{"id":319,"date":"2018-01-20T11:07:03","date_gmt":"2018-01-20T10:07:03","guid":{"rendered":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=319"},"modified":"2018-04-17T09:14:24","modified_gmt":"2018-04-17T07:14:24","slug":"das-selbstexperiment-zero-waste-mehr-als-nur-mal-ausprobieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=319","title":{"rendered":"Das Selbstexperiment Zero Waste \u2013 Mehr als nur mal ausprobieren!"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-321 alignright\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1-1-300x176.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1-1-300x176.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1-1-768x450.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1-1-1024x600.jpg 1024w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1-1-624x366.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1-1.jpg 1341w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><strong>Verpackungswahnsinn \u2013 verpackte Gurken und Coffee to go<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2016 produzierte jede_r Deutsche_r im Durchschnitt 462 kg M\u00fcll (Statistisches Bundesamt, 2016). Diese Zahl ist nicht verwunderlich, wenn man sich im Supermarkt seinen Einkauf mal genauer ansieht und dort selbst das Gem\u00fcse kaum noch ohne Verpackung erh\u00e4ltlich ist. Doch nicht nur im Supermarkt wird man von einer Flut aus Verpackungen \u00fcberschwemmt. Viele Verhaltensweisen sind in unseren Alltag l\u00e4ngst integriert und selbstverst\u00e4ndlich geworden. Bei einer Party mit Freunden gibt es praktischerweise Pappteller und Plastikbesteck, das Paket aus dem Internet kommt im Karton mit doppelter Luftpolsterfolie, der morgendliche Kaffee wird aus einem to go Becher getrunken und Seife, Shampoo, Schminke und Co. stehen in allen Variationen und Farben in den Regalen.<\/p>\n<p>Oft fallen Stichw\u00f6rter, wie Konsum-, oder Wegwerfgesellschaft und angesichts des Pro-Kopf M\u00fcllaufkommens, scheinen diese Worte auch zuzutreffen. \u00a0\u00a0\u00a0In Deutschland werden pro Jahr 6,7 Millionen Tonnen alleine an Lebensmittel weggeschmissen (Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft).<a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-2-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-322 alignleft\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-2-1-300x180.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-2-1-300x180.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-2-1-768x460.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-2-1-624x374.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-2-1.jpg 828w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Entwicklung dieser Konsum-, und Wegwerfmentalit\u00e4t ist allerdings eine vergleichsweise neue Errungenschaft unserer gegenw\u00e4rtigen Dienstleistungsgesellschaft. Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Menschen noch \u00fcberwiegend Selbstversorger_Innen und produzierten nur so viel, wie sie auch konsumierten. Mit der Industrialisierung und der damit verbundenen Verlagerung des Wohnortes in die St\u00e4dte, \u00e4nderte sich die Lebensweise der Menschen grundlegend. Es kam zum \u00dcbergang von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft. Die Produktion von Nahrung und G\u00fctern wurde aus den Haushalten in die Betriebe verlagert und es entstand die Erwerbsarbeit. Technologischer Fortschritt, wachsende Produktivit\u00e4t und Globalisierung brachten ebenfalls steigenden Wohlstand mit sich und der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft war vollzogen (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, 2010). W\u00e4hrend bis Ende des 19. Jahrhunderts die Lebensmittel noch selber angebaut wurden, er\u00f6ffnete im Jahre 1957 bereits der erste Supermarkt in Deutschland. Nahrung, Kleidung, Freizeit, Genussmittel etc. werden heute dank steigender Massenkaufkraft im \u00dcberfluss konsumiert. Probleme, die diese Entwicklung mit sich bringen, sind unter anderem Verschwendung, Rohstoff-, und Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und soziale Ungerechtigkeit. Immer wieder tauchen diese Themen in der Politik und der Gesellschaft auf. Doch wie sehen die M\u00f6glichkeiten der_s Einzelnen aus, sich eine alternative Lebensweise, ohne Massenkonsum und Verpackungswahnsinn, zu gestalten?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Selbsttransformation \u2013 Zero Waste: ein Leben ohne M\u00fcll<\/strong><\/p>\n<p>Wer die Welt ver\u00e4ndern will, muss bei sich selbst anfangen. In diesem Zusammenhang bedeutet Selbsttransformation, sein Verhalten oder seine Lebensweise so zu ver\u00e4ndern, dass diese, der subjektiven Vorstellung einer idealen Gesellschaft entsprechen. Selbsttransformation ist insofern vom politischen Konsum zu unterscheiden, als das es der Person nicht in erster Linie darum geht, durch ihr Verhalten oder durch bestimmte Aktionen, ihrer Meinung in Bezug auf die Politik Ausdruck zu verleihen und somit eine Ver\u00e4nderung zu bewirken (Baringhorst, 2012). Viel mehr findet die Selbsttransformation auf pers\u00f6nlicher Ebene statt und es geht erst einmal nur darum, das eigene Verhalten einer Ideologie anzupassen (Schatzki, Theodore R., 2001). Nicht selten entwickelt sich aus einer anfangs kleinen Gruppe von Menschen, dann eine gro\u00dfe Bewegung und f\u00fchrt so schlie\u00dflich zu weitreichenden Ver\u00e4nderungen, auch in der Politik. Zero Waste l\u00e4sst sich l\u00e4ngst nicht mehr als eine kleine Bewegung definieren. Im Internet finden sich unz\u00e4hlige Blogs, Youtube Videos, Zeitungsartikel oder Facebook-Gruppen, in denen Menschen von ihrem Alltag mit Zero Waste berichten und sich gegenseitig motivieren, L\u00f6sungen zur M\u00fcllvermeidung zu finden.<\/p>\n<p>Was genau ist denn eigentlich Zero Waste? Und wie lebe ich Zero Waste? Wer Zero Waste lebt, m\u00f6chte im Allgemeinen der Konsum-, und Wegwerfmentalit\u00e4t unserer Gesellschaft entfliehen. Wichtig hierbei ist, dass nicht mehr konsumiert wird, als letzten Endes auch verbraucht wird. Zero Waste geht also mit einem gewissen Grad an Minimalismus einher, da auf Massenkonsum verzichtet wird. Des Weiteren wird versucht, m\u00f6glichst umweltfreundlich zu leben und so wenig M\u00fcll wie m\u00f6glich, bis gar keinen M\u00fcll zu produzieren. Keinen M\u00fcll zu produzieren, f\u00fcr die meisten Menschen kaum vorstellbar. So gut wie alles, ist auf irgendeine Weise von Verpackungen umh\u00fcllt und es macht den Anschein als k\u00f6nnte man, bei dem Vorhaben auf M\u00fcll zu verzichten, kaum noch etwas einkaufen. Bestimmt hat jeder schon einmal ein Produkt in der Hand gehabt und sich dar\u00fcber gewundert, warum dieses unn\u00f6tiger Weise mehrfach und \u00fcberdimensional verpackt ist. Keinen M\u00fcll produzieren das funktioniert doch niemals! Aber zahlreiche Zero Waste Angeh\u00f6rige beweisen das Gegenteil. Bilder von gerade einmal einem kleinen Einmachglas voll M\u00fcll, welcher sich innerhalb eines Jahres in einem zwei Personen Haushalt ansammelte, lassen erstaunen. Auch zum Thema Lebensmittelverschwendung findet man im Internet viele hilfreiche Tipps. Wichtige Faktoren zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung sind vor allem das vorausschauende Planen des Einkaufs, das Einkaufen nach Bedarf, richtige Lagersituation der Lebensmittel und Resteverwertung. Zero Waste beginnt mit der Reflexion und der Frage dar\u00fcber, ob wir wirklich so viele Produkte und Verpackungen ben\u00f6tigen und warum die Menschen in den letzten 60 Jahren, einen so starken Konsumtrieb entwickelt haben. Das heutzutage, als normal angesehene, Einkaufsverhalten wird beim Zero Waste grundlegend \u00fcberdacht und neu organisiert, hierbei sind oft kreative Tricks und Durchhalteverm\u00f6gen n\u00f6tig. Es zeigt sich, das Thema Zero Waste ist sehr komplex und dringt in alle Facetten des allt\u00e4glichen Lebens ein. Es ist mehr als einfach nur mal eine Mehrweg-Einkaufst\u00fcte benutzen. Es ist ein Lebensstil, der darauf abzielt, seinen \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck zu verringern.<a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Footsteps.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-329 alignright\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Footsteps-270x300.png\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Footsteps-270x300.png 270w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Footsteps.png 601w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der folgende Beitrag soll nun umfassende Hintergrundinformationen \u00fcber die Zero Waste Bewegung als Form des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements vermitteln. Besonders spannend an dieser Forschung ist, dass zus\u00e4tzlich zur \u00fcblichen Forschungsmethode, welche in Form von qualitativen Interviews stattgefunden hat, ein Selbstexperiment durchgef\u00fchrt wurde. Das Selbstexperiment sollte dazu dienen zum einen, den Prozess einer solchen Ver\u00e4nderung der Lebensgewohnheiten selbst zu erleben, sowie einen anderen Blickwinkel auf den Forschungsgegenstand zu erhalten. Die Idee ist es, Daten aus erster Hand zu gewinnen und dadurch vor allem emotionale Erfahrungen besser nachvollziehen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr das Selbstexperiment wurde ein Tagebuch gef\u00fchrt, in dem in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden das eigene Verhalten sowie Erfahrungen mit Zero Waste intensiv reflektiert und notiert wurden. Zus\u00e4tzlich wurden im Zeitraum von August bis Oktober vier qualitative Interviews gef\u00fchrt. Hierf\u00fcr befragten wir eine Inhaberin eines Unverpackt Ladens im Ruhrgebiet, sowie drei Personen, welche seit unterschiedlichen Zeitr\u00e4umen selbst Zero Waste in ihrem Alltag leben. Zentrale Fragen der Interviews waren die Motive der Praktizierenden, ihre eigenen Lerneffekte, der konkrete Aufwand der im Alltag entsteht, die Reaktionen aus ihrem sozialen Umfeld sowie ihr pers\u00f6nlicher Appell an die Politik.<\/p>\n<p>Der Text gliedert sich im weiteren Verlauf in vier Teile. Im Kapitel A. <a href=\"#Bewegung\"><u>Zero Waste als Form prefigurativer Politik<\/u><\/a>, soll Zero Waste als b\u00fcrgerschaftliches Engagement im Hinblick auf prefigurative politics und politischem Konsum n\u00e4her erl\u00e4utert werden. Hierzu werden zum einen die Motivationen und Gesellschaftlichen Ziele hervorgehoben sowie Methoden zur Erreichung solcher Ziele. Im n\u00e4chsten Kapitel B. <a href=\"#methodische Vorgehensweise\"><u>Das Selbstexperiment als innovative Forschungsmethode<\/u><\/a> werden die Besonderheiten der Forschungsmethode des Selbstexperimentes hervorgehoben. Diese lassen sich vor allem auf die neue Forschungssituation zur\u00fcckf\u00fchren, in der man als Forscher_In innerhalb des Selbstexperimentes zugleich die Rolle der_s Erforschten annimmt. Das darauffolgende Kapitel C. stellt insbesondere den <a href=\"#Prozess\"><u>Prozess des Selbstexperimentes<\/u><\/a> dar, welcher sich in mehrere Phasen einteilen l\u00e4sst und einen ersten Einblick in die Herausforderungen und Anforderungen einer solchen Forschungsmethode gibt. Im vierten Teil D. <a href=\"#Talking\"><u>Talking about Zero Waste<\/u><\/a> werden die Erkenntnisse aus den Interviews dargestellt. Hier wurde sich vor allem mit der Motivation, dem Aufwand sowie Kosten und den Reaktionen aus dem Umfeld besch\u00e4ftigt. Im<a href=\"#Ausblick\"><u> Fazit<\/u> s<\/a>oll dann unter anderem ein Ausblick gegeben werden, welchen eventuellen Einfluss ein Selbstexperiment, auf die in einem solchen Setting gemachten Erfahrungen hat und inwiefern nachhaltige Ver\u00e4nderungen nach Abschluss des Projektes ersichtlich sind.\u00a0 Wichtig hierbei ist die Reflektion des gesamten Forschungszeitraumes im Hinblick auf die pers\u00f6nliche Entwicklung und Einfl\u00fcsse auf den Alltag. Au\u00dferdem m\u00f6chten wir zudem das Selbstexperiments aus dem Blickwinkel, der von uns gemachten Erfahrungen mit dieser Forschungsmethode bewerten und dabei auf die Hilfreichen Aspekte sowie die m\u00f6glichen Probleme dieser eingehen. Abschlie\u00dfend findet sich zus\u00e4tzlich ein Kapitel mit dem Namen <a href=\"#massenf\u00e4hig\"><u>\u201eZero Waste \u201emassenf\u00e4hig\u201c machen, geht\u2019s das?\u201c<\/u>,<\/a> in dem wir uns mit den Fragen besch\u00e4ftigt haben, welche Voraussetzungen erf\u00fcllt sein m\u00fcssen, dass Personen den eigenen Lebensstil wirklich v\u00f6llig umkrempeln und wie stark die Ver\u00e4nderung sein bzw. vom gewohnten Lebensstil abweichen darf. Hier wird vor allem auf die Schwierigkeiten im Zero Waste Alltag aufmerksam gemacht und die momentane Lage der Politik und Industrie dazu dargestellt. Aus den Interviews gingen zu diesem Thema einige interessante Vorschl\u00e4ge und Ansichten hervor.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?attachment_id=433\" rel=\"attachment wp-att-433\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-433\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/007-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/007-212x300.jpg 212w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/007-768x1086.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/007-724x1024.jpg 724w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/007-624x882.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><a id=\"Bewegung\"><\/a>Was steckt hinter der Bewegung \u2013 Zero Waste als Form prefigurativer Politik?<\/strong><\/p>\n<p>Hinter der Bewegung Zero Waste steckt weitaus mehr als blo\u00df die Umstellung des Einkaufs oder der Verzicht auf Verpackungen und Plastik. Die Art und Weise Zero Waste zu praktizieren, kann ganz unterschiedlich aussehen und jede_r Anh\u00e4nger_In dieses Lebensstils kann individuell entscheiden, wie konsequent gewisse Praktiken und Verhaltensweisen in den Alltag \u00fcbernommen werden. Um die Bewegung in einen gesellschaftlichen Kontext einordnen zu k\u00f6nnen, sind vor allem die Beweggr\u00fcnde und die Motivation, sich einer solchen Bewegung anzuschlie\u00dfen, von besonderer Relevanz. Um diese Thematik kontextualisieren zu k\u00f6nnen, ist zun\u00e4chst aber die Kl\u00e4rung einiger Begrifflichkeiten notwendig.<\/p>\n<p>Wenn von sozialen Bewegung oder gemeinn\u00fctzigem Handeln die Rede ist, spricht man h\u00e4ufig von politischem Konsum oder auch \u201eprefigurative politics\u201c. Dieser Begriff stammt urspr\u00fcnglich aus der englischen Literatur und wird im deutschsprachigen Raum \u201eprefigurative Politik(en)\u201c oder einfach \u201ePrefiguration\u201c genannt, wobei es allerdings an einer eindeutigen \u00dcbersetzung dieses Begriffs fehlt. Im weiteren Verlauf des Essays werden wir lediglich den deutschen Ausdruck verwenden, um eine gewisse Einheitlichkeit zu wahren. Generell ist die Bedeutung von prefigurativer Politik in Deutschland wenig verbreitet und es l\u00e4sst sich somit keine Einigkeit \u00fcber das Vokabular dieses Ph\u00e4nomens kennzeichnen.<\/p>\n<p>Wenn man nun einen Blick in die Politikwissenschaften wirft, dann l\u00e4sst sich schnell feststellen, dass es diverse Arten von politischer Beteiligung gibt. Dabei stellt sich h\u00e4ufig die Frage, wie politische Beteiligung auszusehen hat und in welchem Ma\u00dfe Akteure der Gesellschaft \u00fcberhaupt Einfluss nehmen k\u00f6nnen auf die politischen Umst\u00e4nde. Daf\u00fcr gibt es zun\u00e4chst zwei Ans\u00e4tze, die politische Beteiligung kennzeichnen k\u00f6nnen. Zum einen kann sich politische Beteiligung innerhalb von organisierten Gemeinschaften wie zum Beispiel sozialen Institutionen zeigen, die eine Ver\u00e4nderung des Systems durch politische Reformen anstreben. Diese Institutionen k\u00e4mpfen dann mitsamt ihren Mitgliedern und Anh\u00e4nger_Innen oder Verb\u00fcndeten f\u00fcr konkrete Modifikationen in der Politik. Zum anderen kann sich politische Beteiligung aber auch in Form von politischem Konsum und somit auch prefigurativer Politik ausdr\u00fccken. Dies bedeutet, dass einzelne Akteure sich einer Bewegung insofern anschlie\u00dfen, dass sie eine gew\u00fcnschte Ver\u00e4nderung des politischen, \u00f6konomischen oder sozialen Systems am eigenen Leibe ausleben, damit diese irgendwann in der Zukunft zu einer substanziellen Grundlage einer besseren Gesellschaft werden k\u00f6nnen. Im Zuge des grenzenlosen Kapitalismus, der unsere Gesellschaft bestimmen zu scheint, bekommen n\u00e4mlich die Macht und die Verantwortung der Endverbraucher_Innn, eine immer bedeutender werdende Rolle. Durch sowohl alte, aber auch neue soziale Bewegungen mitsamt ihren Institutionalisierungen scheint sich diese ungez\u00fcgelte Wirtschaftsform in einen immer sozialer und milder werdenden Kapitalismus umzuwandeln. Politisch und ethisch gepr\u00e4gte Konsumentenaktionen wie Aktionsb\u00fcndnisse gegen bekannte Markenfirmen, die zu Boykotts &#8211; oder auch \u201eBuykotts\u201c genannt \u2013 aufrufen, sind zu einer weit verbreiteten Form von politischer Beteiligung geworden. Der politische Konsum ist demnach hinter der Wahlbeteiligung die am st\u00e4rksten vertretene Form von politischer Beteiligung. Man geht davon aus, dass 50% der deutschen Bev\u00f6lkerung politische Konsumenten sind, das hei\u00dft, Konsumentenb\u00fcrger_Innen, die die \u00f6kologischen, \u00f6konomischen und politischen Umst\u00e4nde und Folgen der Produktion und Konsumierung von Waren anfechten, indem sie b\u00fcrgerschaftliches Engagement mit dem eigenen Markthandeln verbinden. Der politische Konsum stellt also im Gegensatz zu organisierten Protesten oder Demonstrationen eine neue Art von politischer Partizipation dar, da er viel individueller erscheint. Den Konsumierenden ist es dabei v\u00f6llig selbst \u00fcberlassen, in welchem Ma\u00dfe und welchen Bereichen er sich engagiert. Der Vorteil f\u00fcr diese Art von Konsumentenb\u00fcrger_Innen ist hierbei, dass man sein Markthandeln ganz flexibel und spontan gestalten kann. Das Konsumhandeln l\u00e4sst sich \u2013 hat man sich einmal an den Konsumstil gew\u00f6hnt \u2013 relativ unkompliziert in den Alltag integrieren und erspart einem Zeitkosten, die man f\u00fcr geplante Veranstaltungen einer Institution beispielsweise aufwenden w\u00fcrde und l\u00e4sst sich somit ohne gr\u00f6\u00dferen Planbedarf umsetzen (Baringhorst, 2012).<\/p>\n<p><strong>Ganz spontan und flexibel politisch aktiv werden<\/strong><\/p>\n<p>Auch aus den gef\u00fchrten Interviews konnten wir immer wieder raush\u00f6ren, dass es unter anderem an der Ungezwungenheit bei der Umsetzung liegt, sich einer solchen Bewegung wie der Zero-Waste Bewegung anzuschlie\u00dfen, wie man in diesem Zitat gut erkennen kann:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAnfangs war es zwar schwierig auf alles zu achten, [\u2026], aber nach vielen Gespr\u00e4chen mit Gleichgesinnten oder aber auch einfach nach der Erfahrung, die man dann halt selbst gemacht hat, freue ich mich eigentlich immer darauf, einkaufen zu gehen und dabei zu wissen, dass es halt echt was Gutes ist und ich zumindest wei\u00df, dass ich diese Umweltverpestung nicht tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctze oder auch halt aktiv was dagegen tue.\u201c (Interview 4 19.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Besonders ansprechend ist auch, dass man sich jederzeit ganz spontan an nahezu jedem Ort politisch partizipieren kann. Es bedarf an keiner Vermittlung, die einem den Zugang zu dem gew\u00fcnschten Engagement n\u00e4herbringt. Heutzutage braucht man kaum mehr, als den Zugang zu sozialen Netzwerken im Internet, um sich Informationen zu der gew\u00fcnschten Thematik, in diesem Fall Zero-Waste, zu beschaffen. Sowohl die Interviewten, als auch die Mitglieder unserer Forschungsgruppe, haben sich Informationen zur Umsetzung eines nachhaltigeren Lebens \u00fcberwiegend \u00fcber Blogeintr\u00e4gen oder aber \u00fcber Facebook-Gruppen angeeignet.<\/p>\n<p><strong>Sind Zero Waste Aktivisten wirklich immer interessiert an politischer Partizipation?<\/strong><\/p>\n<p>Die Beweggr\u00fcnde, sich einer solchen Bewegung anzuschlie\u00dfen und somit durch das Konsumieren politisch aktiv zu werden, k\u00f6nnen jedoch recht unterschiedlich aussehen. W\u00e4hrend es den meisten Anh\u00e4nger_Innen, so wie auch unseren Interviewpartner_Innen, prim\u00e4r um die verheerenden Umst\u00e4nde in der Umweltpolitik geht und sie mitsamt ihrem nachhaltigen Konsumverhalten einen besseren Erhalt der Natur anstreben, fokussieren sich einige Konsument_Innen auch auf den Aspekt der eigenen Gesundheit, auf die das Zero Waste Leben dem subjektivem Empfinden nach Einfluss zu haben scheint. Laut einer Interviewten sind nach der Umstellung auf den Zero Waste Lebensstil einige Allergien und gar Hauterkrankungen zur\u00fcckgegangen, da diese sich weniger Schadstoffen oder \u201eharten Chemikalien\u201c aussetzt. Besonders aber die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikm\u00fcll wird immer wieder als ein bedeutsamer Grund genannt, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Allerdings zeichnet sich auch gelegentlich ab, dass einige ihre Motivation aus sogenannten <em>Life-Style<\/em> Gr\u00fcnden beziehen, das hei\u00dft, dass sie wegen des Lebensstils an sich, dieser Bewegung folgen. Damit einher geht beispielsweise auch der Minimalismus, bei dem es allgemein um die Beschr\u00e4nkung der wesentlichen und tats\u00e4chlich N\u00f6tigen Dinge im Leben geht. Die meisten Befragten w\u00fcrden sich alle als Minimalist_Innen bezeichnen, da sie diesen Lebensstil als eine bessere Alternative zur kapitalistischen Konsumgesellschaft sehen. Sie f\u00fchlen sich dadurch leichter, unbeschwerter und freier und haben so erst das Gef\u00fchl, sich selbst richtig kennenzulernen ohne unter dem st\u00e4ndigen Einfluss von \u00fcberfl\u00fcssigen Luxusg\u00fctern zu stehen. Zudem sind viele Zero-Waste Anh\u00e4nger_Innen Vegetarier_Innen oder auch Veganer_Innen, da es einerseits wenig unverpackte tierische Produkte im Handel gibt, sie andererseits aber auch aus der reinen \u00dcberzeugung diese Lebensweise leben. Es geht also vielen dabei sowohl um einen gew\u00fcnschten Wandel in der Gesellschaft als auch um die Befriedigung der eigenen Bed\u00fcrfnisse. Wenn es den Verbraucher_Innen bei diesem Lebensstil ausschlie\u00dflich um die eigene Person geht, stellt sich jedoch die Frage, inwiefern das dann noch als politische Beteiligung angesehen werden kann. In unserer Befragung gab es allerdings niemanden, dessen Motivation nicht mit einer gew\u00fcnschten Ver\u00e4nderung des politischen Systems einherging. Somit lassen sich aus unserer Stichprobe alle als politische Konsument_Innen bezeichnen.<\/p>\n<p><strong>Umweltverschmutzung kommt hier nicht in die T\u00fcte<\/strong><\/p>\n<p>Wirtschaftswissenschaftliche Befunde haben erwiesen, dass es Verbraucher_Innen im Allgemeinen beim Konsum immer mehr um die Moral und das Gemeinwohl der Gesellschaft geht. Die fortschreitende Globalisierung, die es einem erm\u00f6glicht, sich immer einfacher Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt zu beschaffen aber auch die Bildungschancen, die viel h\u00f6her sind, als es in der Vergangenheit noch der Fall war, ver\u00e4ndern die Werte und Weltanschauungen der Einzelnen zunehmend. Politische Konsument_Innen beeinflussen somit den Markt im Einzelnen. Es gibt also kein soziales Kollektiv, welches die gleichen Interessen, Lebenslagen und Lebensbedingungen der Akteure aufweist. Genau aus diesem Grund, sind politische Konsument_Innen in der Gesellschaft enorm schwer als solche zu identifizieren und repr\u00e4sentieren. Demzufolge kann allein die politische Beteiligung in Form von politischem Konsum die Marktregulierung durch politische Entscheidungen nicht ersetzen. In vielen Bereichen w\u00e4re prefigurative Politik also gar nicht tragbar beziehungsweise w\u00fcrde es keine gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen herbeif\u00fchren. Daher sollten sich der Staat und die Verbraucherpolitik hierbei keineswegs g\u00e4nzlich aus der Verantwortung ziehen (Baringhort, 2012). Um beispielsweise den Plastikverbrauch in Deutschland einzud\u00e4mmen, wurde eine Vereinbarung zwischen der Regierung und vielen gro\u00dfen Handelsunternehmen getroffen, die besagt, dass ab Juli 2016 eine Geb\u00fchr auf Plastikt\u00fcten f\u00e4llig wird. Das Europaparlament hatte vorher entschieden, dass die einzelnen EU-Staaten Plastikt\u00fcten besteuern oder gar verbieten d\u00fcrfen. Bis 2016 verbrauchte jede_r deutsche Einwohner_In im Schnitt 71 Plastikt\u00fcten im Jahr. Durch das neue Abkommen soll dieser Verbrauch in Zukunft rapide sinken (Die Bundesregierung, 2016).<\/p>\n<p>In Irland beispielsweise hat sich die Nutzung von Plastikt\u00fcten drastisch ver\u00e4ndert, nachdem eine Geb\u00fchr von 44 Cent je Plastikt\u00fcte erhoben wurde. W\u00e4hrend die Einwohner_Innen Irlands pro Kopf in fr\u00fcheren Jahren noch 328 Plastikt\u00fcten verbrauchten, waren es im Jahre 2010, viele Jahre nach der Verabschiedung des Gesetztes, lediglich noch 18 T\u00fcten pro Kopf. Irland geh\u00f6rt somit zu den EU-L\u00e4ndern mit dem geringsten Plastikt\u00fctenverbrauch (Umweltbundesamt, 2013).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-330\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-3-300x91.png\" alt=\"\" width=\"707\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-3-300x91.png 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-3-768x233.png 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-3-624x190.png 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-3.png 836w\" sizes=\"auto, (max-width: 707px) 100vw, 707px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sbenfocus.wordpress.com\/2013\/12\/31\/bottles-and-bags-the-absent-policy\/\">http:\/\/berlintuetwas.de\/massnahmen-zur-reduzierung-des plastiktu%CC%88tenverbrauches\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-331\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-4-300x203.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-4-300x203.png 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-4-624x423.png 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Tabelle-4.png 645w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"Kh38OQfHbK\"><p><a href=\"https:\/\/sbenfocus.wordpress.com\/2013\/12\/31\/bottles-and-bags-the-absent-policy\/\">Bottles and Bags: The Absent&nbsp;Policy<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8220;Bottles and Bags: The Absent&nbsp;Policy&#8221; &#8212; enFocus South Bend\" src=\"https:\/\/sbenfocus.wordpress.com\/2013\/12\/31\/bottles-and-bags-the-absent-policy\/embed\/#?secret=hYOnE10AEc#?secret=Kh38OQfHbK\" data-secret=\"Kh38OQfHbK\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Diese Tabelle\/Graphik zeigt den stark reduzierten Verbrauch von Plastikt\u00fcten nach der Einf\u00fchrung einer Geb\u00fchr auf solche. Das Beispiel von Irland zeigt also, dass lediglich eine staatliche Regulierung zu einer enormen Verbesserung der \u00f6kologischen Umst\u00e4nde f\u00fchren kann. Zwar ist Prefiguration eine sinnvolle Art und Weise im Einzelnen kleine Schritte im Blick auf verbesserte Zust\u00e4nde in der Gesellschaft zu gehen, jedoch k\u00f6nnen gr\u00f6\u00dfere Ver\u00e4nderung erst gemacht werden, wenn die Politik Sanktionen verh\u00e4ngt, die im Extremfall sogar den Verkauf von Plastikt\u00fcten verbieten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong><a id=\"methodische Vorgehensweise\"><\/a>Das Selbstexperiment als innovative methodische Vorgehensweise<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr unsere Forschung f\u00fchrten wir im Zeitraum von August bis September 2017 vier Interviews mit Menschen, die Zero Waste praktizieren. Da es schwierig war geeignete Interviewpartner_Innen in unserer n\u00e4heren Umgebung zu finden, f\u00fchrten wir zwei Telefoninterviews, ein Skype-Interview und ein pers\u00f6nliches Interview. Drei unserer Interviewpartner_Innen praktizieren aktuell selbst Zero Waste, allerdings seit unterschiedlicher Dauer. F\u00fcr uns war es dabei wichtig zu erfahren, wie die Personen dazu gekommen sind Zero Waste zu leben, wie die Umsetzung bei ihnen aussieht und aus welcher \u00dcberzeugung sie diesen Lebensstil verfolgen. Die andere Interviewpartnerin f\u00fchrt einen Unverpacktladen und hat somit regen Kontakt mit Menschen, die auf M\u00fcll verzichten, sie selbst versucht auch m\u00f6glichst M\u00fcll frei zu leben. F\u00fcr uns war es dabei wichtig zu erfahren, wie die Personen dazu gekommen sind, Zero Waste zu leben, wie die Umsetzung bei ihnen aussieht und aus welcher \u00dcberzeugung sie diesen Lebensstil verfolgen.<\/p>\n<p>Die Methode \u201eaction research\u201c stellt einen Zyklus aus Datengewinnung im Feld dar, es werden Auswertungen durch den_die Forschende_n vorgenommen und die daraus folgenden Erkenntnisse im Feld angewendet. Die Erweiterung dieser Methode nennt sich \u201eparticipatory action research\u201c und will den Forschungsgegenstand mehr einbeziehen. Sie beinhaltet eine forschende Zusammenarbeit von Wissenschaftler_Innen und Praxisvertreter_Innen, was zu einer gemeinsamen Gestaltung f\u00fchrt. Die Ziele dabei sind die Ver\u00e4nderung der sozialen Wirklichkeit anhand von Einblicken in die Lebenspraxis und Einsichten und Erkenntnisse auf beiden Seiten. Bei dieser Methode gibt es keinen festen Forschungsstil, es ist aber eine Gegenstandsangemessenheit gefordert. (Bergold, Thomas, 2012) Voraussetzung f\u00fcr die partizipative Forschung ist ein sicherer Raum, da eine gro\u00dfe pers\u00f6nliche Offenheit von den Teilnehmern verlangt wird. Ziel ist es daher, einen symbolischen Raum zu schaffen, in dem die Teilnehmenden sich gegenseitig vertrauen und ein ehrlicher, kommunikativer Austausch stattfinden kann. Dadurch wird der Verlust von wichtigen Daten durch gef\u00e4lschte Antworten verhindert. Wichtig f\u00fcr eine erfolgreiche PAR Forschung ist ein Vertrauensverh\u00e4ltnis und Empathie zwischen den Forschenden sowie eine reflektierte Subjektivit\u00e4t. Ein weiterer besonderer Aspekt dieser Forschungsmethode ist die Bedeutung von Reflektion, die Erkenntnism\u00f6glichkeit der einzelnen Subjekte ist gepr\u00e4gt durch die pers\u00f6nliche und soziale Biographie und die Position im sozialen Raum. Die Offenlegung seiner eigenen Erkenntnisperspektiven und die Reflexion und Selbstreflexion in Bezug auf die Forschungssituation und den Forschungsprozess sind f\u00fcr die PAR Methode wichtig (Montero, 2000).<\/p>\n<p>F\u00fcr unsere Forschung haben wir uns entschieden, noch einen Schritt weiter zu gehen und nicht nur, wie bei der PAR Methode, das Handeln anderer Menschen zu erforschen, sondern ein Selbstexperiment zu starten und so Forscherin und Erforschte zugleich zu werden. Dabei handelt es sich insofern um eine Weiterentwicklung von PAR, das wir nicht nur in sehr bestimmten kollektiven Aktionen teilhaben und dabei durch andere lernen: Vielmehr haben wir von verschiedenen Personen gelernt und auf Basis des von uns angeeigneten Wissens unsere allt\u00e4gliche Handlungsweise grundlegend ver\u00e4ndert. F\u00fcr das Selbstexperiment haben wir einen Zeitraum von 6 Wochen festgelegt, in dem wir komplett auf Abf\u00e4lle und M\u00fcll verzichten wollten. Wir haben verschiedene Frageb\u00f6gen f\u00fcr uns selbst entwickelt, die wir t\u00e4glich, w\u00f6chentlich oder am Ende des Experiments ausgef\u00fcllt und unsere Ergebnisse miteinander verglichen haben. Wir waren auch w\u00e4hrend der gesamten Zeit im regen Austausch \u00fcber unsere Erfahrungen und die Herausforderungen, die jede einzelne von uns gesehen hat. Diese Situation zeigt nochmal die Besonderheit unserer Forschungsmethode. Da wir sowohl Forscherin als auch Erforschte waren, war die Reflexion und Selbstreflexion w\u00e4hrend und nach dem Experiment von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr unser Forschungsergebnis. Das macht auch den Unterschied zu bisherigen Forschungsmethoden, wie teilnehmender Beobachtung und qualitativen Interviews, aus. Wir haben unser Thema nicht nur durch andere erfahren, sondern waren selbst Teil von dem Lebensstil Zero Waste und waren durch das eigene Erleben viel n\u00e4her an dem Thema. Einer der wichtigsten Gr\u00fcnde, warum wir uns f\u00fcr das Selbstexperiment entschieden haben war, dass wir uns erhofften an Informationen zu gelangen, die man durch blo\u00dfes beobachten oder durch Erz\u00e4hlungen nicht generieren kann. Dadurch, dass wir gezwungen waren uns 6 Wochen lang t\u00e4glich mit dem Thema zu besch\u00e4ftigen und uns auch in der Vorbereitung darauf schon stark mit dem Thema auseinanderzusetzen, konnten wir eine viel intensivere Bindung dazu aufbauen, als es mit einer anderen Forschungsmethode m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Unser Wissen \u00fcber die Umsetzung von Zero Waste im Alltag stammen somit aus erster Hand und sind nicht durch Missverst\u00e4ndnisse oder fehlerhafter Aussagen verf\u00e4lscht. Deshalb sind wir von dieser innovativen Forschungsmethode \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Prozess\"><\/a>Die Phasen des Selbstexperiments \u2013 wie lebt man eigentlich Zero Waste?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fragen \u00fcber Fragen<\/strong><\/p>\n<p>In der ersten Phase unseres Selbstexperiments, galt es zun\u00e4chst, so viel Wissen zu dem Thema Zero Waste zu generieren wie m\u00f6glich. Da keine von uns sich bis zu diesem Zeitpunkt intensiver mit diesem Bereich des politischen Konsums auseinandergesetzt hatte, f\u00fchrten wir eine ausf\u00fchrliche Diskussion \u00fcber unsere verschiedenen Vorstellungen eines Zero Waste Lebens. Die einfachsten Dinge stellten wir pl\u00f6tzlich in Frage: Was z\u00e4hlt als Abfall und was nicht? K\u00f6nnen wir noch Klopapier verwenden? Wie kaufen wir Gew\u00fcrze? Wo bewahren wir all unsere Lebensmittel auf? Nur in Gl\u00e4sern? Oder sind Plastikboxen, die wir schon besitzen in Ordnung? M\u00fcssen wir nun alles selbst herstellen? Wie verwertet man Abf\u00e4lle? Gibt es jetzt nur noch Gem\u00fcse vom Markt f\u00fcr uns? \u00a0\u00a0All diese Fragen sollten sich im Laufe der Zeit kl\u00e4ren, doch bis dahin lag noch ein m\u00fchseliger Weg vor uns. Unser Freundeskreis wurde zunehmend in diese Diskussion eingebunden und es entstand ein Wirr aus Ansichten und Definitionen, die uns nur mehr verunsicherten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-324\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-4-300x173.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-4-300x173.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-4-768x442.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-4-624x359.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-4.jpg 834w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bei einem gemeinsamen Einkauf sollten Fragen aus dem Weg ger\u00e4umt und der Realit\u00e4t ins Auge geschaut werden.\u00a0 Endergebnis in einem herk\u00f6mmlichen Supermarkt waren ausschlie\u00dflich Gem\u00fcse und Brot in unseren mitgebrachten Jutebeuteln. Wir waren geschockt, unsere bisherigen Wocheneink\u00e4ufe hatten wir nie so verpackungslastig wahrgenommen. Au\u00dferdem machten sich erste Bef\u00fcrchtungen breit, auf mehr Luxusg\u00fcter, wie S\u00fc\u00dfigkeiten, verzichten zu m\u00fcssen als anfangs erwartet. Ein anschlie\u00dfender Einkauf im Unverpacktladen konnte diese jedoch aus dem Weg r\u00e4umen. Unsere halb leeren Beutel wurden um Nudeln, Reis und Schokolade im Glas bereichert. Begeistert von dem Einkaufserlebnis, bei dem sich ein ganz neuer Bezug zu den Lebensmitteln aufbaut, die man kauft, stellten wir zus\u00e4tzliche fest, dass auch die Kosten unser Studentinnenbudget nicht sprengte. Nachdem wir den ersten Schock der Erkenntnis dar\u00fcber, wieviel Verpackung sich in unseren bisherigen Eink\u00e4ufen versteckt hatte, verdaut hatten, nutzen wir s\u00e4mtliche Kan\u00e4le der Informationsbeschaffung, um uns f\u00fcr die kommenden Wochen besser vorzubereiten. Sowohl Zeitungsartikel, Fernseh-, oder YouTube-Beitr\u00e4ge und Blogs als auch der pers\u00f6nliche Austausch mit Praktizierenden \u00fcber Facebook Gruppen oder \u00fcber Kontakte in unserem privaten Umfeld, halfen uns dabei sehr weiter. Vor allem die pers\u00f6nlichen Erfahrungsberichte gaben uns einen ersten Einblick in das Zero Waste Leben mit seinen Hindernissen und Erfolgsmomenten. N\u00fctzliche Tipps, wie das nutzen von Foodsharing Fairteilern und weiteren unverpackt Einkaufsm\u00f6glichkeiten gaben den Startschuss f\u00fcr unser Selbstexperiment.<\/p>\n<p><strong>Zero Erfolg mit Zero Waste?<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem vermeintlich genug Wissen zum Thema Zero Waste generiert wurde, sahen wir uns mit Herausforderungen konfrontiert, die \u00fcber blo\u00dfes Unwissen hinausgingen. Nach unserem ersten Einkauf im Unverpacktladen und auf dem Markt mussten wir schnell feststellen, dass das Zero Waste Leben einiger Organisation und Planung bedarf, um es in unseren bisherigen Alltag zu integrieren. Eine Taktik, um nicht jede Woche den Weg in den Unverpacktladen anzutreten ist, gr\u00f6\u00dfere Mengen auf Vorrat einzukaufen, oder sich am Wochenende immer etwas Zeit freizuhalten.<\/p>\n<p>Das Sammeln von Beh\u00e4ltern, in denen Lebensmittel transportiert und aufbewahrt werden k\u00f6nnen, war zu diesem Zeitpunkt kein Problem mehr. Im Austausch mit anderen <a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-325 alignright\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-5-300x178.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"178\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-5-300x178.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-5.jpg 579w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Praktizierenden hatten wir festgestellt, dass Glas von vielen nicht zu Abfall gez\u00e4hlt wird, da es wiederverwendet werden kann. Auch Papier ist weiterverwertbar und damit eine M\u00f6gliche Verpackung f\u00fcr uns, sollte es keine komplett verpackungsfreie L\u00f6sung geben. Mit dieser Erleichterung konnten wir einige Eink\u00e4ufe also doch im herk\u00f6mmlichen Supermarkt erledigen und unseren Alltag nicht komplett auf den Kopf stellen. Trotzdem waren wir nach den ersten zwei Wochen sehr ern\u00fcchtert, \u00fcber unseren bisherigen \u201eErfolge\u201c im Zero Waste Leben. Wir mussten feststellen, dass wir, unserer Ansicht nach, noch immer zu viel M\u00fcll produzierten. Seien es kleine Sticker auf Obst und Gem\u00fcse, der Besuch bei den Eltern, die f\u00fcr ein Wochenende nicht den K\u00fchlschrank neu ausstatten wollten, das Abendessen mit Freunden, bei dem zwar R\u00fccksicht genommen, M\u00fcll aber auch nicht komplett vermieden wurde, oder Geschenke, die verpackt waren. Auch im Urlaub und auf Reisen mussten wir gegen unsere uns selbst auferlegten Regeln versto\u00dfen und wurden damit das Gef\u00fchl des Scheiterns nicht los. In dieser zweiten Phase wurde uns neben dem Druck, den wir uns selbst auferlegten auch die Motivationsproblematik eines solchen Selbstexperiments klar. Zwar konnten wir alle uns mit den politischen, \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Hintergr\u00fcnden des Zero Waste Lebensstils identifizieren, jedoch waren diese Gr\u00fcnde nicht unsere erste Motivation das Zero Waste Leben f\u00fcr uns umzusetzen. Unser prim\u00e4rer Grund war das Selbstexperiment Zero Waste zum Zweck eines Selbstexperiments &#8211; eine k\u00fcnstliche Situation in die wir uns begaben, ohne pers\u00f6nliche \u00dcberzeugung. Andere Praktizierende, die &#8211; wie wir &#8211; scheitern, berichten von einem langfristigen Ziel, welches sie anstreben und deshalb jene R\u00fcckschl\u00e4ge \u2013 gerade zu Beginn des Zero Waste Lebens \u2013 nicht als Scheitern sehen. Sie haben jeden Tag aufs Neue eine eigene Motivation, die sie vorantreibt weiter zu machen, wenn auch in kleinen Schritten. Wir hingegen, gaben uns 6 Wochen, in denen wir keinen M\u00fcll produzieren wollten, ein Ziel, an dem wir nur scheitern konnten. Wir verstanden, dass in dieser begrenzten Zeit lediglich ein Anfang getan werden konnte, unser Leben auf Zero Waste umzustellen, also die ersten Schritte in ein verpackungsfreies Leben zu gehen und nicht, wie geplant von heute auf morgen Zero Waste zu leben und das dann 6 Wochen durchzuhalten.<\/p>\n<p><strong>Schritt f\u00fcr Schritt ohne M\u00fcll<\/strong><\/p>\n<p>Dem Scheitern folgte also das Lernen und wir pendelten uns in der dritten Phase ein, der Umsetzung dieser Erkenntnisse. In den uns verbleibenden Wochen wollten wir langsamer und entspannter an das Selbstexperiment rangehen. Wir beschlossen, dass es kein Scheitern ist, wenn wir einen Tag nicht vollst\u00e4ndig auf M\u00fcll verzichten konnten und Herausforderungen, wie das Essen ausw\u00e4rts, der Urlaub oder der Besuch von Freunden als Ausnahmen vom verpackungsfreien Alltag z\u00e4hlen. Dies mag erstmal als Mogeln erscheinen, doch ein Einkauf zu Beginn des Selbstexperiments reicht nicht aus, um Zero Waste zu leben. Die Umstellung erfordert kleine Schritte, mit denen Gewohnheiten ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnen. Praktizierende schilderten uns nicht selten, dass sie selbst mit zwei verpackungsfreien Eink\u00e4ufen im Monat anfingen und diese dann immer h\u00e4ufiger wurden. Dass zuerst die Ern\u00e4hrung umgestellt und sich das Zero Waste dann in weitere Lebensbereiche wie Kosmetik erweiterte.\u00a0 Dieser Lerneffekt war essentiell f\u00fcr den weiteren Verlauf des Selbstexperiments, da er uns das Experiment an sich von einem anderen Standpunkt wahrnehmen lie\u00df. Hinzu kamen s\u00e4mtliche qualitative Interviews, die wir als Erg\u00e4nzung zum Selbstexperiment f\u00fchrten. Sie gaben uns die M\u00f6glichkeit, unsere Erfahrungen nicht nur untereinander, sondern auch mit anderen zu teilen und zu vergleichen, die schon \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume Zero Waste leben. Tipps zur Organisation von Eink\u00e4ufen oder einem guten Zeitmanagement und vor allem aufmunternde, motivierende Worte, halfen uns sehr, die letzten Wochen des Selbstexperiments zufrieden zu Ende zu bringen. Mit Blick auf unsere Tagebucheintr\u00e4ge, Diskussionsprotokolle und Unterhaltungen in Facebook-Gruppen, stellten wir zum Abschluss des Experiments fest, dass wir zunehmend privates Interesse an den Hintergr\u00fcnden der Zero Waste Bewegung fanden. Im Speziellen die Tatsache, dass der Zero Waste Lebensstil das Konsumverhalten unverkennbar ver\u00e4ndert und oft mit Minimalismus und Veganismus Hand in Hand geht, wie wir selbst in unserem Experiment feststellten. Zum Schluss blieb neben unseren eigenen kleinen Erfolgserlebnissen die durchweg positive R\u00fcckmeldung aus unserem Umfeld. Seien es unsere Freunde, die nicht alle zwei Tage den M\u00fcll rausbringen wollen und uns um unsere leeren M\u00fclleimer beneiden, oder unsere Gro\u00dfeltern, die selbst lieber wieder mehr \u201aTante Emma L\u00e4den\u2018 h\u00e4tten, in denen nicht alles von Plastik umh\u00fcllt ist.<\/p>\n<p><strong>Bewertung der Forschungsmethode<\/strong><\/p>\n<p>Da der innovative Forschungsansatz des Selbstexperiments als Forschungsmethode noch nicht verbreitet ist, bietet die Methodenlehre keine Bewertungskriterien, welche auf diese Methode angewendet werden k\u00f6nnten. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen auch die g\u00e4ngigen G\u00fctekriterien Objektivit\u00e4t, Validit\u00e4t und Reliabilit\u00e4t, quantitativer Forschungsmethoden nicht auf die qualitativen angewendet werden.\u00a0 Jedoch lassen sich einige Kriterien zur Bewertung von anderen quantitativen Forschungsmethoden heranziehen. Zuerst die Verfahrensdokumentation, wie sie in unserem Fall durch Tagebucheintr\u00e4ge und Gespr\u00e4chsprotokolle im Zuge des Selbstexperiments angefertigt wurden. In diesen haben wir zum einen die einzelnen Schritte des Selbstexperiments und zum anderen verschiedene Variablen wie Kosten, Gef\u00fchle, pers\u00f6nlichen Fortschritt und auch R\u00fcckmeldung aus dem Umfeld festgehalten. Dazu kommt die N\u00e4he zum Gegenstand mit dem Anspruch, in einem nat\u00fcrlichen Umfeld zu forschen, dem wir nur gerecht werden konnten, da wir den Zero Waste Lebensstil in unseren Alltag integrieren mussten, um ihn \u00fcberhaupt umsetzen zu k\u00f6nnen (Uni Mainz, 2015). Somit sind einige Vorteile, die in herk\u00f6mmlichen Ans\u00e4tzen, wie Interviews oder Teilnehmender Beobachtung fehlen, aus diesen, von uns generierten Daten, zu erkennen. Die Informationsbeschaffung geschieht nicht nur aus erster Hand, auch das gesamte Durchleben eines Prozesses und damit verbundene, eigene Erfahrungen geben der Forschung eine andere Qualit\u00e4t. Der ben\u00f6tigte hohe Reflexionsgrad, vor allem innerhalb der Forschungsgruppe, garantiert eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik und bietet eine andere Art von Austausch, als sie in einem Interview gegeben ist. Das Selbstexperiment lebt von einer angeregten Diskussion und dem Austausch verschiedener Ansichten, was den Forschungsgegenstand von mehreren Seiten beleuchtet. Dazu ist gro\u00dfe Offenheit seitens der Forschenden gefragt, die sich in ein Selbstexperiment begeben, n\u00f6tig.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Offenheit qualitativer Methoden soll den individuellen Ausdrucksm\u00f6glichkeiten viel Spielraum geben und erzeugt so ein Datenmaterial, das sich nur schwerlich exakt wiederholen l\u00e4sst. Eine mangelnde Reliabilit\u00e4t muss somit weniger als &#8222;Unvollkommenheit&#8220; qualitativer Methoden verstanden werden, sondern liegt in den Charakteristika der Methoden und der Vielschichtigkeit sozialer Realit\u00e4ten, d.h. im Untersuchungsgegenstand selbst, begr\u00fcndet\u201c (Stangl, 2018).<\/p><\/blockquote>\n<p>Daher muss die Forschungsmethode des Selbstexperiments auch differenziert betrachtet werden. Zum einen setzt sie einen begrenzten Zeitraum voraus, in dem die Forschung betrieben wird und erzeugt damit eine k\u00fcnstliche Situation mit einem stark begrenzten Setup. Zum anderen besteht ein Motivationsleck, welches eine authentische Herangehens, &#8211; und Umgangsweise mit Herausforderungen verhindert. Zuletzt ist besonders zu betonen, dass die generierten Informationen aus einem Selbstexperiment rein subjektive Erfahrungen beinhalten und jede Person unterschiedliche Erkenntnisse aus einem solchen Experiment zieht. Ergebnisse sind daher stark motivations, &#8211; und zeitabh\u00e4ngig. Wir m\u00f6chten an dieser Stelle daher betonen, dass unsere hier dargelegten Erkenntnisse \u00fcber den Zero Waste Lebensstil nur einen Bruchteil des Prozesses in ein Zero Waste Leben, n\u00e4mlich den des Anfangs, exemplarisch aufzeichnen. Die von uns gef\u00fchrten Interviews mit langfristig Zero Waste Lebenden sind demzufolge authentischer, als unsere kurzweiligen Erfahrungen der sechs Wochen. Alle Befragten betonten demnach ihre tats\u00e4chliche \u00dcberzeugung f\u00fcr diesen besonderen Lebensstil. Um also g\u00e4nzlich unverf\u00e4lscht \u00fcber das Zero Waste leben berichten oder gar in Form eines Selbstexperiments forschen zu k\u00f6nnen, ist es \u00e4u\u00dferst wichtig, wahrhafte Absichten gegen\u00fcber der Zero Waste Bewegung zu pflegen beziehungsweise diese Absichten im Voraus genau kenntlich zu machen, um keine Verf\u00e4lschung des Forschungsgegenstandes zu beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eSich zu zwingen, [\u2026], ist falsch und bringt eigentlich dauerhaft nichts, weil man den Spa\u00df an der Sache verliert und sich hinterher sowieso nicht mehr dranh\u00e4lt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Zitat von einem der Interviewten verdeutlicht also, wie wichtig es ist, die richtige Motivation f\u00fcr diese Lebensform zu haben.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Talking\"><\/a>Talking about Zero Waste<\/strong><\/p>\n<p>In den von uns gef\u00fchrten Interviews mit langfristig Zero Waste Praktizierenden, sind \u00e4hnliche Erkenntnisse aufgekommen, wie auch wir sie w\u00e4hrend unseres sechs w\u00f6chigen Selbstexperiments erfahren haben.<br \/>\nWie schon im Vorherigen beschrieben, gibt es unterschiedlichste Gr\u00fcnde sich diesem nachhaltigen Lebensstil anzunehmen und ihn schlie\u00dflich umzusetzen. Bei genauer Betrachtung der gef\u00fchrten Interviews wird allerdings schnell deutlich: Der Schutz der Umwelt ist f\u00fcr die meisten ausschlaggebender Faktor. Extreme Erfahrungen und Bilder bez\u00fcglich der Umweltverschmutzung, die in aller Welt gemacht werden, regen an, sich n\u00e4here Gedanken \u00fcber die Abfallentsorgung zu machen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eGenau, wir waren auf Weltreise und wir waren im Februar diesen Jahres in Indonesien und was [\u2026] man da einfach sieht wie die Natur zugem\u00fcllt wird ja oder wie da einfach auch mit M\u00fcll umgegangen wird, dass es da gar kein System gibt wie bei uns, da gibt\u2019s kein Pfand, da gibt\u2019s keine M\u00fcllabfuhr, da wird alles einfach nur im Laufen fallen gelassen quasi. Eine hat uns auch erz\u00e4hlt: sie hat einen getroffen, einen Indonesier, und dann ging es eben darum ja auch das Thema wie die das handhaben und der hat zu ihr gesagt: \u201eja aber ist doch nichts einfacher als wenn ich meinen Sack M\u00fcll abends an den Strand stelle und am n\u00e4chsten Tag ist er nicht mehr da\u201c und wo ich das geh\u00f6rt hab, hab ich so G\u00e4nsehaut gekriegt, weil das so krass ist ,die haben \u00fcberhaupt kein Verh\u00e4ltnis dazu, was das Plastik und der M\u00fcll mit der Umwelt macht und mit der Natur generell\u201c (Interview 2 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Durch die immer weiter fortschreitende Verbreitung dieser Thematik in den Medien und dem gr\u00f6\u00dfer werdenden Umweltbewusstsein in der Gesellschaft, werden dann auch Bez\u00fcge und Verkn\u00fcpfungen zum eigenen Konsumverhalten hergestellt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch habe schon in den 90er Jahren den ganzen Plastikm\u00fcll an den Str\u00e4nden von Indien gesehen, ohne das erstmal zu verkn\u00fcpfen, woher die kamen. Ich habe mich nur so stark gewundert, dass da so viel Plastikm\u00fcll am Strand ist nach dem Monsun, obwohl die Inder ja damals kaum Plastik vertrieben oder besessen haben. Da war noch alles sehr urspr\u00fcnglich und das hatte mich dann so gewundert wie die an diesen ganzen M\u00fcll kommen, bin da aber damals \u00fcberhaupt nicht draufgekommen, dass das wahrscheinlich tats\u00e4chlich schon damals der M\u00fcll aus der restlichen Welt war. Da bin ich eigentlich erst so hinter gekommen, als sich hier mehr [\u2026] Bewusstsein st\u00e4rkte in der Bev\u00f6lkerung und auch in der Presse, im t\u00e4glichen Leben, auf Facebook immer wieder darauf hingewiesen wurde, was wir eigentlich an M\u00fcll produzieren und wo das alles hingelangt ist. Da hat es bei mir so ein bisschen Klick gemacht\u201c (Interview 4 19.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr die Zero-Waste Aktivist_Innen ist also klar, dass ihr eigenes Konsumverhalten Auswirkungen auf die Umweltzust\u00e4nde in der ganzen Welt haben k\u00f6nnen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd man sagt ja immer, was am andern Ende der Welt passiert hat auf uns keine Auswirkungen, aber das stimmt ja so nicht. Also jetzt war ja erst wieder so dieser Artikel, wo es hie\u00df: es wurde sogar Plastik in der Antarktis gefunden, das schwemmt sich ja \u00fcberall hin und nur weil wir hier ein gutes M\u00fcllsystem haben, wo der M\u00fcll abgeholt wird und wo man eigentlich schon versucht es nicht auf die Stra\u00dfe zu schmei\u00dfen, hei\u00dft ja nicht, dass es uns deswegen nix angeht\u201c (Interview 2 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Zero Waste Praktizierenden streben also eine Ver\u00e4nderung in dem Denken der Einzelnen in der Gesellschaft an. Der Massenkonsum und die Schnelllebigkeit, die die moderne Gesellschaft pr\u00e4gen, werden stark kritisiert. Man w\u00fcnscht sich, dass Menschen wieder anfangen, Dinge bewusster zu konsumieren und die N\u00e4he zum tats\u00e4chlichen Produkt nicht zu verlieren:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMan kriegt immer mehr Produkte [\u2026]\u00a0 nur in der eingeschwei\u00dften Form, was mich ja pers\u00f6nlich super, superm\u00e4\u00dfig gest\u00f6rt hat, weil ich ja eigentlich gerne das Lebensmittel in der Hand halten will, was ich kaufe. Ich will das anfassen, ich will das riechen, um zu wissen, was ich da f\u00fcr ein Produkt kaufe. Als Konsument entfernt man sich immer weiter von dem Produkt und es geht immer mehr hin zu \u201eFertigessen\u201c, \u201eFertigprodukten\u201c, die Leute kochen kaum noch und ich koche halt leidenschaftlich gerne und interessiere mich f\u00fcr alles, was da so ins Essen kommt, experimentiere gerne rum und das hat mich als Konsument halt immer gest\u00f6rt, dass da so eine Kluft entsteht\u201c (Interview 4 19.10.2017).<\/p><\/blockquote>\n<p>Allerdings gab es unter den Befragten auch Personen, die sich diesen Lebensstil aufgrund des Stils an sich, der wie bereits erl\u00e4utert, eng mit dem Minimalismus, Vegetarismus und Veganismus verkn\u00fcpft ist, angeeignet haben:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e..und ehm das war halt ein Bericht \u00fcber Zero Waste und ich hatte auch vorher noch nie dar\u00fcber geh\u00f6rt, genauso wenig wie Minimalismus und fand das auch irgendwie ganz faszinierend, ganz toll, dass die gute Dame, das war Bea Johnson, nur ein Glas M\u00fcll im Jahr mit ihrer Familie hatte und [\u2026] fand das irgendwie total geil, habe das noch nie gesehen in Deutschland. Habe dann auch ziemlich normal gesagt: okay das ist ja ziemlich geil, aber f\u00fcr mich geht das erstmal nicht, ich habe auch andere Sachen im Kopf und habe das eigentlich auch wieder abgetan\u201c (Interview 3 11.10.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Genau wie wir in unserem Selbstexperiment, haben die Interviewten Erfahrungen gemacht, die einen zur\u00fcckschlagen oder entt\u00e4uschen, da sich die Umstellung des eigenen Konsumverhaltens, indem g\u00e4nzlich auf Verpackungen und \u00fcberfl\u00fcssige Abf\u00e4lle verzichtet werden soll, sich nicht unbedingt ohne Herausforderungen bew\u00e4ltigen l\u00e4sst. Man sollte sich dabei also immer vor Augen f\u00fchren, dass es Zeit braucht, eine derartige Ver\u00e4nderung in den Alltag zu integrieren:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch glaube viele Leuten scheitern daran, weil sie ich sag mal, zu viel, zu schnell wollen und dann wird es frustrierend. Dann regt sich nat\u00fcrlich auch was in der Umgebung\u201c (Interview 3 11.10.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Motivierend ist es dann trotz vermeintlicher R\u00fcckschl\u00e4ge, zu wissen, dass man andere Menschen durch das eigene Verhalten zum Nachdenken anregen kann: \u201eUnd im Supermarkt zu sagen, ich nehm jetzt nicht die \u00c4pfel, die eingeschwei\u00dft sind, sondern ich kauf die halt lose. Ja Leute inspirieren, Leute vielleicht bei manchen Sachen umlenken.\u201c (Interview 2 30.09.2017: Zero Waste).<\/p>\n<p>Eine Frage, die sich viele Zero Waste Interessierte stellen, ist die nach den vermeintlich erh\u00f6hten Kosten, die auf sie zukommen k\u00f6nnten. Laut eines Zero Waste Praktizierenden sind \u201edie Lebensmittel an sich, wenn man sie bio und unverpackt kauft [\u2026] schon teurer als wenn man sie beim ALDI kauft, aber das ist halt der Schwerpunkt der mir selber auch wichtig ist. Ich will gute Lebensmittel essen\u201c (Interview 1 30.09.2017: Zero Waste). Er gibt aber auch Entwarnung:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAlso, wer versucht M\u00fcll zu vermeiden, der versucht ja eigentlich auch weniger zu konsumieren. Also Minimalismus ist damit schon verkn\u00fcpft, ich bin mit meiner gesamten Ausstattung minimalistischer geworden. Und das ist das was auch richtig Geld spart [\u2026] die ganze Lebenseinstellung hat mir viel Geld gespart\u201c (Interview 1 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Gerade im Vergleich zu Menschen, die auf gute Qualit\u00e4t achten und auch Markenprodukte konsumieren, aber nicht Zero Waste leben, unterscheiden sich die Kosten kaum:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eKosten w\u00fcrde ich sagen, auch da hab ich jetzt [\u2026] davor nie\u00a0 irgendwie ein Haushaltsbuch gef\u00fchrt oder aufgeschrieben wie viel gebe ich f\u00fcr was aus, aber wenn ich mich vergleiche mit Leuten, die sagen sie kaufen ihr Fleisch nur beim Metzger ihres Vertrauens und kaufen hier und da Markenprodukte, [\u2026] ich w\u00fcrd sogar sagen, da bin ich bei mir in meiner Haushaltsrechnung gut, die ich jetzt seit ein paar Monaten so schon verfolge und [\u2026] da bel\u00e4uft es sich auf alles, also nicht nur Lebensmittel, da lieg ich so bei 200 Euro im Monat [\u2026] vielleicht auch weniger, vielleicht so 150 pro Person. Und das finde ich vollkommen legitim f\u00fcr einen ganzen Monat und ich hab eher das Gef\u00fchl ich komme g\u00fcnstiger weg f\u00fcr das was ich bekomme.\u201c (Interview 2 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch ein m\u00f6glicher hoher Aufwand, um Zero Waste einzukaufen und zu leben, schreckt potenzielle Zero Waste Interessierte oft ab. Der Zero Waste Einkauf ben\u00f6tigt eine genauere Planung, da Unverpacktl\u00e4den nicht in jeder Stadt vorhanden sind:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eJa wie vorher schon beschrieben, gehe ich bewusster einkaufen, also zum Beispiel im Unverpacktladen da muss ich vorbereitet sein, also der ist halt einfach ein St\u00fcck weiter weg und ich m\u00f6chte nat\u00fcrlich nicht jede Woche dahinfahren [\u2026] Also fahr ich da, wenn es geht so alle 2 Monate mal hin und mache dann einen Gro\u00dfeinkauf\u201c (Interview 2 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Gerade auf dem Land kann ein Einkauf viel Zeit in Anspruch nehmen, da weitere Wege zur\u00fcckzulegen sind:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWer jetzt nicht auf dem Land lebt wie ich und nicht gerne einkauft, f\u00fcr den ist das schon ein Mehraufwand [\u2026] Aber f\u00fcr mich nicht, ich gehe gerne einkaufen, f\u00fcr mich ist das ein Hobby quasi. Wieviel mehr Zeit ich da jetzt brauch kann ich gar nicht sagen., aber schon mehr Zeit\u201c (Interview 1 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Der h\u00f6here zeitliche Aufwand kann aber auch als entspannend empfunden werden. Der Einkauf wird bewusster gestaltet und erlebt werden:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs tut mir total gut, ich sag mal vorher an der Discounterkasse, ich war immer so gestresst, also mich hat einkaufen immer so genervt \u2026\u00a0 und dann auch andauernd, ich wei\u00df nicht wie h\u00e4ufig ich im DM war, weil man hatte immer so viele Produkte und Kosmetik und irgendwas war halt immer fast alle und ich war andauernd im DM, aber ich fand es schon nervig, dass es immer so voll war und die Schlangen so lang und so und ich bin ganz froh, dass einkaufen jetzt f\u00fcr mich echt nett und sch\u00f6n geworden ist, also ich bin super gerne auf dem Wochenmarkt, ich finde es total cool, dass ich fragen kann \u201ewas ist das, wie bereitet man das zu\u201c . Was ich auch total cool finde, total viele neue Sorten an Obst und Gem\u00fcse, die ich vorher noch nicht kannte, einfach weil es die im normalen Supermarkt nicht gibt und einfach mal fragen zu k\u00f6nnen\u201c (Interview 3 11.10.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Reaktionen aus dem Umfeld von Zero Waste Praktizierenden sind \u00fcberwiegend positiv. Freunde finden die M\u00fcllvermeidung cool: \u201ewer ist schon f\u00fcr mehr M\u00fcll?\u201c (Interview 3 11.10.2017: Zero Waste) und zeigen Interesse:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd die Leute die h\u00f6ren das dann, [\u2026] da kommt schon [\u2026]\u201aecht h\u00e4tte ich nicht gedacht\u2018 und vielleicht mal \u201awie machst du das?\u2018, aber jetzt nicht so \u201aach kannst du mir das mal zeigen?\u2018 oder \u201adas find ich gut das will ich auch machen\u2018, sondern schon so ein \u00fcberraschtes Interesse, aber jetzt nicht, dass [\u2026] alle voll mitziehen. Also da merkt man schon, das ist den Leuten im Alltag zu kompliziert [\u2026]\u201c (Interview 2 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Das gro\u00dfe Interesse von allen Seiten best\u00e4tigt einen etwas zu tun, \u00fcber das andere reflektieren und gegebenenfalls eigene Schl\u00fcsse und Taten ziehen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd dann sagt sie, [\u2026] jedes Mal wenn sie in der Wohnung oder im Haus was in der Hand hat, sei es Spielzeug von Kindern oder irgendwas anderes, dann muss sie immer an mich denken und fragt sich wie macht das denn die \u2026?\u201c (Interview 2 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Manchmal gelingt es aber auch das eigene Umfeld zu mehr als nur zum Nachdenken anzuregen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201emeine Eltern [\u2026] haben auch angefangen Pfandflaschen zu kaufen und dann mal auf Plastik zu verzichten. Also meine Mutter ist da jetzt zwar nicht so krass geworden wie ich mit der M\u00fcllvermeidung, aber sie findet es jetzt auch gut und setzt immer mehr um\u201c (Interview 1 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch beim Einkauf zeigt sich bejahende R\u00fcckmeldung von Mitarbeitenden, denen beim Arbeiten regelm\u00e4\u00dfig der exzessive Plastikverbrauch vor Augen gef\u00fchrt wird:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd ab und zu, wenn ich nicht auf den Markt komme, dann hole ich auch mal Pilze und Tomaten im Supermarkt, aber daf\u00fcr nehme ich dann meine eigenen Netze mit und wenn die Kassiererin dann verwirrt nach dem Etikett sucht und ich sag ne die sind nicht von ihrem Laden, die habe ich selbst mitgebracht und sie dann sagt, ich hab mich schon gewundert ich dachte wir h\u00e4tten was neues, aber das ist ja super praktisch sich das einfach einzupacken und die Plastikt\u00fcte zu sparen. Dann sag ich, ja und jetzt \u00fcberlegen sie sich mal wie viele Plastikt\u00fcten hier am Tag \u00fcbers Band gehen und zu Hause ausgepackt werden und im M\u00fcll landen. Und auch auf dem Markt bekomme ich oft die R\u00fcckmeldung, dass die Netze ja voll praktisch sind und ich sag dann ja und es ist auch gar nicht viel Aufwand sich die zu besorgen. Und man kommt ins Gespr\u00e4ch und das ist dann sehr nett und ja es kommen sch\u00f6ne Momente zusammen\u201c (Interview 2 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier f\u00e4llt auf, dass kleinere Biol\u00e4den, Marktst\u00e4nde und Einzelh\u00e4ndler die n\u00f6tigen Anlaufstellen f\u00fcr Zero Waste Lebende bieten. Gro\u00dfe Supermarktketten werden individuellen W\u00fcnschen und Anspr\u00fcchen nicht gerecht, k\u00f6nnen ihr Sortiment nicht ohne Weiteres anpassen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e[\u2026] also die Biom\u00e4rkte sind da recht kooperativ, weil also im gro\u00dfen Supermarkt ist man da als ein Kunde ja irgendwie nichts, aber im Biomarkt kennen die mich alle, da bin ich der Junge der auf Plastikt\u00fcten verzichtet und gr\u00fc\u00dfen mich da alle. [\u2026] Und neulich war ich auf dem Markt um Pilze zu holen und hab dann meine Baumwollbeutel denen gegeben, damit sie mir die Pilze da reintun anstatt in eine Papiert\u00fcte, wo sie die sonst immer reintun und [\u2026] da hat sie mir dann [\u2026] eine Zwiebel gegeben die sie mir dann geschenkt hat, weil sie meinte ich habe ja eine T\u00fcte gespart\u201c (Interview 1 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Neben solchen positiven Reaktionen, gibt es jedoch auch Momente, die unangenehm sind oder verletzten. Nicht selten entsteht aus einer einfachen Diskussion ein kleiner Streit, weil sich eine Person angegriffen f\u00fchlt in ihrem Habitus:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWenn ich dann bei meiner Mutter war und die einkaufen war, dass ich dann gesagt habe \u201aalso muss das denn jetzt sein\u2018 und meiner Mutter war das peinlich zum Beispiel. Wir waren an der Supermarktkasse und sie halt wie immer, so unter der Kasse liegen ja die T\u00fcten, auf das Kassenband legt und ich die dann zur\u00fcck stopfe und hinter uns ist halt die Schlange und vor uns sind halt die Kassierer und die sehen das und ich sage \u201aHey Mama, ich habe Stoffbeutel eingesteckt\u2018 und auch vorher schon beim Obst und Gem\u00fcse \u201aEy muss das sein mit den Plastikt\u00fcten\u2018. Ihr war es dann an diesem Punkt unangenehm, aber ich sag mal es ist halt auch irgendwie nicht so eine gro\u00dfe Sache, das f\u00e4ngt dann an mit Geschenken usw. und ich glaube man muss den Leuten auch Zeit lassen\u201c (Interview 3 11.10.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eZeit lassen\u201c ist ein wichtiges Stichwort. Die Zero Waste Lebenden haben sich schlie\u00dflich auch nicht von heute auf morgen dazu entschlossen, ihre K\u00fcche oder ihr Bad auszur\u00e4umen und komplett neu auszustatten, sondern einen Prozess vollzogen, der schrittweise in ein Zero Waste Leben gef\u00fchrt hat. Im Umgang mit Freunden und Familie ist daher viel Geduld gefragt und es lohnt sich \u201egemeinsam nach Alternativen zu schauen [\u2026] mit der Zeit f\u00e4rbt das auch einfach ein bisschen ab\u201c, denn \u201edie Leute brauchen auch Zeit, sich darauf einzustellen\u201c (Interview 3 11.10.2017: Zero Waste), genau wie man selbst auch. Sollte dennoch ein schmerzender Kommentar wie \u201eJa wenn du meinst du kannst damit die Welt ver\u00e4ndern, dann mach halt\u201c kommen, so empfanden wir folgende Argumentation einer Interviewten in Hinblick auf politischen Konsum und der Intention aus eigenem Handeln einen Wandel entstehen zu lassen, sehr zufriedenstellend:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas war f\u00fcr mich schwierig, weil so Leute, [\u2026] die glauben dann man kann nicht die Welt ver\u00e4ndern oder ein Einzelner kann nicht die Welt ver\u00e4ndern. Aber wenn man mal in die Geschichte guckt, Mutter Theresa, Mahatma Gandhi oder dieser Spruch vom Dalai Lama: wer meint er kann allein die Welt nicht ver\u00e4ndern, der hat noch nie das Schlafzimmer mit einer einzelnen M\u00fccke geteilt. Der Spruch hat mich schon die letzten Wochen sehr fasziniert und auch motiviert. Und ich wei\u00df auch wof\u00fcr ich das tue, weil allein durch mein Vorbild und dass ich das tue ist das bei mir pr\u00e4sent es kommt immer wieder wegen irgendwas ins Gespr\u00e4ch [\u2026]. Und allein durch das strahlt man ja was aus und gibt was weiter. Und ich glaub schon, dass das zum Nachdenken anregt, zwar nicht unbedingt \u00fcberzeugend oder l\u00e4ngerfristig, aber es reicht ja schon wenn die Leute ein bisschen sagen \u201aokay interessant, inspiriert mich\u2018 weil alles was man liest oder sieht irgendwo hinterl\u00e4sst ja Spuren und wenn das viele Einzelne machen dann ist es eben doch sinnvoll\u201c (Interview 2 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a id=\"Ausblick\"><\/a>Ausblick \u2013 Wie geht es nach dem Experiment weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Zero Waste hat auch nach dem Selbstexperiment Spuren bei uns hinterlassen. Als die 6 Wochen vorbei waren, haben wir wieder im normalen Supermarkt eingekauft. Unser Konsumverhalten hat sich trotzdem nachhaltig ver\u00e4ndert. Wir achten weiterhin darauf unn\u00f6tigen M\u00fcll zu vermeiden und beispielsweise Obst und Gem\u00fcse nicht in Plastikt\u00fcten einzupacken und Produkte zu w\u00e4hlen, die m\u00f6glichst wenig oder zumindest nicht in Plastik eingepackt sind. Da wir weder vegetarisch, noch vegan leben, lassen sich aber bei manchen Produkten Abf\u00e4lle nur schwer vermeiden. Lebensmittel, wie Nudeln, Reis, M\u00fcsli und S\u00fc\u00dfigkeiten, kaufen wir h\u00e4ufig noch im Unverpacktladen. Auch in anderen Bereichen hat sich unsere Wahrnehmung im Alltag ver\u00e4ndert und uns f\u00e4llt auf, wie oft wir als Privatpersonen M\u00fcll produzieren, der sich vermeiden l\u00e4sst. Demnach hat das Selbstexperiment unseren Lebensstil dauerhaft beeinflusst und war nicht nur ein oberfl\u00e4chlicher Einblick in das Thema Zero Waste. Uns ist erst mit n\u00e4herer Besch\u00e4ftigung mit dem Thema und vor allem w\u00e4hrend des Experiments aufgefallen, wie viel M\u00fcll wir und unser Umfeld eigentlich produzieren. Dadurch sind wir sensibler f\u00fcr dieses Thema geworden und sprechen auch oft mit den Menschen in unserer Umgebung dar\u00fcber. Von einigen haben wir geh\u00f6rt, dass sie beim Einkaufen auch versucht haben, \u00fcberfl\u00fcssige Verpackungen zu vermeiden und versuchen weniger Abf\u00e4lle zu produzieren.<\/p>\n<p>Die Kosten f\u00fcr die Produkte aus dem Unverpacktladen waren verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig etwas teurer, als die Produkte aus einem normalen Supermarkt. Wir haben diese h\u00f6heren Kosten aber nicht als besonders gravierend empfunden und halten diese Produkte f\u00fcr erschwinglich. Frische Produkte haben wir teilweise weiterhin im Supermarkt, nur ohne Plastikbeutel oder auf dem Markt gekauft. Daher waren die Kosten f\u00fcr die Lebensmittel, die wir konsumiert haben nur geringf\u00fcgig h\u00f6her und stellten somit kein Problem dar. Ein Nachteil war allerdings, dass es in unserer Stadt keinen Unverpacktladen gibt und unsere Eink\u00e4ufe so einer l\u00e4ngeren Planung bedurften. Wir haben versucht uns f\u00fcr eine oder mehrere Wochen mit Lebensmitteln einzudecken, damit wir den Weg nicht mehrmals w\u00f6chentlich auf uns nehmen mussten. Es war f\u00fcr uns demnach auch ein h\u00f6herer zeitlicher Aufwand, da wir f\u00fcr viele Produkte nicht \u201emal eben\u201c in dem Supermarkt nebenan gehen konnte. Mit pr\u00e4ziser Planung, waren aber auch diese Herausforderungen gut zu meistern. So besuchen wir auch nach dem Experiment noch regelm\u00e4\u00dfig den Unverpacktladen, weil wir einen guten Weg gefunden haben, es in unseren Alltag zu integrieren.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich \u00fcber das Selbstexperiment als innovative Forschungsmethode sagen, dass es einen \u00e4u\u00dferst interessanten und ad\u00e4quaten Ansatz darstellt, \u00fcber einen gewissen Sachverhalt zu forschen. Im Hinblick auf den Zero Waste Lebensstil konnten wir als Forschungsgruppe einen vielsichtigen Blick auf den Forschungsgegenstand werfen und haben somit diverse Erkenntnisse \u00fcber das Leben als Zero Waste Aktivistinnen gewinnen k\u00f6nnen. Neben der gr\u00fcndlichen Planung und Organisation des Alltags, lie\u00df sich feststellen, dass das Praktizieren dieses nachhaltigen Lebensstils, auch den Verzicht diverser Produkte und die \u00c4nderung vieler gewohnter Verhaltensweisen mit sich bringt. Zero Waste geht nach unserer Erfahrung also h\u00e4ufig auch mit ganz spezifischen Weltanschauungen und Ansichten einher. Die Motivation, sich einer solchen Bewegung anzuschlie\u00dfen, spielt bei der Umsetzung im eigenen Leben eine enorme Rolle, womit dieser Aspekt auch f\u00fcr die Forschung zu einem zentralen Gesichtspunkt wird. Das Selbstexperiment zeigt sich so zum einen zwar als eine wertvoll erg\u00e4nzende, innovative Forschungsmethode der Participitory Action Research, zum anderen aber tritt durch die Motivationsproblematik und die k\u00fcnstlich erzeugte Situation eine Verzerrung der Forschungsergebnisse auf. Daher ist es enorm wichtig, \u00fcber diese Aspekte vorab zu reflektieren und die diesbez\u00fcglichen Erkenntnisse nicht als allgemeing\u00fcltige Auffassung zu verstehen.<\/p>\n<p><strong><a id=\"massenf\u00e4hig\"><\/a>Zero Waste \u201emassenf\u00e4hig\u201c machen, geht das?<\/strong><\/p>\n<p>Es stellt sich nach unserem Experiment jedoch die Frage, welche Voraussetzungen erf\u00fcllt sein m\u00fcssen, dass Personen den eigenen Lebensstil wirklich v\u00f6llig umkrempeln? Aus den gef\u00fchrten Interviews sowie aufgrund unserer gemachten Erfahrungen, ist eine der grundlegenden Faktoren hierbei, wie bereits in diesem Blogeintrag hervorgehoben, die Motivation der Menschen. Wenn man f\u00fcr sich selber davon \u00fcberzeugt ist, mit dem was man tut, einen besseren Lebensstil zu vollziehen und den Willen hat nachhaltiger zu leben, dann verf\u00fcgt man schon einmal \u00fcber die notwendige Basis, eine solch umfassende Lebensver\u00e4nderung \u00fcberhaupt langfristig durchzuziehen. Allerdings haben auch wir nach anf\u00e4nglicher Euphorie f\u00fcr das Thema festgestellt, dass sich die normalen Lebensgewohnheiten nicht einfach mal so von heute auf morgen umstellen lassen, sondern dass es ein Prozess ist, der Schritt f\u00fcr Schritt erfolgen muss. Weniger M\u00fcll zu produzieren und Verschwendung entgegenzuwirken, klingt auf den ersten Blick ja eigentlich nach einem Ziel, wonach im Grunde alle Menschen streben wollen. Wir zumindest haben in Gespr\u00e4chen mit\u00a0 unserem Umfeld von keinem geh\u00f6rt, dass er absichtlich so viel M\u00fcll wie m\u00f6glich\u00a0 produzieren m\u00f6chte. Also muss es andere Gr\u00fcnde geben wieso nun nicht viel mehr Menschen versuchen Zero Waste zu leben. Es stellt sich also weiterhin die Frage, wie stark darf die Ver\u00e4nderung sein und wie sehr darf sie vom gewohnten Lebensstil abweichen? Wir haben festgestellt, dass unsere Interviewpartner ihr komplettes normales Einkaufsverhalten umgestellt haben, indem Sie sich neu organisiert und nach alternativen gesucht haben, um M\u00fcll zu vermeiden. Im Supermarkt um die Ecke einkaufen, ist aus dem Leben unserer Interviewpartner, fast v\u00f6llig verschwunden. Das Leben der meisten Menschen ist allerdings heutzutage darauf ausgerichtet, schnell und unkompliziert an alle Dinge zu gelangen, die man ben\u00f6tigt (oder eben auch nicht). Wie kann man\u00a0 Zero Waste \u201eMassenf\u00e4hig\u201c machen und auch die Leute erreichen, die es eigentlich ebenfalls gut finden w\u00fcrden nachhaltiger zu leben, aber daran scheitern ihre Gewohnheiten, aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden, v\u00f6llig umzukrempeln? Unverpackt L\u00e4den sind hierzu eine sch\u00f6ne Alternative, da man dort alle m\u00f6glichen haltbaren Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Mehl etc. sowie einige frische Lebensmittel wie Obst, Gem\u00fcse, Eier ohne Verpackungen bekommt zudem gibt es oft auch Shampoo, Seife oder Waschmittel. Allerdings sind diese Unverpackt L\u00e4den noch relativ selten vorhanden, sodass diese nicht f\u00fcr jeden zu erreichen sind oder es einer gr\u00f6\u00dferen Planung ben\u00f6tigt. Daher w\u00e4re es zum einen eine tolle Entwicklung, wenn in Zukunft mehr Unverpackt L\u00e4den existieren w\u00fcrden oder aber, weil die Mehrheit der Menschen gewohnt ist, in Superm\u00e4rkten einzukaufen, wenn es zum Beispiel auch Unverpackt-Bereiche im Supermarkt geben w\u00fcrde. Auch vegane, laktosefreie, glutenfreie Bereiche sind mittlerweile schon in den meisten Superm\u00e4rkten angekommen. F\u00fcr Interessierte m\u00f6chten wir an dieser Stelle auf Unverpackt L\u00e4den im Umkreis von Bochum hinweisen.<\/p>\n<p>-F\u00fcllbar \u2013 verpackungsfrei einkaufen (Witten) <a href=\"https:\/\/www.fuellbar-witten.de\/\">https:\/\/www.fuellbar-witten.de\/<\/a><\/p>\n<p>Gl\u00fccklich unverpackt (Essen)\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/gluecklichunverpackt\/\">https:\/\/www.facebook.com\/gluecklichunverpackt\/<\/a><\/p>\n<p>-Veggihaus (Bochum \u2013 unverpackt Bereich)\u00a0https:\/\/veggihaus.abo-kiste.com\/<\/p>\n<p>Aus unserem Experiment haben wir zudem gelernt, das aller Anfang f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung zu aller erst damit anf\u00e4ngt ein Gesp\u00fcr und Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das Thema zu bekommen. Wir haben erst in der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema gemerkt, in welchen Bereich \u00fcberall M\u00fcll anf\u00e4llt und wie viel es tats\u00e4chlich ist. Vorher im Alltag lief das alles n\u00e4mlich ganz selbstverst\u00e4ndlich ab und wurde nicht gro\u00df beachtet. Daher geht unser Appell im ersten Schritt vor allem an die Sensibilisierung der Menschen f\u00fcr das Thema M\u00fcll. Zum Beispiel ist in M\u00fcnchen eine Kampagne in Planung, die der Becherflut von Coffee to go Beh\u00e4ltern entgegen wirken soll. Der Abfallwirtschaftsbetrieb M\u00fcnchen (AWM) m\u00f6chte mit vier Meter hohen Bechern, welche an mehreren beliebten Standorten in M\u00fcnchen aufgestellt werden, die M\u00fcnchener f\u00fcr das Thema sensibilisieren. Das Fassungsverm\u00f6gen der vier Meter hohen Becher entspricht dabei den t\u00e4glich rund 190.000 verbrauchten Coffee to go Bechern in M\u00fcnchen. Damit soll in Zukunft die Zahl der Einwegbecher verringert und stattdessen auf Mehrwegbecher gesetzt werden (Portal M\u00fcnchen Betriebs-GmbH &amp; Co. KG, 22.5.2017, www.m\u00fcnchen.de). Sensibilisierung und Aufzeigen von Alternativen ist ein elementarer Faktor um Ver\u00e4nderungen zu bewirken, findet auch eine_r unserer Interviewpartner_Innen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e[\u2026] dass ich es keinem auf die Nase dr\u00fccken will. [\u2026] Ich find\u2018s gut und man lernt auch, nur deswegen muss es nicht jeder andere gut finden. Aber auch den anderen zu zeigen, dass es auch anders geht. Nicht zu sagen, das ist v\u00f6llig unm\u00f6glich, sondern zu sagen probier\u2018s doch einfach. [\u2026] Ja, Leute inspirieren\u201c (Interview 2, 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Des Weiteren geht es dann darum, Dinge zu ver\u00e4ndern, die f\u00fcr jeden leicht umzusetzen sind, um so eine gro\u00dfe Wirkung zu erzielen. Zum einen w\u00e4re da das Plastikt\u00fcten-Verbot, dass also beim Einkaufen\u00a0 keine Plastikt\u00fcten h\u00e4ngen, daf\u00fcr aber Mehrwegtaschen oder beim Obst und Gem\u00fcse wiederverwertbare Stoffs\u00e4ckchen, wie es schon in manchen M\u00e4rkten \u00fcblich ist. Unterst\u00fctzt von Awareness Kampagnen, w\u00fcrde es f\u00fcr die Menschen auf lange Sicht auch selbstverst\u00e4ndlich werden, diese zu benutzen. In Deutschland sieht man durch solche Regelungen und Bezahlpflicht f\u00fcr Plastikt\u00fcten schon erste Erfolge. Laut der Gesellschaft f\u00fcr Verpackungsmarktforschung verringerte sich 2016 der T\u00fctenverbrauch im Vergleich zum Vorjahr dadurch um zwei Milliarden St\u00fcck auf 3,7 Milliarden T\u00fcten. (Handelsverband Deutschland 2017). Einen weiteren Punkt wo noch Handlungsbedarf besteht, spricht eine_r unserer Interviewpartner_Innen an:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e[\u2026] wenn halt verpackte Produkte einfach mehr besteuert oder teurer w\u00e4ren, als unverpackte. [\u2026]. Denn jetzt kosten Paprikat\u00fcten weniger als lose Paprika was ich einfach hirnrissig und unfair finde [\u2026]\u201c (Interview 1, 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Des Weiteren schwingt aus allen Interviews eine Welle aus Unverst\u00e4ndnis mit, dass trotz lauter Umweltschutzdebatten, nachhaltige L\u00f6sungen immer noch so schwierig umzusetzen sind bzw. Steine in den Weg gelegt werden.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWas meine W\u00fcnsche sind, vor allem an die Politik w\u00e4re, dass man das mehr unterst\u00fctzt solche Sachen, dass man das mehr f\u00f6rdert [\u2026] \u00a0\u00a0 wo ich mir denke, wenn ich da was Gutes tun will, warum kann es nicht g\u00fcnstiger sein, also wieso kann es nicht pr\u00e4miert werden. Wieso ist Umweltschutz so klein geschrieben in der Politik und in der Gesellschaft generell?\u201c (Interview 2, 30.09.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Weiterhin stellt ein_r andere_r Interviewte_r fest:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e[\u2026] auch das Wirtschaftssystem, kann man sich auch mal fragen, wieso es profitabler ist, auszubeuten, aber Gutes zu tun und nachhaltig zu handeln, nicht profitabel ist und ganz schwer, sich aufrecht erhalten l\u00e4sst\u201c (Interview 3, 11.10.2017: Zero Waste).<\/p><\/blockquote>\n<p>Unsere Untersuchungen zeigen daher, es ist gibt noch viel Handlungsbedarf, den M\u00fcllverbrauch unserer Welt zu reduzieren, aber Zero Waste als soziale Bewegung er\u00f6ffnet hier den Weg, Alternativen aufzuzeigen und dazu zu inspirieren, eigenes Konsumverhalten zu \u00fcberdenken. Ganz nach dem Motto \u201eSei Du selbst die Ver\u00e4nderung, die Du Dir w\u00fcnschst f\u00fcr diese Welt.\u201c (Mahatma Ghandi)<\/p>\n<p>Nachfolgend finden Sie einige Links zum Thema Zero Waste:<\/p>\n<p>Blogs:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/wastelandrebel.com\/de\/\">http:\/\/wastelandrebel.com\/de\/<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.zerowastefamilie.de\/Blog.htm\">https:\/\/www.zerowastefamilie.de\/Blog.htm<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.zerowastelifestyle.de\/\">http:\/\/www.zerowastelifestyle.de<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Youtube Kan\u00e4le:<\/p>\n<ul>\n<li>Zero Waste Home<\/li>\n<li>Trash is for Tossers<\/li>\n<\/ul>\n<p>B\u00fccher:<\/p>\n<ul>\n<li>Zero Waste Weniger M\u00fcll ist das neue Gr\u00fcn von Shia Su<\/li>\n<li>Zero Waste Home &#8211; Gl\u00fccklich leben ohne M\u00fcll! Von Bea Johnson<\/li>\n<li>Ein Leben ohne M\u00fcll Mein Weg mit Zero Waste. Mit umfassendem Know-how zur M\u00fcllvermeidung von Olga Witt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Facebook Gruppen:<\/p>\n<ul>\n<li>Zero Waste Deutschland<\/li>\n<li>Journey to Zero-Waste<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Ein Beitrag von Sophia Blank, Leonie Staab, Ines Tebr\u00fcgge und Zoi Tsolpidis<\/h3>\n<h4><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/h4>\n<p><strong>Baringhorst, Sigrid <\/strong>(2012): Politischer Konsum \u2013 eine neue Form kreativer politischer Partizipation<\/p>\n<p><strong>Barrett, Alan<\/strong> (2013): Bottles and Bags: The Absent Policy https:\/\/sbenfocus.wordpress.com\/2013\/12\/31\/bottles-and-bags-the-absent-policy\/ [17.01.2018]<\/p>\n<p><strong>Bergold, Jarg\/ Thomas, Stefan<\/strong> (Hrsg.) (2012). Participatory Research Methode: A Methodological Approach in Motion. Online publiziert: Forum: Qualitative Social Research.<\/p>\n<p><strong>Berlin t\u00fct was<\/strong>: Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung des Plastikt\u00fctenverbrauches http:\/\/berlintuetwas.de\/massnahmen-zur-reduzierung-des%20plastiktu%CC%88tenverbrauches\/ [17.01.2018]<\/p>\n<p><strong>Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung<\/strong> (BLE): Lebensmittelverschwendung Lebensmittelabf\u00e4lle im Haushalt vermeiden\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 https:\/\/www.bzfe.de\/lebensmittelverschwendung-1868.html [03.01.2018 \/ 12:56:33]<\/p>\n<p><strong>Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft<\/strong> (BMEL) (2015): Studie \u00fcber Lebensmittelabf\u00e4lle in Deutschland https:\/\/www.bmel.de\/DE\/Ernaehrung\/ZuGutFuerDieTonne\/_Texte\/Studie_Zu-gut-fuer-die-Tonne.html [Stand: 02.01.2018 \/ 14:01:02]<\/p>\n<p><strong>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/strong> (2010): Von der Selbstversorgung zum Konsum &#8211; Entwicklung und Situation privater Haushalte [online]\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0http:\/\/www.bpb.de\/izpb\/7579\/von-der-selbstversorgung-zum-konsum-entwicklung-und-situation-privater-haushalte?p=all , [Stand: 02.01.2018 \/ 16:43:22]<\/p>\n<p><strong>City of Vancouver<\/strong> 2018: Greenest City Action Plan\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 http:\/\/vancouver.ca\/green-vancouver\/greenest-city-action-plan.aspx (17.01.2018)<\/p>\n<p><strong>Die Bundesregierung<\/strong>: Plastikt\u00fcten ab Juli kostenpflichtig, in: Umweltschutz. https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2016\/04\/2016-04-26-plastiktueten.html [17.01.2018]<\/p>\n<p><strong>Handelsverband Deutschland &#8211; HDE e.V.<\/strong> (2017): Ein Drittel weniger Kunststofft\u00fcten in Deutschland\u00a0 https:\/\/www.einzelhandel.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=9597 [Stand: 16.01.2018]<\/p>\n<p><strong>Montero, Maritza<\/strong> (2000). Participation in Participatory Action Research. (Vol. 2). Annual Review of Critical Psychology.<\/p>\n<p><strong>Nardi, Jason: <\/strong>Solidarity Economy in Europe: an emerging movement with a common vision<\/p>\n<p><strong>Portal M\u00fcnchen Betriebs-GmbH &amp; Co. KG<\/strong> (2017): AWM stellt Konzept f\u00fcr Coffee-To-Go-Becher vor\u00a0 http:\/\/www.muenchen.de\/aktuell\/2017-05\/awm-stellt-konzept-fuer-coffee-to-go-becher-vor.html [Stand: 17.01.2018]<\/p>\n<p><strong>Schatzki, Theodore R. <\/strong>(2001): The Practice Turn in Contemporary Theory. Introduction: practice theory<\/p>\n<p><strong>Stangl, W. <\/strong>(2018). <em>G\u00fctekriterien empirischer Forschung<\/em>. [werner stangl]s arbeitsbl\u00e4tter.<br \/>\nhttp:\/\/www.stangltaller.at\/ARBEITSBLAETTER\/FORSCHUNGSMETHODEN\/Guetekriterien-qualitative-Forschung.shtml (2018-01-12).<\/p>\n<p><strong>Statistisches Bundesamt<\/strong> (Destatis), 2018:\u00a0\u00a0\u00a0 Erhebung der \u00f6ffentlich-rechtl. Abfallentsorgung\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0https:\/\/wwwgenesis.destatis.de\/genesis\/online;jsessionid=F7C642F71637F017D3CE7A7BF903C39F.tomcat_GO_1_1?operation=previous&amp;levelindex=2&amp;levelid=1515328345840&amp;step=2 [Stand: 01.01.2018 \/ 13:22:25]<\/p>\n<p><strong>Umweltbundesamt<\/strong> (2013) unter: <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/479\/publikationen\/4453.pdf\">https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/479\/publikationen\/4453.pdf<\/a><\/p>\n<p><strong>Uni Mainz<\/strong> (2015) unter:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blogs.uni-mainz.de\/fb02-fs-psychologie\/files\/2015\/01\/FoMe_Hussy_Folien.pdf\">https:\/\/www.blogs.uni-mainz.de\/fb02-fs-psychologie\/files\/2015\/01\/FoMe_Hussy_Folien.pdf<\/a><\/p>\n<p><strong>Yates, Luke <\/strong>(2015): Rethinking prefiguration: Alternatives, Micropolitics and Goals in Social Movements<\/p>\n<h4>Bilderverzeichnis:<\/h4>\n<p>&#8211; https:\/\/pixabay.com\/de\/m%C3%BCll-m%C3%BCllcontainer-abfall-2729608\/<\/p>\n<p>&#8211; https:\/\/pixabay.com\/de\/getr%C3%A4nkebecher-becher-plastikbecher-2147902\/<\/p>\n<p>&#8211; https:\/\/pixabay.com\/de\/green-gras-prato-echo-%C3%B6kologisch-1968590\/<\/p>\n<p>&#8211; https:\/\/pixabay.com\/de\/gew%C3%BCrze-regal-krug-k%C3%BCche-kochen-2482278\/<\/p>\n<p>&#8211; https:\/\/pixabay.com\/de\/supermarkt-k%C3%BChlschrank-produkte-949912\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Verpackungswahnsinn \u2013 verpackte Gurken und Coffee to go Im Jahr 2016 produzierte jede_r Deutsche_r im Durchschnitt 462 kg M\u00fcll (Statistisches Bundesamt, 2016). 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