ltige Metropole zwischen alt und neu, [online] http:\/\/www.regionalekulturpolitiknrw.de\/die-kulturregionen\/ruhrgebiet\/ [20.12.2016].<\/p>\n<p>Ruhr International (2016): Ruhr International. Das Fest der Kulturen, [online] www.ruhr-international.de [20.12.2016].<\/p>\n<p>Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Zuwanderung und Migration (2004): Das Jahresgutachten 2004 des Sachverst\u00e4ndigenrats f\u00fcr Zuwanderung und Integration, [online]<br \/>\nhttp:\/\/www.zar.nomos.de\/fileadmin\/zar\/doc\/Aufsatz_zar_04_11.pdf [13.01.2016].<\/p>\n<p>Schnell, Lisa (2016): Wie Experten das &#8222;Integrationsgesetz&#8220; der CSU zerpfl\u00fccken. In: S\u00fcddeutsche Zeitung [online] http:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/landtag-wie-experten-das-integrationsgesetz-der-csu-zerpfluecken-1.3185167 [02.01.2017].<\/p>\n<p>Spiegel (2016): De Maizi\u00e8re zur Integration von Fl\u00fcchtlingen. &#8222;Jeder muss wissen, was in Auschwitz passiert ist&#8220; [online] http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/de-maiziere-zu-integration-von-fluechtlingen-jeder-muss-wissen-was-in-auschwitz-passiert-ist-a-1086088.html [03.01.2017].<\/p>\n<p>S\u00fcddeutsche (2016): Fl\u00fcchtlings-Bundesamt nimmt 200 000 Altf\u00e4lle mit ins neue Jahr, [online]<br \/>\nhttp:\/\/www.sueddeutsche.de\/news\/politik\/migration-fluechtlings-bundesamt-nimmt-200-000-altfaelle-mit-ins-neue-jahr-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-160811-99-30750 [07.01.2017].<\/p>\n<p>Tibi, Bassam (2002): Leitkultur als Wertekonsens. Bilanz einer missgl\u00fcckten deutschen Debatte. In: Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung [online] http:\/\/www.bpb.de\/publikationen\/40QIUX,1,0,Leitkultur_als_Wertekonsens.html#art1 [02.01.2017].<\/p>\n<p>UNESCO (1982): Erkl\u00e4rung von Mexiko-City \u00fcber Kulturpolitik. Weltkonferenz \u00fcber<\/p>\n<p>Kulturpolitik, [online] http:\/\/www.unesco.de\/infothek\/dokumente\/konferenzbeschluesse\/erklaerung-von-mexiko.html [12.01.2017].<\/p>\n<p>Wildermann, Patrick (2016): \u201eKultur wirkt\u201c Zwischen Wert und Bewertung, [online] https:\/\/www.goethe.de\/de\/uun\/akt\/20703486.html [14.01.2016].<\/p>\n<p>Ziese, Maren und Caroline Gritschke (2016): Flucht und Kulturelle Bildung. Bestandsaufnahme, Reflexion, Perspektiven, in: Maren Ziese und Caroline (Hrsg.), <em>Gefl\u00fcchtete und kulturelle Bildung &#8211; Formate und Konzepte f\u00fcr ein neues Praxisfeld<\/em>. Bielefeld: transcript Verlag, S.23-34.<\/p>\n<p>Zimmermann, Olaf (2002): Streiter f\u00fcr den Eigenwert von Kunst und Kultur, [online] https:\/\/www.nmz.de\/kiz\/nachrichten\/streiter-fuer-den-eigenwert-von-kunst-und-kultur [13.01.3016].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Integrationsarbeit und gesellschaftliche Teilhabe durch kulturelle Projekte im Ruhrgebiet Die kontroverse Diskussion, wie Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergr\u00fcnden zusammen in Deutschland leben k\u00f6nnen, ist bis heute in vollem Gange. Dabei verteilen sich die verschiedenen Argumente und Forderungen zwischen den beiden Gegensatzpolen Multikulturalismus und Leitkultur. Hinter den beiden Begriffen verbergen sich divergente Vorstellungen, wie sich dieses [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[33,42,27,45,41,23,62,44,43,30,40,46],"class_list":["post-49","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur","tag-botschafter","tag-finanzierung","tag-gesellschaftlicher-wandel","tag-identitaet","tag-integrationsgesetz","tag-kulturelle-bildung","tag-netzwerk","tag-sprache","tag-traumata","tag-vernetzung","tag-willkommenskultur","tag-wissensgewinn"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":258,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49\/revisions\/258"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}