{"id":299,"date":"2018-01-17T14:31:32","date_gmt":"2018-01-17T13:31:32","guid":{"rendered":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=299"},"modified":"2018-04-17T09:15:28","modified_gmt":"2018-04-17T07:15:28","slug":"fuellbar-zwischen-hoffnung-leidenschaft-und-berufung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=299","title":{"rendered":"F\u00fcllbar \u2013 zwischen Hoffnung, Leidenschaft und Berufung"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Ein verpackungsfreier Supermarkt als Antrieb und Ergebnis b\u00fcrgerschaftlichen Engagements<\/strong><\/h2>\n<p>NRW ist anders \u2013 und das Ruhrgebiet ganz besonders. Es hat\u00a0weder\u00a0das\u00a0internationale Flair\u00a0von Frankfurt noch\u00a0die\u00a0au\u00dfergew\u00f6hnliche Anziehungskraft\u00a0Hamburgs, ist weniger schick als M\u00fcnchen und schon gar nicht so popul\u00e4r wie Berlin \u2013 aber im Ruhrgebiet leben Menschen, die es zu etwas Besonderen machen. Menschen, die sich f\u00fcr das einsetzen, das ihnen am Herzen liegt, sich engagieren und Wandel ansto\u00dfen wollen. Dazu geht jeder dritte\u00a0Ruhrgebietler\u00a0einer freiwilligen T\u00e4tigkeit in Organisationen, Vereinen oder Verb\u00e4nden nach.<\/p>\n<blockquote><p>Im Jahr 2016 \u00fcberstieg die Zahl der eingetragenen Vereine in Deutschland erstmals die Schwelle von 600.000. Doch nicht nur die Zahl der Organisationen stieg, sondern auch die Zahl der MitgliederInnen in vielen Organisationen. Immerhin ein Drittel der Organisationen gibt an, heute mehr MitgliederInnen zu haben als im Jahr 2012.\u00a0(Ziviv-Survey, 2017)<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Etwas \u00fcber 120.000 der deutschen Vereine sind dabei in das nordrhein-westf\u00e4lische\u00a0Register\u00a0eingetragen, was gut jedem f\u00fcnften entspricht. Somit kommen auf 1000 Einwohner 6,7\u00a0Vereine\u00a0(vgl.\u00a0Ziviz-Survey,\u00a02017).\u00a0Neben\u00a0Berufs- und Wirtschaftsverb\u00e4nden\u00a0sind\u00a0Vereine, die sich dem Umwelt- und Naturschutz sowie Verbraucherinteressen widmen,\u00a0diejenigen, die seit 2012 die st\u00e4rksten Mitgliederzuw\u00e4chse verzeichnen k\u00f6nnen. Vom sogenannten Vereinssterben kann zumindest in diesem Punkt nicht die Rede sein. W\u00e4hrend\u00a042% der Vereine der Verbraucherinteressen im gro\u00dfst\u00e4dtischen Raum beheimatet sind, sind es nur ein Viertel der Vereine, die den Umweltschutz zum Ziel haben.\u202f\u00a0Obwohl das Ruhrgebiet mit 5,1 Millionen Einwohnern verteilt auf 15 St\u00e4dte und Kreise als gr\u00f6\u00dftes Ballungsgebiet Europas gilt, findet man hier nur eine\u00a0Handvoll\u00a0verpackungsfreier Superm\u00e4rkte, wohingegen \u00e4hnlich viele schon in einer Stadt wie Hamburg oder K\u00f6ln zu finden sind.<\/p>\n<p>Eine Richtung, die immer gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit genie\u00dft, ist dabei die sogenannte <em>Zero Waste<\/em>-Bew<a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-305 alignleft\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-3-300x198.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-3-300x198.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-3.jpg 417w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>egung, mit der nichts Anderes gemeint ist\u00a0als M\u00fcll weitestgehend bis vollst\u00e4ndig zu vermeiden\u00a0zu wollen.\u00a0Das Zukunftsinstitut mit Sitz in Frankfurt am Main ist sich dabei sicher: \u201eDer <em>Zero Waste<\/em>-Trend ist mehr als nur der n\u00e4chste\u00a0\u00d6kotrend. Das\u00a0Precycling\u00a0wird als Nachfolger des Recycling M\u00e4rkte und Wirtschaft ver\u00e4ndern.\u201c\u00a0Ein Bespiel f\u00fcr einen\u00a0Verein, der in einem solchen Handlungsfeld operiert,\u00a0ist die\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0e.V.\u00a0in Witten, die sich\u00a0als Tr\u00e4ger eines\u00a0Lebensmittelmarktes\u00a0zum Ziel gesetzt hat, verpackungsfreies Einkaufen zu erleichtern und den Weg hin zu einer deutlichen Reduktion von M\u00fcll zu ebnen.\u00a0Diese\u00a0Idealvorstellung erzeugt nicht nur\u00a0eine\u00a0v\u00f6llig\u00a0neue Art des Konsums, sondern f\u00fchrt auch zu\u00a0einer Weiterentwicklung bisher dagewesener Engagementformen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">\u00a9 Pixabay<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Uns erschien\u00a0daher\u00a0die Auswahl der\u00a0<em>F\u00fcllbar\u00a0<\/em>e.V. vor dem Hintergrund der \u00fcberschaubaren wissenschaftlichen Fachliteratur zum Thema <em>Zero Waste\u00a0<\/em>als ein geeigneter Gegenstand,\u00a0um die\u00a0Engagementkultur\u00a0im Bereich des Umweltbem\u00fchens zu untersuchen\u00a0und so\u00a0Erkenntnisse zum aktuellen Forschungsstand beizutragen.\u00a0Sichtet man die aktuelle Tagespresse, wird\u00a0ein quantitatives Missverh\u00e4ltnis\u00a0zwischen dortiger Berichterstattung und der Anzahl wissenschaftlicher Ver\u00f6ffentlichungen zum selbigen Thema deutlich. So\u00a0reichten die\u00a0medial\u00a0pr\u00e4senten\u00a0Titel\u00a0von\u00a0\u201eMax Mustermann verbraucht 37 Kilo Plastik im Jahr\u201c (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2017)\u00a0und \u201eTrend <em>Zero\u00a0Waste<\/em>: Der Jahresm\u00fcll in einem Glas\u201c\u00a0(S\u00fcddeutsche Zeitung, 2017) \u00fcber Ratgeber, die der Frage\u00a0\u201eWie vermeidet man M\u00fcll?\u201c (Stuttgarter Zeitung, 2017) nachgehen bis hin zu Reportagen \u00fcber\u00a0Selbstversuche: \u201eEine Woche keinen Abfall produzieren \u2013 geht das?\u201c (Welt,\u00a02016).<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde daf\u00fcr m\u00f6gen zum einen sein, dass Kennzeichen der Presse Schnelllebigkeit und Aktualit\u00e4t ist und sie somit rasch auf Trends in der Bev\u00f6lkerung reagiert. Die Wissenschaft hingehen einen l\u00e4ngeren Zeitraum ben\u00f6tigt, um zu gefestigten und validen Aussagen zu kommen.\u00a0Um diesen Prozess voran zu bringen, haben wir mit der Erforschung der <em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0e.V. einen Grundstein f\u00fcr weitere und intensivere Forschung auf diesem Gebiet\u00a0gelegt.<\/p>\n<p>Unsere Erkenntnisse basieren\u00a0hierbei\u00a0auf qualitativen Interviews, die wir\u00a0sowohl mit Personen aus dem Gr\u00fcnderteam\u00a0der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em> als auch mit\u00a0deren\u00a0NutzerInnen gef\u00fchrt haben.\u00a0Durch diese Gespr\u00e4che\u00a0wurden uns differenzierte Einblicke in ein breites Spektrum unterschiedlichster Handlungsweisen des Engagements im Bereich <em>Zero\u00a0Waste\u00a0<\/em>erm\u00f6glicht.\u00a0Die Gr\u00fcnderInnen gaben\u00a0uns\u00a0dabei\u00a0einen Eindruck \u00fcber den Umfang und die Art\u00a0ihrer\u00a0freiwilligen\u00a0T\u00e4tigkeit,\u00a0die eine ganz besondere Form des ehrenamtlichen Engagements darstellt.\u00a0Wir konnten anhand der Interviews mit den NutzerInnen der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0weitere Abstufungen und Interessenlagen des Engagements rund um die Thematik der M\u00fcllvermeidung ausmachen und so unterschiedliche Motive sowie\u00a0Hemmnisse f\u00fcr eine verst\u00e4rkte T\u00e4tigkeit identifizieren.\u00a0Bei den qualitativen Interviews handelte\u00a0es sich um teilstandardisierte Befragungen, die mithilfe eines vorher erstellten Leitfadens durchgef\u00fchrt wurden.\u00a0Dazu\u00a0entwickelten wir\u00a0jeweils einen\u00a0aus\u00a0identischem Grundger\u00fcst und\u00a0\u00e4hnlichen Fragebl\u00f6cken\u00a0bestehenden\u00a0Leitfaden,\u00a0der\u00a0jedoch an die\u00a0individuellen Gegebenheiten der\u00a0Gr\u00fcnderInnen sowie NutzerInnen angepasst wurde\u00a0und\u00a0uns\u00a0dazu diente, die unterschiedlichen Aspekte des Engagements herauszuarbeiten. Im ersten Block wurden sowohl die Gr\u00fcnderInnen als auch NutzerInnen zu ihren Motiven befragt, sich zu engagieren. Dabei ging es unter anderem um die Herausforderungen bez\u00fcglich der Integration des <em>Zero Waste-Gedanken<\/em> in den Alltag und\u00a0um\u00a0ihr eigenes Verst\u00e4ndnis des Engagements als Teil einer Bewegung. Bei den Gr\u00fcnderInnen interessierte uns hierbei auch die Frage, welche Schwierigkeiten sich\u00a0bei der Er\u00f6ffnung der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0ergeben haben und,\u00a0welche Probleme in der aktuellen Alltagspraxis bestehen. Der zweite Block befasste sich mit den m\u00f6glichen Effekten ihres Engagements,\u00a0sowohl auf ihr soziales Umfeld,\u00a0als auch auf die Gesellschaft selbst. Hierbei wurde\u00a0einerseits\u00a0nach eigenen Schwierigkeiten bei der Umsetzung des <em>Zero Waste-<\/em>Gedanken gefragt, andererseits\u00a0nach dem Feedback weiterer Personen. Im\u00a0dritten und\u00a0letzten Block fragten wir die Gr\u00fcnderInnen und NutzerInnen nach Handlungsempfehlungen an die Politik und andere Akteure, um das Konzept des <em>Zero\u00a0Waste\u00a0<\/em>zu etablieren.<\/p>\n<p>Um zu verdeutlichen, inwiefern ein verpackungsfreier Supermarkt als Antrieb und Ergebnis b\u00fcrgerschaftlichen Engagements fungieren kann, wollen wir zun\u00e4chst der Frage nachgehen, was <a href=\"#Zero Waste\"><em>Zero Waste<\/em><\/a> als Ausdruck eines m\u00fcllreduzierten Lebensstils ausmacht. Dabei wollen wir unser Augenmerk besonders auf die Folgen der \u00fcberdurchschnittlichen Nutzung von <a href=\"#Plastik\">Plastik<\/a> und dessen Recycling richten. Das Bewusstsein f\u00fcr die zunehmende M\u00fcllproblematik ist in den letzten Jahren innerhalb der Bev\u00f6lkerung merklich gestiegen, sodass eine <a href=\"#Trendwende\">Trendwende<\/a> im Konsumverhalten sp\u00fcrbar geworden ist. Die <a href=\"#F\u00fcllbar\"><em>F\u00fcllbar<\/em><\/a> in Witten folgt dieser Entwicklung und bietet sowohl unverpackte Lebensmittel als auch Drogerieartikel an und l\u00e4dt regelm\u00e4\u00dfig zu Workshops ein, die sich mit diversen nachhaltigen Themen auseinandersetzen. Neben der Freiwilligkeit und unentgeltlichen T\u00e4tigkeit der Engagierten gibt es noch weitere Merkmale, die das <a href=\"#B\u00fcrgerschaftliches Engagement\">b\u00fcrgerschaftliche Engagement<\/a> kennzeichnen. Menschen, die b\u00fcrgerschaftlich engagiert sind, treibt eine besondere Motivation an, die es auch den Gr\u00fcnderInnen der <em>F\u00fcllbar<\/em> erm\u00f6glichte, ihre <a href=\"#Idee\">Idee zur Realit\u00e4t<\/a> werden zu lassen. Wir haben neben der Motivation auch das Engagement der einzelnen Gr\u00fcnderInnen und NutzerInnen untersucht und sind zu der Erkenntnis gelangt, dass sich diese in verschiedene <a href=\"#Typen\">Typen <\/a>kategorisieren lassen. Um unsere Hypothesen in den sozialwissenschaftlichen Diskurs einzuordnen, haben wir einen <a href=\"#Vergleich\">Vergleich <\/a>mit aktuellen Studien und Annahmen der bestehenden Literatur angestellt. Uns interessierte jedoch nicht nur die unterschiedlichen Beweggr\u00fcnde und Auspr\u00e4gungen des Engagements der Gr\u00fcnderInnen und KundInnen, sondern auch, inwiefern Ver\u00e4nderung im Bereich der Nachhaltigkeit angesto\u00dfen und erzeugt werden kann. Im <a href=\"#Fazit\">Fazit<\/a> werden die Ergebnisse unserer Interviews res\u00fcmiert. Zudem wird ein Ausblick f\u00fcr tiefergehende Forschungen gew\u00e4hrt und zusammengefasst, inwieweit sich zum einen verschiedene Engagementtypen gegenseitig bedingen, welche Faktoren es andererseits braucht, um langfristiges Engagement zu generieren und welche Rolle die <em>F\u00fcllbar <\/em>bei diesem Prozess einnehmen kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?attachment_id=435\" rel=\"attachment wp-att-435\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-435\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/008-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/008-212x300.jpg 212w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/008-768x1086.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/008-724x1024.jpg 724w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/008-624x882.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><em><a id=\"Zero Waste\"><\/a>Zero\u00a0Waste\u00a0<\/em><\/strong><strong>\u2013 was ist das eigentlich?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Viele <em>Zero Waste-<\/em>Bewegungen haben sich\u00a0neben\u00a0dem grundlegenden\u00a0Schutz der Umwelt\u00a0\u00fcber\u00a0das\u00a0eigene\u00a0Konsumverhalten\u00a0auch\u00a0eine\u00a0verst\u00e4rkte\u00a0Aufkl\u00e4rungsarbeit\u00a0zum\u00a0Ziel gesetzt.\u00a0Unweigerlich ist mit diesen\u00a0Ambitionen\u00a0die Frage verbunden, inwieweit\u00a0ein auf <em>Zero\u00a0Waste<\/em>\u00a0ausgerichtetes Lebens zum Umweltschutz beitragen kann?<\/p>\n<p>Bereits die\u00a0\u00dcbertragung\u00a0des\u00a0Begriffs\u00a0<em>Zero\u00a0Waste<\/em>\u00a0ins\u00a0Deutsche\u00a0l\u00e4sst auf\u00a0die Kernaussage schlie\u00dfen.\u00a0W\u00e4hrend\u00a0Zero\u00a0simpel mit\u00a0Null\u00a0zu \u00fcbersetzen ist, bedeutet Waste Abfall, M\u00fcll, Verlust, Ausschuss, Verschwendung, unn\u00fctzen Aufwand, Verfall, Vergeudung sowie Verschlei\u00df und zum anderen auch \u00fcberfl\u00fcssig, \u00f6de, \u00fcbersch\u00fcssig, unbrauchbar, ungenutzt, w\u00fcst, verschwendet oder vergeblich. Konkret\u00a0meint\u00a0<em>Zero\u00a0Waste<\/em>\u00a0also weder\u00a0Abfall\u00a0beziehungsweise\u00a0M\u00fcll zu produzieren, noch\u00a0\u00fcberfl\u00fcssigen\u00a0Aufwand\u00a0zu\u00a0betreiben oder Ressourcen zu verschwenden.\u00a0Durch\u00a0eine\u00a0minimalistischere Lebensweise soll ein Beitrag zum Erhalt dieser\u00a0nat\u00fcrlichen\u00a0Ressourcen\u00a0geleistet werden und\u00a0der menschliche Lebensraum gesch\u00fctzt werden.\u00a0Der\u00a0Fokus\u00a0der M\u00fcllvermeidung liegt\u00a0besonders auf der Reduzierung des Plastikverbrauchs.\u00a0Wie\u00a0lange\u00a0Plastikm\u00fcll\u00a0allerdings im\u00a0Meer \u00fcberdauert, bis er\u00a0sich\u00a0vollkommen in\u00a0seine\u00a0nicht-synthetische Bestandteile zersetzt hat,\u00a0sei\u00a0schwer\u00a0abzusch\u00e4tzen.\u00a0Weil\u00a0es Plastik\u00a0erst\u00a0seit den\u00a050er Jahren gibt, seien\u00a0statistische Daten noch nicht verf\u00fcgbar, wird in\u00a0einem\u00a0Themenpapier\u00a0Meere und Ozean des Wissenschaftsjahres 2016 auf Initiative des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung betont.\u00a0Sch\u00e4tzungen gehen derweil\u00a0von\u00a0einer\u00a0gravierenden Dauer\u00a0aus:\u00a0\u201eEine Plastikt\u00fcte\u00a0zerf\u00e4llt\u00a0fr\u00fchestens\u00a0nach 100 Jahren. Plastikflaschen\u00a0ben\u00f6tigen laut Umweltbundesamt sogar 450 Jahre f\u00fcr ihre Zersetzung\u201c\u00a0(Bunk und Schubert, 2016:\u00a09).\u00a0Verl\u00e4ssliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass\u00a0Plastik zum einen unsere Artenvielfalt in den Ozeanen bedroht, da die giftigen\u00a0Chemikalien und\u00a0Weichmacher\u00a0freigegeben und\u00a0somit in die Umwelt\u00a0gelangen\u00a0und zum anderen in den\u00a0Organismen von Mensch und Tier\u00a0zu\u00a0Hormonver\u00e4nderungen f\u00fchrt\u00a0(Vgl. Bunk und\u00a0Schubert, 2016: 9).\u00a0Untersuchungen haben gezeigt, dass die Schadstoffe, die in den Alltagsprodukten aus Plastik\u00a0zu finden sind,\u00a0im\u00a0menschlichen\u00a0K\u00f6rper\u00a0nachgewiesen werden\u00a0konnten.\u00a0Es ist zu vermuten, dass eine\u00a0Verbindung\u00a0zwischen diesen Belastungen und zahlreichen Zivilisationskrankheiten besteht. Das Besondere und zugleich\u00a0Beunruhigende\u00a0ist die Tatsache,\u00a0dass bereits geringe Mengen der Substanzen\u00a0ausreichen,\u00a0um weitreichende Auswirkungen auf den K\u00f6rper zu verursachen.<\/p>\n<blockquote><p>Bei Jungen kann die Belastung mit hormonellen Chemikalien zu Missbildungen der Geschlechtsorgane und Unfruchtbarkeit f\u00fchren, bei M\u00e4dchen k\u00f6nnen verfr\u00fchte Pubert\u00e4t sowie, im sp\u00e4teren Alter, Brustkrebs die Folge sein. Auch Allergien und Asthma &#8211; Krankheiten, die in den vergangenen Jahren verst\u00e4rkt aufgetreten sind \u2013 k\u00f6nnen im Zusammenhang mit der Belastung durch hormonelle Stoffe stehen.\u00a0 (Plastic\u00a0Planet,\u00a02018)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das\u00a0Forscherteam\u00a0der Universit\u00e4t Bonn stellte mithilfe von Experten an Gewebeproben von\u00a0M\u00e4usen\u00a0und\u00a0Menschen\u00a0die oben genannten Folgen fest. Dabei\u00a0steht\u00a0vor allem\u00a0das in\u00a0vielen Kunststoffprodukten\u00a0enthaltene\u00a0Bisphenol A seit Jahren unter\u00a0dem Verdacht\u00a0\u201einsbesondere auf F\u00f6ten und Baby gesundheitssch\u00e4digende Wirkungen zu\u00a0haben\u201c (Uni Bonn,\u00a02012).\u00a0\u00a0Da die Auswirkungen nicht absehbar waren, veranlasste die EU-Kommission 2011 vorsorglich\u00a0ein Verbot\u00a0von\u00a0Bisphenol A in\u00a0Babyflaschen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-303\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-1.jpg 395w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-304\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-2-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-2-300x199.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bild-2.jpg 428w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">\u00a9 Pixabay<\/span><\/p>\n<p><strong><a id=\"Plastik\"><\/a>Plastik\u00a0\u2013\u00a0das f\u00fcnfte Element?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Im\u00a0Jahr\u00a02015\u00a0verbrauchte\u00a0jeder Bundesb\u00fcrger mit 37 Kilogramm Plastikm\u00fcll\u00a0j\u00e4hrlich\u00a0durchschnittlich 6 Kilogramm mehr als seine europ\u00e4ischen Nachbarn, was einen Anstieg von 29 Prozent im Vergleich zu 2010 bedeutet\u00a0(Tagesschau,\u00a02017).\u00a0Eine\u00a0Studie der europ\u00e4ischen Statistikbeh\u00f6rde Eurostat hat ergeben, dass die Abfallmenge an Plastikverpackungen von 2005 bis 2015 um 12 Prozent gestiegen ist\u00a0(Zeit\u00a0Online,\u00a02017).\u00a0Laut Umweltbundesamt verbraucht\u00a0jeder Deutsche 71 Plastikt\u00fcten im Jahr.\u00a0Pro Minute\u00a0werden demnach\u00a0umgerechnet\u00a0rund\u00a011700 T\u00fcten\u00a0\u00fcber die Ladentheke\u00a0gereicht\u00a0werden.<\/p>\n<p>Dass\u00a0der Joghurtbecher feins\u00e4uberlich\u00a0ausgesp\u00fclt\u00a0und getrennt vom Restm\u00fcll im Gelben Sack entsorgt wird, geh\u00f6rt in Deutschland zum guten Ton.\u00a0Im internationalen L\u00e4ndervergleich hat die Bundesrepublik Potential zum Recyclingweltmeister, da rund 65 Prozent des kommunalen Abfalls wiederverwertet werden. Diese Zahlen tr\u00fcgen jedoch auf den ersten\u00a0Blick. Denn in dieser Kalkulation sind nicht nur Kunststoffabf\u00e4lle, sondern auch Papier und\u00a0Glas enthalten.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn\u00a0es um das Recycling geht, werden die vielf\u00e4ltigen Eigenschaften von Kunststoff zum Problem. So werden in Deutschland\u00a0mehr als 90 Prozent aller\u00a0Plastikabf\u00e4lle\u00a0wieder\u00a0eingesammelt\u00a0\u2013 aber nur 43\u00a0Prozent davon wird auch recycelt und\u00a0anschlie\u00dfend noch einmal eingesetzt. (S\u00fcddeutsche Zeitung, 2014)<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber was passiert mit dem Rest?\u00a0In\u00a0unsere Ozeane gelangen j\u00e4hrlich \u00fcber acht\u00a0Millionen\u00a0Tonnen\u00a0Plastikm\u00fcll.\u00a0Das\u00a0entspricht\u00a0min\u00fctlich\u00a0rund einem M\u00fcllwagen, der\u00a0im Meer ausgeladen wird.\u00a0In\u00a0einer Studie\u00a0der <em>Ellen MacArthur Foundation<\/em>, die das Weltwirtschaftsforum\u00a0in Auftrag gegeben\u00a0hatte, fanden\u00a0Forscher\u00a0heraus, dass\u00a02050\u00a0die Menge an Plastik die Menge der Fische in den\u00a0Meeren \u00fcbersteigen k\u00f6nnte.\u00a0Dort\u00a0verwechseln die Meereslebewesen das Plastik mit Nahrung und nehmen dieses auf.\u00a0In den meisten F\u00e4llen verenden die Tiere an dem gefressenen Plastik\u00a0oder\u00a0verfangen\u00a0sich\u00a0beispielsweise\u00a0in\u00a0Netzen\u00a0und sterben\u00a0qualvoll.<\/p>\n<p>In unseren Haushalten fallen aber nicht nur Plastikverpackungen an. 46 Millionen Tonnen sogenannter haushaltstypischer Siedlungsabfall,\u00a0unter dem man beispielsweise Reste wie Haus- und Sperrm\u00fcll, Gartenabf\u00e4lle oder verschlissene Elektronikteile fasst, sind laut Bundesumweltamt allein im Jahr 2015 in Deutschland angefallen. Verteilt man diese Menge auf jeden einzelnen Menschen in Deutschland,\u00a0ergibt\u00a0das einen Abfall von 650 Kilogramm pro Einwohner. Es\u00a0stehen\u00a0viele Alternativen\u00a0zu\u00a0Verf\u00fcgung:\u00a0reparieren, verschenken, verleihen, verkaufen, tauschen und recyceln.\u00a0Das\u00a0gilt als\u00a0ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, doch auch damit werden leider erstmal nur die Symptome bek\u00e4mpft und nicht die Ursache:\u00a0eine rasant\u00a0zunehmende\u00a0Umweltverschmutzung\u00a0verbunden mit\u00a0dem\u00a0omnipr\u00e4senten\u00a0Klimawandel.\u00a0Da\u00a0die\u00a0Lebensweise\u00a0des\u00a0<em>Zero\u00a0Waste\u00a0<\/em>vorsieht, nach M\u00f6glichkeit, keinen M\u00fcll zu produzieren,\u00a0es\u00a0eine M\u00f6glichkeit, den \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck zu verkleinern. Diese Lebenseinstellung weist zudem\u00a0zahlreiche\u00a0direkte Vorteile auf. Zum einen sch\u00fctzen wir unsere Umwelt und damit auch alle sich darin befindenden Lebewesen, also auch uns. Zum anderen hat es auch praktikable Vorz\u00fcge: Wer\u00a0einen\u00a0minimalistischen\u00a0Lebensstil\u00a0verfolgt, hat die M\u00f6glichkeit,\u00a0seinen\u00a0Fokus\u00a0auf\u00a0elementare\u00a0und individuell\u00a0bedeutsame Fragen zu richten.\u00a0Das\u00a0spart\u00a0neben Kosten,\u00a0zum einen\u00a0Platz, Ressourcen\u00a0und Zeit.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Trendwende\"><\/a>Trendwende \u2013\u00a0von eingepackt\u00a0zu h\u00fcllenlos\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Einen Hinweis auf die Trendwende im Konsum geben die\u00a0unz\u00e4hligen\u00a0Online-Blogs, die sich allesamt dem Thema\u00a0m\u00f6glichst wenig M\u00fcll verschrieben zu haben.\u00a0W\u00e4hrend\u00a0vor wenigen Jahren\u00a0Gesch\u00e4fte, die Lebensmittel ohne Verpackungen verkaufen,\u00a0eine wahre\u00a0Rarit\u00e4t\u00a0darstellten,\u00a0werden nun in immer mehr\u00a0deutschen\u00a0Regionen\u00a0sogenannte Unverpackt-Superm\u00e4rkte\u00a0er\u00f6ffnet.\u00a0Derweil sind deutschlandweit\u00a0bereits\u00a0um\u00a0die\u00a060\u00a0L\u00e4den\u00a0gelistet\u00a0(Stand:\u00a02017).\u00a0Auch die\u00a0etablierten\u00a0Biol\u00e4den\u00a0reagieren auf diese Entwicklungen, indem sie verst\u00e4rkt dazu\u00a0\u00fcbergehen,\u00a0Lebensmittel\u00a0und weitere Produkte aus ihrem Sortiment ohne\u00a0Verpackungen\u00a0anzubieten.<\/p>\n<p>Dieser\u00a0Trend kommt an, denn acht von zehn Kunden w\u00e4ren\u00a0grunds\u00e4tzlich\u00a0bereit, Lebensmittel ohne Verpackungen einzukaufen. Die nachfolgenden Ergebnisse und Zahlen stammen aus der Verbraucherbefragung PwC-Verbraucherumfrage aus dem Jahr 2015 zu verpackungsfreien Lebensmitteln. Befragt wurden 1000 Bundesb\u00fcrger ab 18 Jahren. Die Altersgruppe der 18 bis 34-j\u00e4hrigen ist mit 27 Prozent, die Altersgruppe 35 bis 54-j\u00e4hrige mit 37 Prozent und die Altersgruppe 55-j\u00e4hrige und \u00e4lter mit 36 Prozent vertreten. Mit einem Anteil von 22 Prozent stammen die meisten Befragten aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen. 51 Prozent der Befragten waren M\u00e4nner und 49 Prozent Frauen. Auf die Frage, ob die Untersuchten ihre Lebensmittel auch ohne Verpackung kaufen w\u00fcrden, gaben 82 Prozent an, diese verpackungsfrei zu kaufen, wenn die M\u00f6glichkeit besteht. Lediglich 18 Prozent k\u00f6nnen sich nicht vorstellen auf T\u00fcte, Karton oder Folie zu verzichten. 35 Prozent w\u00fcrden ihre Produkte dann in einem Gesch\u00e4ft kaufen wollen, das ausschlie\u00dflich verpackungsfreie Lebensmittel anbietet. Als Hauptmotiv f\u00fcr die Nutzung verpackungsfreier Lebensmittel gaben mehr als 60 Prozent an, damit den Verpackungsm\u00fcll reduzieren und die Umwelt schonen zu wollen. Der zweite Hauptgrund war der Vorteil genau die Menge einkaufen zu k\u00f6nnen, die sie ben\u00f6tigen, wodurch kein Abfall entsteht. Fast ein Drittel der Befragten w\u00e4re bereit, einen h\u00f6heren Preis f\u00fcr Lebensmittel ohne Verpackungen zu zahlen. 69 Prozent hingegen w\u00e4ren nicht bereit mehr zu bezahlen. Allerdings gaben 48 Prozent an, dass sie f\u00fcr verpackungsfreie Lebensmittel einen weiteren Weg in Kauf nehmen w\u00fcrden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Logo-F\u00fcllbar.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-308\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Logo-F\u00fcllbar-300x171.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Logo-F\u00fcllbar-300x171.png 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Logo-F\u00fcllbar.png 497w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">\u00a9 F\u00fcllbar<\/span><\/p>\n<p><strong><em><a id=\"F\u00fcllbar\"><\/a>F\u00fcllbar<\/em><\/strong><strong> \u2013 der Beginn einer b\u00fcrgerschaftlichen Initiative\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Am 20. Mai 2017 er\u00f6ffnete die\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0nach rund zweij\u00e4hriger\u00a0Planungsphase\u00a0in Witten. Das Ziel war dabei von Anfang an klar:\u00a0M\u00fcll\u00a0vermeiden und Kunden die M\u00f6glichkeit\u00a0geben, Lebens- und Haushaltsmittel unverpackt einzukaufen.\u00a0Zwei Studentinnen der Universit\u00e4t Witten \/ Herdecke entwickelten daf\u00fcr ein Konzept, bei dem Kunden zum Einkauf ihre eigenen Beh\u00e4lter mitbringen und diese mit der von ihnen gew\u00fcnschten Menge bef\u00fcllen k\u00f6nnen.\u00a0Dabei k\u00f6nnen sie aus \u00fcber 60 Basislebensmitteln w\u00e4hlen, die allesamt Bioqualit\u00e4t besitzen. Das Sortiment reicht von Langkornreis, \u00fcber Mehl und Hefe bis hin zu Reinigungs- und Hygieneartikeln.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-1.png\"><br \/>\n<\/a><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-312 alignleft\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-3-204x300.png\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-3-204x300.png 204w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-3.png 338w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bereits zu Beginn der Idee, ein\u00a0Gesch\u00e4ft\u00a0zu er\u00f6ffnen, wurde den Gr\u00fcnderInnen klar, dass dies nicht so einfach\u00a0werden\u00a0w\u00fcrde, wie es\u00a0zun\u00e4chst\u00a0scheint. Neben zeitlichen Aspekten spielten hierbei auch finanzielle Probleme eine gro\u00dfe Rolle. Da es sich bei den zwei Ideenentwicklerinnen um Studentinnen handelt, schien die zeitliche Organisation eine der gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten darzustellen. \u201eWir sind immer auf der Suche nach neuen Mitarbeitern und Helfern\u201c, sagt Lisa undd begr\u00fcndet dies mit dem Wunsch nach Entlastung, um mehr hinter den Kulissen arbeiten zu k\u00f6nnen.\u00a0Aktuell\u00a0besteht\u00a0das Team\u00a0aus insgesamt sechs ehrenamtlich Engagierten.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich\u00a0sollte das Gesch\u00e4ft\u00a0bereits im Oktober 2016 er\u00f6ffnen, jedoch kam es zu zahlreichen Verz\u00f6gerungen, nicht zuletzt aus b\u00fcrokratischen Gr\u00fcnden. Die Frage, welche Rechtsform\u00a0die\u00a0geeignetste\u00a0sei, stand viele Monate im Raum. Keine\u00a0der\u00a0Gr\u00fcnderInnen konnte sich vorstellen, in die Selbstst\u00e4ndigkeit zu gehen,\u00a0weshalb also ein anderer Plan hermusste. Ein rechtliches Konstrukt aus Verein und Gesellschaft\u00a0mit\u00a0beschr\u00e4nkter\u00a0Haftung stelle die L\u00f6sung dar.\u00a0W\u00e4hrend der\u00a0Verein\u00a0namens\u00a0\u201e<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0Witten e.V.\u201c, der unter anderem die R\u00e4umlichkeiten\u00a0einrichtet, Mitarbeiter\u00a0stellt und Workshops oder Vortr\u00e4ge organisiert, wickelt die GmbH\u00a0\u201eF\u00fcllbar\u201c\u00a0den\u00a0An- und Verkauf der Waren\u00a0ab. \u201eDer Laden besteht im Grunde also aus zwei Standbeinen\u201c, fasst Jenny, eine der Gr\u00fcnderInnen, zusammen. Aber nicht nur b\u00fcrokratische Probleme f\u00fchrten zu Verz\u00f6gerungen bei der Er\u00f6ffnung. Auch intern kam es zu Schwierigkeiten, nicht zuletzt, weil nicht mehr viel Zeit neben der Uni \u00fcbrigblieb, um im Laden hinter der Kasse stehen zu k\u00f6nnen. So kam es also dazu, dass viele HelferInnen wieder abgesprungen sind und neue MitarbeiterInnen gesucht werden mussten. Die Lage der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0l\u00e4sst jedoch auf ein weiteres Problem schlie\u00dfen:\u00a0die fehlende Laufkundschaft. Die\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0befindet sich auf einem Hinterhof in der N\u00e4he der Wittener Innenstadt und ist somit zwar theoretisch gut erreichbar, jedoch schwierig zu finden. Aus diesem Grund ist es wichtig, \u00fcber soziale Netzwerke oder Workshops und Vortr\u00e4ge auf die\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0aufmerksam zu machen, um so neue Kunden f\u00fcr ihren Laden begeistern zu k\u00f6nnen. Zudem kommt die\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0aufgrund ihrer h\u00f6heren Preise nicht f\u00fcr alle Teile der Bev\u00f6lkerung als Supermarkt in Frage. Aufgrund ihrer Bio-Ware scheint die\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0immer noch \u201ewas Exklusives\u201c f\u00fcr einige zu sein, sagt Lisa, eine der Gr\u00fcnderInnen der <em>F\u00fcllbar<\/em>, und betont dabei, dass es eben nicht f\u00fcr alle m\u00f6glich sei, vorrangig aus finanziellen Gr\u00fcnden,\u00a0m\u00fcllfrei\u00a0leben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-310\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-1-225x300.png\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-1-225x300.png 225w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-1.png 366w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-311\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-2-225x300.png\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-2-225x300.png 225w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/F\u00fcllbar-2.png 368w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">alle Bilder in diesem Kapitel: \u00a9 F\u00fcllbar<\/span><\/p>\n<p>Die Tatsache, dass alle Beteiligten freiwillig und entgeltlich dort arbeiten, stellt eine besondere\u00a0b\u00fcrgerschaftliche\u00a0Initiative dar. Es handelt sich um b\u00fcrgerschaftliches Engagement.<\/p>\n<p><strong><a id=\"B\u00fcrgerschaftliches Engagement\"><\/a>B\u00fcrgerschaftliches Engagement \u2013\u00a0\u201edie Verantwortung jedes Einzelnen\u201c\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Was genau b\u00fcrgerschaftliches Engagement auszeichnet, wollen wir im Folgenden n\u00e4her betrachten: der Begriff B\u00fcrgerschaft verdeutlicht eine Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Gemeinschaft. Dieses Engagement handelt aus dem Status eines B\u00fcrgers, einer Gemeinschaft heraus. Wenn wir von b\u00fcrgerschaftlichem Engagement sprechen, ist es wichtig herauszustellen, dass es sich dabei um eine T\u00e4tigkeit handelt, die zum einen freiwillig und zum anderen unentgeltlich ausge\u00fcbt wird. Au\u00dferdem muss das Engagement in einem \u00f6ffentlichen Raum, eine gewisse Konstanz und Erwartbarkeit haben sowie einen Gemeinwohlbezug enthalten. Eine T\u00e4tigkeit wird freiwillig ausge\u00fcbt, wenn diese ohne rechtlichen, politischen oder \u00f6konomischen Zwang heraus ausgef\u00fchrt wird. Die Engagierten entscheiden sich also von selbst dieser T\u00e4tigkeit nachzugehen und haben somit die Wahl. B\u00fcrgerschaftliches Engagement erfolgt zun\u00e4chst einmal ohne Bezahlung. Allerdings gibt es doch auch bestimmte \u201eAufwandsentsch\u00e4digungen\u201c. Diese \u00f6konomische Gegenleistung darf die Arbeitsleistung dabei nicht \u00fcberschreiten. Die T\u00e4tigkeit muss im \u00f6ffentlichen Raum vollzogen werden. Man kann nicht von b\u00fcrgerschaftlichem Engagement sprechen, wenn sich der Hilfekreis auf Familie und FreundInnen bezieht. Der Hilfekreis darf somit keiner Exklusivit\u00e4t unterliegen und muss f\u00fcr jeden zug\u00e4nglich sein. Ein einmaliger Einsatz kann noch nicht als b\u00fcrgerschaftliches Engagement gewertet werden. Eine wiederholte Aktivit\u00e4t z.B. in Form eines Projekts ist eine wichtige Voraussetzung des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements. Zuletzt soll erw\u00e4hnt werden, dass b\u00fcrgerschaftliches Engagement \u201ein einem weiten Sinne als aktiv gemeinwohlf\u00f6rderlich verstanden werden kann und erkennbar Auswirkungen zugunsten anderer Personen hat\u201c (Corsten,\u00a0Kauppert\u00a0und\u00a0Rosa, 2008: 13).<\/p>\n<p>Nun wollen wir betrachten, welche Kriterien auf die\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0zutreffen.\u00a0 Fangen wir von vorne an. Die Gr\u00fcnderInnen der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0arbeiten alle freiwillig. Sie haben sich aus einem Beweggrund zusammengeschlossen, um das Konzept des Unverpackt-Einkaufens endlich m\u00f6glich zu machen. Sie werden von niemanden gezwungen dies zu tun. Diese jungen Menschen sind von gutem Zweck dieses Konzepts \u00fcberzeugt. Wie bereits erw\u00e4hnt, arbeiten dort alle unentgeltlich.\u00a0 Sie beziehen keinerlei Lohn, auch keine Aufwandsentsch\u00e4digung f\u00fcr die viele Zeit, die dieses Projekt in Anspruch nimmt. Ihr Engagement vollzieht sich im \u00f6ffentlichen Raum. Jeder bekommt dort die M\u00f6glichkeit auszuhelfen. Im Laden liegen Listen bereit, in der sich jeder eintragen kann, der gerne daran beteiligt sein m\u00f6chte. Das Projekt der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0ist nicht zeitlich begrenzt: \u201eEs ist auf jeden Fall nicht so, dass wir sagen, das Projekt l\u00e4uft jetzt 3 Jahre und dann sind wir wieder weg. Das ist f\u00fcr den Laden auf jeden Fall nicht das Ziel\u201c (Silvia, Gr\u00fcnderin der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>). Die Frage nach dem Gemeinwohlbezug der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0ist leicht beantwortet: die Vermeidung von Verpackungen kommt nicht zur der Umwelt zugute, sondern auch wir Menschen profitieren langfristig von dem Umweltschutz. Sei es gesundheitliche Sch\u00e4den durch Abgase zu minimieren oder den Klimawandel zu verlangsamen, der auch unsere Lebensr\u00e4ume zerst\u00f6rt. Dass das Konzept der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0und die Engagierten alle Kriterien erf\u00fcllen, um von b\u00fcrgerschaftlichem Engagement sprechen zu k\u00f6nnen, wird sehr deutlich.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Idee\"><\/a>Aus einer Idee wird Realit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Aber wie kommt es \u00fcberhaupt dazu, dass Menschen sich engagieren? Was h\u00e4lt ihre Motivation aufrecht und wie kommt es dazu, dass Engagierte letztlich sogar einen eigenen Lebensmittelladen er\u00f6ffnen, um ihre Ziele zu verfolgen?<\/p>\n<p>Um diese Fragen zu beantworten wollen wir auf bereits vorhandene Forschungsergebnisse zu den Motivlagen freiwilliger T\u00e4tigkeit zur\u00fcckgreifen und prim\u00e4re Quellen\u00a0in Form\u00a0der\u00a0Interviews\u00a0nutzen, die R\u00fcckschl\u00fcsse\u00a0zulassen,\u00a0was die Akteure im Wirkkreis\u00a0der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0dazu bewegt, sich zu engagieren. Betrachten wir zun\u00e4chst das faktische Engagement von Menschen, spielt die Struktur der\u00a0Alltagswelt\u00a0eine entscheidende Rolle.<\/p>\n<p>Die Lebenspraxis steht unter einem elementaren und unaufh\u00f6rlichen Motivierungszwang. Stets muss sich ein Akteur zu seinem bevorstehenden Lebensvollzug verhalten, will er seinen Daseinsgrund nicht selbst verunm\u00f6glichen (Corsten,\u00a0Kauppert\u00a0und\u00a0Rosa, 2008: 35). Um ihr Ziel, Verpackungen zu vermeiden und damit die M\u00fcllproduktion zu verringern, umzusetzen, m\u00fcssen die NutzerInnen der <em>F\u00fcllbar <\/em>Anstrengungen\u00a0leisten, um diese Lebensweise aufrecht erhalten zu k\u00f6nnen. \u201eIm Vollzug der Lebenspraxis sieht ein Akteur daher auf die gesellschaftlichen M\u00f6glichkeiten, aber auch auf die Grenzen ihrer Realisierung verwiesen\u201c (Corsten,\u00a0Kauppert, Rosa: Quellen b\u00fcrgerschaftlichen Engagements, 2008: 35). Die KonsumentInnen sind demnach darauf angewiesen, ihre eigenen Beh\u00e4ltnisse mitzubringen und immer in einem Unverpackt-Laden einzukaufen, um das Konzept\u00a0des\u00a0<em>Zero\u00a0Waste<\/em>\u00a0vollst\u00e4ndig zu erf\u00fcllen. Die Tatsache, dass es so ein\u00a0Gesch\u00e4ft mit unverpackter Ware\u00a0nicht\u00a0zwangsl\u00e4ufig\u00a0in unmittelbarer N\u00e4he gibt, erschwert diese Lebensweise enorm. Die VertreterInnen dieser Bewegung unterliegen somit einem st\u00e4ndigen Motivationszwang, um im Alltag nicht davon abzuweichen. Die Entscheidung sein Leben so zu gestalten, wird aber nicht aus einer Laune heraus entschieden, denn die \u201eEntscheidungen der Lebenspraxis vollziehen sich zwar in Situationen, aber sie beziehen sich dabei stets auf den Sinnhorizont einer ganzen Lebensspanne\u201c (Corsten,\u00a0Kauppert, Rosa: Quellen b\u00fcrgerschaftlichen Engagements, 2008: 36). Ein Individuum entscheidet sich somit f\u00fcr eine Lebensweise, die auch in Zukunft Bestand haben soll und nicht situativ bedingt ist. Aber wie wird das Selbstverst\u00e4ndnis dieser Lebensf\u00fchrung generiert? Eigene Erfahrungen, gesellschaftliche Erwartungen und sozialhistorische bedingte Lagerungen tragen zur Sch\u00f6pfung des Selbstverst\u00e4ndnisses bei. Die Motivierung f\u00fcr eine bestimmte Lebenspraxis erfolgt in bereits bestehende Lebensverh\u00e4ltnisse. Die bestehenden Lebensverh\u00e4ltnisse stellen den Handlungsrahmen dar und bestimmen die Handlungsoptionen der Engagierten. Es ist daher nicht m\u00f6glich, sein Leben nach einer bestimmten Art und Weise auszurichten, die nicht im Bereich des M\u00f6glichen liegt.<\/p>\n<p>Lisa hat sich schon eine lange Zeit mit dem Thema\u00a0<em>Zero\u00a0Waste<\/em>\u00a0auseinandergesetzt und sich \u00fcber Videos im Internet n\u00e4her dazu informiert. Sie studiert an der Universit\u00e4t Witten\/Herdecke, an der zwar viele Initiativen zur Auswahl standen, jedoch keine von denen so richtig passend zu sein schien. \u201eEs ist [an der Universit\u00e4t Witten\/Herdecke] schon sehr gern gesehen, wenn man sich au\u00dferhalb der Uni engagiert\u201c, sagt sie. Auf einem Workshop zum Thema Quartiersentwicklung in Witten entstand dann die eigentliche Idee, einen Unverpackt-Laden zu er\u00f6ffnen und ihre Ideen endlich in die Tat umzusetzen. Zusammen mit den anderen Gr\u00fcnderInnen wurden dann konkrete Pl\u00e4ne zur\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0entwickelt.<\/p>\n<p>Auch im privaten Bereich versuche\u00a0sie, m\u00f6glichst keinen M\u00fcll zu produzieren. Dass dies nicht immer ganz einfach ist, wisse\u00a0sie\u00a0und blickt\u00a0zur\u00fcck:\u00a0\u201eEs ist irgendwie auch ein langer Weg des Umstiegs\u201c. Sie\u00a0betont, dass\u00a0nicht alle Menschen von ihrer Idee zu \u00fcberzeugen seien. Das Thema \u201eM\u00fcllvermeidung\u201c\u00a0spreche\u00a0sie\u00a0aber trotzdem auch in ihrem privaten Umfeld an, zum\u00a0Beispiel versuche\u00a0sie ihre Wohngemeinschaft vorsichtig in Richtung\u00a0<em>Zero\u00a0Waste<\/em>\u00a0zu lenken. Das empfinde sie nicht zuletzt\u00a0als Teil ihrer Arbeit.<\/p>\n<p>Jenny sieht das ganz \u00e4hnlich. \u201eWir wollen gerne mit der Idee raus und den Leuten erz\u00e4hlen, was wichtig daran ist\u201c, sagt sie. Dass die daf\u00fcr n\u00f6tigen\u00a0Gespr\u00e4che, Workshops und Vortr\u00e4ge nat\u00fcrlich auch viel Zeit in Anspruch nehmen,\u00a0sei ihr bewusst. Trotzdem geh\u00f6re\u00a0das neben der\u00a0obligatorischen\u00a0Organisierung der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0und den damit einhergehenden Teamtreffen eben zu ihrem Engagement dazu. Das Engagement, wenn auch in anderen Bereichen,\u00a0sei\u00a0schon viele Jahre ein wichtiger Bestandteil in ihrem Leben. Seit \u00fcber zehn Jahren\u00a0sei\u00a0sie bereits beim Technischen Hilfswerk ehrenamtlich t\u00e4tig und habe\u00a0sich nach dem Abitur im Ausland im Rahmen eines Freiwilligendienstes engagiert.\u00a0Themen wie\u00a0Ern\u00e4hrung oder Nachhaltigkeit\u00a0seien dann\u00a0aber\u00a0erst sp\u00e4ter\u00a0in ihren\u00a0Fokus\u00a0ger\u00fcckt.\u00a0<em>Zero\u00a0Waste\u00a0<\/em>war\u00a0dann die \u201eSpitze des Eisberges\u201c, wie sie es nennt. Zuletzt war es einem Zufall geschuldet, dass sie von der Idee, einen\u00a0Unverpacktladen\u00a0in Witten zu er\u00f6ffnen, h\u00f6rte. An der Uni\u00a0stellte sie Kontakt zu den anderen Ideenentwicklern her und\u00a0engagierte sich, um das Projekt auf die Beine zu stellen.\u00a0In ihrem Freundeskreis\u00a0sei\u00a0sie f\u00fcr ihre oft verr\u00fcckten und au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ideen bekannt. Sie erinnert sich: \u201eJenny kommt wieder mit was Neuem um die Ecke\u201c, hie\u00df es da oft. Also wirklich \u00fcberrascht war keiner, als sie von der Idee h\u00f6rten. Als die Pl\u00e4ne dann wirklich konkreter wurden und die Ladener\u00f6ffnung vor der T\u00fcr stand, wuchs dann doch das Interesse ihrer Freunde. \u201eDieses Ladenkonzept finden die meisten schon echt spannend\u201c, sagt sie und erz\u00e4hlt, dass ihre Idee auch innerhalb ihrer Familie gut ankommt. Die meisten wurden <em>neugierig<\/em> und wollten sich selbst ein Bild von dem neuen Laden machen und so kam es, dass mittlerweile Familie und Freunde in den Laden kommen, um Lebensmittel zu kaufen. Das Feedback ist also durchweg positiv, was sich nat\u00fcrlich auch positiv auf ihre Motivation auswirkt, weiterzumachen. Viele seien erstaunt, \u201ewas man so f\u00fcr Alternativen hat, wenn man selbst einkaufen geht\u201c oder \u00fcberrascht von dem Gef\u00fchl, dass man selbst durch die Gestaltung seines eigenen Alltags etwas bewirken kann. Sie wei\u00df jedoch auch, dass nicht alle so vertraut mit dem Thema\u00a0<em>Zero\u00a0Waste\u00a0<\/em>sind wie sie. Oft hat sie das Gef\u00fchl, sie \u00fcberfordere so manche mit ihrem geballten Wissen. Deshalb versucht sie \u201eimmer, mit einer guten Dosis\u201c an Informationen an die Leute heranzutreten. Auch abseits der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0spielt das Thema M\u00fcllvermeidung eine entscheidende Rolle f\u00fcr sie. Obwohl ihr Alltag schon vorher stark von nachhaltigen Handlungsweisen gepr\u00e4gt war, erkennt sie Bereiche, in denen sich Ver\u00e4nderungen zeigen. Ob Kosmetik, Textilien oder Lebensmittel\u00a0\u2013\u00a0Nachhaltigkeit lasse sich auf\u00a0s\u00e4mtliche\u00a0Lebensbereiche \u00fcbertragen. Das ist es, was ihr Freude bereitet: \u201eIch merke, dass es f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Bereicherung ist\u201c, fasst sie ihr Engagement zusammen.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Typen\"><\/a>Engagement auf vielen Ebenen<\/strong><\/p>\n<p>Die Motivationen und Beweggr\u00fcnde\u00a0der Beteiligten\u00a0sind jedoch nicht auf wenige Punkte herunterzubrechen. In unseren Interviews lassen sich verschiedene Typen von Engagierten erkennen, die durch unterschiedliche Handlungsformen gekennzeichnet sind. Bei den Gr\u00fcnderInnen\u00a0war\u00a0hierbei von besonderem Interesse, inwiefern sich ihr\u00a0Engagement in der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0von ihrem privaten Engagement im Alltag unterscheidet, w\u00e4hrend bei den Kunden ein Augenmerk darauf lag, welche Punkte Abbruchtendenzen verst\u00e4rken\u00a0k\u00f6nnen. Obwohl die subjektiven Beweggr\u00fcnde h\u00f6chstkomplex sein k\u00f6nnen und sich oftmals in einem langj\u00e4hrig aufgespannten\u00a0Geflecht\u00a0von biographischen Entwicklungen befinden, lassen sich anhand der Interviews drei Typen von Engagierten bilden, die als Grundlage f\u00fcr weiterf\u00fchrende Vergleiche dienen.<\/p>\n<p><strong>I. Der <em>passionierte<\/em> Typus \u2013 Engagement aus leidenschaftlicher \u00dcberzeugung<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Typus geh\u00f6rt vermutlich zu den sowohl gel\u00e4ufigsten,\u00a0als auch weit verbreitetsten Typen\u00a0von Engagierten. Hier steht der Wille, sich zu engagieren, um was Gutes zu tun, im Vordergrund.<\/p>\n<p>Man ist \u00fcberzeugt davon, mit seinem Handeln etwas, wenn auch in kleinen Dimensionen, zu erreichen. Sie sehen sich als Vorbild f\u00fcr andere und wollen\u00a0praktische\u00a0Alternativen\u00a0f\u00fcr den Alltag\u00a0aufzeigen.\u00a0In\u00a0Bezug auf die Gr\u00fcndung\u00a0und Nutzung\u00a0der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0w\u00e4ren hier Gr\u00fcnde wie die F\u00f6rderung von Nachhaltigkeit oder der Schutz der Umwelt zu nennen. Sie wollen durch ihr Handeln andere Menschen zum Denken anregen, um zu hinterfragen, wie sie Lebensmittel und andere Waren konsumieren. Sie sehen jedoch auch ein, dass es oft ein langer Prozess ist, ein\u00a0nicht nur m\u00fcllreduziertes,\u00a0sondern gar\u00a0m\u00fcllfreies Leben f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Doch selbst die Auseinandersetzung mit dem Thema sei ein guter Ansatzpunkt, um eine Ver\u00e4nderung anzusto\u00dfen.\u00a0\u201eEs ist unsere Leidenschaft, die uns zu dem\u00a0Ganzen hier antreibt\u201c, fasst Lisa\u00a0zusammen.\u00a0Sie wollen ein St\u00fcck weit ihrer Verantwortung gegen\u00fcber der Umwelt nachkommen und sehen es als notwendig an, etwas gegen den Verpackungswahn und die damit einhergehende Umweltverschmutzung zu tun. Immer wieder wird betont, wie wichtig die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz\u00a0seien\u00a0und\u00a0dass jeder etwas dazu beitragen k\u00f6nne. Dieser Typus hat also etwas Gro\u00dfes vor Augen, wei\u00df aber auch, dass der Ansatz hierf\u00fcr im Kleinen liegt. Bez\u00fcglich der Gr\u00fcnderInnen der <em>F\u00fcllbar <\/em>wird hier\u00a0besonders\u00a0deutlich, dass\u00a0die\u00a0Gr\u00fcndung und das Engagement, das innerhalb der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0stattfindet,\u00a0starke\u00a0Auswirkungen\u00a0auf das Privatleben haben. Die Motivation, an der\u00a0<em>Zero Waste<\/em>-Idee festzuhalten und auch im Alltag umzusetzen, wird nicht zuletzt durch die Erfolge\u00a0der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0verst\u00e4rkt.\u00a0Immer wieder wird deutlich,\u00a0dass die Bereitschaft, sein\u00a0Leben\u00a0vollst\u00e4ndig zu\u00a0ver\u00e4ndern und dem\u00a0Lebensstil\u00a0anzupassen,\u00a0sehr gro\u00df ist.\u00a0Hierbei\u00a0steht aber\u00a0nicht\u00a0nur das\u00a0eigene Engagement im\u00a0Fokus, sondern auch\u00a0das\u00a0der anderen. \u201eIch glaube, es bringt sehr viele zum\u00a0Nachdenken [\u2026], was\u00a0man selber\u00a0auch\u00a0tun kann im Kleinen\u201c, vermutet ein Kunde der <em>F\u00fcllbar.<\/em><\/p>\n<p><strong>II, Der <em>best\u00e4ndige<\/em> Typus \u2013 Engagement als Lebensaufgabe\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Im Vergleich zum ersten Typus zeichnet sich der zweite Typus durch seine Best\u00e4ndigkeit\u00a0und\u00a0mehr durch\u00a0sein\u00a0fachliches\u00a0Wissen\u00a0sowie die langj\u00e4hrige thematische Auseinandersetzung aus.\u00a0Das\u00a0Engagement beginnt hier h\u00e4ufig schon in der Jugendzeit und wird im weiteren Lebensverlauf fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das Interesse am Thema steigt stetig und kann kaum durch\u00a0Ver\u00e4nderungen\u00a0in der Biographie gemindert werden, da das Engagement nicht abebbt.\u00a0Es gibt keine klaren Grenzen zwischen der freiwilligen T\u00e4tigkeit und\u00a0privater Lebensf\u00fchrung.\u00a0So lassen sich Verkn\u00fcpfungen zwischen inhaltlichen Schwerpunkten von einem \u00fcbergeordneten Thema erkennen.\u00a0Die Auseinandersetzung mit Themen wie Ern\u00e4hrung f\u00fchrte sie in Richtung Nachhaltigkeit und letztendlich zu den M\u00f6glichkeiten der M\u00fcllvermeidung, beispielsweise <em>Zero\u00a0Waste<\/em>. Es l\u00e4sst sich also erkennen, dass das Befassen mit den inhaltlichen Kennzeichen dieser Bewegung auch das Engagement deutlich steigert. Das Interesse an dem Thema wird letztendlich dadurch verst\u00e4rkt, dass man das bereits angeeignete Wissen immer weiter ausbauen kann.\u00a0Vergleicht man diesen Typus mit dem bereits genannten\u00a0<em>passionierten<\/em> Typus wird deutlich, dass\u00a0hier\u00a0bereits\u00a0vor der\u00a0Gr\u00fcndung der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0starke Z\u00fcge des\u00a0<em>Zero\u00a0Waste<\/em>-Lebensstils im Alltag zu erkennen sind.\u00a0Jenny vermutet, dass ihr stark gepr\u00e4gter\u00a0Alltag Grund\u00a0f\u00fcr das\u00a0jetzige\u00a0\u00f6ffentliche Engagement sei.\u00a0Dies\u00a0zeigt\u00a0deutlich, wie\u00a0enorm ausgepr\u00e4gt\u00a0das Engagement\u00a0im\u00a0eigenen\u00a0Privatleben\u00a0ist.\u00a0Wie auch beim ersten Typus wird deutlich, dass das Weitergeben des\u00a0erlangten\u00a0Wissens zentral ist. Der\u00a0Verbreitungswille und der Wille, Menschen von seiner\u00a0m\u00fcllreduzierten\u00a0oder\u00a0oft auch\u00a0m\u00fcllfreien\u00a0Lebensweise\u00a0zu \u00fcberzeugen,\u00a0ist hierbei von entscheidender Bedeutung. Das\u00a0Engagement nimmt hierbei einen\u00a0gro\u00dfen\u00a0und\u00a0wichtigen\u00a0Platz im\u00a0Privatleben\u00a0ein und wird nicht zuletzt auf\u00a0andere\u00a0Menschen zu\u00a0\u00fcbertragen versucht.\u00a0Es wird\u00a0versucht, Aufkl\u00e4rungsarbeit zu leisten und die\u00a0moralische Verantwortung\u00a0jeder einzelnen Person\u00a0zu betonen.\u00a0Die Bereitschaft sein Leben umzustellen\u00a0und\u00a0Verantwortung\u00a0zu\u00a0\u00fcbernehmen\u00a0seien\u00a0wichtige\u00a0Charakteristika, um diesem Typus zugeordnet\u00a0werden zu k\u00f6nnen. Oft ist diese\u00a0Umstellung\u00a0mit\u00a0einem Komfortverzicht verbunden, welcher\u00a0jedoch nicht als negativ\u00a0oder hindern gesehen wird. \u201eWie\u00a0einfach es eigentlich ist, zu verzichten\u201c,\u00a0stellt ein Kunde der <em>F\u00fcllbar<\/em> fest und betont,\u00a0dass\u00a0beispielsweise\u00a0das\u00a0Fahren mit dem Zug, Bus oder\u00a0Fahrrad\u00a0schon einen erheblichen Teil dazu beitr\u00e4gt, \u00f6kologische Verantwortung\u00a0zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p><strong>III. Der <em>neugierige<\/em> Typus \u2013 zwischen Hoffnung und Ern\u00fcchterung<\/strong><\/p>\n<p>Bei diesem Typus steht das Interesse, etwas Neues auszuprobieren, im Vordergrund. Bis zu einem gewissen Grat ist die Bereitschaft vorhanden, sich mit subjektiv relevanten Themen wie beispielsweise Umweltschutz und Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Das Engagement ist hierbei nicht so stark ausgepr\u00e4gt\u00a0wie bei den anderen bereits genannten Typen.<\/p>\n<p>Die Testphase im Bereich des <em>Zero\u00a0Waste<\/em>-Engagements ist beispielsweise durch das Mitbringen von eigenen T\u00fcten beim Erledigen des Einkaufs gekennzeichnet. Man ist sich hierbei durchaus bewusst, dass man \u00f6kologisch handelt und in einer bestimmten Weise engagiert ist, jedoch ist man sich unsicher, ob man dieses Engagement auch in n\u00e4chster Zeit fortf\u00fchren wird und inwiefern es das eigene Leben pr\u00e4gt. Au\u00dferdem ist dieser Typus oft durch eine Unsicherheit bez\u00fcglich des eigenen Einflusses gekennzeichnet: \u201eIch denke nicht, dass man als einzelner Konsument besonders viel \u00e4ndern kann\u201c, hei\u00dft es bei einem NutzerInnen der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>. Man m\u00f6chte zwar einen Teil zum Umweltschutz beitragen, wei\u00df aber nicht, inwiefern das individuelle Handeln dabei entscheidend ist. Man ist au\u00dferdem nicht\u00a0zwangsl\u00e4ufig\u00a0bereit, sein Leben danach\u00a0auszurichten oder es radikal zu ver\u00e4ndern. Das bedeutet beispielsweise, dass man manchmal doch zu dem Lebensmittel greift, das nicht \u00f6kologisch abbaubar verpackt ist; sei es aufgrund des Preises oder\u00a0der Praktikabilit\u00e4t. Man\u00a0steht jedoch\u00a0Versuchen aufgeschlossen gegen\u00fcber,\u00a0zu testen, wie viel man bereit\u00a0w\u00e4re\u00a0aufzugeben und zu ver\u00e4ndern, wei\u00df aber auch, dass es\u00a0durchaus\u00a0&#8222;schwierig [ist], in einem Industrieland zu leben und M\u00fcll zu vermeiden&#8220; (Nutzerin der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>). Die Verantwortung f\u00fcr die Entwicklung in den Bereichen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder <em>Zero\u00a0Waste\u00a0<\/em>wird nicht zuletzt\u00a0den\u00a0Regierungen\u00a0oder anderen Institutionen zugeschrieben. Durch die Tatsache, dass man neu\u00a0und eher unerfahren auf dem\u00a0Gebiet\u00a0<em>Zero\u00a0Waste\u00a0<\/em>ist, ist dieser Typus auch dadurch gekennzeichnet, dass das Fachwissen\u00a0vergleichsweise niedrig ist. Man hat\u00a0grunds\u00e4tzliche Vorstellungen, was man ver\u00e4ndern k\u00f6nnte und wie die Zukunft gestaltet werden kann,\u00a0wobei\u00a0diese Vorstellungen oft sehr allgemein und wenig konkret\u00a0bleiben. Bei vielen Interviews mit neuen NutzerInnen der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0fallen\u00a0Schlagw\u00f6rter, wie \u201eerneuerbare Energien\u201c, \u201eAlternativen zu Plastik\u201c, \u201eRecycling\u201c oder \u201eUmweltbewusstsein\u201c. Man wei\u00df also, um welche Bereiche es geht und welche Ans\u00e4tze zur Auswahl stehen. Trotzdem\u00a0fehlen Ma\u00dfnahmen zur praktischen Umsetzung. Sie stehen dem Gedanken, M\u00fcll zu vermeiden und \u00f6kologisch zu handeln, positiv gegen\u00fcber und hoffen selbst, diesen Gedanken auch langfristig umsetzen zu k\u00f6nnen.\u00a0Man erkennt\u00a0allerdings\u00a0bei diesem Typus immer wieder, dass er nicht vollst\u00e4ndig von dem Einfluss seines eigenen Handels \u00fcberzeugt ist. \u201eIch denke, es ist vielleicht schon ein bisschen absurd, dann zuhause auf jede kleine Plastikt\u00fcte zu achten und in der Klinik dann t\u00e4glich Berge von M\u00fcll produziert werden\u201c, beschreibt ein Kunde, der in einem Krankenhaus arbeitet und dort die Verschwendung von Ressourcen und Materialien im gro\u00dfen Ausma\u00df erlebt. S\u00e4tze wie diese machen deutlich, dass die \u00dcberzeugung, einen Wandel durch sein eigenes Handeln anzusto\u00dfen, sehr gering ist. Au\u00dferdem wird von diesem Typus oft ge\u00e4u\u00dfert, dass man weniger darauf bedacht ist, welche Auswirkungen das eigene Engagement auf andere oder gar auf die gesamte Gesellschaft hat, sondern vielmehr, was das Engagement mit einem selbst macht. \u201eIch mache das am meisten f\u00fcr mich selbst eigentlich\u201c (Kunde der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>).\u00a0Nicht selten\u00a0engagiert man sich, um sein Gewissen zu beruhigen und sich gut zu f\u00fchlen,\u00a0im\u00a0Wissen\u00a0damit\u00a0etwas\u00a0Richtiges zu\u00a0tun. Im Vergleich zu den anderen beiden Typen ist das Engagement bei diesem\u00a0Typus\u00a0kein zentraler Bestanteil des Lebens. Man versucht es lediglich in seinen Alltag zu integrieren, sodass es f\u00fcr einen selbst nicht allzu umst\u00e4ndlich ist\u00a0und man einen positiven Beitrag zur Umwelt leistet.<\/p>\n<p><strong>V<a id=\"Vergleich\"><\/a>ergleich<\/strong><\/p>\n<p>In der Sozialwissenschaft herrscht grundlegende Einigkeit dar\u00fcber, dass die Hauptaufgabe der qualitativen Sozialforschung darin bestehe, soziale Strukturen und Prozesse tiefergehend zu erkunden, um dadurch soziale Sinnstrukturen sichtbar zu machen. Antje Lettau und Franz Breuer von der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster zufolge sei das Ziel ebendieser Sektion \u201ezumeist nicht\u00a0die Pr\u00fcfung bestehender Theorien\u201c (Breuer und Lettau, o. Jahr). Vielmehr solle \u201eder Fokus [&#8230;] auf der Entwicklung neuer Theorien und Modelle f\u00fcr bestimmte Gegenstandsbereiche liegen\u201c (Breuer und Lettau, o. Jahr).<\/p>\n<p>Diesem Forschungsanspruch wollen wir gerecht werden, indem wir nicht nur den Versuch wagen, auf Basis der gef\u00fchrten Interviews, eigene Idealtypen sozial\u00f6kologischen Engagements zu entwickeln, sondern dar\u00fcber hinaus diese mit den bisher bekannten\u00a0Engagementformen\u00a0aus der vorhandenen Literatur zu vergleichen. Wichtige Bez\u00fcge stammen dabei aus dem Freiwilligensurvey des Deutschen Zentrums f\u00fcr Altersforschung und einer Untersuchung des Instituts f\u00fcr Demoskopie Allensbach zu den Motiven b\u00fcrgerschaftlichen Engagements. Die Daten beider Studien wurden im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erhoben. Aktuelle Forschungen zeigen im Wesentlichen Differenzen in der Motivation und der subjektiven Begr\u00fcndung f\u00fcr das pers\u00f6nliche Engagement auf. So verweist das Freiwilligensurvey aus dem Jahre 2014 auf die hohe Bedeutsamkeit der Freude an der freiwilligen T\u00e4tigkeit. Zudem seien Aspekte wie das Zusammenkommen mit anderen Menschen, auch \u00fcber verschiedene Generationen hinweg, sowie die Option die Gesellschaft mitgestalten zu k\u00f6nnen relevant. Das Institut f\u00fcr Demoskopie Allensbach entwickelte anhand einer bev\u00f6lkerungsrepr\u00e4sentativen Befragung aus dem Jahre 2013 acht verschiedene Dimensionen mit Hilfe derer die Befragten durch ihre Antworttendenzen den einzelnen Gruppen tendenziell zugeordnet werden konnten.<\/p>\n<ol>\n<li>Engagement, um Dinge zu bewegen und zu verbessern<\/li>\n<li>Engagement aus Wert\u00fcberzeugung und Altruismus<\/li>\n<li>Engagement aus Sinngebung und durch bedeutsame Aufgaben und Anerkennung<\/li>\n<li>Engagement als Bereicherung des eigenen Lebens<\/li>\n<li>Engagement als Entfaltung von F\u00e4higkeiten und Neigung<\/li>\n<li>Engagement, um Entscheidungsfreiheit zu haben<\/li>\n<li>Engagement durch Anst\u00f6\u00dfe von anderen<\/li>\n<li>Engagement f\u00fcr einen konkreten Nutzen<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wir konnten bei der Analyse unserer Daten deutliche Parallelen zwischen den oben aufgef\u00fchrten Dimensionen des Institutes f\u00fcr Demoskopie Allensbach sowie unseren Idealtypen erkennen. So zeichnet sich der im Rahmen unserer Forschung als <em>passioniert<\/em> betitelte Typ vor allem durch eine erh\u00f6hte \u00dcberzeugung und dem Streben nach Ver\u00e4nderung aus. Es wird beabsichtigt, aktiv am gesellschaftlichen Gestaltungsprozess teilzuhaben und anderen Menschen die eigene Lebensart n\u00e4her zu bringen und ihnen dazu Optionen zu bieten. Man kann hierbei sowohl Elemente der ersten beiden Dimensionen des Forschungsberichtes vom Institut f\u00fcr Demoskopie wiederfinden: Engagement, um Dinge zu bewegen und zu verbessern sowie Engagement aus Wert\u00fcberzeugung und Altruismus. Zahlen des Freiwilligensurveys unterstreichen die Verbreitung dieser Haltung. 81,0 Prozent gaben in der Befragung aus dem Jahr 2014 an, dass die M\u00f6glichkeit, durch ihr Engagement die Gesellschaft mitgestalten zu k\u00f6nnen, ein wichtiger Faktor f\u00fcr ihre T\u00e4tigkeit sei.<\/p>\n<p>Bei Betrachtung des neugebildeten <em>best\u00e4ndigen<\/em> Typus zeigt sich eine anhaltende thematische Auseinandersetzung mit dem\u00a0Engagementgegenstand\u00a0\u00fcber l\u00e4ngere und unterschiedliche\u00a0Biographiephasen\u00a0hinweg. Diese Grundlage l\u00e4sst sich bei den bisher vorliegenden Dimensionen so nicht wiederfinden, weist aber starke Z\u00fcge des \u201aEngagements als Entfaltung von F\u00e4higkeiten und Neigungen&#8216; auf. Das intensive inhaltliche Befassen hat nicht nur ein gesteigertes Fachwissen zufolge, sondern generiert unwillk\u00fcrlich eine zunehmend emotionale Identifikation mit der Thematik. Ebenso lassen sich hier \u2013 wenn auch nur zweitrangig \u2013 die Dimensionen des \u201aEngagements aus Wert\u00fcberzeugungen und Altruismus&#8216; sowie, \u201aum Dinge zu verbessern und zu ver\u00e4ndern&#8216; erkennen. Jene bilden das Fundament der Motive, auf dem die dauerhafte Auseinandersetzung fu\u00dft.<\/p>\n<p>Im konkreten Fall der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0und des Ziels der weitergehenden bis absoluten M\u00fcllvermeidung ist eine Tendenz zur moralischen Verpflichtung gegen\u00fcber nachfolgenden Generationen und anderen Mitmenschen somit schwerlich unausweichlich.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sowohl der <em>passionierte<\/em>, als auch <em>best\u00e4ndig<\/em> Typus in Netzwerkstrukturen freiwilliger T\u00e4tigkeiten eingespannt sind, kennzeichnet den <em>neugierigen<\/em> Typus vielmehr ein loses Engagement, das besonders durch zeitliche und finanzielle Ressourcen beschr\u00e4nkt wird. Diese und weitere Opportunit\u00e4tskosten wie der Verzicht auf k\u00fcrzere Wege und ein ausgiebigeres Angebot werden jedoch in Kauf genommen. Vorrangige Aspekte daf\u00fcr sind bei Engagierten, die keine spezifische Aufgabe oder ein Amt \u00fcbernehmen, nach dem Institut f\u00fcr Demoskopie zufolge zu 34 Prozent das Gef\u00fchl, mit der eigenen T\u00e4tigkeit etwas bewegen zu k\u00f6nnen. Dies entspricht der regelrechten Unsicherheit des <em>neugierigen<\/em> Typus, ob sein Handeln tats\u00e4chlich positive Folgen mit sich bringt, oder doch in der Masse des allgemeinen Konsums untergeht. Da der <em>passionierte<\/em> Typus besonders auf einige Kunden der <em>F\u00fcllbar<\/em> zutrifft, erlangt das Motiv, dem 11 Prozent zustimmen, selbst entscheiden zu k\u00f6nnen und eigene Gestaltungsm\u00f6glichkeiten zu haben, eine hohe Relevanz. Es l\u00e4sst sich davon ausgehen, dass besonders im Zusammenhang der <em>F\u00fcllbar<\/em>, Kunden den Aspekt der Selbstbestimmtheit und Transparenz sch\u00e4tzen und dies daher eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutsamkeit einnimmt.<\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4nderung \u2013 aber wie?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich fragten wir die Interviewten auch, was man denn tun kann, um dieser riesigen M\u00fcllansammlung entgegen zu wirken. Dabei reichen die Meinungen von kleinen Schritten zu gro\u00dfen \u00dcberlegungen, die den Verbrauch von Verpackungen entscheidend ver\u00e4ndern k\u00f6nnten.\u00a0Es ist festzustellen, dass sich viele als einzelne Person machtlos f\u00fchlen, etwas zu ver\u00e4ndern: \u201eNaja, ehrlich gesagt, denke ich nicht, dass man als einzelner Konsument\u00a0besonders\u00a0viel \u00e4ndern kann\u201c (KundIns der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>). Zun\u00e4chst muss eine Aufkl\u00e4rung stattfinden. Dies kann man durch Aktionen, Werbung und Workshops an die Menschen herantragen. Eine Kundin der <em>F\u00fcllbar<\/em> stellt auch fest: \u201eDas ist vielen dann doch nicht bewusst, wenn sie einkaufen gehen, wie viel sie dann an M\u00fcll verbrauchen\u201c.\u00a0Einige Gesch\u00e4fte schaffen ihre Plastikt\u00fcten ganz ab oder verlangen eine Geb\u00fchr f\u00fcr eine Plastikt\u00fcte. Ist das schon ein Anfang und reicht das aus? Sollte es auch eine Abschaffung in anderen Bereichen geben? Ein Kunde\u00a0der\u00a0<em>F\u00fcllbar<\/em>\u00a0schl\u00e4gt\u00a0vor, nicht nur ein Pfand auf Flaschen und Gl\u00e4ser zu erheben,\u00a0sondern auch\u00a0zus\u00e4tzliche Geb\u00fchren\u00a0bei anderen Produkten, die in Plastik verpackt\u00a0sind,\u00a0einzuf\u00fchren.\u00a0Dies w\u00fcrde das Bewusstsein der Menschen erh\u00f6hen und ihnen\u00a0aufzeigen, wie viel verpackte Ware sie kaufen.<\/p>\n<p>Eine andere Nutzerin findet diese Kenntnisse so wichtig, dass es ihrer Ansicht nach angebracht w\u00e4re, sie schon fr\u00fch in der Schule zu etablieren:<\/p>\n<blockquote><p>Generell ist es wichtig, das Umweltbewusstsein der Leute zu schulen, besonders das der n\u00e4chsten Generation. Man kann den Kindern direkt im Unterricht beibringen, wie man M\u00fcll vermeidet und welche Auswirkungen das hat.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vor allem besteht bei den Beteiligten der Appell, an der Politik etwas zu ver\u00e4ndern, da dem Endverbraucher in vielerlei Hinsicht die H\u00e4nde gebunden sind, da auch Standards und Vorschriften eingehalten werden m\u00fcssen, die von der Regierung vorgeschrieben werden.\u00a0 Es reicht von Start-Up-Finanzierungen f\u00fcr solche L\u00e4den, die dieses Konzept verwirklichen wollen und neue Berufe und Studieng\u00e4nge f\u00f6rdern, die sich mit einer verpackungsfreien Variante auseinandersetzen. Au\u00dferdem sehen sie die Politik in der Verantwortung, au\u00dferhalb ihrer Reihen auch die Unternehmen in eine Richtung zu lenken, auch dort den \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck zu verringern: \u201eIch w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass die Politik anf\u00e4ngt, die Unternehmen auf ihre ethische Verantwortung der Umwelt gegen\u00fcber hinzuweisen und die Verantwortung f\u00fcr den ganzen M\u00fcll, der entsteht, zu \u00fcbernehmen\u201c (Lisa, Gr\u00fcnderin der <em>F\u00fcllbar<\/em>). Die Politiker stehen in einer Vorbildfunktion, von der andere L\u00e4nder und Staaten lernen k\u00f6nnen und sollen. Bei Nichteinhaltung sehen die Vertreter des Konzepts auch negative Sanktionen als eine M\u00f6glichkeit, die Umweltstandards und -verbesserungen einzuhalten, beispielsweise beim Abgasskandal.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Fazit\"><\/a>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Seit\u00a0Er\u00f6ffnung der\u00a0F\u00fcllbar\u00a0ist bis dato ein\u00a0knappes dreiviertel\u00a0Jahr\u00a0vergangen. Diese\u00a0recht\u00a0kurze Dauer\u00a0erschwert\u00a0naturgem\u00e4\u00df\u00a0zuverl\u00e4ssige Aussagen \u00fcber\u00a0die\u00a0langfristigen\u00a0Effekte\u00a0und Entwicklungen auf das Engagement\u00a0sowohl von\u00a0KundInnen als auch\u00a0Gr\u00fcnderInnen, sodass selbst\u00a0Prognosen\u00a0nur\u00a0Vermutungen darstellen k\u00f6nnen.\u00a0\u00a0Es\u00a0l\u00e4sst sich jedoch\u00a0bereits zum\u00a0jetzigen\u00a0Zeitpunkt\u00a0festhalten, dass sich das Engagement\u00a0der verschiedenen\u00a0Engagementtypen, die anhand der einzelnen\u00a0Interviews\u00a0gebildet wurden, sich nicht\u00a0nur in der Intensit\u00e4t\u00a0und den spezifischen\u00a0Handlungsweisen unterscheiden,\u00a0sondern auch in der\u00a0biographischen Entwicklung\u00a0ausdifferenzieren\u00a0l\u00e4sst.\u00a0So\u00a0zeigt sich bei einigen bereits in fr\u00fchen Lebensphasen eine Auseinandersetzung mit\u00a0nachhaltigen Themen, wohingegen sich dieses Interesse bei anderen erst zu einem sp\u00e4teren biographischen Zeitpunkt entwickelt. Man kann daher\u00a0annehmen, dass\u00a0die\u00a0Engagementtypen\u00a0nicht nur\u00a0\u00fcber\u00a0die erw\u00e4hnten\u00a0Handlungsdifferenzen\u00a0verf\u00fcgen, sondern sich auch in eine aufeinander aufbauende beziehungsweise\u00a0chronologische Abfolge einordnen lassen. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass f\u00fcr eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Engagements diverse Faktoren relevant sind. Voraussetzungen f\u00fcr eine Intensivierung k\u00f6nnten so neben einem stabilen und durchl\u00e4ssigen Netzwerk auch die Bereitschaft, sich inhaltlich fundiertes Wissen anzueignen sowie ein verst\u00e4rkter zeitlicher Einsatz sein. F\u00fcr eher unerfahrene Menschen mit noch wenigen Ber\u00fchrungspunkten kann die <em>F\u00fcllbar <\/em>ein Mittel sein, ihr Engagement zu verstetigen. Besonders jene\u00a0Menschen,\u00a0die dem\u00a0<em>neugierigen\u00a0<\/em>Typus zugeordnet werden, verf\u00fcgen \u00fcber\u00a0noch wenig ausgepr\u00e4gte Netzwerkstrukturen. Die\u00a0<em>F\u00fcllbar\u00a0<\/em>stellt dabei eine erste Verbindung im Bereich Nachhaltigkeit und M\u00fcllvermeidung dar.\u00a0Durch Workshops und\u00a0Vortr\u00e4ge\u00a0wird den Kunden die M\u00f6glichkeit geboten, sich intensiver mit diesen Themen\u00a0auseinanderzusetzen\u00a0und sich so neues Wissen anzueignen, woraus potenziell eine gewisse Hingabe entstehen kann. Wir wagen also die Hypothese,\u00a0dass sich der <em>neugierige<\/em> Typus\u00a0eine Vorform des <em>passionierten<\/em> Typus abbilden kann. Bei anhaltendem Engagement\u00a0kristallisiert\u00a0sich dann der <em>best\u00e4ndige<\/em> Typ heraus. Dieser ist durch eine starke Einbindung in das vorhandene Netzwerk gekennzeichnet und tr\u00e4gt somit zur Stabilit\u00e4t des Netzwerkes bei. Der <em>best\u00e4ndige<\/em> Typ handelt nach\u00a0einer automatisierten und\u00a0internalisierten Handlungsstruktur und weist das gr\u00f6\u00dfte Potenzial auf, seine \u00dcberzeugungen an sein Umfeld heranzutragen. \u00dcberlegt man nun, welche Rolle die\u00a0F\u00fcllbar\u00a0bei der Verbreitung des <em>Zero\u00a0Waste-<\/em>Gedankens \u00fcbernimmt, l\u00e4sst sich feststellen,\u00a0dass die\u00a0F\u00fcllbar\u00a0das Angebot er\u00f6ffnet, sich zu engagieren und damit das Potenzial besitzt, als Diffusionsinstrument zu fungieren. Sie dient auch deshalb als wichtiges Popularisationsmittel, um andere Menschen zu erreichen,\u00a0da\u00a0die Gr\u00fcnder eine besondere und sehr stark ausgepr\u00e4gte Form des\u00a0b\u00fcrgerschaftlichen\u00a0Engagements aufweisen. Diese Besonderheit des Engagements ist durch einen hohen, \u00fcberdurchschnittlichen Zeitaufwand gepr\u00e4gt, der nicht finanziell verg\u00fctet wird und auch keinerlei\u00a0Aufwandsentsch\u00e4digung mit sich bringt.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich festhalten, dass das Konzept der <em>F\u00fcllbar <\/em>dazu beitr\u00e4gt, Menschen das Thema Nachhaltigkeit in Form von <em>Zero Waste<\/em> n\u00e4her zu bringen und ihnen die Option er\u00f6ffnet, sich selbstbestimmt im Rahmen ihrer eigenen M\u00f6glichkeiten zu engagieren und diese T\u00e4tigkeiten zu intensiveren. Die <em>F\u00fcllbar<\/em> ist f\u00fcr einige also erster Ber\u00fchrungspunkt mit absoluter M\u00fcllvermeidung und kann damit der Ausgangspunkt f\u00fcr eine freiwillige T\u00e4tigkeit rund um Nachhaltigkeit und Umweltschutz sein, w\u00e4hrend sie f\u00fcr andere bereits das Ergebnis jahrelangen Engagements ist. Doch beide leisten ihren Beitrag auf ihre Art und Weise. Schlie\u00dflich ist nichts besser oder schlechter, nur anders.<\/p>\n<h3>Ein Beitrag von Jacqueline Amend, Fee Roth und Lara Sprott<\/h3>\n<p><strong>Literaturangaben<\/strong><\/p>\n<p>Breuer, Franz und Lettau, Antje (o. Jahr): Kurze Einf\u00fchrung in den qualitativ-sozialwissenschaftlichen Forschungsstil. Link: https:\/\/www.uni-muenster.de\/imperia\/md\/content\/psyifp\/aebreuer\/alfb.pdf<\/p>\n<p>Bunk, Anneliese und Schubert, Nadine (2016): Besser leben ohne Plastik.<\/p>\n<p>Corsten Michael, Kauppert Michael uns Rosa Hartmut (2008): Quellen B\u00fcrgerschaftlichen Engagements_Die biographische Entwicklung von Wir-Sinn und fokussierten Motiven.<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr Demoskopie Allensbach (2013): Motive des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements. Ergebnisse einer bev\u00f6lkerungsrepr\u00e4sentativen Befragung. Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend.<\/p>\n<p>Kirig, Anja (2016): Zero Waste. Zukunft ohne M\u00fcll. Link: https:\/\/www.zukunftsinstitut.de\/artikel\/umwelt\/zero-waste-zukunft-ohne-muell\/<\/p>\n<p>Krimmer et. al. (2017): Ziviz-Survey 2017. Vielfalt verstehen. Zusammenhalt st\u00e4rken. Link: http:\/\/www.ziviz.de\/download\/file\/fid\/276<\/p>\n<p>Lamnek, Siegfried und Krell, Claudia (2016): Qualitative Sozialforschung. Basel: Beltz Verlag.<\/p>\n<p>Neligan, Adriana (2017): Das Plastik-Problem. Link: https:\/\/www.iwd.de\/artikel\/das-plastik-problem-368426\/<\/p>\n<p>Olk, Thomas (2010): B\u00fcrgerschaftliches Engagement im Lebenslauf. Link: https:\/\/link.springer.com\/content\/pdf\/10.1007\/978-3-531-92214-0_25.pdf<\/p>\n<p>Probst, Stephanie (o.J.): Das kann kein Meer mehr schlucken: Unsere Ozeane versinken im Plastikm\u00fcll. Link: http:\/\/www.wwf.de\/themen-projekte\/meere-kuesten\/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell\/<\/p>\n<p>Simonson, Julia; Vogel, Claudia; Tesch-R\u00f6mer, Clemens (Hrsg.) (2017): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Wiesbaden: Springer VS.<\/p>\n<p>Su, Shia (2018): Was ist Zero Waste? Link: http:\/\/wastelandrebel.com\/de\/was-ist-zero-waste\/<\/p>\n<p>Swandulla, Dieter (2012): Umweltchemikalie blockiert Zellfunktion. Link: https:\/\/www.uni-bonn.de\/neues\/304-2012<\/p>\n<p>Umweltbundesamt (2015): EU-Parlament will Plastikt\u00fctenverbrauch deutlich senken. Link: https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/eu-parlament-will-plastiktueten-verbrauch-deutlich<\/p>\n<p>Vieth, Jacqueline (2017): Wie vermeidet man M\u00fcll? Die Zero-Waste-Bewegung. Link: https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.die-zero-waste-bewegung-wie-vermeidet-man-muell.23149844-ddda-4345-a3db-2a527cb409c7.html<\/p>\n<p>Ohne Angaben \u00fcber die Autorin und das Erscheinungsdatum: http:\/\/www.einfachzerowasteleben.de\/was-bedeutet.html<\/p>\n<h4>Bildnachweise<\/h4>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/plastikflaschen-flaschen-recycling-115074\/<\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/m\u00fcll-umwelt-strand-2369821\/<\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/abf\u00e4lle-m\u00fcll-m\u00fcllsack-m\u00fcllhalde-1741127\/<\/p>\n<p>https:\/\/www.fuellbar-witten.de\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein verpackungsfreier Supermarkt als Antrieb und Ergebnis b\u00fcrgerschaftlichen Engagements NRW ist anders \u2013 und das Ruhrgebiet ganz besonders. 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