{"id":129,"date":"2017-01-27T10:14:05","date_gmt":"2017-01-27T09:14:05","guid":{"rendered":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=129"},"modified":"2017-02-27T16:37:27","modified_gmt":"2017-02-27T15:37:27","slug":"arbeitsmarktintegration-von-gefluechteten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=129","title":{"rendered":"Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten"},"content":{"rendered":"<p>Die Arbeitsmarktteilhabe von Fl\u00fcchtlingen ist entscheidend f\u00fcr das Gelingen der Fl\u00fcchtlingspolitik und den sozialen Zusammenhalt in Deutschland. Die M\u00f6glichkeit, einer Arbeit nachzugehen, ist nicht nur Bedingung f\u00fcr einen wirtschaftlichen Erfolg, sondern steht zentral f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben. So erm\u00f6glicht Arbeit die finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit der Fl\u00fcchtlinge und sch\u00fctzt vor Armut und Unterbesch\u00e4ftigung. Fl\u00fcchtlinge k\u00f6nnen durch Arbeit aktiv werden und ihre eigene Zukunft gestalten. Durch das Aus\u00fcben einer Erwerbst\u00e4tigkeit k\u00f6nnen neue Kontakte gekn\u00fcpft werden und zu sozialer Anerkennung und Achtung f\u00fchren. Durch die Arbeitsmarktteilhabe der Fl\u00fcchtlinge wird eine nachhaltige Integration in die deutsche Gesellschaft realisiert und somit der soziale Zusammenhalt gest\u00e4rkt.<!--more--><\/p>\n<p>Aufgrund der positiven Besch\u00e4ftigungssituation sind in Deutschland die Voraussetzungen f\u00fcr eine Arbeitsmarktintegration\u00a0generell g\u00fcnstig. Fl\u00fcchtlinge haben beim \u00dcbergang zum Arbeitsmarkt jedoch besonders hohe H\u00fcrden zu \u00fcberwinden (f\u00fcr Informationen zu den besonderen H\u00fcrden des Arbeitsmarktzugangs von Frauen vgl. <a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=107\">Den Arbeitsmarktzugang f\u00fcr gefl\u00fcchtete Frauen erm\u00f6glichen!<\/a>). So wird ihnen erst nach einer dreimonatigen Wartezeit Zugang zum Arbeitsmarkt gew\u00e4hrt. Allerdings ben\u00f6tigen sie zus\u00e4tzlich eine Erlaubnis der \u00f6rtlichen Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde und eine entsprechende Zustimmung der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit. W\u00e4hrend der Zeit, in der ein Ausl\u00e4nder verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen oder wenn es sich um einen Staatsangeh\u00f6rigen aus einem sicheren Herkunftsland handelt, besteht kein Recht zum Zugang zum Arbeitsmarkt. Nur 50 Prozent der vor l\u00e4ngerer Zeit nach Deutschland zugewanderten Fl\u00fcchtlinge, gelingt es, nach f\u00fcnf Jahren Aufenthalt eine Besch\u00e4ftigung zu finden. Deutschland steht also vor der Herausforderung, Hunderttausenden von Fl\u00fcchtlingen den Schritt in ein Erwerbsleben zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Im Zuge der Forschungsarbeit hat sich herauskristallisiert, dass das Aufgabenfeld der Arbeitsmarktintegration gr\u00f6\u00dftenteils von Engagierten bearbeitet wird, die in einem vollzeitlichen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis stehen. Bei der Auswahl von potenziellen Interviewpartnern hat sich aus diesem Grund die Suche nach ehrenamtlich Engagierten, die speziell in dem Bereich der Arbeitsmarktintegration t\u00e4tig sind, schwierig gestaltet. Daher haben wir sowohl Haupt- als auch Ehrenamtliche mit Hilfe eines offenen Leitfadeninterviews befragt. Wir k\u00f6nnen in unserem Beitrag zeigen, dass ehrenamtliches Engagement in verschiedenen arbeitsmarktrelevanten Bereichen eine sehr hohe Bedeutung hat.<\/p>\n<p>Konkret befasst sich unser Beitrag mit folgenden Aspekten: Im Abschnitt <a href=\"#Vi\">\u201eVorinstitutionelle und b\u00fcrokratische Defizite bei der Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen \u2013 Das Ehrenamt als helfende Hand in einer vorinstitutionellen Grauzone\u201c<\/a> geht es um die Problematik ungenutzter Zeit, die durch eine Handlungsunf\u00e4higkeit von staatlichen Mittel entsteht. Dieser Zeitraum wird im Kapitel als \u201avorinstitutionelle Grauzone\u2018 bezeichnet. In dieser Grauzone k\u00f6nnte das Ehrenamt eine wichtige Rolle einnehmen und somit im Endeffekt den Prozess der Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen in Deutschland verbessern und beschleunigen. Die meisten Diskussionen und Debatten um ein verbessertes System f\u00fcr die Arbeitsmarktintegration befassen sich mit Ma\u00dfnahmen, die erst nach dem ersten Kontakt eines Fl\u00fcchtlings mit dem Jobcenter in Kraft treten k\u00f6nnen. Durch die gegebenen Abl\u00e4ufe unseres Verwaltungssystems und die \u00dcberlastung dergleichen, entstanden hierbei jedoch vorinstitutionelle Grauzonen von bis zu zwei Jahren. Dieser Abschnitt identifiziert ehrenamtliche Ma\u00dfnahmen, wo u.a. dem Jobcenter die H\u00e4nde gebunden sind.<\/p>\n<p>In dem Abschnitt \u201e<a href=\"#Sprache\">Sprache als Schl\u00fcssel der Integration auf dem Arbeitsmarkt<\/a>\u201c wird der Frage nachgegangen, wie genau sich die Verbindung zwischen Sprache und Arbeitsmarkt gestaltet, um schlussendlich die M\u00f6glichkeiten der Unterst\u00fctzung durch das Ehrenamt aufzuzeigen. Hierzu werden zun\u00e4chst die f\u00f6rdernden aber auch hemmenden Faktoren f\u00fcr einen erfolgreichen Zweitspracherwerb herausgearbeitet. Dem Folgend wird die enge Verbindung zwischen Sprache und Arbeitsmarkt dargestellt und im Anschluss die beiden Modelle der Umsetzung, \u201eEinstiegskurs\u201c und \u201eIntegrationskurs\u201c, vorgestellt. Schlussendlich werden Defizite aufgezeigt, um die daraus resultierenden Handlungsspielr\u00e4ume f\u00fcr ehrenamtlich T\u00e4tige ausfindig zu machen.<\/p>\n<p>Der Abschnitt \u201e<a href=\"#At\">Arbeitsmarktteilhabe durch neue Formen des Lernens\u201c<\/a> behandelt die Frage, wie Fl\u00fcchtlinge durch neue Formen des Lernens an dem Arbeitsmarkt in Deutschland teilhaben k\u00f6nnen und welchen Beitrag Ehrenamtliche dabei leisten. Um diese Fragen n\u00e4her zu beleuchten, werden zun\u00e4chst einmal verschiedene Arten des Lernens erl\u00e4utert und der derzeitige Forschungsstand diesbez\u00fcglich dargestellt. Danach stellt sich die Frage, welche Lernbeziehungen es zwischen Ehrenamtlichen und Fl\u00fcchtlingen gibt und welchen Beitrag diese f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration leisten k\u00f6nnen. Anschlie\u00dfend werden Ergebnisse aus den Interviews sowie Kritikpunkte aufgezeigt, anhand dessen Empfehlungen f\u00fcr Wissenschaft, Politik und Ehrenamt abgeleitet werden.<\/p>\n<p>Im letzten Abschnitt <em>\u201e<a href=\"#Netz\">Dem Arbeitsmarkt ins Netz gegangen \u2013 die Bedeutung der Netzwerke f\u00fcr die Arbeitsmarktintegration<\/a>\u201c<\/em> wird auf die Bedeutung von Netzwerkstrukturen f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration eingegangen. Als Einstieg wird in dem Abschnitt<a href=\"#Ne\"><em> Netzwerk \u2013 Was ist das?<\/em> <\/a>eine generelle Einf\u00fchrung in den Netzwerk-Begriff gegeben, die als weitere Orientierung dienen wird. Unter <a href=\"#Die\"><em>Die Bedeutung von Netzwerken aus Sicht der Engagierten<\/em><\/a> wird dann die Perspektive der freiwillig Engagierten selbst in den Blick genommen. In den Abschnitten <em><a href=\"#Der\">Der Beitrag der Unternehmen<\/a> <\/em>und<a href=\"#Der B\"><em> Der Beitrag der Fl\u00fcchtlinge<\/em><\/a> geht es dann um die Rolle, die potentielle Arbeitgeber und arbeitssuchende Fl\u00fcchtlinge innerhalb der untersuchten Netzwerke spielen. Zuletzt werden dann noch unter dem Punkt <a href=\"#Durchs\"><em>Durchs Netz gegangen \u2013 bestehende Defizite<\/em><\/a> jene Aspekte der Netzwerkstrukturen in den Blick genommen, die aus Sicht der Beteiligten problematisch sind und einer Arbeitsmarktintegration entgegenstehen. Abschlie\u00dfend wird dann unter <em>Netzwerk gut, alles gut? \u2013 ein Fazit<\/em> der Inhalt dieses Blogs noch einmal geb\u00fcndelt zusammengefasst und ein abschlie\u00dfendes Fazit der Forschungsarbeit formuliert.<\/p>\n<p><strong><u><a id=\"Vi\"><\/a>Vorinstitutionelle und b\u00fcrokratische Defizite bei der Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen \u2013 Das Ehrenamt als helfende Hand in einer vorinstitutionellen Grauzone<\/u><\/strong><strong>\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDie Leute sind zum Teil bis zu zwei Jahre im Land. Was ist in den zwei Jahren passiert? Und warum ist da nix passiert? Woran liegt es? Liegt es daran, dass sie in einem Verwahrstatus sind bis dahin, wo nicht klar ist ob sie bleiben d\u00fcrfen, dass man sich sagt, in der Zeit werde ich auch nichts investieren in die Leute, oder liegt es einfach daran, dass da einer, wer auch immer nicht zu Ende gedacht hat?\u201c (Interview Rheurdt 04.07.2016: Integrationsfachkraft des Jobcenters)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Zitat stammt aus einem der Interviews, welches u.a. als Forschungsgrundlage f\u00fcr diesen Blogbucheintrag dienen sollte, mit einer Integrationsfachkraft des Jobcenters. Ein Zitat, das Defizite aufzeigt, die beginnen, noch bevor staatliche Arbeitsmarktintegrationsprozesse greifen k\u00f6nnen, also vor dem ersten Zusammentreffen mit dem Jobcenter. Die Probleme bei der Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen sind vor als auch unmittelbar nach dem Eingreifen von staatlichen Prozessen im Kern die gleichen. Fast schon triviale Probleme sind hierbei sprachliche Defizite, kulturelle Unterschiede und die damit verbundenen Alltagsschwierigkeiten. Daraus resultieren Probleme, die (bei zus\u00e4tzlich mangelhafter Ausbildung) den Zugang zum Arbeitsmarkt fast unm\u00f6glich machen und zu gen\u00fcge in der Forschung als auch in den Medien diskutiert wurden und werden. Ein m\u00f6glichst fr\u00fches Eingreifen w\u00e4re eigentlich im Interesse aller. Bis staatliche Instanzen eingreifen, kann jedoch in einigen F\u00e4llen \u00fcber ein Jahr vergehen. Zeit, die die Integration in den Arbeitsmarkt erschwert. Denn je mehr Zeit ohne Arbeitspraxis vergeht, desto schwieriger wird die Vermittlung (Interview Rheurdt 04.07.2016: Integrationsfachkraft des Jobcenters<em>).<\/em> Diese Zeit, in der keine staatliche Ma\u00dfnahme, oder auch keine andere \u00f6ffentliche Institution greifen kann, wird in dieser Ausarbeitung als \u201avorinstitutionell\u2018 bezeichnet. In dieser ungenutzten zeitlichen L\u00fccke, die durch diese vorinstitutionelle Phase entsteht, k\u00f6nnte das Ehrenamt wertvolle Dienste f\u00fcr die Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen in Deutschland einbringen. Doch zun\u00e4chst sollen Faktoren diskutiert werden, die die Arbeitsmarktintegrationsprozesse f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge zus\u00e4tzlich erschweren. Zus\u00e4tzlich zu den gef\u00fchrten Interviews fanden telefonische Nachfragen zur Absicherung der Informationen statt.<\/p>\n<p><strong>Ursache der vorinstitutionellen Defizite<br \/>\n<\/strong>Bis ein Fl\u00fcchtling in Deutschland offiziell einer Arbeit nachgehen<a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-130 size-medium alignleft\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-1-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-1-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-1-624x416.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> darf, muss er einen langen und schwierigen Weg verschiedener Instanzen hinter sich lassen, welcher hier in aller K\u00fcrze beschrieben werden soll.<br \/>\nZun\u00e4chst muss ein Gefl\u00fcchteter eine Aufenthaltsgestattung erlangen. Hierf\u00fcr muss einer der drei Schutzarten in Deutschland greifen: Asylrecht, Schutz nach Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention oder subsidi\u00e4rer Schutz. Allerdings besteht immer noch die M\u00f6glichkeit, dass eine Abschiebung, obwohl keiner der drei Schutzarten greift, durch die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention als unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt wird (vgl. Bogumil et al 2016: 1). Je nach Art des erlangten Schutzstatus wird die Aufenthaltsgestattung f\u00fcr einen unterschiedlich langen Zeitraum erteilt. Im Falle von Fl\u00fcchtlingen und Asylsuchenden w\u00e4re dies ein Zeitraum von drei Jahren \u201emit der M\u00f6glichkeit der Verl\u00e4ngerung bzw. dem \u00dcbergang in einen Daueraufenthalt.\u201c (Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge 2016). Mit dem Erhalt der Aufenthaltsgenehmigung erh\u00e4lt man nun die Berechtigung \u201ebis zur Entscheidung \u00fcber den Asylantrag, in Deutschland zu leben und unter bestimmten Bedingungen zu arbeiten.\u201c (Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge 2016). Als n\u00e4chstes muss dann jedoch noch eine Genehmigung zur Aus\u00fcbung einer Besch\u00e4ftigung bei der jeweiligen Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde eingeholt werden, die man allerdings erst drei Monate nach dem Erhalt der Aufenthaltsgenehmigung bekommen kann. Zus\u00e4tzlich muss an dieser Stelle dann noch beachtet werden, dass \u201ePersonen mit einer Aufenthaltsgestattung, die verpflichtet sind in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, [\u2026] grunds\u00e4tzlich keiner Besch\u00e4ftigung nachgehen\u201c d\u00fcrfen (Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge 2016). Ein Zustand, der leider bei vielen Fl\u00fcchtlingen gegeben ist (Beispiel Fl\u00fcchtlingszelte). \u00dcberforderte Kommunen und Verwaltungsapparate (wie das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge) steuern zus\u00e4tzlich zu einer Verl\u00e4ngerung der Dauer bei und dehnen somit diese \u201avorinstitutionelle\u2018 Grauzone noch weiter aus (vgl. Bogumil et al 2016: 7). Die \u00dcberforderung von Politik und Kommunen bei der Wohnungssuche f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge tut hierbei noch ihr \u00fcbriges (vgl. WDR 2016).<br \/>\nDiese partielle Beschreibung der Abl\u00e4ufe ist zwar bei weitem nicht vollst\u00e4ndig, zeigt aber gut auf, dass der Weg zur \u201alegalen Besch\u00e4ftigung\u2018 f\u00fcr Gefl\u00fcchtete viele Schritte umfasst. Doch je l\u00e4nger die Zeit ohne Besch\u00e4ftigung, desto mehr erschwert und verl\u00e4ngert sich eine erfolgreiche Arbeitsvermittlung und somit auch die Kosten f\u00fcr den Staat. Rechtlich gesehen darf das Jobcenter jedoch offiziell erst nach dem Erstkontakt, bei dem einem Gefl\u00fcchteten ein offizieller Ansprechpartner zugeteilt wird, agieren und Ma\u00dfnahmen ergreifen. Da dieser Erstkontakt in manchen F\u00e4llen bis zu zwei Jahre auf sich warten lassen kann, k\u00f6nnte ein gezieltes Ehrenamt dazu beitragen, die sp\u00e4tere Arbeitsmarktintegration zu erleichtern.<\/p>\n<p><strong>Ansatzpunkte und Ideen f\u00fcr das Ehrenamt zur \u00dcberwindung der Defizite\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Das Menschen mit Migrationshintergrund einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt haben ist wohl schon l\u00e4nger kein Geheimnis mehr (vgl. Pries: 2010: 15). Die Probleme bei Fl\u00fcchtlingen unterscheiden sich hierbei im Kern nicht. Im Laufe der Interviews f\u00fcr diese Ausarbeitung haben sich besonders drei Punkte herauskristallisiert: Die Sprachbarriere, mangelndes kulturelles Verst\u00e4ndnis und b\u00fcrokratische Schwierigkeiten. Auf diese drei Punkte soll insbesondere im Hinblick darauf, was das Ehrenamt dementsprechend tun k\u00f6nnte, in diesem Kapitel eingegangen werden. <strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Problematiken rund um die Sprachenkenntnisse von Fl\u00fcchtlingen sind wohl bekannt und den meisten Helfern und Instanzen wahrscheinlich am besten bewusst, weshalb das Thema der Sprachbarriere an dieser Stelle nur kurzen Anklang finden soll. Auch staatliche Sprachkurse greifen nicht in der vorinstitutionellen Grauzone. Zwar gibt es seitens des Bundesamtes f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge seit 2015 einen vereinfachten Zugang f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge mit guter Bleibeperspektive, \u201ealso Ausl\u00e4nder, die eine Aufenthaltsgestattung besitzen und bei denen ein rechtm\u00e4\u00dfiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist (Iran, Irak, Syrien, Eritrea) [..], Ausl\u00e4nder, die eine Duldung gem. \u00a7 60a Abs. 2 Satz 3 AufenthG besitzen oder Ausl\u00e4nder, die eine Aufenthaltserlaubnis gem. \u00a7 25 Abs. 5 AufenthG besitzen\u201c (Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge 2015), allerdings schlie\u00dft dies einerseits nicht alle Fl\u00fcchtlinge ein und anderseits vergeht auch hierbei einiges an Zeit, bis ein n\u00f6tiger Aufenthaltsstatus erteilt wird. Ob es an den komplizierten b\u00fcrokratischen Strukturen liegt (auf die sp\u00e4ter im Zuge dieses Blogbucheintrags noch eingegangen werden soll), bei denen ein Fl\u00fcchtling gar nicht in der Lage ist, das Angebot des Bundesamtes f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge zu nutzen, oder ob es an der Qualit\u00e4t der Kurse liegt ist in K\u00fcrze dieser Ausarbeitung nicht festzustellen. Jedoch l\u00e4sst sich die momentane Situation (wenn auch eventuell etwas \u00fcberspitzt) mit folgendem Zitat beschreiben: \u201ees ist erstaunlich wie uniform die Masse der Fl\u00fcchtlinge ist, die mir pers\u00f6nlich zur Beratung vorgestellt wurden. Da ist bei 99% nichts bis wenig zu bemerken an Sprachkenntnissen, die verwertbar w\u00e4ren\u201c. (Interview Rheurdt 04.07.2016: Integrationsfachkraft beim Jobcenter). Erst beim ersten Kontakt mit dem Jobcenter k\u00f6nnen dann seitens des Jobcenters entschieden f\u00fcr welchen Sprachkurs eine gefl\u00fcchtete Person geeignet ist. Doch auch hierbei kann es durch \u00fcberf\u00fcllte Sprachkurse zu weiteren Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr kommen (vgl. Interview Rheurdt 04.07.2016: Integrationsfachkraft beim Jobcenter). Hier entsteht eine Phase, in der das Ehrenamt eine helfende Hand reichen k\u00f6nnte. Das Repertoire an deutschen Staatsb\u00fcrgern, mit der akademischen Kompetenz, Deutsch als Fremdsprache zu lehren und die sich auch zudem noch ehrenamtliche engagieren wollen, ist allerdings begrenzt. Jedoch braucht es das auch gar nicht im vollen Ausma\u00df, denn einen besonderen Wert h\u00e4tte es alleine schon, wenn minimale sprachliche Grundlagen f\u00fcr den sp\u00e4ter staatlich erteilten Sprachkurs g\u00e4be. Grundlagen, die keinerlei akademischen Bezug brauchen, sondern lediglich genug, um im Alltag zu bestehen. So w\u00e4re eine m\u00f6gliche Vorgehensweise Fl\u00fcchtlinge bei allt\u00e4glichen Situationen in Deutschland mitzunehmen, z.B. indem Fl\u00fcchtlinge ehrenamtliche Personen beim Einkauf begleiten. Ein Erlernen des Standardvokabulars, wie eine Begr\u00fc\u00dfung, bis hin zur F\u00e4higkeit theoretisch selbst seine Eink\u00e4ufe erledigen zu k\u00f6nnen, ist ein realistisches Ziel. Dieser Punkt mag banal klingen, ist jedoch einer der Hauptkritikpunkte seitens des Jobcenters, denn nicht einmal diese Grundlagen sind oftmals beim ersten Besuch des Jobcenters vorzufinden. Hat eine gefl\u00fcchtete Person zudem beim ersten offiziellen Kontakt mit dem Jobcenter bessere Sprachkenntnisse, so wird dieser in einen fortgeschrittenen Sprachkurs eingeteilt. Dies f\u00fchrt zu einer Verbesserung der Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt in einer k\u00fcrzeren Zeit (vgl. Interview Duisburg 11.07.2016: Arbeitsvermittler beim Jobcenter).<\/p>\n<p>Das Begleiten von Fl\u00fcchtlingen im deutschen Alltag (oder auch das \u201asich begleiten lassen\u2018) h\u00e4tte auch eine unterst\u00fctzende Wirkung bei der kulturellen Integration. Denn auch hier ist keine gro\u00dfe akademische Kompetenz von N\u00f6ten, die den Fl\u00fcchtlingen weiterhelfen k\u00f6nnte. Alleine das regelm\u00e4\u00dfige \u201aMitbekommen\u2018 unseres Alltags mag Verst\u00e4ndnisl\u00fccken f\u00fcllen. Denn kulturelle Probleme und Konflikte k\u00f6nnen oft einfach nur durch Unwissen entstehen. Ein tendenziell routiniertes Wissen \u00fcber den deutschen Alltag w\u00e4re hierbei also von gro\u00dfem Wert. Zu erfahren wie ein Einkauf abl\u00e4uft oder eine spontane Unterhaltung bei dem zuf\u00e4lligen Zusammentreffen mit einer bekannten Person. Die Situationen die aufkommen, wenn man p\u00fcnktlich zum Arztbesuch kommen muss oder seine Bahn nicht verpassen will. Dinge, die uns auch an dieser Stelle banal vorkommen k\u00f6nnten, allerdings doch einen gro\u00dfen Erfahrungswert darstellen und f\u00fcr uns Selbstverst\u00e4ndliches vermitteln. Denn die Fl\u00fcchtlinge \u201ekommen [&#8230;] noch in ihrer Welt bei uns an. In ihrer Welt, nicht nur von der Sprache her [\u2026], aber in ihrer [&#8230;] Vorstellungswelt. Wie was funktioniert, wie man im Leben jetzt beruflich vorankommt. Die haben \u00fcberhaupt gar keine Ahnung davon wie Deutschland funktioniert. Auch das ist etwas, was im Ehrenamt sicherlich weich r\u00fcbergebracht werden k\u00f6nnte und denkbar wertvoll w\u00e4re.\u201c (Interview Rheurdt 04.07.2016: Integrationsfachkraft beim Jobcenter). Zudem ist ein Einblick in einen (f\u00fcr uns) normalen, friedlichen Alltag besonders f\u00fcr Kriegsfl\u00fcchtlinge ein besonders hohes Gut. Ein Wohlf\u00fchlen und Zurechtfinden durch ein einfaches Aufzeigen deutscher St\u00e4dte und seiner Strukturen, verbunden mit seiner Kultur und damit dem Alltag, bringt gefl\u00fcchteten Personen unserer Lebenswelt sprachlich als auch kulturell n\u00e4her. Dies stellt jedoch einen wichtigen Schritt f\u00fcr die erfolgreiche Arbeitsmarktintegration dar (vgl. Interview Rheurdt 04.07.2016: Integrationsfachkraft beim Jobcenter).<a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-131 alignright\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-2-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-2-300x212.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-2-768x542.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-2-1024x723.jpg 1024w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-2-624x441.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-2.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zu guter Letzt liegt eine gro\u00dfe H\u00fcrde f\u00fcr Neuank\u00f6mmlinge in unserem Land in der B\u00fcrokratie. Wer kennt es nicht selbst? Die deutsche B\u00fcrokratie \u00fcberfordert oftmals schon die eigene deutsche Bev\u00f6lkerung. Viele ehrenamtliche Helfer haben darum in der Regel auch nicht das fachliche, teils auch juristische, n\u00f6tige Fachwissen, um zu helfen. An dieser Stelle ist also nicht so einfach Hilfe geboten, da passende Kompetenzen limitiert sind. Doch genau hier w\u00e4re Hilfe und Beratung von N\u00f6ten. Die B\u00fcrokratischen H\u00fcrden von Fl\u00fcchtlingen beginnt nicht nur bei den Vollj\u00e4hrigen und \u00c4lteren selbst, sondern sie beginnen schon bei den Kindern der Fl\u00fcchtlinge, die der Schulpflicht unterlegen. Dieses Beispiel zeigt, das weite Feld der n\u00f6tigen fachlichen Wissenskompetenzen auf. So m\u00fcssen sich gefl\u00fcchtete Eltern nicht nur um die eigene Arbeitsmarktintegration k\u00fcmmern und dabei beispielsweise ihre eigenen M\u00f6glichkeiten, je nach Aufenthaltsstatus nutzen und verstehen (Beispiel Integrationskurs des Bundesamtes f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge), sondern werden zus\u00e4tzlich mit schulischen Herausforderungen ihrer Kinder konfrontiert, wie das Beantragen von Bustickets o.\u00e4. Neben dem erweiterten Ausma\u00df der formellen Kompetenzen, wird mit Hilfe dieses Beispiels auch die erschwerten Umst\u00e4nde f\u00fcr die Bildung deutlich. Unsicherheiten im schulischen Alltag behindern die Produktivit\u00e4t der t\u00e4glichen Bildung f\u00fcr Kinder, Eltern und Lehrpersonal und stellen somit auf lange Sicht auch eine Behinderung f\u00fcr die Arbeitsmarktintegration der Fl\u00fcchtlinge dar. Das Ausma\u00df dieser B\u00fcrokratischen H\u00fcrden macht also deutlich, dass Leute mit formellem Fachwissen von N\u00f6ten w\u00e4ren, um Sicherheit zu spenden und somit im Endeffekt Prozesse beschleunigen zu k\u00f6nnen (vgl. Interview Bochum 07.11.2016: studentische Betreuung einer internationalen Klasse). Neben einer allgemeinen Entlastung der Fl\u00fcchtlinge von der formellen Bandbreite unserer B\u00fcrokratie, k\u00f6nnte eine L\u00f6sung sein, dass schon vor dem ersten Treffen mit dem Jobcenter ein Austausch zwischen ehrenamtlichen Helfern und Fl\u00fcchtlingen stattfindet, um festzustellen wie und wo welche formellen Schritte von Bedeutung w\u00e4ren. So k\u00f6nnte nicht nur das Jobcenter, durch einen sinkenden Kommunikations- und Beratungsaufwand, profitieren, sondern auch die Fl\u00fcchtlinge selbst. Hierf\u00fcr w\u00e4re das Einrichten eines Kommunikationsstrangs zwischen Beh\u00f6rden und ehrenamtlichen Helfern von hohem Wert (vgl. Interview Dortmund 10.10.2016: Hauptamtlich). G\u00e4be es jedoch z.B. seitens des Jobcenters offizielle Anlaufstellen, bei denen sich ehrenamtlich Helfer stellvertretend f\u00fcr gefl\u00fcchtete Personen informieren k\u00f6nnen (auf Basis des zuvor get\u00e4tigten gezielten Austauschs), so k\u00f6nnte an dieser Stelle eine formelle Vorbereitung geschehen. Allerdings m\u00fcsste diesem Konzept eine rechtliche Anpassung vorweg gehen, da das Jobcenter offiziell erst nach dem Erstkontakt beraten und helfen darf. Eine M\u00f6glichkeit k\u00f6nnte es darum sein, Angestellte des Jobcenters (oder \u00e4hnliche Institutionen) f\u00fcr das Ehrenamt zu gewinnen. Diese k\u00f6nnten dann ihren Kontakt zur Verf\u00fcgung stellen. Beispielsweise eine E-Mail Adresse oder eine Handynummer, unter der Fragen gestellt werden k\u00f6nnten. So k\u00f6nnte die Problematik des fehlenden Fachwissens und der fehlenden Kompetenzen \u00fcberwunden werden. Einmal erlangtes Wissen kann dann zudem auch unter ehrenamtlichen Helfern ausgetauscht werden und sich verbreiten. Bei einem positiven Verlauf k\u00f6nnte dies den gesamten Prozess der Arbeitsmarktintegration erleichtern. Dabei kann es schon helfen der gefl\u00fcchteten Personen ein Gef\u00fchl der Sicherheit zu vermitteln, und dabei Hilflosigkeit und Unwissenheit zu verringern.<\/p>\n<p>Es sind also weitere Verbesserungen und Optimierungen durchaus auch ohne allzu gro\u00dfen Aufwand m\u00f6glich. Die Ma\u00dfnahme des regelm\u00e4\u00dfigen \u201asich begleiten lassen\u2018 und die punktierte Gewinnung ehrenamtlicher Helfer mit formellen Kompetenzen k\u00f6nnten wichtige Instrumente werden, bei der das Ehrenamt die ungenutzte Zeit der vorinstitutionellen Grauzone \u00fcberwinden kann. Es gibt durchaus auch Kritik am Ma\u00df der Eigeninitiative seitens der Fl\u00fcchtlinge, welche jedoch auch daher r\u00fchren mag, dass, besonders in der vorinstitutionellen Grauzone, \u00fcberhaupt noch gar nicht klar ist, ob \u00fcberhaupt mit einem Verbleib in Deutschland zu rechnen ist. Der Mangel k\u00f6nnte aber auch zu gro\u00dfen Teilen an einem Gef\u00fchl der Orientierungs- und Machtlosigkeit gebunden sein. Ein positiver Nebeneffekt k\u00f6nnte hierbei also noch eine steigende Eigeninitiative seitens der Fl\u00fcchtlinge sein, da sie so einen besseren Zugang zu unserer Gesellschaft und unserer Lebenswelt finden, mit einem verbessertem Orientierungs- und Sicherheitsempfinden.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Festzuhalten bleibt zun\u00e4chst, dass die b\u00fcrokratische Struktur in Deutschland eine institutionelle Grauzone hervorruft, die einen nicht nur \u201apassiven\u2018, sondern sogar einen negativen Einfluss auf die Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen hat. Eine Zeit, in der der Staat nicht aktiv eingreifen kann, was zu den Umst\u00e4nden f\u00fchrt, dass gefl\u00fcchtete Personen einige Monate in Deutschland verbringen, ohne Fortschritte im kulturellen und sprachlichen Sinne zu machen, was grundlegende Einstiegsbarrieren f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Arbeitsmarktintegration darstellt.<\/p>\n<p>Die Ungewissheit, ob eine gefl\u00fcchtete Person in Deutschland bleiben darf oder nicht, erschwert die Motivation, einen aktiven Lernprozess zu starten. Dabei geht es lediglich um eine grundlegende sprachlich und kulturelle Integration in unseren Alltag. An dieser Stelle ergibt sich also eine L\u00fccke, bei der das Ehrenamt mit einem gezielten Vorgehen eine n\u00fctzliche Rolle einnehmen k\u00f6nnte. Zusammen mit einer b\u00fcrokratischen Unterst\u00fctzung \u00fcber informierte Helfer mit passendem Fachwissen, w\u00e4re das f\u00fcr die Arbeitsmarktintegration bzw. beim ersten offiziellen Zusammentreffen mit dem Jobcenter von hohem Wert f\u00fcr eine Beschleunigung der Prozesse. Eine somit geschaffene Grundlage hilft und verbessert die Vermittelbarkeit von gefl\u00fcchteten Personen f\u00fcr eine jeweilige Besch\u00e4ftigung und verk\u00fcrzt die n\u00f6tige Zeit f\u00fcr die Erf\u00fcllung der notwendigen Schritte. I<a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-134 alignleft\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-3-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-3-300x201.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-3-768x514.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-3-1024x685.jpg 1024w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-3-624x417.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-3.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>m Idealfall w\u00fcrde dies eine Senkung der staatlichen Ausgaben, eine vereinfachte Aufgabe f\u00fcr das Jobcenter und eine schnellere Arbeitsmarktintegration f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge bedeuten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis<br \/>\n<\/strong>Bogumil, J\u00f6rg; Hafner, Jonas; Kuhlmann, Sabine: <em>Verwaltungshandeln in der Fl\u00fcchtlingskrise. Vollzugsdefizite und Koordinationschaos bei der Erstaufnahme und der Asylantragsbearbeitung<\/em>, in: Die Verwaltung 2016, S. 289-300.<\/p>\n<p>Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (2016): Anlage 1 zum Tr\u00e4gerrundschreiben 06\/15, [online] http:\/\/www.bamf.de\/SharedDocs\/Anlagen\/DE\/Downloads\/Infothek\/Integrationskurse\/Kurstraeger\/Traegerrundschreiben\/2015\/traegerrundschreiben-06_20151023-anlage1.pdf?__blob=publicationFile [24.01.2017].<\/p>\n<p>Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (2016): <em>FAQ: Zugang zum Arbeitsmarkt f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen<\/em>, [online] http:\/\/www.bamf.de\/DE\/Infothek\/FragenAntworten\/ZugangArbeitFluechtlinge\/zugang-arbeit-fluechtlinge-node.html [24.01.2017].<\/p>\n<p>Pries, Ludger; Sezgin, Zeynep (2010): <em>Jenseits von &#8218;Identit\u00e4t oder Integration&#8216;: Grenzen \u00fcberspannende Migrantenorganisationen.<\/em> Pries, Ludger; Sezgin, Zeynep (Hrsg.) 1. Aufl. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag, 2010.<\/p>\n<p>WDR (2016): <em>Bochumer Fl\u00fcchtlinge wollen nicht umziehen<\/em>, [online] http:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/ruhrgebiet\/streit-um-fluechtlingsunterkunft-in-bochum-100.html [24.01.2016].<\/p>\n<p><strong>Interviewquellen<\/strong><\/p>\n<p>Rheurdt 04.07.2016: Integrationsfachkraft beim Jobcenter.<\/p>\n<p>Duisburg 11.07.2016: Arbeitsvermittler beim Jobcenter.<\/p>\n<p>Dortmund 10.10.2016: Hauptamtlich.<\/p>\n<p>Bochum 07.11.2016: studentische Betreuung einer internationalen Klasse.<\/p>\n<p><strong>Bildquellen<\/strong><\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/vatikan-treppe-grafiken-rom-1136071\/ [24.01.2017].<\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/photo-317831\/ [24.01.2017].<\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/handshake-unternehmen-professional-440959\/ [24.01.2017].<\/p>\n<p><strong><u><a id=\"Sprache\"><\/a>Sprache als Schl\u00fcssel der Integration auf dem Arbeitsmarkt<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Arbeiten geh\u00f6rt zu aller Leben und macht, wie Forschungen ergaben, erst ein gl\u00fcckliches Leben aus. Dabei ist das Kommunizieren \u00fcber Sprache ein wichtiges Element, um eben dieses erfolgreich zu erlangen. Zudem sprechen wir alle miteinander, sei es im Privaten, beim Einkaufen oder eben bei der Arbeit. Wie ist es dann, wenn man in eine neue Gesellschaft kommt, in der man zun\u00e4chst nicht die Landessprache spricht? Im Zuge der in den Medien sogenannten <em>Fl\u00fcchtlingswelle<\/em> wurde die Bundesrepublik Deutschland unter anderem vor die Problematik gestellt, wie gefl\u00fcchtete Menschen in den Alltag finden k\u00f6nnen. Dabei z\u00e4hlt der Zugang zum Arbeitsmarkt als zentraler gesellschaftlicher Integrationsmechanismus. Wie ein Interviewpartner kurz zusammenfasste: \u201eMan kann Menschen nicht besser in eine Gesellschaft integrieren als durch Arbeit.\u201c (Interview Bochum 28.09.2016: ehrenamtliche \u00dcbersetzer).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-133 alignright\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-4-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-4-300x199.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-4-624x414.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-4.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Da die Arbeitsfindung\/- aus\u00fcbung zentral an Sprache gekoppelt ist, soll dieser Beitrag der Frage nachgehen, wie sich die enge Verbindung der beiden Aspekte ausgestaltet, da die Sprache als ein wichtiger Schl\u00fcssel f\u00fcr eine erfolgreiche Integration von Migranten und Gefl\u00fcchteten gilt (vgl. Schr\u00f6der 2016; Esser 2006: i). Dies zeigt sich gegenw\u00e4rtig auch daran, dass das neue Zuwanderungsgesetz den Integrationskurs als zentrale Integrationsma\u00dfnahme vorsieht, der aus einem Sprachkurs und landeskundlichen Grundinformationen besteht (vgl. Hentges et. Al. 2010: 9). Die Sprache h\u00e4ngt eng mit der Entstehung und Verfestigung ethnischer Schichtungen in Aufnahmel\u00e4ndern zusammen. Defizite bei der Beherrschung der jeweiligen Landessprache spielen in Bezug auf eine erfolgreiche Integration eine besonders negative Rolle (vgl. Esser 2006: i). Dies best\u00e4tigen auch die interviewten ehrenamtlichen Helfer, wenn sie angeben, dass \u201eSprache [\u2026] einfach der Grundstein\u201c (Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer) f\u00fcr Integration oder \u201e [\u2026] der wichtigste Ansatzpunkt die Sprache\u201c sei (Interview Bochum 20.09.2016: Leiterin einer ehrenamtlichen Fl\u00fcchtlingshilfe). Die Sprache nimmt eine \u00fcberaus wichtige Bedeutung im Prozess der Integration, sowohl auf individueller als auch gesellschaftlicher Ebene ein. Sie besitzt mehrere Funktionen: Sprache ist ein Medium der allt\u00e4glichen Kommunikation, \u201eeine Ressource, insbesondere bei der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt\u201c (Esser 2006: i), aber auch ein Symbol der Zugeh\u00f6rigkeit oder Fremdheit. Das Nicht-Beherrschen der Landessprache kann so zu Abgrenzung und\/ oder Diskriminierung und Ausschluss aus dem Arbeitsmarkt f\u00fchren (vgl. Esser 2006: iii). Besonders das Beherrschen der Schriftsprache gew\u00e4hrleistet in der schriftkulturell gepr\u00e4gten Gesellschaft den Zugang zu dieser. Der Spracherwerb und \u2013erhalt ist das Ergebnis eines Zusammenspiels des Handelns bzw. des Lernens der Gefl\u00fcchteten einerseits und gewisser sozialer Bedingungen andererseits. Das Erlernen der neuen Sprache ist dabei von den grundlegenden Gr\u00f6\u00dfen \u201eMotivation (z.B. die Aussicht auf ein h\u00f6heres Einkommen), Zugang (z.B. Kontaktm\u00f6glichkeiten oder Kursangebote), F\u00e4higkeiten (z.B. Intelligenz oder die spezielle Lernf\u00e4higkeit f\u00fcr Sprachen) und Kosten des Lernens (z.B. Zeitaufwand, Angleichungs-Stress) abh\u00e4ngig\u201c (Esser 2006: i).<\/p>\n<p><strong>Sprache und Arbeitsmarkt: \u201eDas Wichtigste bei der Arbeitsmarktintegration ist die Sprache\u201c (Interview Bochum 20.09.2016: Leiterin einer ehrenamtlichen Fl\u00fcchtlingshilfe)<\/strong><\/p>\n<p>Sowohl der Bildungserfolg als auch die beruflichen Chancen h\u00e4ngen prim\u00e4r von guten Kenntnissen der Landessprache ab. Bei der \u201eIntegration von MigrantInnen auf dem Arbeitsmarkt sind, neben den zentralen Faktoren des (Aus-) Bildungsniveaus und der Betriebserfahrung, umfassende Kompetenzen in der Landessprache von \u00fcberragender Bedeutung\u201c (Esser 2010: iv). Sprachliche Defizite vermindern die Chance auf Besch\u00e4ftigung bzw. einer h\u00f6heren Stellung, welche mit merklichen Abschl\u00e4gen beim Einkommen verbunden ist. Dies ist noch h\u00f6her bei steigendem Anteil an kommunikativen T\u00e4tigkeiten und Abstimmungen. \u201eWer die Landessprache nicht umfassend beherrscht, kann auch durchaus vorhandene und wertvolle eigene Kenntnisse und Berufserfahrungen kaum nutzen\u201c (Schr\u00f6der 2007). Dabei kann Zugang zum Arbeitsmarkt auch eine wichtige M\u00f6glichkeit bieten, die eigenen Sprachkompetenzen zu verbessern. Ein Interviewter betont:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eda bei\u00dft sich die Katze in den Schwanz: also einerseits sollen sie [die deutsche] Sprache lernen aber gleichzeitig ist es schwierig die Leute ohne Sprache dann auch in Arbeit zu bringen\u201c (Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer).<\/p><\/blockquote>\n<p>Allerdings ist der Erwerb der Landessprache als Zweitsprache nicht einfach und wird durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst. Zum einen durch die Bedingungen im Herkunfts- und Aufnahmeland, der Existenz und Struktur ethnischer Gemeinden, zum anderen den individuellen und famili\u00e4ren Lebensbedingungen. Besonders ein niedriges Einreisealter, eine lange Aufenthaltsdauer im Einwanderungsland und eine h\u00f6here Bildung k\u00f6nnen sich als au\u00dferordentlich n\u00fctzliche Faktoren bew\u00e4hren. Einen hemmenden Effekt hingegen haben gr\u00f6\u00dfere linguistische Distanzen zwischen den beiden Sprachen, eine hohe weltweite Verwertbarkeit der Erstsprache und starke soziokulturelle Distanzen zwischen Einwanderergruppe und der Mehrheitsgesellschaft. Des Weiteren kann der Erwerb der Sprache auch durch das Aufnahmeland behindert werden, wenn beispielsweise eine st\u00e4rkere ethnische Konzentration im Wohnumfeld oder binnenethnische Kontakte und Kommunikationsm\u00f6glichkeiten in der Herkunftssprache im Wohnumfeld vorherrschen oder \u00fcber herkunftssprachliche Medien verf\u00fcgt wird (vgl. Esser 2006: ii).<\/p>\n<p>Zudem \u00e4u\u00dfert die Leitung einer studentischen Fl\u00fcchtlingshilfe, dass Unternehmen mehr Informationen und mehr Pr\u00e4senz zeigen sollten, um bei entsprechender Qualifikation eine unterst\u00fctzende Rolle einzunehmen. Denn, so f\u00fchrt sie an, \u201ewenn wir auch immer mal Praktikumstellen oder sonstige Jobs suchen, ist es immer schwer rauszufinden, wer steht dem gegen\u00fcber offen da und wer vielleicht eher nicht, wo kann man sich den Aufwand sparen.\u201c (Interview Bochum 20.09.2016: Leiterin einer ehrenamtlichen Fl\u00fcchtlingshilfe).<\/p>\n<p><strong>Einstiegskurse<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDen Richtlinien der BA [Bundesagentur f\u00fcr Arbeit] zufolge mussten die Tr\u00e4ger nicht offiziell als Sprachschulen zugelassen sein. Sie h\u00e4tten lediglich \u201edie erforderliche Leistungsf\u00e4higkeit und Zuverl\u00e4ssigkeit besitzen\u201c und diese \u201eglaubhaft darstellen\u201c m\u00fcssen, hei\u00dft es auf Anfrage. Konkrete Anforderungen an die Lehrkr\u00e4fte wurden nicht formuliert. Die Auswahl liege \u201ein der Verantwortung der Bildungstr\u00e4ger\u201c, teilt die BA mit.\u201c (Amory Burchard 2016).<\/p>\n<p>Einstiegskurse konnten somit, je nach Auswahl der Bildungstr\u00e4ger, sowohl von ehrenamtlich T\u00e4tigen, als auch Hauptamtlichen unterrichtet werden.<\/p>\n<p>Die Grundlage f\u00fcr die Initiative der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit, Einstiegskurse f\u00fcr AsylbewerberInnen zu finanzieren, war zun\u00e4chst die Rechts\u00e4nderung im Sozialgesetzbuch III im Rahmen des Asylbeschleunigungsgesetzes von Oktober 2015. Wie Schr\u00f6der (2007) schon den Vorreiter Niederlande feststellte, wird so \u201eausnahmsweise und zeitlich begrenzte Finanzierung von Sprachkursen f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen mit guter Bleibeperspektive\u201c erm\u00f6glicht. Diese Kurse mussten in Deutschland bis zum 31. Dezember 2015 beginnen und die TeilnehmerInnen durften noch keinen Integrations- oder Sprachkurs des Bundesamtes f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge besucht haben (Bundesagentur f\u00fcr Arbeit 2016a). Dieses Gesetz ist seit dem 24.10.2015 in Kraft. Dabei sind nur Personen aus den Herkunftsstaaten Syrien, Iran, Irak und Eritrea, die eine Aufenthaltsgestattung oder die Bescheinigung \u00fcber die Meldung als Asylsuchenden (B\u00fcMA) besitzen, zugelassen. Dementsprechend werden Personen, die als <em>staatenlos<\/em> gelten oder andere Herkunftsl\u00e4nder besitzen, ausgeschlossen. Die Feststellung \u00fcber die F\u00f6rderbarkeit muss anhand der oben genannten Aufenthaltsgestattung bzw. B\u00fcMa vom Tr\u00e4ger vorgenommen werden. Als Nachweis gelten dabei jegliche Bescheinigungen \u00f6ffentlicher Stellen, die mit der \u201eAufenthaltsgestattung zum Zweck der Asylantragstellung oder &#8211; nach Asylantragstellung &#8211; f\u00fcr die Dauer des Asylverfahrens nachgewiesen wird.\u201c (Bundesagentur f\u00fcr Arbeit 2016b). Demnach gelten Personen mit einer Duldung als nicht f\u00f6rderbar. Pro Ma\u00dfnahme ist eine maximale F\u00f6rderdauer von 320 Unterrichtseinheiten (8 Wochen x 40 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten) festgelegt. Die Abrechnung der Ma\u00dfnahme erfolgt \u00fcber die Teilnehmerzahl zu Kursbeginn und die Kosten werden dem Tr\u00e4ger in vollem Umfang erstattet (Bundesagentur f\u00fcr Arbeit 2016b). Dieses Vorg\u00e4nger- Modell zu dem aktuell angebotenen Integrationskurs barg gro\u00dfe Defizite. Aus dem vorliegenden Interviewmaterial des mittlerweile ehrenamtlich t\u00e4tigen Lehrers f\u00fcr <em>Deutsch als Fremdsprache <\/em>gibt an, dass von den urspr\u00fcnglich 24 Anmeldungen f\u00fcr seinen Einstiegskurs nur 8 Teilnehmer in mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erschienen sind (vgl. Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer). Jeder angemeldete Teilnehmer wurde direkt \u00fcber das Jobcenter abgerechnet, auch wenn diese nicht aktiv an diesem Kurs teilnahmen (vgl. Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer). Auch die anf\u00e4nglich sehr hohe Motivation nahm mit der Einf\u00fchrung von Hausaufgaben ab. Zudem seien vor allem Unp\u00fcnktlichkeit, nicht erscheinen und die schlechte Lernsituation in den Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften (Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer) Hauptprobleme f\u00fcr das Unterrichten. Ebenso war die Umsetzung dieser Kurse eher schlecht organisiert: \u201eEinige L\u00e4nder haben nat\u00fcrlich Leute [eingestellt], die einfach Zeit haben, Studenten, und da hat wohl auch die Qualit\u00e4t drunter gelitten, weil halt viele Bildungstr\u00e4ger sich m\u00f6glichst viele Anmeldungen geholt und dann halt abgerechnet haben, damit sie das Geld haben. Aber wie viele Leute dann da waren, das kann dann keiner \u00fcberpr\u00fcfen.\u201c (Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer). Werden diese Ergebnisse auf das Ehrenamt \u00fcbertragen, so l\u00e4sst sich feststellen, dass an dieser Stelle das Ehrenamt eine Aufgabe \u00fcbernehmen musste, die so nicht sinnvoll war. Dies fasst auch eine Befragte zusammen: \u201eAber da sehe ich jetzt nicht den Ehrenamtlichen, wobei es ja sonst keiner macht, teilweise zumindest, [das] m\u00fcssen dann vielleicht die Ehrenamtlichen machen und da w\u00e4re dann auf jeden Fall Bedarf, die Sprachkurse weiter anzubieten, vielleicht auch in Kooperation mit Hauptamtlichen.\u201c (Interview Bochum 20.09.2016: Leiterin einer ehrenamtlichen Fl\u00fcchtlingshilfe) Ein Vorschlag war daher, statt der Sprachkursunterrichtung eine Kinderbetreuung durch Ehrenamtliche w\u00e4hrend diesem anzubieten (vgl. ebd.).<a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-137 alignleft\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-5-300x162.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"162\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-5-300x162.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-5-624x337.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-5.jpg 630w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Integrationskurse<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den Einstiegskursen, sind Richtlinien bzw. Voraussetzung f\u00fcr das Unterrichten der Integrationskurse zu erf\u00fcllen. Gem\u00e4\u00df der Verordnung muss ein abgeschlossenes Studium Deutsch als Fremdsprache oder Deutsch als Zweitsprache vorliegen. Dies jedoch kann umgangen werden, sofern \u201edie Lehrkraft an einer vom Bundesamt vorgegebenen Qualifizierung teilgenommen hat\u201c. (IntV \u00a715) Beiden Kursen gemein ist also, dass sowohl Haupt- als auch Ehrenamtliche in die Position des Lehrenden einsteigen k\u00f6nnen. Denn die zu erf\u00fcllenden Qualifikationen kann auch ein, wie auch in den Interviews vorhanden, ein Germanistik Student erf\u00fcllen, der zus\u00e4tzlich Schulungen besucht.<\/p>\n<p>Die Neugestaltung der Integrationskurse beendete jedoch zumindest die bisherigen Zust\u00e4nde un\u00fcbersichtlicher Heterogenit\u00e4t der Sprachkursangebote f\u00fcr Zuwanderer. Sie setzen sich aus 600 Stunden Deutschunterricht und 30 Stunden Orientierungskurs zusammen. Diese \u201evereinheitlichte Konzeption der Integrationskurse \u00fcbernimmt in Bezug auf die Zielvorstellungen der erwarteten sprachlichen Kompetenzen bei erfolgreichem Kursabschluss das sechsstufige Raster des Gemeinsamen Europ\u00e4ischen Referenzrahmens f\u00fcr (Fremd-)Sprachen\u201c, so Schr\u00f6der (2007) \u00fcber die Einf\u00fchrung in den Niederlanden. Damit verbunden ist auch die Erwartung, die bis dato unklaren Beschreibungskategorien <em>kann sich auf ausreichende Art m\u00fcndlich verst\u00e4ndigen<\/em>, <em>hat ausreichende Kenntnisse<\/em> durch einheitlich kontrollier- und testbare Kategorien zu ersetzen. F\u00fcr den erfolgreichen Abschluss des Integrationskurses wurde die Niveaustufe B1 als Bedingung festgelegt. Dieses Ziel folgt den niederl\u00e4ndischen Erfahrungen, wo zun\u00e4chst bei gleicher Stundenzahl B2 angesetzt worden war, jedoch nur 13 % der Teilnehmer dieses Niveau erreichen konnten. Mittlerweile liegen zwei Gutachten vor, die die bisherigen Erfahrungen mit Integrationskursen bewerten und Vorschl\u00e4ge f\u00fcr das weitere Vorgehen geben. Die beiden Gutachten stimmen dar\u00fcber \u00fcberein, dass bildungsferne Zuwanderer, die die Kurse am n\u00f6tigsten haben, am wenigsten von ihnen profitieren. Diejenigen, die aufgrund ihrer Bildung und\/oder Vorkenntnissen vielleicht ohnehin erfolgreich Deutsch gelernt h\u00e4tten zeigen sich auch hier erfolgreich. Diese \u201esich \u00f6ffnende Schere erfordert zielgruppenorientierte Kurse f\u00fcr Teilnehmer mit spezifischem F\u00f6rderbedarf\u201c (Schr\u00f6der 2007), der vor allem den Lehrkr\u00e4ften auff\u00e4llt. Ein Deutschlehrer berichtete von anf\u00e4nglich 24 Teilnehmern, die sich im Verlauf halbiert h\u00e4tten, da unter anderem das Lerntempo zu schnell f\u00fcr sie war (vgl. Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer). Aus einem weiteren Gutachten geht hervor, dass 40% der Teilnehmer eines Integrationskurses angeben, dass sie sich infolge des Kurses eher trauen Deutsch zu sprechen und dass dies ihnen im Alltag zugutekommt. Dem gegen\u00fcber stehen nur knapp 15%, die sagen, dass ihnen die verbesserten Deutschkenntnisse bei der Suche nach einem Ausbildungs-, Studien- oder Arbeitsplatz geholfen h\u00e4tten (vgl. Schr\u00f6der). Dieses geringe Ergebnis k\u00f6nnte auch, neben der bereits genannten fehlenden Kontrolle der Anwesenheit seitens des Jobcenters, ausschlaggebend f\u00fcr die Anwesenheit in den Kursen sein. Denn neben dem Faktor Zeit, dass also einige Teilnehmer schlicht weg keine Zeit mehr f\u00fcr den Kurs fanden, da zeitgleich auch studienvorbereitende Kurse stattfanden (vgl. Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer) \u201eund das wurde dann einigen auch zu viel\u201c (Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer) ist gerade die Motivation ausschlaggebend. Eine ehrenamtliche \u00dcbersetzerin f\u00fcr Gefl\u00fcchtete merkt an, dass \u201eman halt gemerkt hat, der hat jetzt nicht wirklich Lust zu kommen\u201c (Interview Bochum 28.09.2016: ehrenamtliche \u00dcbersetzerin). Auch der Deutschlehrer stellt fest: \u201eman merkt, dass der Wille einfach nicht da ist, dass man in eine andere Kultur integriert werden will, sondern dass das nur eine \u00dcbergangsl\u00f6sung [ist].\u201c (Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer). Es wird so auch eine Geduldsprobe f\u00fcr die Lehrer (vgl. Interview Bochum 28.09.2016: ehrenamtliche \u00dcbersetzerin).<\/p>\n<p><strong>Der passende Schl\u00fcssel f\u00fcr ein Schloss:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herausforderungen und Handlungsspielr\u00e4ume f\u00fcr ehrenamtlich T\u00e4tige<\/strong><\/p>\n<p>An dieser Stelle kommen mehrere Ebenen an Herausforderungen f\u00fcr Ehrenamtlich t\u00e4tige zum Tragen: zum einen die bereits angemerkten individuelle Motivation der Gefl\u00fcchteten selbst, welche teilweise gar kein Interesse haben, die deutsche Sprache zu erlernen. Zum anderen aber auch die Wohnsituation, denn \u201edie H\u00e4lfte der Leute will auf jeden Fall direkt zur\u00fcck, sobald der Krieg zu Ende ist und das Land auch wieder aufbauen. Deswegen kann ich vielleicht auch verstehen, hemmt das vielleicht die Motivation eine Sprache zu lernen, besonders, wenn man in einer gro\u00dfen arabisch- t\u00fcrkischen Communtiy [lebt], wo man das dann auch nicht unbedingt n\u00f6tig hat.\u201c (Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer). Hier gilt es entweder die Verpflichtung zu den Integrationskursen zu \u00fcberdenken, oder aber den Inhalt ansprechender zu gestalten. Letzteres w\u00fcrde aber auch eine Professionalisierung des Lehrpersonals mit sich ziehen.<a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-161 alignright\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-6-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-6-300x200.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-6-624x415.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-6.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite stehen jene Gefl\u00fcchtete, die durch b\u00fcrokratische Schranken von den Integrationskursen ausgeschlossen sind. Hierzu erl\u00e4utert die Leiterin einer Fl\u00fcchtlingshilfe \u201edie [Gefl\u00fcchteten] wollen ja eigentlich sofort arbeiten, dann verstehen sie nat\u00fcrlich auch \u201aOk ich muss daf\u00fcr ein bisschen Deutsch lernen\u2018. Da wird dann schon behindert quasi, indem man Deutschkurse nur f\u00fcr bestimmte Herkunftsl\u00e4nder zug\u00e4nglich macht, oder auch nur wenig Kursangebot hat\u201c (Interview Bochum 20.09.2016: Leiterin einer ehrenamtlichen Fl\u00fcchtlingshilfe). Aber auch die Seite der Sprachkurse offenbart Herausforderungen f\u00fcr Ehrenamtliche. So berichtete der Lehrer f\u00fcr <em>Deutsch als Fremdsprache<\/em> von seinem Einstieg als eine Art Sprung ins kalte Wasser, denn er \u201ehatte Null Unterrichtserfahrung und auch vorher hatte [er] mit arabischen Leuten jetzt gar nichts zu tun\u201c (Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer), was sich f\u00fcr die Unterrichtsgestaltung als durchaus schwierig gestalten kann, da er unter anderem das Lerntempo f\u00fcr sich und den Kurs selbst herausfinden musste (vgl. Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer). Auch die schlechte Bezahlung und Jobperspektive als Deutschlehrer spielen eine gro\u00dfe Rolle, da es sich bei dieser Arbeit meist um Honorarkr\u00e4fte handle (vgl. Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer). Er forderte an dieser Stelle zum einen kleinere Kurse, um somit besser arbeiten zu k\u00f6nnen. Zum anderen aber auch eine bessere Ausbildung der Lehrer, um den Sprung vom theoretischen zum praktischen Unterrichten zu erleichtern. F\u00fcr das Unterrichten an sich schl\u00e4gt er vor, dieses mit einer praktischen Anwendung zu verkn\u00fcpfen, um so das Erlernen f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten zu erleichtern (vgl. Interview Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer).<\/p>\n<p>Gerade Ehrenamtliche mit geringeren p\u00e4dagogischen Vorkenntnissen gilt es besser zu Unterst\u00fctzen. Eine p\u00e4dagogische Begleitung w\u00e4re daher empfehlenswert, sofern ehrenamtlich T\u00e4tige weiterhin in den Sprachkursen involviert sein sollen.<\/p>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit, in Anbetracht dieser Erkenntnisse, w\u00e4re es diese eventuell anders und somit sinnvoller einzusetzen. Ein bereits genannter Vorschlag der Leiterin einer Fl\u00fcchtlingshilfe war es, die Kinderbetreuung w\u00e4hrend der Kurse zu \u00fcbernehmen (vgl. Interview Bochum 20.09.2016: Leiterin einer ehrenamtlichen Fl\u00fcchtlingshilfe). Auch denkbar w\u00e4ren Unterst\u00fctzungen bei den Hausaufgaben und die Beschr\u00e4nkung der ehrenamtlichen Arbeit auf eine beratende Funktion.<\/p>\n<p>Neben der Entlastung des Lehrpersonals soll damit auch gew\u00e4hrleistet werden, dass auch die Sprachkurse professioneller und durch ausgebildetes Fachpersonal, statt Engagierten durchgef\u00fchrt werden. Denn neben dem Ausbau der Sprachkurse sollte auf jeden Fall auch die Qualit\u00e4t des Unterrichts maximiert werden. Dies beinhaltet die bessere Vorbereitung des Lehrpersonals aber auch eine praktische Verzahnung des zu Erlernenden, um dies zu erleichtern.<\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n<p>Burchard, Amory (2016): http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/verwirrende-vielfalt-bei-deutschkursen-fuer-fluechtlinge-die-schlingerkurse\/13070740.html [24.01.2017].<\/p>\n<p>Esser, Hartmut (2006): <em>Migration, Sprache und Integration; Arbeitsstelle Interkulturelle Konflikte und gesellschaftliche Integration<\/em> (AKI), Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin f\u00fcr Sozialforschung (WZB).<\/p>\n<p>Hentges, Gudrun\/ Hinnenkamp, Volker\/ Zwengel, Almut (2010): Migrations- und Integrationsforschung in der Diskussion. Biografie, Sprache und Bildung als zentrale Bezugspunkte; 2., aktualisierte Auflage, Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n<p>Schr\u00f6der, Christoph (2007): http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/30449\/integration-und-sprache?p=all [11.01.2017].<\/p>\n<p>Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (2016a): <em>Nach dem Einstiegskurs der Integrationskurs: Schritt f\u00fcr Schritt geht es weiter<\/em>. Agentur f\u00fcr Arbeit Herford, Pressemitteilung vom 06. September 2016: http:\/\/www.jobcenter-herford.de\/common\/library\/dbt\/sections\/_uploaded\/160906_PM_Kanjo.pdf<u>.<\/u><\/p>\n<p>Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (2016b): <em>Einstiegskurse f\u00fcr Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive<\/em>:<\/p>\n<p>https:\/\/www3.arbeitsagentur.de\/web\/content\/DE\/Institutionen\/Traeger\/Einstiegskurse\/Detail\/index.htm?dfContentId=L6019022DSTBAI782320 [15.01.2017].<\/p>\n<p>IntV: http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/intv\/BJNR337000004.html [24.01.2017].<\/p>\n<p><strong>Interviewquellen<\/strong><\/p>\n<p>Bochum 20.09.2016: Leiterin einer ehrenamtlichen Fl\u00fcchtlingshilfe.<\/p>\n<p>Bochum 26.09.2016: ehrenamtlich T\u00e4tiger Deutschlehrer\/ \u201eDeutsch als Fremdsprache\u201c (Integrationskurs, vorher Hauptamtlich bei Einstiegskurs).<\/p>\n<p>Bochum 28.09.2016: ehrenamtliche \u00dcbersetzerin\/ Begleiterin f\u00fcr Amtswege.<\/p>\n<p><strong>Bildquellen<\/strong><\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/brief-handschrift-alt-schl%C3%BCssel-637441\/ [15.01.2017].<\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/flucht-fl%C3%BCchtling-asyl-asylant-818184\/ [15.01.2017].<\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/burg-schl%C3%BCssel-schlie%C3%9Fen-rostige-1583281\/ [15.01.2017].<\/p>\n<p><strong><u><a id=\"At\"><\/a>Arbeitsmarktteilhabe durch neue Formen des Lernens<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Experten und Laien sind sich dar\u00fcber einig, dass das Erlernen der Sprache als wichtigster Faktor und somit als Schl\u00fcssel zur erfolgreichen Integration in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt dient. Es gibt also auf dem Arbeitsmarkt schon eine rege Auseinandersetzung mit dem Erlernen der Sprache. Doch wie schaut es mit anderen Lernm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge aus, die genauso wichtig f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktteilhabe sind? So m\u00fcssen sich Fl\u00fcchtlinge in einem ganz neuen Arbeitsmarktsystem orientieren, in welchem sich selbst Menschen, die in diesem System aufgewachsen sind, oftmals nicht zurechtfinden. N\u00fctzt das Erlernen der Sprache allein, wenn jemand das komplizierte Arbeits- und Ausbildungssystem mit seinen \u00fcber 328 Ausbildungsberufen (vgl. Statista 2016) nicht verstanden hat? Und n\u00fctzt die Sprache allein, wenn Fl\u00fcchtlinge nicht wissen wie man sich im Alltag und im Berufsleben zurechtfindet? Wenn man zum Beispiel nicht wei\u00df was Gleitzeit ist oder wie man Bewerbungen schreibt?<\/p>\n<p>Daher stellt sich in diesem Blog die Leitfrage, wie Fl\u00fcchtlinge, neben dem Erlernen der Sprache, durch neue Formen des Lernens an dem Arbeitsmarkt teilhaben k\u00f6nnen und welchen Beitrag Ehrenamtliche dabei leisten. Um diese Fragen n\u00e4her zu beleuchten, sollen zun\u00e4chst einmal verschiedene Arten des Lernens erl\u00e4utert und der momentane Forschungsstand diesbez\u00fcglich dargestellt werden. Danach stellt sich die Frage, welche Lernbeziehungen es zwischen Ehrenamtlichen und Fl\u00fcchtlingen gibt und welchen Beitrag diese Lernbeziehungen f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktteilhabe leisten.<\/p>\n<p>Hierbei sollen auch Probleme der Wissensvermittlung \u00fcber Ehrenamtlern thematisiert werden. Anschlie\u00dfend werden Ergebnisse aus den Interviews aufgezeigt und anhand dessen Empfehlungen f\u00fcr Wissenschaft, Politik und Ehrenamt abgeleitet.<\/p>\n<p><strong>Welche Lernformen gibt es?<\/strong><\/p>\n<p>In der Literatur wird von verschiedenen Arten des Lernens gesprochen, welche sich durch die Umweltbedingungen bzw. \u2013kontexte unterscheiden lassen, in denen das Lernen stattfindet:<\/p>\n<p>Dem formellen Lernen, dem nicht-formellen Lernen und dem informellen Lernen.<\/p>\n<p>Formelles Lernen bezeichnet einen organisierten und strukturierten Lernprozess, der in Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen stattfindet und zu anerkannten, nachweisbaren Abschl\u00fcssen und Qualifikationen f\u00fchrt (Europ\u00e4ische Kommission 2001: 32).<\/p>\n<p>Beim nicht-formellen Lernen, handelt es sich um einen Lernprozess, welcher nicht in Bildungs- oder Ausbildungseinrichtungen stattfindet und \u00fcblicherweise nicht zur Zertifizierung f\u00fchrt, aber gleichzeitig systematisch in Bezug auf Lernziele, Lerndauer und Lernmittel systematisch und aus Sicht der Lernenden zielgerichtet ist (Europ\u00e4ische Kommission 2001: 36). Typische Beispiele f\u00fcr nichtformelles Lernen sind zum Beispiel innerbetriebliche Weiterbildungen. Beim informellen Lernen, handelt es sich um ein Lernen, welches im Alltag, am Arbeitsplatz, in Familien oder in der Freizeit stattfindet. Es ist in Bezug auf Lernziele, Lernzeit oder Lernf\u00f6rderung nicht strukturiert und f\u00fchrt \u00fcblicherweise nicht zur Zertifizierung (Europ\u00e4ische Kommission 2001: 32).<\/p>\n<p><strong>Teilhabe am Arbeitsmarkt: Welche Lernformen werden ber\u00fccksichtigt?<\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland findet eine Teilhabe am Arbeitsmarkt haupts\u00e4chlich \u00fcber Qualifikationen, also \u00fcber nachweisbare, in formellen Lernprozessen erworbene F\u00e4higkeiten statt, die normalerweise durch Zertifikate nachgewiesen werden (vgl. Aum\u00fcller 2016: 18).<\/p>\n<p>Obwohl es bislang noch keine systematischen Erhebungen dar\u00fcber gibt, welche Qualifikationen Fl\u00fcchtlinge mitbringen, legen erste Abfragen nahe, dass nur ein kleiner Teil der Fl\u00fcchtlinge \u00fcber formell verwertbare Qualifikationen verf\u00fcgt und dass die vorhandenen Qualifikationen stark unter dem Anforderungsniveau einer qualifizierten Besch\u00e4ftigung auf dem deutschen Arbeitsmarkt liegen (vgl. Br\u00fccker, Hauptmann und Vallizadeh 2015: 4).<\/p>\n<p>Daher sieht Aum\u00fcller (2016: 6) einen starken Handlungsbedarf was die Anerkennung von Kompetenzen der Fl\u00fcchtlinge betrifft, da bisher Verfahren mit bundesweit g\u00fcltiger Aussagekraft fehlen, welche die im Herkunftsland informell oder nicht-formell erworbenen beruflichen Kompetenzen verbindlich feststellen und zertifizieren. Unter Kompetenzen werden unterschiedliche pers\u00f6nliche, soziale, methodische und fachliche F\u00e4higkeiten bezeichnet, die auch in einem beruflichen Kontext nutzbar gemacht werden k\u00f6nnen (vgl. D\u00f6ring, M\u00fcller und Neumann 2015: 12).<\/p>\n<p>Es wird also deutlich, dass sich die Arbeitsmarktteilhabe von Fl\u00fcchtlingen vor allem mit formellen Qualifikationen besch\u00e4ftigt und die Auseinandersetzung mit non-formellen und informellen Kompetenzen noch am Anfang steht. Da aber die Vermutung nahe liegt, dass nur ein kleiner Teil der Fl\u00fcchtlinge \u00fcber formelle Qualifikationen verf\u00fcgt, ist die Auseinandersetzung mit alternativen Lernformen f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktteilhabe von gro\u00dfer Bedeutung. Hierbei stellt sich die Frage, welchen Beitrag Ehrenamtliche bez\u00fcglich der unterschiedlichen Arten des Lernens f\u00fcr eine Arbeitsmarktteilhabe von Fl\u00fcchtlingen leisten k\u00f6nnen. Dieser Frage wird im n\u00e4chsten Abschnitt nachgegangen.<\/p>\n<p><strong>Welchen Beitrag k\u00f6nnen Ehrenamtliche leisten?<\/strong><\/p>\n<p>Han-Broich (2015) typisiert verschiedene integrationsf\u00f6rderliche Beziehungen zwischen Ehrenamtlichen und Fl\u00fcchtlingen. Eine davon ist die Lernbeziehung, welche Han-Broich wie folgt beschreibt: Durch den Kontakt zu Ehrenamtlichen k\u00f6nnen Fl\u00fcchtlinge die Sprache, Verhalten, Normen, Werte und Erwartungen der Aufnehmenden kennenlernen. Durch diesen Lerneffekt wird die kognitiv-kulturelle Integration von Fl\u00fcchtlingen gef\u00f6rdert. Hiermit ist gemeint, dass Fl\u00fcchtlinge dadurch die Verhaltensweisen und menschlichen Regungen der Deutschen einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, was wiederum die allgemeine Kontaktbereitschaft erh\u00f6ht und zu einer besseren sozialen Integration beitr\u00e4gt (S: 46).<\/p>\n<p>Diese Lernbeziehungen sind aber nicht nur einseitig, sondern auch wechselseitig gerichtet. So k\u00f6nnen Ehrenamtliche ihren Horizont erweitern, indem die Menschen aus anderen Kulturkreisen kennenlernen und k\u00f6nnen zwischen den Fl\u00fcchtlingen und der einheimischen Bev\u00f6lkerungsgruppe vermitteln oder als Meinungsmultiplikator eine aufkl\u00e4rende Rolle in der Gesellschaft \u00fcbernehmen (S: 46).<\/p>\n<p>Ein Vergleich dieser Lernbeziehungen mit den verschiedenen Arten des Lernens macht deutlich, dass Ehrenamtliche vor allem einen Beitrag beim informellen Lernen leisten k\u00f6nnen. Bezogen auf den Arbeitsmarkt gibt es jedoch noch keine Forschung dar\u00fcber, ob und wie (informelle) Lernbeziehungen zwischen Ehrenamtlichen und Fl\u00fcchtlingen zu einer Arbeitsmarktteilhabe beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In den von mir gef\u00fchrten Interviews zeigen sich daf\u00fcr jedoch verschiedene Hinweise, die die Annahme st\u00fctzen, dass gerade informelles Lernen durch Interaktion von Engagierten und Gefl\u00fcchteten einen wichtigen Beitrag zur Arbeitsmarktintegration leisten kann, auf die im Folgenenden eingegangen wird. Es wurden insgesamt drei Interviews gef\u00fchrt. Ein Interview mit einer ehrenamtlichen Patin f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und zwei mit Hauptamtlichen, die sich mit dem Thema Arbeitsmarktintegration auseinandersetzen.<\/p>\n<p><strong>Informelle Lernbeziehungen: Erfolgsfaktor f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktteilhabe?<\/strong><\/p>\n<p>Fl\u00fcchtlinge stehen bei der Arbeitsmarktintegration vor der gro\u00dfen Herausforderung, dass sie sich in einem komplett unbekannten Arbeitsmarktsystem mit einer eigenen Berufsordnung vorfinden und somit kein Wissen \u00fcber den deutschen Arbeitsmarkt und das daf\u00fcr erforderliche Qualifikationsniveau haben (vgl. Aum\u00fcller 2016: 40).<\/p>\n<p>Fl\u00fcchtlinge, die in ihrem Herkunftsland beispielsweise in einer Garage gearbeitet haben und sich beruflich im Kfz-Bereich orientieren m\u00f6chten, stehen nun vor der Information, dass es in Deutschland eine ganze Reihe von Ausbildungsberufen rund um das Auto gibt: angefangen vom Mechatroniker \u00fcber den Kfz-Lackierer, Karosseriemechaniker bis hin zum Servicemechaniker (Aum\u00fcller 2016: 39).<\/p>\n<p>Ein Interviewpartner macht auch darauf aufmerksam, dass viele Fl\u00fcchtlinge auch gar nicht um die Qualit\u00e4t von deutschen Ausbildungen wissen, da in ihrem Heimatland diese nicht als wertvoll angesehen werden und diese Denkweise dann auf die deutschen Ausbildungen \u00fcbertragen wird. \u201eUnd wenn das Ehrenamt da unterst\u00fctzend t\u00e4tig wird und die Leute schult, informiert und denen einen Einblick dar\u00fcber gibt\u201c k\u00f6nnen somit ein gewisses Informations- und Sozialisationsdefizit ausgeglichen werden (Interview Dortmund 10.10.2016: Hauptamtlich). Es wird deutlich, dass Ehrenamtliche hier einen gro\u00dfen Beitrag leisten k\u00f6nnen, indem sie zum Beispiel Informationen \u00fcber das deutsche Arbeitssystem mit ihren M\u00f6glichkeiten und Begrenzungen aufzeigen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-138\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-7-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-7-300x169.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-7.jpg 610w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Beispiel hierf\u00fcr ist das Projekt \u201eInCharge\u201c. Hierbei handelt es sich um ein ehrenamtliches Mentorenprogramm, mit dem Ziel, Fl\u00fcchtlinge an den deutschen Arbeitsmarkt heranzuf\u00fchren. Die Ehrenamtlichen registrieren sich hierf\u00fcr in einer Datenbank und werden durch ein vorheriges \u201eMatching\u201c mit den Fl\u00fcchtlingen so zusammengef\u00fchrt und ausgew\u00e4hlt, dass sie in gegenseitiger N\u00e4he wohnen, ihre Sprachkenntnisse kompatibel sind und jeweilige Ausbildungserfahrungen bzw. -erwartungen zueinander passen. Die Fl\u00fcchtlinge, die an dem Projekt teilnehmen (im folgenden \u201eMentees\u201c), haben entweder eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Deutschland oder werden diese zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit erhalten. Zudem m\u00fcssen sie grundlegende Sprachkenntnisse in Deutsch oder Englisch besitzen. Das Programm hat einen Zeitraum von 12 Wochen, in dem die Mentoren und die Mentees selbst festlegen k\u00f6nnen, wie oft sie sich treffen und was sie besprechen und unternehmen. Dies kann zum beispielsweise die Vermittlung von Kenntnissen \u00fcber das deutsche Berufsausbildungssystem sein, Hilfe beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen bzw. bei der Berufsorientierung und\/oder Unterst\u00fctzung bei der Suche von Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitspl\u00e4tzen sein (InCharge 2017).<\/p>\n<p>Ein hauptamtlicher Interviewpartner sagt bez\u00fcglich des Programms: \u201e[Es] kann beispielsweise damit beginnen, dass man sagt &#8222;Mensch, ich nehm den mal einen Tag mit an den Arbeitsplatz, zeig dem \u00fcberhaupt wie die Arbeit und wie die Arbeitsbedingungen sind, erkl\u00e4r dem vielleicht auch mal die Funktion [oder] wie sieht das zum Beispiel mit Gleitzeit aus. Nicht jeder kennt Gleitzeit. Oder ganz klassisch, wenn ich hier einen jungen Menschen mit einem Fl\u00fcchtlingshintergrund hier hatte und wir haben gesagt &#8222;Wir haben um 14 Uhr einen Beratungstermin.&#8220;, dann war das nicht so schlimm f\u00fcr die, wenn die um 14:10 Uhr mal hier aufgetaucht sind. Und das ist beim Arbeitgeber vielleicht was Anderes. Das sind so Dinge, die kann ich mit dem Mentee dann einfach besprechen und einfach auch vielleicht auch hautnah erleben lassen, indem ich ihn mitnehme und so kann jeder f\u00fcr sich halt diese 12 Wochen gestalten\u201c (Interview Bochum 26.09.2016: Hauptamtlich).<\/p>\n<p>In diesem Zitat wird deutlich, dass durch einen pers\u00f6nlichen, individuellen Austausch zwischen den Fl\u00fcchtlingen und den Ehrenamtlichen eine Orientierung im Lebens- und Arbeitsumfeld stattfindet. Durch die Lernbeziehung k\u00f6nnen Fl\u00fcchtlinge nebenbei, also informell lernen, welche Verhalten, Erwartungen und Werte von ihnen auf dem Arbeitsmarkt, aber auch in der Gesellschaft erwartet wird. Dadurch kann eine Integration in diesen Bereichen stattfinden.<\/p>\n<p>So wie Han-Broich (2015) bei den Lernbeziehungen zwischen Ehrenamtlern und Fl\u00fcchtlingen er\u00f6rtert hat, sind Lernbeziehungen keinesfalls einseitig gerichtet. So wird einem Interviewpartner Folgendes bewusst: \u201eund man merkt einfach, dass wir ein gutes Ausbildungssystem haben, gerade nochmal, weil man sich vor dem Hintergrund der Fl\u00fcchtlinge nat\u00fcrlich auch deren Herkunftsl\u00e4nder anguckt und guckt &#8222;Wie l\u00e4uft es da?&#8220; und sich einfach erst mal bewusst wird, welchen Luxus wir in diesem Bereich haben\u201c (Interview Bochum 26.09.2016: Hauptamtlich).<\/p>\n<p>In diesem Abschnitt wurde deutlich, dass ehrenamtliche Arbeit bei der Arbeitsmarktteilhabe von Fl\u00fcchtlingen einen sehr wichtigen doppelten Lerneffekt vermitteln kann. Zum einen lernen und erhalten Fl\u00fcchtlinge eine Orientierung, wie der deutsche Arbeits- und Ausbildungsmarkt aufgebaut ist und zum anderen lernen sie zu verstehen, mit welchen Normen, Werten und Erwartungen sie in der deutschen Gesellschaft konfrontiert sind. Doch nicht nur die Fl\u00fcchtlinge, sondern auch die Ehrenamtlichen profitieren von dieser Lernbeziehung indem sie zum Beispiel ihre eigene Position reflektieren. Daher k\u00f6nnen informelle Lernbeziehungen zwischen Ehrenamtlern und Fl\u00fcchtlingen als ein wichtiger Erfolgsfaktor f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktteilhabe identifiziert werden.<\/p>\n<p><strong>Probleme und Kritik <\/strong><\/p>\n<p>In den gef\u00fchrten Interviews wird von einem Hauptamtlichen auch auf Probleme durch die Betreuung durch Engagierte in Hinblick auf Arbeitsmarktintegration hingewiesen. Er gibt zu bedenken, dass die Begleitung von Fl\u00fcchtlingen auch eine unprofessionelle Dimension annehmen kann, wenn zum Beispiel die Ehrenamtlichen selbst nicht \u00fcber gen\u00fcgend Informationen \u00fcber den Arbeitsmarkt haben und falsche Informationen an die Fl\u00fcchtlinge weitergeben. Oder wenn sie versuchen ihre eigene Weltsicht auf die der Fl\u00fcchtlinge zu \u00fcbertragen (vgl. Interview Dortmund 10.10.2016: Hauptamtlich). Als L\u00f6sung auf dieses Problem gibt der Interviewpartner an, dass eine Begleitung von Fl\u00fcchtlingen f\u00fcr eine Arbeitsmarktteilhabe daher in enger Abstimmung mit \u201eden Beh\u00f6rden und Institutionen, mit Schulen, mit anderen karitativen Verb\u00e4nden\u201c stattfinden muss (Interview Dortmund 10.10.2016: Hauptamtlich).<\/p>\n<p>Im Folgenden sollen nun Empfehlungen aus der Kritik und dem vorangegangenen Abschnitt abgeleitet werden.<\/p>\n<p><strong>Empfehlungen f\u00fcr Forschung, Politik und Ehrenamt<\/strong><\/p>\n<p>Da ersichtlich geworden ist, dass ein gro\u00dfes Potential in informellen Lernbeziehungen zwischen Ehrenamtlern und Fl\u00fcchtlingen f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktteilhabe steckt, ist es aufgrund der Forschungsl\u00fccke in diesem Bereich von gro\u00dfer Wichtigkeit, dass Forschung zu diesem Thema betrieben wird. Hierbei sollte der Fokus vor allem auf langfristige Begleitungen und Patenschaften, sowie Mentoringprogramme gesetzt werden. Auch die Politik sollte das Thema aufgreifen und das Potential von Lernbeziehungen zwischen Fl\u00fcchtlingen und Ehrenamtlern nicht dem Zufall \u00fcberlassen, sondern einen Rahmen daf\u00fcr schaffen, damit eine professionelle Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen, Hauptamtlichen und anderen Organisationen stattfinden kann.<\/p>\n<p>Ehrenamtliche sollten ihre eigene Expertise und Fachwissen, aber auch Alltagswissen gezielt nutzen, um Fl\u00fcchtlinge eine erfolgreiche Arbeitsmarktteilhabe zu erm\u00f6glichen, gleichzeitig jedoch gezielt mit Beh\u00f6rden und Organisationen zusammenarbeiten, um eine bestm\u00f6gliche Lernbeziehung zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p><strong>Informelle Lernbeziehungen als Erfolgsfaktor: Ein Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Blog hat sich mit der Frage besch\u00e4ftigt wie Fl\u00fcchtlinge, neben dem Erlernen der Sprache, auch durch neue Formen des Lernens an dem Arbeitsmarkt teilhaben k\u00f6nnen und welchen Beitrag Ehrenamtliche dabei leisten.<\/p>\n<p>Es wurde deutlich, dass auf dem Arbeitsmarkt bislang nur formelle Qualifikationen ber\u00fccksichtigt werden und es keine Forschungsliteratur dar\u00fcber gibt, wie Lernbeziehungen zwischen Ehrenamt und Fl\u00fcchtlingen zu einer Arbeitsmarktteilhabe beitragen. Dieser Beitrag konnte jedoch zeigen, dass informelle Formen des Lernens von gro\u00dfer Bedeutung sind und dass informelle Lernbeziehungen zwischen Fl\u00fcchtlingen und Ehrenamtlichen ein wichtiger Erfolgsfaktor f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktteilhabe sind.<\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis:<\/strong><\/p>\n<p>Aum\u00fcller, Jutta (2016): <em>Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen: Bestehende Praxisans\u00e4tze und weiterf\u00fchrende Empfehlungen.<\/em> Bertelsmann Stiftung, G\u00fctersloh.<\/p>\n<p>Br\u00fccker, Herbert, Andreas Hauptmann und Ehsan Vallizadeh (2015). \u201e<em>Fl\u00fcchtlinge und andere Migranten am deutschen Arbeitsmarkt: Der Stand im September 2015<\/em>\u201c. IAB Aktuelle Berichte 14\/2015. Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt und Berufsforschung, N\u00fcrnberg.<\/p>\n<p>D\u00f6ring, Ottmar, Bettina M\u00fcller und Florian Neumann (2015). <em>Potenziale erkennen \u2013 Kompetenzen sichtbar machen. Chancen f\u00fcr Menschen mit Migrationshintergrund.\u00a0<\/em>Bertelsmann Stiftung, G\u00fctersloh.<\/p>\n<p>Europ\u00e4ische Kommission (2001), <em>Mitteilung der Kommission: Einen europ\u00e4ischen Raum des Lebenslangen Lernens schaffen<\/em>. Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>Han-Broich, Misun (2015). <em>Engagement in der Fl\u00fcchtlingshilfe: Eine Erfolg versprechende Integrationshilfe. <\/em>Aus Politik und Zeitgeschichte : Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, Vol. 65, Nr. 14\/15 Engagement, S. 43-49.<\/p>\n<p>In Charge (2017). Integration durch Heranf\u00fchrung an den Arbeitsmarkt. [online] https:\/\/www.incharge.jobs\/fluechtlinge [15.01.2017]<\/p>\n<p>Statistia (2016). Entwicklung der Gesamtzahl der anerkannten oder als anerkannt geltenden Ausbildungsberufe in Deutschland von 1971 bis 2016, [online] https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/156901\/umfrage\/ausbildungsberufe-in-deutschland\/<\/p>\n<p><strong>Interviewquellen<\/strong><\/p>\n<p>Dortmund 10.10.2016: Hauptamtlich.<\/p>\n<p>Bochum 26.09.2016: Hauptamtlich.<\/p>\n<p><strong>Bildquellen<br \/>\n<\/strong>http:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/86785929\/1.4442551\/article_multimedia_overview\/ein-fluechtling-arbeitet-in-einer-skoda-werkstatt.jpg [15.01.2017].<\/p>\n<p><strong><u><a id=\"Netz\"><\/a>Dem Arbeitsmarkt ins Netz gegangen \u2013 die Bedeutung der Netzwerke f\u00fcr die Arbeitsmarktintegration<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Seit dem Siegeszug der sozialen Medien im 21. Jahrhundert d\u00fcrfte klar sein, dass Netzwerke einen erheblichen Einfluss auf unsere Umwelt aus\u00fcben. Als Paradebeispiel gilt hier ohne Zweifel das soziale Netzwerk <em>Facebook<\/em>, dessen Einflussbereich dank der monatlich mehr als 1,7 Mrd. Nutzer (vgl. Statista 2016) lokale, nationale und sogar globale Auswirkungen hat, wie u. a. im Zuge des arabischen Fr\u00fchlings eindrucksvoll offenbar wurde.<\/p>\n<p>Der Einfluss von Netzwerken ist allerdings nicht an astronomisch hohe Nutzerzahlen gebunden und muss sich weder auf Netzwerke digitaler Natur noch auf Strukturen beschr\u00e4nken, die sich selbst \u00fcberhaupt erst als Netzwerk bezeichnen. Auf lokalpolitischer Ebene ist zum Beispiel der Zusammenschluss von Individuen zu Vereinen, Projekten, Kooperationen und Initiativen unter diesem Begriff zusammengefasst (vgl. dazu auch Engagement f\u00fcr Gefl\u00fcchtete in Bochum \u2013 Mehr als die Summe seiner Teile? Eine Netzwerkperspektive). So kommt der Netzwerk-Forscher Jan Fuhse zu dem Schluss, dass \u201eNetzwerke [\u2026] offensichtlich <em>auf unterschiedlichen Ebenen<\/em> \u2013 zwischen Individuen, aber auch zwischen Organisationen \u2013 und in ganz verschiedenen Ph\u00e4nomenen eine wichtige Rolle [spielen]\u201c (Fuhse 2016: 14).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-139 alignright\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-8-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-8-300x200.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-8-768x512.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-8-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-8-624x416.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-8.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Zuge dieses Blogs stellt sich f\u00fcr das spezielle Feld der Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen die Frage, inwiefern Fl\u00fcchtlinge Zugriff auf Netzwerke haben, die ihnen den Jobeinstieg oder die Suche nach einem Ausbildungsplatz erleichtern sollen. Welchen Platz nehmen dabei ehrenamtlich Engagierte ein, die gefl\u00fcchtete Personen begleiten und inwiefern profitieren die Begleiteten und Begleitenden von netzwerk\u00e4hnlichen Strukturen?<\/p>\n<p>Um genau diese Fragen soll es in dieser Arbeit gehen. Es wird dabei die Rolle der Ehrenamtlichen beleuchtet werden. Weiterhin soll der Frage auf den Grund gegangen werden, in welcher Hinsicht Defizite vorhanden.<\/p>\n<p>Als Leitfrage liegt diesem Blog die Frage zugrunde, inwiefern man das soziale Netzwerk um den Fl\u00fcchtling als den wichtigsten Faktor f\u00fcr die erfolgreiche Arbeitsmarktintegration auffassen kann.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Ne\"><\/a>Netzwerk \u2013 Was ist das?<\/strong><\/p>\n<p>Wie der Name bereits nahelegt, kommt dem Thema der Vernetzung offenbar eine wichtige Rolle im Bedeutungshorizont des Wortes <em>Netzwerk <\/em>zu. Dies gilt insbesondere f\u00fcr soziale Netzwerke. In ihnen werden u.a. Kontakte gepflegt, eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Menschen koordiniert, Dinge organisiert und weiterentwickelt. Ohne Zweifel handelt es sich bei ihnen um Gebilde, in denen Informationen einen wichtigen Platz einnehmen und nicht selten werden sie als Plattform genutzt, um diese m\u00f6glichst effektiv auszutauschen.<\/p>\n<p>Als allgemeine Definition kann man mit dem Begriff <em>soziales Netzwerk<\/em> \u201edas Muster an Sozialbeziehungen zwischen einer Menge von Akteuren [bezeichnen]\u201c (Fuhse 2016: 16).<\/p>\n<p>Wenn man unter dem Begriff <em>Netzwerk<\/em> also zun\u00e4chst einmal die blo\u00dfe Verdichtung von sozialen Interaktionen zwischen mehreren Individuen versteht, geh\u00f6ren zu diesem Begriff auch relativ kleine Einheiten: der Stammtisch in der Nachbarskneipe, eine Carsharing-Webseite oder auch eine <em>WhatsApp<\/em>-Gruppe. Was macht aber im Kern den Reiz von Netzwerken aus?<\/p>\n<p>Eine Funktion, die soziale Netzwerke erf\u00fcllen, ist in Anlehnung an Pierre Bourdieu die Erh\u00f6hung des sog. <em>Sozialkapitals<\/em> (vgl. Fuhse 2016: 183f.). Einfacher ausgedr\u00fcckt verbirgt sich hinter dieser Aussage der Gedanke, dass ein Individuum durch die Beziehung zu anderen Individuen seine Chancen erh\u00f6ht, ein gesetztes Ziel zu erreichen, f\u00fcr das es eben auf den Beitrag anderer Menschen angewiesen ist. Wie diese Funktion f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, die sich auf der Suche nach Arbeit befinden, eine Rolle spielen kann, wird im Abschnitt <em>Funktionen von Netzwerken im Kontext der Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen<\/em> erl\u00e4utert. Unter <em>Funktionen von Netzwerken im Kontext der Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen <\/em>wird dann im Speziellen die Frage behandelt, inwiefern Fl\u00fcchtlinge auf dem Weg in den Arbeitsmarkt von entsprechenden Netzwerken profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Funktionen von Netzwerken im Kontext der Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen<\/strong><\/p>\n<p>Soziale Netzwerkbeziehungen nehmen in Hinblick auf die Arbeitsmarktintegration eine wichtige Rolle ein (vgl. Pries 2010: 30). So begegnet dem Leser von Ratgebern zum Thema Jobsuche des \u00d6fteren der Ratschlag, das sog. <em>Networking<\/em> zu betreiben (vgl. Banaszczuk 2017: 15). Unter diesem Begriff versteht man das gezielte Kn\u00fcpfen von Beziehungen, das bei der Suche nach Arbeit einen entscheidenden Vorteil bringen kann. Oftmals werden in der Praxis vakante Stellen nicht prim\u00e4r \u00fcber das g\u00e4ngige Bewerbungsverfahren besetzt. Nicht selten ist hier z.B. die Empfehlung eines Mitarbeiters ausschlaggebend. Au\u00dferdem werden viele Stellen vorwiegend nur intern oder zumindest verdeckt ausgeschrieben. Um eine Aussicht auf diese Vakanzen zu haben, braucht es auch den pers\u00f6nlichen Kontakt bzw. das entsprechende Beziehungsgeflecht.<\/p>\n<p>Doch noch lange bevor eine gefl\u00fcchtete Person die Suche nach einer geeigneten Stelle in Angriff nehmen kann, muss zun\u00e4chst schon eine Vielzahl an Informationen gesammelt und entsprechend verarbeitet werden. Die Fragen, welche Formulare vonn\u00f6ten sind, wo Formbl\u00e4tter erh\u00e4ltlich sind, welche kulturell bedingten Gepflogenheiten beachtet werden wollen und welche sonstigen H\u00fcrden vor der entscheidenden Unterschrift unter dem Arbeits- oder Ausbildungsvertrag genommen werden m\u00fcssen, stellen Fl\u00fcchtlinge vor teils unl\u00f6sbar scheinende Schwierigkeiten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-9.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-140 alignleft\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-9-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-9-300x200.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-9-768x512.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-9-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-9-624x416.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-9.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Sozialkapital einer gefl\u00fcchteten Person ist wesentlich eingeschr\u00e4nkt. In vielen F\u00e4llen zieht die Flucht den Verlust nahezu aller engeren Sozialbeziehungen nach sich. Sprachliche H\u00fcrden und die damit einhergehende soziale Isolation tun dann im Ankunftsland ihr \u00dcbriges.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund sind Netzwerke als Medium zur Generierung von Sozialkapital unerl\u00e4sslich. Gerade der Aspekt des Informationsaustauschs ist dabei entscheidend. In Netzwerken kann au\u00dferdem wertvolles Erfahrungswissen von Personen weitergegeben werden, bei denen der Integrationsprozess schon weiter vorangeschritten ist. Eine weitere Funktion dieser Strukturen ist die B\u00fcndelung von Expertise. Oftmals ist im Integrationsprozess n\u00e4mlich ein komplexes Set von sehr unterschiedlichen F\u00e4higkeiten vonn\u00f6ten: \u00dcbersetzert\u00e4tigkeiten, Kenntnisse zu rechtlichen Fragen, die Bew\u00e4ltigung b\u00fcrokratischer H\u00fcrden oder der entscheidende Kontakt zum Unternehmen. Diese und viele andere Faktoren spielen f\u00fcr die erfolgreiche Stellensuche eine wichtige Rolle. So fasste einer der Interviewten trefflich zusammen: \u201e[D]a haben wir [\u2026] auch schon Netzwerke gekn\u00fcpft. Ohne diese Netzwerke, bin ich mir ziemlich sicher, w\u00e4re die Erfolgsquote von beruflicher Integration unserer Klienten wesentlich geringer\u201c (Interview Bochum 05.09.2016: Mitarbeiter der Jugendhilfe).<\/p>\n<p>Im Abschnitt <em>Die Bedeutung von Netzwerken aus Sicht der Engagierten <\/em>wird der Frage nachgegangen, ob es sich bei obigem Zitat um eine Einzelbeobachtung handelt oder ob andere Engagierte dem Ph\u00e4nomen <em>Netzwerk<\/em> eine \u00e4hnlich gro\u00dfe Bedeutung zumessen.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Die\"><\/a>Die Bedeutung von Netzwerken aus Sicht der Engagierten<\/strong><\/p>\n<p>Wie bereits angedeutet sind sich die Engagierten der tragenden Rolle bewusst, die den Netzwerken zukommt. Dieses Bewusstsein wird auch in fast allen Interviews zur Sprache gebracht. Dabei wird vonseiten hauptamtlich Engagierter insbesondere auch die Bedeutung der Ehrenamtlichen in den Mittelpunkt ger\u00fcckt, da sie haupts\u00e4chlich diejenigen sind, die einerseits entweder den Zugang zu bestehenden Netzwerken erm\u00f6glichen oder andererseits \u00fcberhaupt erst Netzwerke \u201aum den Fl\u00fcchtling herum\u2018 kn\u00fcpfen. So h\u00e4lt etwa ein Mitarbeiter eines Jugendamtes fest: \u201eDie sind sehr, sehr wichtig, die ehrenamtlichen Helfer. Vor allen Dingen, wenn es darum geht, [\u2026] auch auf l\u00e4ngere Perspektive ein breites Hilfsnetzwerk f\u00fcr die Jugendlichen zu schaffen\u201c (Interview Bochum 05.09.2016: Mitarbeiter der Jugendhilfe).<\/p>\n<p>Die angesprochenen Hilfsnetzwerke k\u00f6nnen dabei aus unterschiedlichen Akteuren bestehen. So gibt es zum Beispiel Kooperationen die haupts\u00e4chlich zwischen Vereinen und Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften (vgl. Interview Bochum 19.10.2016: Mitglied eines Fl\u00fcchtlingshilfe-Vereins) bestehen, zwischen dem Jugendamt und der Freiwilligen Feuerwehr (vgl. Interview Bochum 05.09.2016: Mitarbeiter der Jugendhilfe) oder zwischen Jugendamt und Vorm\u00fcndern (vgl. Interview Bochum 05.09.2016: Mitarbeiter der Jugendhilfe). Von mehreren Interviewten wird auch ge\u00e4u\u00dfert, dass das Ma\u00df, in dem die einzelnen Kooperationen der Arbeitsmarktintegration zutr\u00e4glich sind, im Wesentlichen vom Engagement der Ehrenamtlichen abh\u00e4ngt.<a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-141 alignleft\" src=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-10-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-10-300x200.jpg 300w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-10-768x512.jpg 768w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-10-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-10-624x416.jpg 624w, https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Arbeitsmarktintegration-10.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein weiterer Faktor ist hierbei die Frage, in welchem Grad Netzwerke effektiv strukturiert und wie breit sie aufgestellt sind, d.h. wie viele und welche Akteure sich aktiv an ihnen beteiligen. So antwortete ein Interviewpartner auf die Frage, inwiefern ehrenamtliches<\/p>\n<p>Engagement zur Arbeitsmarktintegration beitr\u00e4gt: \u201eDas ist ein guter Ansatzpunkt. Das muss aber strukturiert laufen und Hand in Hand mit Kammern oder mit der Arbeitsagentur, mit Jobcenter, mit karitativen Institutionen, die sich mit Arbeitsmarktintegration befassen.\u201c (Interview Dortmund 10.10.2016: Hauptamtlich). Dass eine breit aufgestellte Kooperationsstruktur einen wesentlichen Aspekt des Integrationserfolges ausmacht, wird auch in der Literatur unterstrichen (vgl. Deutsche Kinder- und Jugendstiftung 2017).<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen: Der Grundtenor, der sich durch nahezu alle Interviews zieht, ist in jedem Fall, dass ehrenamtliches Engagement vor allem durch die Einbindung in diese Strukturen zu einem effektiven Faktor im Integrationsprozess wird.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Der\"><\/a>Der Beitrag der Unternehmen<\/strong><\/p>\n<p>Bisher sind haupts\u00e4chlich jene Faktoren zur Sprache gekommen, die auf Seiten der Fl\u00fcchtlinge von Relevanz sind. Doch nat\u00fcrlich spielen auch die Unternehmen selbst, die ja \u201aam anderen Ende der Leitung\u2018 sitzen, eine wichtige Rolle f\u00fcr eine gelungene Arbeitsmarktintegration. Sie sollten deshalb unbedingt in bestehende Kooperationsstrukturen eingebunden werden und d\u00fcrfen \u201evor dem Begriff Fl\u00fcchtlingspolitik keine Scheu haben\u201c (Interview Bochum 05.09.2016: Mitarbeiter der Jugendhilfe). Hier sieht ein Gro\u00dfteil der Interviewten immer wieder Schwierigkeiten mit Unternehmen, da mit der Besch\u00e4ftigung eines Fl\u00fcchtlings mit ungekl\u00e4rtem Aufenthaltsstatus eine gewisse Unsicherheit f\u00fcr den Arbeitgeber einhergeht.<\/p>\n<p>Ebenfalls ist wichtig, dass jene Unternehmen, die Fl\u00fcchtlinge besch\u00e4ftigen wollen, auch eine hinreichende Betreuung auf Unternehmensseite gew\u00e4hrleisten. Konkret bedeutet dies idealerweise, einen Mitarbeiter als dauerhaften Ansprechpartner abzustellen, zu dem der Fl\u00fcchtling einen Bezug hat und an den er sich mit seinen Anliegen wenden kann (vgl. Interview Bochum 05.09.2016: Mitarbeiter der Jugendhilfe). Auf diese Weise k\u00f6nnen auch etwaige, durch unterschiedliche kulturelle Hintergr\u00fcnde entstehende Differenzen ausger\u00e4umt oder zumindest Konfliktpotenziale abgebaut werden, die bei Antritt eines Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisses in einem deutschen Unternehmen auftreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine andere Art, wie Unternehmen sich in Netzwerke eingeben k\u00f6nnen, ist, dass sie proaktiv Informationen zu vakanten Stellen in die entsprechenden Netzwerke einbringen (vgl. Interview Bochum 19.10.2016: Mitglied eines Fl\u00fcchtlingshilfe-Vereins). Doch auch in diesem Kontext liegt der entscheidende Einfluss bei dem Engagement von Individuen. In dieselbe Richtung deutet der Befund einer Studie des <em>Instituts f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit<\/em> (im Folgenden: IAB) zu der Frage, von welchen Faktoren der Erfolg von Vermittlungsaktionen abh\u00e4ngt (vgl. IAB 2015: 18). Explizit wird dort darauf hingewiesen, dass ein Gro\u00dfteil der gelungenen Integrationsprozesse durch das Einzelengagement ma\u00dfgeblich vorangetrieben wird und nicht etwa auf dem Einsatz von Arbeitgeber-Service oder \u00c4hnlichem basiert. Entscheidend ist in solchen F\u00e4llen z.B. eher das Engagement der Sozialarbeiter (vgl. IAB 2015: 18).<\/p>\n<p><strong><a id=\"Der B\"><\/a>Der Beitrag der Fl\u00fcchtlinge<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Faktor ist in der Rechnung dann letztlich auch die Motivation des Fl\u00fcchtlings selbst. Aufgrund der vielen H\u00fcrden w\u00e4hrend des Integrationsprozesses bedarf es umso mehr der Beharrlichkeit und Ausdauer, damit der Einstieg in die Ausbildungs- und Arbeitswelt gelingen kann. Mit den Worten eines Interviewten lie\u00dfe sich sagen: \u201eMindestens 50% muss in denen drinstecken, wenn nicht sogar 90%. [\u2026] Ich w\u00fcrde ganz einfach sagen, die brauchen Biss. Biss und Ausdauer und den unbedingten Willen\u201c (Interview Bochum 05.09.2016: Mitarbeiter der Jugendhilfe).<\/p>\n<p>Die Ansicht, dass ein hohes Engagement seitens der arbeitssuchenden Gefl\u00fcchteten die Grundlage f\u00fcr den Integrationsprozess bildet, wird von den meisten Interviewten geteilt und zur Sprache gebracht. Ebenfalls herrscht Konsens dar\u00fcber, dass sich die Merkmale Kulturzugeh\u00f6rigkeit und Alter nicht als Determinanten f\u00fcr das Motivationslevel verstehen lassen. Vielmehr werden hier individuelle Pers\u00f6nlichkeitsz\u00fcge als ausschlaggebend geltend gemacht.<\/p>\n<p>Eine weitere \u00dcberzeugung, die sich wie ein roter Faden durch so gut wie alle Interviews zieht, ist, dass der Bedeutung des Spracherwerbs eine gesonderte Vorrangstellung zukommt. In diesem Punkt werden jedoch schwerpunktm\u00e4\u00dfig eher negative Erfahrungen gemacht. So konstatiert der Mitarbeiter eines Jobcenters sichtlich frustriert und polarisierend: \u201e[D]a ist bei 99% nichts bis wenig zu bemerken an Sprachkenntnissen, die verwertbar w\u00e4ren\u201c (Interview Rheurdt 04.07.2016: Integrationsfachkraft beim Jobcenter). Auch wenn dieser Prozentsatz sicherlich etwas hochgegriffen ist und \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dft, gibt der Interviewte damit und auch an mehreren anderen Stellen zu verstehen, dass die mangelnde Sprachkenntnis das gr\u00f6\u00dfte Hindernis im Integrationsprozess darstellt. Damit gibt er eine Einsch\u00e4tzung zum Besten, die von vielen anderen Befragten ebenfalls geteilt wird.<\/p>\n<p>Nachdem das Problem des mangelhaften Spracherwerbs angerissen wurde, das zu einem Teil auch in den Verantwortungsbereich der Gefl\u00fcchteten f\u00e4llt, soll es im Abschnitt <em>Durchs Netz gegangen \u2013 bestehende Defizite<\/em> um weitere Defizite innerhalb der Netzwerkstrukturen der Fl\u00fcchtlingshilfe gehen, durch welche sich den Gefl\u00fcchteten weitere Steine in den Weg legen.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Durchs\"><\/a>Durchs Netz gegangen \u2013 bestehende Defizite<\/strong><\/p>\n<p>Aus dem bereits Gesagten geht hervor, dass eine gut vernetzte Betreuungsstruktur im Umfeld des Gefl\u00fcchteten ausschlaggebend ist. Diese Beobachtung wird auch dadurch bekr\u00e4ftigt, dass das Fehlen einer solchen Netzwerkstruktur spiegelbildlich als gro\u00dfes Manko wahrgenommen wird. Interviewte erw\u00e4hnen etwa, dass Organisationen der Fl\u00fcchtlingshilfe, die in ihrer Zielsetzung homogen sind und daher Potenzial zur Kooperation haben, entweder in Konkurrenz zueinander stehen (vgl. Interview Bochum 19.10.2016: Mitglied eines Fl\u00fcchtlingshilfe-Vereins) oder zumindest, dass \u201ejeder sein eigenes S\u00fcppchen koch[t]\u201c (Bochum 30.11.2016: Ehrenamtliche Fl\u00fcchtlingspatin).<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem, dass des \u00d6fteren Erw\u00e4hnung findet, ist der holprige Umgang mit Beh\u00f6rden. Dies kann \u2013 \u00e4hnlich wie im Falle der Unternehmen \u2013 am Fehlen eines zust\u00e4ndigen Ansprechpartners liegen (vgl. Interview Bochum 19.10.2016: Mitglied eines Fl\u00fcchtlingshilfe-Vereins). Ein Interviewpartner beschrieb in diesem Kontext allerdings auch einen Lern- und Verbesserungsprozess und schrieb die anf\u00e4nglichen Schwierigkeiten der schieren \u00dcberforderung zu, die in den ersten Z\u00fcgen der Fl\u00fcchtlingskrise vielerorts um sich griff und m\u00f6glicherweise auch noch immer um sich greift.<\/p>\n<p>Das Defizit, das in den Interviews jedoch am h\u00e4ufigsten formuliert wird, sind die teils mangelhaften Sprachkenntnisse der Fl\u00fcchtlinge. Zu dieser Problematik l\u00e4sst sich Genaueres im Abschnitt <em>Der Beitrag der Fl\u00fcchtlinge<\/em> lesen.<\/p>\n<p><strong>Netzwerk gut, alles gut? \u2013 ein Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Dass soziale Netzwerke einen wichtigen Faktor auf dem Weg zum Arbeitsmarkt darstellen, haben die f\u00fcr diese Arbeit entstandenen Interviews deutlich vor Augen gef\u00fchrt. Eine Gro\u00dfzahl der Befragten kommt au\u00dferdem immer wieder auf Aspekte der Vernetzung zu sprechen. Diese Vernetzung schlie\u00dft die Projekt- und Vereinsebene, die Ebene der Beh\u00f6rden, der Jobcenter, der kirchlichen Tr\u00e4ger und der Engagierten mit ein.<\/p>\n<p>Ein weiterer Befund dieser Arbeit ist, dass die Entstehung dieser Netzwerke und auch ihre Instandhaltung in besonderem Ma\u00dfe mit dem Engagement von ehrenamtlich t\u00e4tigen Individuen zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Wenn es um die Frage geht, ob die Vernetzung der <em>wichtigste<\/em> Faktor sei, muss allerdings noch ein weiterer Punkt mit in die Rechnung aufgenommen werden, der in allen Interviews betont wird: der Erwerb der deutschen Sprache.<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die h\u00e4ufige Nennung der \u2013 bisweilen als mangelhaft eingesch\u00e4tzten \u2013 Deutschkenntnisse liegt auf der Hand. Mit Blick auf die Interviewaussagen entsteht der Eindruck, Sprache sei eine Art Messger\u00e4t, an dem sich der Integrations-Fortschritt geradezu ablesen lie\u00dfe \u2013 gem\u00e4\u00df der Formel: Wer gut Deutsch spricht, ist gut integriert. Die Umkehrung dieser Formel lie\u00dfe sich ohne Einwand bejahen, da zumindest ein gewisses Ma\u00df an Sprachf\u00e4higkeit f\u00fcr Integration schlichtweg Voraussetzung ist. Dass die Sprache allerdings nicht als Allheilmittel f\u00fcr die Arbeitsmarktintegration gesehen werden darf, l\u00e4sst sich leicht daran erkennen, dass auch Einheimische durchaus von Arbeitslosigkeit betroffen sein k\u00f6nnen, obwohl sie ihre Muttersprache nat\u00fcrlich beherrschen.<\/p>\n<p>Im Kontext dieser Arbeit gilt aber noch etwas Anderes zu beachten: Fremdspracherwerb und Vernetzung h\u00e4ngen stark miteinander zusammen. Dass die Aussichten auf einen Deutschkurs f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge unter Umst\u00e4nden nicht sehr vielversprechend sind, wurde ebenfalls in den meisten Interviews beklagt. Diesem Mangel kann jedoch durch ein breiteres Hilfsnetzwerk um den Fl\u00fcchtling entgegengewirkt werden. In dieser Hinsicht stehen die Faktoren Sprache und Netzwerk also in enger Beziehung zueinander. Ebenfalls gilt: Wer die Sprache nicht beherrscht, kann eventuell mittels Hilfsnetzwerk, z.B. in Form der Dienste eines Dolmetschers, bestimmte Schritte gehen, die auf sich allein gestellt nicht m\u00f6glich sind. Eine umfassende Arbeitsmarktintegration ist aber ohne entsprechende Sprachkenntnisse nicht zu erreichen. In solch einem Fall w\u00fcrde die positive Wirkung des sozialen Netzwerks durch den Mangel an Sprachf\u00e4higkeit zunichtegemacht werden.<\/p>\n<p>Als Fazit dieser \u00dcberlegungen und des gesamten Blogbeitrags l\u00e4sst sich also sagen, dass f\u00fcr eine gelungene Arbeitsmarktintegration in besonderer Weise zwei Faktoren von Bedeutung sind: Sprache und soziales Netzwerk.<\/p>\n<p>In Bezug auf das Ehrenamt l\u00e4sst sich sagen, dass es f\u00fcr beide Bereiche von gro\u00dfer Bedeutung ist und dementsprechend ebenfalls eine sehr wichtige Rolle spielt. Keiner der Faktoren darf allerdings isoliert betrachtet werden. Bei der Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen m\u00fcssen, wie in einem Netzwerk, alle drei Faktoren zusammenwirken.<\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n<p>Banaszczuk, Yasmina (2017): <em>Netzwerke beim Berufseinstieg. Strukturen, Nutzungsweisen und soziale Herkunft<\/em>. Wiesbaden: VS Verlag.<\/p>\n<p>Deutsche Kinder- und Jugendstiftung \/ Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2017): Zug\u00e4nge zum Arbeitsmarkt f\u00fcr junge Gefl\u00fcchtete, [online] https:\/\/www.willkommen-bei-freunden.de\/themenportal\/artikel\/arbeitsmarktintegration-von-jungen-gefluechteten-eine-zentrale-gesellschaftliche-und-kommunale-aufgabe\/ [12.01.2017].<\/p>\n<p>Fuhse, Jan (2016): <em>Soziale Netzwerke. Konzepte und Forschungsmethoden. <\/em>Konstanz: utb Verlag.<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (2015): Abschlussbericht Modellprojekt Early Intervention \u2013 Fr\u00fchzeitige Arbeitsmarktintegration von Asylbewerbern und Asylbewerberinnen. Ergebnisse der qualitativen Begleitforschung durch das IAB N\u00fcrnberg. In: <em>IAB Forschungsbericht. <\/em>Jg.15, Nr. 10, S. 18.<\/p>\n<p>Pries, Ludger (2010): <em>(Grenz\u00fcberschreitende) Migrantenorganisationen als Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Forschung: Klassische Problemstellungen und neuere Forschungsbefunde<\/em>. In: Pries, Ludger \/ Sezgin, Zeynep (Hrsg.), \u201a<em>Identit\u00e4t oder Integration\u2018. Grenzen \u00fcberspannende Migrantenorganisationen<\/em>, Wiesbaden: VS Verlag, S. 15-60.<\/p>\n<p>Statista (2017): Anzahl der monatlich aktiven Facebook Nutzer weltweit vom 3. Quartal 2008 bis zum 3. Quartal 2016 (in Millionen), [online]<\/p>\n<p>https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/37545\/umfrage\/anzahl-der-aktiven-nutzer-von-facebook\/ [11.01.2017].<\/p>\n<p><strong>Interviewquellen<\/strong><\/p>\n<p>Rheurdt 04.07.2016: Integrationsfachkraft beim Jobcenter.<\/p>\n<p>Dortmund 10.10.2016: Hauptamtlich.<\/p>\n<p>Bochum 05.09.2016: Mitarbeiter der Jugendhilfe.<\/p>\n<p>Bochum 19.10.2016: Mitglied eines Fl\u00fcchtlingshilfe-Vereins.<\/p>\n<p>Bochum 30.11.2016: Ehrenamtliche Fl\u00fcchtlingspatin.<\/p>\n<p><strong>Bildquellen<\/strong><\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/gefesselt-zweisamkeit-binden-1792237\/ [14.01.2017].<\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/wasserperlen-spinnennetz-1630493\/ [14.01.2017].<\/p>\n<p>https:\/\/pixabay.com\/de\/netzwerk-netz-verbindung-struktur-1823429\/ [14.01.2017].<\/p>\n<h3>Ein Beitrag von Antora Das, Maxi Belitz, Maximilian Kr\u00fcger und Jonas Wei\u00dfkopf<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Arbeitsmarktteilhabe von Fl\u00fcchtlingen ist entscheidend f\u00fcr das Gelingen der Fl\u00fcchtlingspolitik und den sozialen Zusammenhalt in Deutschland. 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