{"id":478,"date":"2018-10-02T09:15:45","date_gmt":"2018-10-02T07:15:45","guid":{"rendered":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=478"},"modified":"2018-10-02T10:03:17","modified_gmt":"2018-10-02T08:03:17","slug":"essbare-stadt-andernach-als-prefigurative-politics","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=478","title":{"rendered":"Essbare Stadt Andernach als prefigurative politics"},"content":{"rendered":"<p>Die wahrscheinlich gr\u00f6\u00dften Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, sind umweltpolitischer Natur. Die Zerst\u00f6rung der Planetenoberfl\u00e4che hat zum Teil Ausma\u00dfe angenommen, die es vielen Menschen schwer machen, blind dem Status quo zu applaudieren. Luft- und Wasserverschmutzung, der menschliche Beitrag zum Klimawandel durch Treibhausgasemissionen, Entwaldung, industrielle Landwirtschaft und ein steigender Energiehunger der wachsenden Weltgesellschaft bzw. der sie versorgenden fragilen Infrastruktur, all dies sind Aspekte, die viele Menschen nicht mehr ignorieren wollen oder k\u00f6nnen. Besonders kulminieren diese Effekte nat\u00fcrlich in St\u00e4dten, welche\u00a0 naturgem\u00e4\u00df durch ihre Populations- eine vergleichsweise hohe Konsumptions- und Emissionsdichte aufweisen. Wenn man bedenkt, dass bis 2050 66% der Weltbev\u00f6lkerung in St\u00e4dten leben werden,<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> ergibt es augenscheinlich Sinn, hier einzugreifen und Strukturen zu ver\u00e4ndern. Dies sollte idealerweise an mehreren Fronten geschehen: durch klassischen politischen Aktivismus sowie auch <em>lifestyle<\/em> <em>politics<\/em> oder <em>prefigurative<\/em> <em>politics. <\/em>Dieses Essay widmet sich dem letzten Punkt, um die Kriterien von <em>prefigurative<\/em> <em>politics<\/em> auf ein alternatives Stadtprojekt in Deutschland anzuwenden: die Essbare Stadt Andernach. Im Vorfeld ist bereits ein <a href=\"https:\/\/echo360.rub.de:8443\/ess\/portal\/section\/04025e2b-40b3-43af-a5c0-dfe96445e426\">wissenschaftliches Video<\/a> dazu entstanden, welches den Forschungsprozess und den Besuch der Stadt auf der Suche nach Antworten widerspiegelt.<!--more--><\/p>\n<p>In diesem Essay sollen die Fragen aus dem wissenschaftlichen Video noch einmal aufgeworfen und beleuchtet werden. Die Forschungsfrage dabei ist, in welcher Hinsicht die Essbare Stadt Andernach als <em>prefigurative politics <\/em>betrachtet werden kann. Dazu werden wir sehen, ob sie ausreichend auf B\u00fcrgerengagement und die Diffusion ihrer Praktiken ausgerichtet ist und au\u00dferdem wird untersucht, ob die Essbare Stadt Andernach sich durch Zukunftsorientierung und experimentelle Praktiken das Label \u201e<em>prefigurative\u201c <\/em>\u00fcberhaupt verdient. Nachdem <a href=\"#prefigurative\">anfangs<\/a> gekl\u00e4rt wird, was darunter eigentlich zu verstehen ist, wird <a href=\"#Interview\">im Anschluss<\/a> anhand der Interviewantworten von Mitinitiator Dr. Lutz Kosak die Fragestellung durchexerziert, um am Ende ein <a href=\"#Fazit\">Fazit<\/a> zu ziehen und zu zeigen, inwiefern wir es hier mit <em>prefigurative<\/em> <em>politics<\/em> zu tun haben.<\/p>\n<h2><strong><em><u><a id=\"prefigurative\"><\/a>prefigurative<\/u><\/em><\/strong><strong><em> <u>politics<\/u><\/em><\/strong><\/h2>\n<p>Was verbirgt sich nun hinter dem Begriff \u201eprefigurative politics\u201c, f\u00fcr den es keine ad\u00e4quate deutsche \u00dcbersetzung zu geben scheint oder f\u00fcr den in der deutschen Form \u201epr\u00e4figurative Politik\u201c zumindest keine allgemeine Bekanntheit beansprucht werden kann? \u201ePr\u00e4\u201c als \u201evor\u201c und \u201efigurativ\u201c als \u201evon der Form her\u201c bringt einen zur spontanen Assoziation, dass es sich um irgendeine Art der Vor-Formung von etwas handelt. Und tats\u00e4chlich codiert das Wort eine interessante Verbindung von Gegenwart und Zukunft, und zwar den Gedanken, dass im Hier und Jetzt die Welt der Zukunft geformt wird, indem man genau so lebt, als w\u00e4re sie schon gegenw\u00e4rtig: \u201eto prefigure is to anticipate or enact some feature of an \u201aalternative world\u2018 in the present, as though it has already been achieved\u201c.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n<p>Von klassischen Repertoires politischer Aktivit\u00e4t wird dabei meist abgesehen und stattdessen an die Unmittelbarkeit appelliert:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eRather than looking to a revolutionary vanguard to seize existing power structures and implement revolutionary change on behalf of the masses or to trade unions or political parties to leverage reforms within the existing system, a prefigurative approach seeks to create the new society \u201ein the shell of the old\u201c by developing counterhegemonic institutions and modes of interaction that embody the desired transformation. In this sense, a prefigurative strategy is based on the principle of direct action, of directly implementing the changes one seeks, rather than asking others to make the changes on one\u2018s behalf\u201c<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> schreibt Darcy Leach und Luke Yates erg\u00e4nzt: \u201eThe concept, which following other scholars is used here interchangeably with the simpler \u201aprefiguration\u2018, refers to the attempted construction of alternative or utopian social reflections in the present, either in parallel with, or in the course of, adversarial social movement protest.\u201c<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Erstmals 1977 durch Carl Boggs beschrieben als<\/p>\n<blockquote><p>\u201ethe embodiment, within the ongoing political practice of a movement, of those forms of social relations, decision-making, culture, and human experience that are the ultimate goal\u201c<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>,<\/p><\/blockquote>\n<p>finden sich Beispiele f\u00fcr <em>prefigurative<\/em> <em>politics<\/em> in vielen Bereichen. Von der Frauenbewegung \u00fcber Umweltaktivismus, Autonomiebewegungen, Friedens- und Indigenenbewegung bis auf globaler Ebene zu den Aktivit\u00e4ten gegen neoliberale Globalisierung<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> sind Anleihen beim Modell der pr\u00e4figurativen Politik zu beobachten. Auch Flora Cornish u. a. beschreiben diese Form des Engagements als teils kontr\u00e4r zu herk\u00f6mmlicher politischer Partizipation, vor allem im Kontrast zu den Methoden der \u201eAlten Linken\u201c als kreatives Experimentieren:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eThe term emerged in the New Left of the 1960s and 1970s and represented a break from \u2018Old Left\u2019 practices of focusing on structural and economic determinants while failing to address how people in movements for social justice often relate to each other in oppressive ways. The term was embraced by feminism, anarchism and the New Left to bring into focus modes of practice that make it possible to envision a transformed society based on actual human capacities rather than abstract principles (Boggs, 1977). These movements were guided by the idea that radical social change requires creating and experimenting with the kinds of egalitarian practices, democratic spaces, and alternative modes of relating that anticipate a future society that cannot yet be fully realized.\u201c<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Experimentieren reicht bis in die allt\u00e4glichen Verhaltensweisen der involvierten Personen und konstituiert dadurch eine typische \u201ebottom-up\u201c Organisationsweise und Entscheidungsfindung. Jeder Mensch kann partizipieren, indem er der Bewegung entsprechende Verhaltensweisen adaptiert bzw. sich an deren Aktionsrepertoire bedient und dadurch gleichzeitig die Sto\u00dfrichtung beeinflussen.<\/p>\n<p>Zusammenfassend k\u00f6nnen wir zur Charakterisierung von <em>prefigurative<\/em> <em>politics<\/em> also 3 wesentliche (wenn auch vereinfachte) Eigenschaften festhalten: Mittel-Zweck \u00c4quivalenz, die Erschaffung von Alternativen, und Prolepsis\/Vorwegnahme. Diese Merkmale werden zum Beispiel durch das erw\u00e4hnte Experimentieren, die Produktion und Zirkulation entsprechender Verhaltensweisen sowie durch direkte Interaktion und Handlung als auch Diffusion der Praktiken realisiert:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eprefigurative politics is best understood as the compound of five identifiable processes, combining experimentation, the circulation of political perspectives, the production of new forms and conduct, material consolidation, and diffusion.\u201c<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<h2><strong><u><a id=\"Interview\"><\/a>Andernach als \u201eprefiguratives\u201c Projekt?<\/u><\/strong><\/h2>\n<p>Um die Frage zu untersuchen, inwiefern die Essbare Stadt Andernach zu dem Modell der <em>prefigurative<\/em> <em>politics<\/em> Parallelen aufweist, haben wir mit Dr. Lutz Kosak gesprochen, dem Initiator der Non-Profit Organisation \u201ePerspektive Andernach\u201c. Mit diesem Projekt hat in Andernach alles begonnen. Im Jahre 2010 wurde hier der erste Stein f\u00fcr das gr\u00f6\u00dfte st\u00e4dtische Landwirtschaftsprojekt Deutschlands gelegt. Auf etlichen Gr\u00fcnfl\u00e4chen in der Stadt wird heute eine ganze Bandbreite verschiedener Getreide-, Obst- und Gem\u00fcsesorten angebaut und alle, die vorbeikommen, d\u00fcrfen sich bedienen. Die Instandhaltung wird durch bis zu 30 Langzeitarbeitslose der Stadt unter der Anleitung eines professionellen G\u00e4rtners gew\u00e4hrleistet und koordiniert von \u201ePerspektive Andernach\u201c.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit Dr. Kosak ging es zun\u00e4chst um die Philosophie hinter dem Projekt, das sich ihm zufolge dem Versuch verschrieben hat, nicht auf die gro\u00dfe Katastrophe zu warten, die uns vor Augen f\u00fchren wird, dass unser Lebensstil nicht nachhaltig ist. Stattdessen soll versucht werden, jetzt, zu einem Zeitpunkt, in dem es uns sehr gut geht, eine Entscheidung zu treffen und Dinge zu \u00e4ndern. So wurde in der ganzen Stadt ein Quadratmeter Trittrasen nach dem anderen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck aufgewertet. Ein \u00f6kologisch und \u00e4sthetisch mehr oder weniger sinnfreier Fleck, den 14 mal im Jahr ein \u201egelangweilter Rasenm\u00e4her\u201c (Kosak) zurechtstutzt, bekommt durch das Anpflanzen eines Gem\u00fcses, z. B. Mangold oder Salat, zun\u00e4chst einen Nutzwert. Durch die Saat seltener Sorten steigert man zugleich den \u00f6kologischen Nutzen und die Biodiversit\u00e4t. Daneben installierte Beschilderungen erschaffen einen \u00f6kop\u00e4dagogischen Nutzen und durch die Besch\u00e4ftigung von Langzeitarbeitslosen steigert man au\u00dferdem den sozialen Nutzen. Wenn es dann auch noch sch\u00f6n aussieht, hat man parallel \u00e4sthetischen Wert erzeugt und die Lebensqualit\u00e4t der Einwohner erh\u00f6ht, so jedenfalls der ideelle Hintergrund der Initiative.<\/p>\n<p>Auf die Frage nach der Entstehung und dem Planungsprozess der Essbaren Stadt antwortete Kosak, es w\u00fcrde eher einem Schneeballeffekt \u00e4hneln, als einer minuti\u00f6s durchgeplanten Unternehmung. \u201eEs ist vielmehr so, dass es ein ganz sukzessiver Aufbau eines Systems ist mit einer ganz hohen Eigendynamik. Ich hab immer das Bild, dass wir oben mit Schneeb\u00e4llen rumgespielt haben und unten ist eine Lawine rausgekommen.\u201c W\u00e4hrend also das Ziel klar eine nachhaltigere Gesellschaft und zu diesem Zweck die Integration landwirtschaftlicher Prozesse in das Stadtgebiet ist, es quasi eine Vision gibt, die mit verf\u00fcgbaren Mitteln heute bereits gelebt wird, ist auch die Abwesenheit eines Langzeitplanes von Beginn an ein Indiz daf\u00fcr, dass wir es hier mit <em>prefigurative<\/em> <em>politics<\/em> zu tun haben.<\/p>\n<p>Inwieweit jedoch die B\u00fcrger selbst Einfluss auf die Entwicklungsdynamiken der Essbaren Stadt Andernach nehmen k\u00f6nnen, scheint dem zu widersprechen. Kosak spricht von w\u00f6chentlichen Zusammenk\u00fcnften Mittwochs 9:30 Uhr, in denen die Essbare Stadt konzipiert wird. Teilnehmer dieser Treffen sind neben den Protagonisten der \u201ePerspektive Andernach\u201c zum Beispiel G\u00e4rtner, bei gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen oder Festen das Ordnungsamt und das Kulturamt, je nachdem welche Anliegen es zu kl\u00e4ren gibt. Wirkliches Engagement der B\u00fcrger gibt es nur in Einzelf\u00e4llen. So arbeiten zum Beispiel ein pensioniert Winzer und ein Imker f\u00fcr das Projekt.\u00a0 Daher handelt es sich nach Kosak, jedoch auch offensichtlich, um ein typisches \u201etop-down Projekt\u201c, von der Verwaltung f\u00fcr die B\u00fcrger. Dies entspricht also nicht der \u201ebottom-up\u201c Charakteristik von <em>prefigurative<\/em> <em>politics<\/em>.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Zirkulation bzw. Diffusion der Ideen und Praktiken weist die Essbare Stadt wiederum einige Parallelen zum Modell auf. Durch die starke Netzwerkarbeit mit anderen St\u00e4dten, aber auch Organisationen und Initiativen aus dem \u00e4hnlichen Milieu ist hier der Versuch erkennbar, das Konzept der Essbaren Stadt in die Welt zu tragen und so dem Ideal, der Vision ein St\u00fcck n\u00e4her zu kommen. Kosak spricht in diesem Zusammenhang insbesondere von der Zusammenarbeit mit Slow Food und Fairtrade. Er erw\u00e4hnt au\u00dferdem explizit, dass sich das niemand vor 10 Jahren h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen und verleiht damit dem Eindruck Best\u00e4tigung, es handele sich um ein Projekt mit hohem Spontanit\u00e4ts- und Experimentierungslevel, in dem am Anfang einfach begonnen wurde mit den verf\u00fcgbaren Mitteln und dann Schritt f\u00fcr Schritt \u00fcber die Jahre geschaut wurde, wie sich das potentielle Aktionsumfeld \u00e4ndert und Handlungsspielr\u00e4ume er\u00f6ffnet, entsprechend den erw\u00e4hnten Kriterien von <em>prefigurative<\/em> <em>politics<\/em>.<\/p>\n<p>Mit der HU und TU Berlin gibt es dar\u00fcber hinaus ein Forschungsprojekt ab September 2018, \u201ethe edible city network\u201c, innerhalb dessen auf eine Verbindung der Essbaren St\u00e4dte hingearbeitet werden soll, darunter Heidelberg, Oslo, Rotterdam, Havana und Andernach.<\/p>\n<h2><strong><u><a id=\"Fazit\"><\/a>Fazit<\/u><\/strong><\/h2>\n<p>Letztendlich handelt es sich bei der Essbaren Stadt Andernach offensichtlich um eine Mischform, dennoch mit vielen Anleihen aus dem Kriterienpool von <em>prefigurative<\/em> <em>politics. <\/em>Darunter f\u00e4llt zun\u00e4chst die allgemeine Idee hinter dem Projekt, also die ideologische bzw. utopische Ausrichtung im besten Sinne. Das Ziel ist, mit begrenzten Fl\u00e4chen innerhalb der Stadt m\u00f6glichst effizient das \u201eBeste\u201c zu erreichen. Das Beste ist in diesem Fall die Erweiterung des \u00f6kologischen, biodiversen, \u00f6kop\u00e4dagogischen, sozialen, \u00e4sthetischen, und lebensqualitativen Nutzens verf\u00fcgbaren Bodens. Dies geschieht jedoch nicht aus wirtschaftlichem, sondern ideellem Ansporn. Kosak m\u00f6chte nicht auf die gro\u00dfe Katastrophe warten, sondern heute Weichen stellen, die sich sp\u00e4ter vielleicht nicht mehr bewegen lassen und hat daher mit hoher Spontanit\u00e4t im Jahre 2010 das Projekt gestartet und als Mittel des Wandels prim\u00e4r die direkte Aktion walten lassen: Boden, Saat, Pflege. Daraus ist in der vergangenen Zeit eine Essbare Stadt erwachsen.<\/p>\n<p>All diese Feststellungen korrelieren mit den erarbeiteten Anforderungen an <em>prefigurative<\/em> <em>politics. <\/em>Dennoch gibt es auch einiges, was dagegen spricht. Am wichtigsten ist hier die top-down Konzeption der Essbaren Stadt, da dies dem eigentlichen Charakter einer <em>prefigurative<\/em> <em>politics <\/em>(bottom-up) diametral gegen\u00fcbersteht. Und auch wenn die Zirkulation und Diffusion der Ideen durch Netzwerke und Partnerschaften realisiert wird, fehlt doch die Partizipation der B\u00fcrger vor allem im Hinblick auf die Mitbestimmung der Rahmenbedingungen und die Infrastruktur der Essbaren Stadt. Von den erw\u00e4hnten Einzelausnahmen abgesehen werden die B\u00fcrger der Stadt lediglich in Form von Langzeitarbeitslosen integriert, und selbst diese werden einfach nur angestellt. Die Innovationen und Entwicklungen stehen also unter der gesicherten Expertise einiger weniger. Nichtsdestotrotz muss man dem Projekt zugestehen, dass es wirkt, das Interesse auch international auf sich zieht und eine interessante, erschwingliche Blaupause f\u00fcr nachhaltige Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert darstellt, von der sich andere inspirieren lassen und lassen sollten. Und gerade diese St\u00e4rke, die Bekanntheit und der Einfluss \u00fcber die eigenen Grenzen hinaus, ist Flora Cornish u. a. zufolge vielleicht nur dadurch realisierbar, dass sich die Essbare Stadt Andernach gerade nicht mit den herk\u00f6mmlichen Limitationen einer 100 % <em>prefigurative<\/em> <em>politics<\/em> herumplagen muss und die Potentiale formaler Politk integriert:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eParticipants\u2019 understandings or social representations of sustainability and how to achieve it both motivate and make sense of their own engagement in the movement, but also create a boundary discouraging engagement with formal politics. The authors identify a challenge for the participants as they seek to implement ecologically sustainable towns and national infrastructures. Members are motivated to reach out and spread their message, but a deep distrust of formal politics, opposition to which is part of the very definition of members\u2019 identities, limits the potential for their wider, collective impact.\u201c<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<h3>Ein Beitrag von Tilman Albrecht<\/h3>\n<h2>Literaturverzeichnis<\/h2>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a>Yates, Luke (2015): S. 4.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a>Leach, Darcy K. (2013): S. 1004.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a>Yates, Luke (2015): S. 1.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a>Boggs, Carl (1977): S. 100.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a>Vgl. Leach, Darcy K. (2013): S. 1005.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a>Cornish, Flora;\u00a0 Haaken, Jan; Moskovitz, Liora; Jackson, Sharon (2016); S. 115.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a>Yates, Luke (2015): S. 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a>Cornish, Flora;\u00a0 Haaken, Jan; Moskovitz, Liora; Jackson, Sharon (2016); S. 119-120.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a>IRP (2018). The Weight of Cities: Resource Requirements of Future Urbanization. Swilling, M., Hajer, M., Baynes, T., Bergesen, J., Labb\u00e9, F., Musango, J.K., Ramaswami, A., Robinson, B., Salat, S., Suh, S., Currie, P., Fang, A., Hanson, A. Kruit, K., Reiner, M., Smit, S., Tabory, S. A Report by the International Resource Panel. United Nations Environment Programme, Nairobi, Kenya.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wahrscheinlich gr\u00f6\u00dften Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, sind umweltpolitischer Natur. 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