{"id":102,"date":"2017-01-27T10:30:30","date_gmt":"2017-01-27T09:30:30","guid":{"rendered":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=102"},"modified":"2017-03-01T13:36:07","modified_gmt":"2017-03-01T12:36:07","slug":"psychologische-betreuung-gefluechteter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=102","title":{"rendered":"Psychologische Betreuung Gefl\u00fcchteter"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Ein Pyrrhussieg f\u00fcr freiwillig Engagierte? (AT)<\/strong><\/h3>\n<p>Die psychologische Betreuung von Gefl\u00fcchteten stellt einen besonderen Teilaspekt der Gesundheitsversorgung gefl\u00fcchteter Menschen in Deutschland dar. Obwohl die Gesundheitskarte (eGK) gefl\u00fcchteten Personen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen gew\u00e4hrleisten soll, erhalten Asylsuchende die eGK erst nach einem Aufenthalt von 15 Monaten. F\u00fcr Personen mit posttraumatischen Belastungsst\u00f6rungen (PTBS) bedeutet dies eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr ihre Gesundheit, denn je eher eine PTBS behandelt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit der Chronifizierung der Traumafolgest\u00f6rung.<!--more--><\/p>\n<p>Doch scheint eine ausgeweitete Gesundheitsversorgung Gefl\u00fcchteter mit dem politischen Interesse an einer restriktiven Fl\u00fcchtlingspolitik in einem Konfliktverh\u00e4ltnis zu stehen. Deutlich wird dies an der Position des Ministerpr\u00e4sidenten Sachsens, Stanislaw Tillich (CDU). Dieser tritt daf\u00fcr ein, gefl\u00fcchteten Personen auch nach Ablauf der 15 Monatsfrist den einfachen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen durch eine eGK zu verwehren, da dies eine materielle Anreizwirkung f\u00fcr Gefl\u00fcchtete darstelle (vgl. o.V. 2015a). Die gesundheitlichen Folgen f\u00fcr die Menschen spielen in dieser Argumentation keine Rolle. Da die Einf\u00fchrung einer eGK L\u00e4ndersache ist (vgl. GMK 2016: 32), stellt die bundesweite psychologische und psychosoziale Gesundheitsversorgung nach wie vor einen \u201eFlickenteppich\u201c (BAfF 2015: 1) dar. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere schl\u00e4gt in dieselbe Kerbe und kritisiert, \u201edass 70 Prozent der M\u00e4nner unter 40 Jahren vor einer Abschiebung f\u00fcr krank oder nicht transportf\u00e4hig erkl\u00e4rt werden\u201c (o.V. 2016a). Damit stellt er die Aussagekraft \u00e4rztlicher und psychologischer Diagnosen grundlegend in Frage.<\/p>\n<p>In das Vakuum der gesundheitlichen Versorgung Gefl\u00fcchteter, das die staatliche Mangelversorgung hinterl\u00e4sst, treten freiwillig Engagierte, um gefl\u00fcchteten Menschen eine psychologische Betreuung anzubieten oder sie dabei zu unterst\u00fctzen der Chronifizierung der Krankheit entgegenzuwirken.<br \/>\nDiese Menschen haben wir f\u00fcr unsere Arbeit interviewt. Insgesamt f\u00fchrten wir zwischen Juli 2016 und September 2016 f\u00fcnf Interviews mit freiwillig Engagierten. Zwei dieser Interviews f\u00fchrten wir mit Personen, die sich in einer Stadt mit gro\u00dfer Erstaufnahmekapazit\u00e4t freiwillig engagieren. Drei weitere Interviews f\u00fchrten wir mit MitarbeiterInnen eines Psychosozialen Zentrums (PSZ). Zu unseren Gespr\u00e4chspartnerInnen geh\u00f6rten auf der einen Seite PsychotherapeutInnen und PsychologInnen, die eine <strong>explizite<\/strong> psychologische Betreuung Gefl\u00fcchteter im Rahmen eines freiwilligen Engagements gew\u00e4hrleisten. Auf der anderen Seite sprachen wir mit freiwillig Engagierten mit anderweitiger Berufsausbildung, die gefl\u00fcchteten Menschen dabei helfen, ihren Alltag zu bew\u00e4ltigen und dadurch <strong>implizit<\/strong> auf eine Stabilisierung ihres psychischen Zustands hinwirken. Bei der Auswertung unserer Interviews legten wir unseren Fokus auf zweierlei Aspekte: Die Gefahren der PTBS f\u00fcr die gefl\u00fcchteten Menschen und die Auswirkungen, die sich aus der Zusammenarbeit mit dieser Personengruppe f\u00fcr das Leben der freiwillig Engagierten ergeben.<\/p>\n<p>Dabei konnten wir die bereits oben erw\u00e4hnte Unterscheidung zwischen expliziter und impliziter psychologischer Betreuung herausarbeiten und des Weiteren die unterschiedlichen Strategien bei dem Umgang mit PTBS-Opfern herausstellen. Dabei wurden von den freiwillig Engagierten mit einer psychologischen oder therapeutischen Ausbildung auf der einen Seite und jenen freiwillig Engagierten ohne einschl\u00e4gige Qualifikation auf der anderen Seite jeweils unterschiedliche Bew\u00e4ltigungsstrategien angewandt.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle freiwillig Engagierten besteht dennoch die Gefahr der sekund\u00e4ren Traumatisierung (ST). In diesem Zusammenhang entwickeln freiwillig Engagierte individuelle Strategien, um ihre pers\u00f6nlichen Ressourcen und damit ihre Resilienz, also ihre Widerstandf\u00e4higkeit gegen die ST, zu st\u00e4rken. Auf der Ebene der sozialen Ressourcen konnten wir gro\u00dfe Gemeinsamkeiten bei den freiwillig Engagierten, unabh\u00e4ngig von ihrer Ausbildung feststellen. F\u00fcr alle befragten Personen \u00fcbernimmt die Familie eine Schl\u00fcsselfunktion bei der Kompensation der Konfrontation mit den Leiden der Gefl\u00fcchteten, die oft die Vorstellungskraft der Engagierten \u00fcbersteigen.<\/p>\n<p>Im Zuge unserer Forschung mussten wir feststellen, dass vor allem die freiwillig Engagierten, die eine implizite psychologische Betreuung vornehmen und keine einschl\u00e4gige Qualifikation aufweisen, besonders gef\u00e4hrdet scheinen, Opfer einer ST zu werden. Sie wissen weder um die Gefahr an sich, noch verf\u00fcgen sie \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der institutionalisierten und professionellen Supervision, welche beispielsweise die MitarbeiterInnen Psychosozialer Zentren (PSZ) im Rahmen ihrer T\u00e4tigkeit in Anspruch nehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein alarmierender Befund unserer Forschung ist die Erkenntnis, dass die staatliche Mangelwirtschaft Menschen gef\u00e4hrdet. Dies betrifft zum einen gefl\u00fcchtete Menschen, die erst nach \u00fcber einem Jahr \u00fcberhaupt psychologische Hilfestellungen in Anspruch nehmen d\u00fcrfen und durch diverse gesetzliche H\u00fcrden bei der Bew\u00e4ltigung einer PTBS beeintr\u00e4chtigt werden. Zum anderen sind auch freiwillig Engagierte gef\u00e4hrdet, die sich in der Pflicht sehen, die Mangelversorgung auszugleichen und dabei (un-)vorhersehbar mit der PTBS und den Leidenserfahrungen der Gefl\u00fcchteten konfrontiert werden und dadurch der Gefahr der ST ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Um diesem Umstand Abhilfe zu schaffen, muss der Staat k\u00fcnftig seine Verantwortung gegen\u00fcber den Schutzsuchenden vollumf\u00e4nglich wahrnehmen und die psychologische Betreuung Gefl\u00fcchteter mit dem Moment der Ankunft in Deutschland gew\u00e4hrleisten. Dabei ist es relevant, das bestehende und verfassungsm\u00e4\u00dfige Recht auf Asyl nicht zu erodieren, wie dies eine Mitarbeiterin eines PSZ mit Blick auf das Asylpaket II formulierte. Au\u00dferdem gilt es die Asylverfahren an das Krankheitsbild einer PTBS anzupassen, um somit jene Opfergruppe bei einem Asylverfahren nicht zu benachteiligen; wie dies aktuell der Fall ist. Bis dieser Zustand als Folge des politischen Willens eingetreten ist, muss der Austausch und die Vernetzung zwischen freiwillig Engagierten intensiviert werden. PsychotherapeutInnen k\u00f6nnen dazu beitragen, \u00fcber die m\u00f6glichen Gefahren einer ST unter freiwillig Engagierten aufzukl\u00e4ren, und ihnen Bew\u00e4ltigungsstrategien an die Hand geben, mit denen sie sich vor einer psychischen Traumatisierung langfristig sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Eine j\u00fcngste Initiative des Landes NRW f\u00fcr ein <em>resilienzf\u00f6rderndes und kultursensibles Denken und Handeln in der Fl\u00fcchtlingshilfe<\/em> ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung (vgl. Hochschule Niederrhein 2016).<\/p>\n<p>Zu Beginn dieses Essays werden die <a href=\"#Al\">aktuelle Lage<\/a> der psychologischen Betreuung Gefl\u00fcchteter und die <a href=\"#Rr\">rechtlichen Rahmenbedingungen<\/a> dargestellt. In einem n\u00e4chsten Schritt werden wir das <a href=\"#PTB\">Krankheitsbild der Posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung<\/a> und die damit einhergehenden Schwierigkeiten f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen in Deutschland ausf\u00fchren. Zu guter Letzt wird die private Intervention von freiwillig Engagierten in der psychologischen Fl\u00fcchtlingshilfe dargelegt. Dabei wird deutlich, dass das freiwillige Engagement zwingend notwendig ist, um die gro\u00dfe L\u00fccke, die die staatliche Mangelversorgung gefl\u00fcchteter Menschen hinterl\u00e4sst, ansatzweise zu schlie\u00dfen. Die freiwillig Engagierten setzen sich im Rahmen ihres Engagements jedoch <a href=\"#Ge\">Gefahren<\/a> aus, denen wir genauso Raum verleihen werden, wie den entsprechenden <a href=\"#Be\">Bew\u00e4ltigungsstrategien<\/a>.<\/p>\n<h3><strong style=\"font-size: 1rem;\">Psychologische Beratung Gefl\u00fcchteter<\/strong><\/h3>\n<p><strong><a id=\"Al\"><\/a>Zur aktuellen Lage \u2013 Der Ausgleich von Versorgungsdefiziten<\/strong><\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund des dargestellten Interessenskonflikts \u00fcberrascht es nicht, dass der j\u00fcngste <em>Versorgungsbericht zur psychosozialen Versorgung von Fl\u00fcchtlingen und Folteropfern in Deutschland <\/em>(vgl. BAfF 2015) eher n\u00fcchtern ausfiel, wonach \u2013 entgegen der Auflagen einer 2013 in Kraft getretenen EU-Richtlinie<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> &#8211; f\u00fcr die psychologische Versorgung Gefl\u00fcchteter bisher weder ein Konzept vorliegt noch eine konkrete Angabe \u00fcber die daf\u00fcr bereitzustellenden finanziellen Ressourcen gemacht wurde (vgl. ebd: 1). Die Frist f\u00fcr die Umsetzung dieser EU-Richtlinie ist mit dem 20. Juli 2015 bereits abgelaufen (vgl. Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union 2013: 109). Die daraus resultierenden Versorgungsdefizite in der psychologischen Betreuung Gefl\u00fcchteter m\u00fcssen au\u00dferhalb staatlicher Institutionen kompensiert werden, wobei die Psychosozialen Zentren (PSZ) eine zentrale Rolle einnehmen, indem sie eine explizite psychologische Betreuung gefl\u00fcchteter Personen gew\u00e4hrleisten (vgl. BAfF 2015: 1). Dabei kommt den freiwillig Engagierten offiziell lediglich eine minimale Rolle zu (ebd.: 10). Nichtsdestotrotz k\u00f6nnen sie durch die Unterst\u00fctzung bei der Wohnungs- oder Arbeitssuche &#8211; besonders bei Gefl\u00fcchteten mit einer Posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung (PTBS)<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> &#8211; einen stabilisierenden Einfluss nehmen und die Bew\u00e4ltigung der PTBS dadurch implizit unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund konnten wir im Zuge unserer Forschungen herausstellen, dass jeder unserer Gespr\u00e4chspartnerInnen entweder explizit oder (falls ohne professionellem Hintergrund) implizit \u2013 au\u00dferhalb der PSZ &#8211; in die psychologische oder psychosoziale Betreuung Gefl\u00fcchteter involviert ist. Daraus resultiert, dass die Rolle der impliziten psychologischen Betreuung &#8211; durch freiwillig Engagierte &#8211; gewichtiger ist, als bisweilen angenommen. Die Implikationen, Erscheinungsformen und Effekte dieser Beobachtung werden im Folgenden vereinzelt dargelegt.<\/p>\n<p>An dieser Stelle sei zu betonen, dass die freiwillig Engagierten &#8211; ohne psychologischen oder therapeutischen Hintergrund &#8211; ihr Engagement nicht als eine implizite psychologische Betreuung verstehen. So erkl\u00e4rte eine ehrenamtlich engagierte Person: \u201eaber da sind unsere Grenzen, weil wir keine Psychologen oder Psychiater sind, das w\u00e4re wohl auch falsch, wenn wir da irgendetwas versuchen w\u00fcrden\u201c (Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Die Verneinung einer impliziten psychologischen Betreuung Gefl\u00fcchteter durch den freiwillig Engagierten selbst kann darin begr\u00fcndet liegen, dass die psychologische Betreuung informell erfolgt, weshalb sich die freiwillig Engagierten der Dimensionen ihrer Betreuung oftmals nicht bewusst sind. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass die PSZ mit denen wir in Kontakt standen, auf keine explizite psychologische Betreuung Gefl\u00fcchteter durch freiwillig Engagierte ohne fachlichen Hintergrund zur\u00fcckgriffen, d\u00fcrfte die Bef\u00fcrchtung sein, dass durch den Einsatz fachlich nicht formal qualifizierter Personen wissenschaftlich anerkannte Therapieverfahren aufgeweicht werden w\u00fcrden und die T\u00e4tigkeit freiwillig Engagierter die Arbeit hauptamtlicher PsychologInnen sukzessive ersetzen w\u00fcrde (vgl. BAfF o.J.). In diesem Zusammenhang gilt, dass psychisch belastete Personen mit Fluchthintergrund als \u201eeine sehr sensible Gruppe\u201c angesehen werden. Aus diesem Grund kann \u201eman nicht jeden Ehrenamtlichen einbinden\u201c (Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016b: Mitarbeiterin im PSZ), so die Einsch\u00e4tzung der Ehrenamtskoordinatorin eines Psychosozialen Zentrums.<\/p>\n<p><strong><a id=\"Rr\"><\/a>Der rechtliche Rahmen<\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe unserer Interviews mit freiwillig Engagierten und in der psychosozialen Betreuung und Beratung t\u00e4tigen Personen waren insbesondere das Asylbewerberleistungsgesetz im Allgemeinen, die Asylpakete I und II im Speziellen und das Integrationsgesetz Gegenstand von Kritik. Im Folgenden werden die f\u00fcr diesen Beitrag relevanten \u00c4nderungen im bestehenden Asylrecht und die j\u00fcngste Gesetzeslage kurz vorgestellt, um in diesem Zusammenhang die oben erw\u00e4hnte Kritik darzulegen. Es soll au\u00dferdem aufgezeigt werden, inwiefern die aktuelle Gesetzeslage die Arbeit freiwillig Engagierter im Bereich der psychologischen und psychosozialen Betreuung erschwert. Zudem soll das Augenmerk darauf gerichtet werden, dass diese Gesetzeslage das Krankheitsbild und den Krankheitsverlauf einer PTBS v\u00f6llig au\u00dfer Acht l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Asylbewerberleistungsgesetz<\/strong><\/p>\n<p>Dem Asylbewerberleistungsgesetz zufolge erhalten Leistungsberechtigte<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> nach einem 15- monatigen Aufenthalt in Deutschland einen Anspruch auf eine vollwertige Gesundheitskarte. In den ersten 15 Monaten ihres Aufenthalts ist der Anspruch auf Leistungen f\u00fcr AsylbewerberInnen eingeschr\u00e4nkt, sodass sie von bestimmten Leistungen ausgeschlossen werden bzw. einer expliziten Genehmigung bed\u00fcrfen. Au\u00dferdem werden Gesundheitsleistungen nur bei \u201eakute[n] Erkrankungen und Schmerzzust\u00e4nde[n]\u201c (AsylbLG, \u00a74) gew\u00e4hrt, was die Behandlung chronischer Erkrankungen nicht miteinschlie\u00dft (Institut f\u00fcr \u00c4rztliche Qualit\u00e4t in Schleswig-Holstein 2016: 5). Zudem sind Leistungen f\u00fcr psychologische Langzeittherapien nicht vom Asylbewerberleistungsgesetz abgedeckt (vgl. ebd.: 3). Gemeinhin gilt, dass AsylbewerberInnen keinen Anspruch auf eine \u201eoptimale\u201c oder \u201ebestm\u00f6gliche\u201c medizinische Versorgung haben, sondern sich ihr Anspruch lediglich auf den Zugang zu einer medizinischen Notversorgung begrenzt (vgl. KVS Sachsen 2015: 5). Dennoch k\u00f6nnen sonstige Leistungen gew\u00e4hrt werden, wenn \u201ebesondere Bed\u00fcrfnisse\u201c (AsylbLG, \u00a76) festzustellen sind. Dies ist bei Folter- und Vergewaltigungsopfern und bei jenen Personen der Fall, die besondere Formen \u201epsychischer, physischer oder sexueller Gewalt\u201c (ebd.) erleiden mussten.<\/p>\n<p><strong>Asylpaket I<\/strong><\/p>\n<p>Beim sogenannten Asylpaket I handelt es sich um eine Versch\u00e4rfung des bestehenden Asylrechts. Durch die im September 2015 beschlossene Gesetzes\u00e4nderung fallen Bargeldzahlungen in der Erstaufnahmeeinrichtung weg und werden durch Sachleistungen ersetzt, um \u201eFehlanreize f\u00fcr Menschen ohne Bleibeperspektive zu vermeiden\u201c (Die Bundesregierung 2015a). Dar\u00fcber hinaus wurden Kosovo, Albanien und Montenegro zu sicheren Herkunftsl\u00e4ndern erkl\u00e4rt, wodurch f\u00fcr Personen aus diesen L\u00e4ndern ein Besch\u00e4ftigungsverbot erwirkt wurde. Au\u00dferdem sollen Integrationskurse f\u00fcr \u201eAsylbewerber und Geduldete mit guter Bleibeperspektive\u201c (vgl. eb.d) angeboten werden. Laut Gesetzes\u00e4nderung schafft der Bund die n\u00f6tigen gesetzlichen Voraussetzungen f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Gesundheitskarte, welche letztlich den L\u00e4ndern \u00fcberlassen wird (vgl. Die Bundesregierung 2015b: 5). Durch die Gesundheitskarte m\u00fcssen AsylbewerberInnen die Arztbesuche nicht mehr vorher vom Sozialamt &#8211;\u00a0 in Form einer Bescheinigung &#8211; bewilligen lassen (vgl. o.V. 2015b).<\/p>\n<p><strong>Asylpaket II<\/strong><\/p>\n<p>Bei dem am 17. M\u00e4rz 2016 in Kraft getretenen Asylpaket II handelt es sich ebenfalls um eine Versch\u00e4rfung des Asylrechts. Der Familiennachzug f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge mit eingeschr\u00e4nktem, bzw. subsidi\u00e4rem Schutz<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>, f\u00e4llt f\u00fcr zwei Jahre weg (vgl. o.V. 2016b). Des Weiteren sollen Asylverfahren und m\u00f6gliche, anschlie\u00dfende rechtliche Verfahren beschleunigt werden. W\u00e4hrend des beschleunigten Verfahrens ist der Asylbewerber oder die Asylbewerberin dazu verpflichtet, in der Aufnahmeeinrichtung zu wohnen. Neben einer Senkung der monatlichen Geldleistungen, soll dem \u201eMissbrauch von Attesten\u201c (vgl. Die Bundesregierung 2016a) entgegengewirkt werden, um so Abschiebungshindernisse abzubauen. So darf k\u00fcnftig eine Abschiebung auch dann erfolgen, wenn die medizinische Versorgung im Zielland schlechter als die Versorgung hierzulande ist. Eine Erkrankung muss au\u00dferdem durch eine \u201equalifizierte \u00e4rztliche Bescheinigung\u201c (ebd.) bewiesen werden und stellt nur in schwerer Form ein Abschiebungshindernis dar. Gemeinhin gilt laut Gesetz, dass \u201eder Abschiebung gesundheitliche Gr\u00fcnde nicht entgegenstehen\u201c (Gesetz zur Einf\u00fchrung beschleunigter Asylverfahren, Art. 2). Au\u00dferdem gilt f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsgruppen aus sicheren Herkunftsl\u00e4ndern eine versch\u00e4rfte Residenzpflicht.<\/p>\n<p><strong>Integrationsgesetz<\/strong><\/p>\n<p>Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel lautet das Prinzip des Integrationsgesetzes \u201efordern und f\u00f6rdern\u201c (Die Bundesregierung 2016b), wodurch die Eigenverantwortung der AsylbewerberInnen in den Vordergrund treten soll. So wird eine unbefristete Niederlassungserlaubnis f\u00fcr anerkannte Fl\u00fcchtlinge erst nach einer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Aufenthaltserlaubnis und nur im Gegenzug erbrachter Integrationsleistungen (z.B. Beherrschung der deutschen Sprache) erteilt (Die Bundesregierung o.J.a). Des Weiteren greift im Zuge des Integrationsgesetzes eine Wohnsitzregelung, wonach die L\u00e4nder die AsylbewerberInnen in den ersten drei Jahren einem konkreten Wohnsitz zuweisen. Au\u00dferdem m\u00fcssen die AsylbewerberInnen in diesen ersten drei Jahren in dem Bundesland verweilen, dem sie nach ihrer Ankunft zugeteilt wurden. Im Zuge dieser Regelung soll der Entstehung von Ballungsr\u00e4umen entgegengewirkt werden, um so die Integration zu f\u00f6rdern (Die Bundesregierung o.J.b).<\/p>\n<p><strong><a id=\"PTB\"><\/a>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung \u2013 Ursachen, Symptome und H\u00e4ufigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Unter den in Deutschland asylsuchenden Personen ist das Krankheitsbild der Posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung (PTBS) weit verbreitet und findet im Rahmen der o.a. Gesetzeslage nur unzureichend Ber\u00fccksichtigung, was im weiteren Verlauf n\u00e4her dargestellt wird. Deutschlandweit leiden zwischen 40 und 50% der erwachsenen Gefl\u00fcchteten unter einer PTBS. Zum Vergleich: Nur 2,3% der deutschen Allgemeinbev\u00f6lkerung weist eine PTBS auf (vgl. BPtK 2015: 6).<\/p>\n<p>Laut dem ICD-10<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> stellt die PTBS eine Reaktion auf eine Situation mit au\u00dfergew\u00f6hnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausma\u00df dar (vgl. DIMDI 2016). Diese Situation wird dabei als Bedrohung f\u00fcr das eigene Leben und das k\u00f6rperliche Wohlergehen empfunden und \u00fcberfordert die herk\u00f6mmlichen Anpassungsstrategien eines Menschen (vgl. Landes\u00e4rztekammer Baden-W\u00fcrttemberg \/ Landespsychotherapeutenkammer Baden-W\u00fcrttemberg 2011: 7). Typische Merkmale der Traumafolgest\u00f6rung PTBS stellen sogenannte Flashbacks dar. Bei dieser Form der Intrusion handelt es sich um ein wiederholtes Erleben des Traumas in Form von Erinnerungen. Dabei vollzieht die betroffene Person dieselben \u201esensorischen Reaktionen (z.B. Bilder, K\u00f6rperempfindungen)\u201c (Charit\u00e9 o.J.), wie dies w\u00e4hrend des traumatischen Ereignisses der Fall gewesen ist. Ferner k\u00f6nnen wiederkehrende Albtr\u00e4ume, Depressionen, Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber den Mitmenschen und Teilnahmslosigkeit zu den Symptomen einer PTBS geh\u00f6ren. Menschen, die von einer PTBS betroffen sind, zeichnen sich zudem durch eine \u00dcbererregtheit und einer \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Schreckhaftigkeit aus (vgl. DIMDI 2016).<\/p>\n<p>Falls die Symptome einer PTBS bis zu drei Monaten anhalten, liegt ein Akuttrauma vor. Bei einer Erkrankung \u00fcber den dritten Monat hinaus, handelt es sich um ein chronisches Trauma (vgl. Landes\u00e4rztekammer Baden-W\u00fcrttemberg \/ Landespsychotherapeutenkammer Baden-W\u00fcrrtemberg 2011: 9ff.). Bei 11% der traumatisierten Personen treten die Symptome erst nach sechs Monaten und sp\u00e4ter auf, wohingegen bei 89% der Betroffenen ein sofortiger Krankheitsbeginn beobachtbar ist (vgl. ebd.: 10). In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass besonders eine fr\u00fchestm\u00f6gliche psychologische Behandlung der PTBS ausschlaggebend daf\u00fcr ist, ob sich die Traumafolgest\u00f6rung\u00a0 chronifiziert, so eine interviewte Psychologin, die in einem PSZ gefl\u00fcchtete Personen betreut und therapiert.<\/p>\n<p>Die prim\u00e4re Ursache einer PTBS sind sogenannte \u201eman-made disasters\u201c; dabei handelt es sich um Traumatisierungen, die durch das Handeln anderer Menschen ausgel\u00f6st wurden (vgl. BPtK 2015: 7). Zu den h\u00e4ufigsten \u201eman-made desasters\u201c z\u00e4hlen laut einem Versorgungsberichts der Landespsychotherapeutenkammer Baden-W\u00fcrttemberg: Beschuss durch Handfeuerwaffen oder Granaten, Inhaftierung in Arbeits- oder Konzentrationslagern, Hunger und Durst \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit, seelische und k\u00f6rperliche Gewalt wie Todesdrohungen, k\u00f6rperliche Folter, Nahrungsentzug, Stromschl\u00e4ge, Vergewaltigung, erzwungene oder unfreiwillige Beobachtung von Hinrichtungen, Vergewaltigungen etc. (vgl. Landes\u00e4rztekammer Baden-W\u00fcrttemberg \/ Landespsychotherapeutenkammer Baden-W\u00fcrttemberg 2011).<\/p>\n<p>Doch enden die traumatisierenden Faktoren nicht mit der erfolgreichen Flucht des Opfers. So gibt es zahlreiche Postmigrationsfaktoren, die das Trauma der Gefl\u00fcchteten beeinflussen und die Chance auf eine erfolgreiche Therapierung der PTBS erh\u00f6hen oder aber vermindern k\u00f6nnen (vgl. BPtK 2015: 9). Im Laufe unserer qualitativen Interviews mit freiwillig Engagierten kamen diese Faktoren oftmals zur Sprache und waren Gegenstand von Kritik, die sich an Beh\u00f6rden, Politik und Verwaltung richtete. Dieser Aspekt wird im weiteren Verlauf weiter ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die H\u00fcrden bei der psychologischen Betreuung Gefl\u00fcchteter<\/strong><\/p>\n<p><strong>Asylverfahren<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDas Asylpaket I und II geht unter die G\u00fcrtel[linie] des Asylrechts\u201c <\/em><\/p>\n<p>(Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016: Mitarbeiterin im PSZ)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Versch\u00e4rfung und Beschleunigung des Asylverfahrens durch das Asylpaket II wurde aus PsychologenInnensicht mehrfach kritisiert und an einer Stelle f\u00fcr die Erosion des Rechts auf Asyl verantwortlich gemacht (vgl. Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016a: Mitarbeiterin im PSZ). Im Zuge dieser Beschleunigung k\u00f6nnen relevante Asylgr\u00fcnde nicht mehr im Folgeverfahren<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> geltend gemacht werden und Fehlurteile seitens der Beh\u00f6rden k\u00f6nnen au\u00dferdem im Nachhinein nicht mehr korrigiert werden (vgl. BAfF 2016). Diese Gesetzeslage ist insbesondere mit Blick auf den Krankheitsverlauf einer PTBS gravierend. Dazu merkt eine hauptamtlich t\u00e4tige Psychologin an: \u201eWie kann man denn Asyl beantragen [\u2026] und sagen, ich bin schon krank, ich habe eine posttraumatische Belastungsst\u00f6rung? Das geht doch nicht. Die wissen das auch noch nicht mal. Das kann sich auch entwickeln im Laufe des Lebens\u201c (Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016a: Mitarbeiterin im PSZ). Wie oben dargestellt, treten die Symptome einer PTBS bei einem Teil der Betroffenen erst nach sechs Monaten oder sp\u00e4ter auf (vgl. Landes\u00e4rztekammer Baden-W\u00fcrttemberg \/ Landespsychotherapeutenkammer Baden-W\u00fcrttemberg 2011: 10). Traumatische Erfahrungen sind zudem nicht sofort in ihrer Ganzheit sprachlich kommunizierbar, sondern werden oftmals fragmentiert verarbeitet, was es erschwert die Erfahrungen in ihrer zeitlichen Abfolge und umfassend im Rahmen eines ordentlichen und beschleunigten Asylverfahrens mitzuteilen, ohne die Aussagen in einem Folgeverfahren pr\u00e4zisieren zu k\u00f6nnen. (vgl. BafF 2016). Demnach l\u00e4sst die Tatsache, dass relevante Asylgr\u00fcnde nicht mehr Gegenstand eines Folgeverfahrens sein k\u00f6nnen, die Symptomatik einer PTBS v\u00f6llig au\u00dfer Acht. So skizziert eine interviewte Psychologin den optimalen Ansatz bei einer Psychotherapie traumatisierter Gefl\u00fcchteter wie folgt: \u201eDas ist schonmal wichtig f\u00fcr uns, dass die Gefl\u00fcchtete sich dann wohlf\u00fchlt. [\u2026] Willkommen hei\u00dfen, ankommen, akklimatisieren, selbstbestimmen. Und auch wichtig ist [\u2026] Sicherheit. Die sollen sich hier sicher f\u00fchlen.\u201c (Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016a: Mitarbeiterin im PSZ). Im Umgang mit Personen, die unter einer PTBS leiden, ist es demnach wichtig ein Umfeld zu schaffen, das Vertrauen und Schutz vermittelt, sodass die betroffenen Personen ihre sensiblen Gef\u00fchle und intimen Erfahrungen mit Gewalt, Folter und Flucht kommunizieren k\u00f6nnen. Nach Einsch\u00e4tzung einer interviewten Psychologin kann ein solcher Raum der Vertrautheit, im Rahmen eines beschleunigten Asylverfahrens nicht gew\u00e4hrleistet werden, weshalb die Opfer oftmals nur unpr\u00e4zise Aussagen \u00fcber ihre Traumata t\u00e4tigen und relevante Asylgr\u00fcnde dabei unerw\u00e4hnt bleiben (vgl. BAfF 2016).<\/p>\n<p>Ein solches Umfeld kann jedoch eine Psychotherapie schaffen, die sich an die o.a. Prinzipien \u201eWillkommen hei\u00dfen, ankommen, akklimatisieren, selbstbestimmen\u201c orientiert. Mit Blick auf die beschleunigten Verfahren, sind PsychologInnen jedoch gesetzlichen Regelungen ausgesetzt, die es ihnen nur bedingt erm\u00f6glichen, die Ergebnisse ihrer Therapie, ihre Einsch\u00e4tzungen und Expertise in das Asylverfahren einzubringen und dieses mittels ihrer Fachkompetenz zu beeinflussen, wobei dies im Folgeverfahren nicht mehr m\u00f6glich ist. Au\u00dferdem kann seit der Einf\u00fchrung des Asylpaket II lediglich mittels einer \u201equalifizierte[n] \u00e4rztliche[n] Bescheinigung\u201c (Gesetz zur Einf\u00fchrung beschleunigter Asylverfahren, Art.2) \u2013 die auch \u00e4rztliche PsychotherapeutInnen ausstellen k\u00f6nnen &#8211; eine Abschiebung verhindert werden. Gleichzeitig werden psychologische Gutachten und Stellungnahmen f\u00fcr die Bewertung eines Abschiebegrundes nicht mehr anerkannt (vgl. BAfF 2016).<\/p>\n<p><strong>Zugang zu Beratung und Therapie<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr eine erfolgreiche Bew\u00e4ltigung einer PTBS ist ein schnellstm\u00f6glicher Zugang zu einer psychologischen Therapierung der Traumafolgest\u00f6rung unerl\u00e4sslich, um eine Chronifizierung der Krankheit zu verhindern. So muss die Bereitstellung einer psychologischen und psychosozialen Regelversorgung sofort erfolgen und nicht erst nach 15 Monaten, so eine interviewte Psychologin. Dabei muss nicht in allen F\u00e4llen eine \u201egro\u00dfe Psychotherapie\u201c (Interview D\u00fcsseldorf 04.11.2016: Engagierte im PSZ) vollzogen werden; \u201ees reichen manchmal 2, 3 Gespr\u00e4che\u201c (ebd.). Au\u00dferdem empfiehlt die freiwillig engagierte Psychologin ein vorgelagertes Clearing, bei dem kompetent eingesch\u00e4tzt werden soll, ob die besagte Person lediglich die Hilfe eines\/einer SozialarbeiterIn ben\u00f6tigt, oder doch eine Psychotherapie in Anspruch nehmen sollte (vgl. ebd.). Eben dieser Zugang zur psychologischen und psychosozialen Betreuung ist f\u00fcr Gefl\u00fcchtete nur begrenzt vorhanden und wird nach Meinung der interviewten Haupt- und Ehrenamtler durch diverse b\u00fcrokratische und gesetzliche Ma\u00dfnahmen erschwert. Zudem wird im Zuge einer bereits erfolgten Chronifizierung der PTBS die Arbeit der PsychologInnen, mit den Trauma-Opfern, und eine Bew\u00e4ltigung des Traumas ma\u00dfgeblich beeintr\u00e4chtigt, was bei einer Fr\u00fcherkennung nicht der Fall w\u00e4re (vgl. Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016a: Mitarbeiterin im PSZ).<\/p>\n<p>Eine herausragende H\u00fcrde bei der psychologischen und psychosozialen Behandlung Gefl\u00fcchteter ist eine Vorgabe des Asylbewerberleistungsgesetzes, wonach in den ersten 15 Monaten lediglich akute Erkrankungen und Schmerzzust\u00e4nde behandelt werden und chronische Erkrankungen und die Bereitstellung einer psychologischen Langzeittherapie nicht vom Gesetz abgedeckt sind. Diese Bestimmung bezeichnet eine freiwillig engagierte Therapeutin in einem PSZ als \u201eKatastrophe\u201c und f\u00fchrt weiter aus: \u201eViele kommen nat\u00fcrlich mit Vorkrankheiten hier an, das ist nicht ungew\u00f6hnlich. Sie m\u00fcssten genauso Zugang haben\u201c (Interview D\u00fcsseldorf 04.11.2016: Engagierte im PSZ).<\/p>\n<p>Doch ist auch in akuten F\u00e4llen der Zugang zu einer Gesundheitsversorgung und psychologischen bzw. psychosozialen Therapie nicht ohne weiteres m\u00f6glich, da die Inanspruchnahme der Versorgung im Vorfeld, in Form eines Behandlungsscheines durch das Sozialamt genehmigt werden muss. Einer freiwillig engagierten Person zufolge stellt dies besonders bei Gefl\u00fcchteten ein Problem dar, da \u201eman krank ist und [\u2026] die Sprache nicht kann und den Leuten nicht erkl\u00e4ren kann, was man braucht\u201c (ebd.). Diese H\u00fcrde wurde durch den Gesetzgeber \u2013 in Form der Einf\u00fchrung einer Gesundheitskarte \u2013 zu beseitigen versucht. Dadurch, dass die Umsetzung letztlich L\u00e4ndersache geblieben ist, wurde die fl\u00e4chendeckende Wirkungskraft der Ma\u00dfnahme ma\u00dfgeblich aufgeweicht.<\/p>\n<p><strong>Gesellschaftliche Akzeptanz<\/strong><\/p>\n<p>Der Aspekt der gesellschaftlichen Akzeptanz bestimmt den Heilungsprozess einer PTBS und die Arbeitsumst\u00e4nde der freiwillig Engagierten zus\u00e4tzlich. So kritisiert eine freiwillig engagierte Psychotherapeutin die mangelnde gesellschaftliche und politische Akzeptanz von psychischen Erkrankungen bei Gefl\u00fcchteten und den vorschnellen Vorwurf der Simulation, wonach die Gefl\u00fcchteten die Symptome einer PTBS lediglich simulieren w\u00fcrden, um durch ein \u00e4rztliches Attest einer Abschiebung entgegenzuwirken (vgl. ebd.). Ein solcher Vorwurf wurde ebenfalls auf politischer Ebene, von Bundesinnenminister De Maizier\u00e8 erhoben (vgl. o.V. 2016a). Im Fall einer PTBS ist die fehlende Akzeptanz der Erkrankung besonders schwerwiegend, da diese Anerkennung ein Schutzfaktor darstellt, der f\u00fcr den Prozess der psychischen Verarbeitung wichtig ist (vgl. Landes\u00e4rztekammer Baden-W\u00fcrttemberg \/ Landespsychotherapeutenkammer Baden-W\u00fcrttemberg 2011: 20). Au\u00dferdem kann durch die Anerkennung als Opfer und des erlebten Traumas dem\u00a0 Einsetzen einer Traumafolgest\u00f6rung pr\u00e4ventiv vorgebeugt werden (BPtK 2015: 8). So kann bereits die blo\u00dfe Anerkennung und Akzeptanz des Krankheitsbildes die belastenden Postmigrationsfaktoren reduzieren und die Arbeit freiwillig Engagierter in der Hinsicht unterst\u00fctzen und vereinfachen, dass die Entwicklung einer Traumafolgest\u00f6rung einged\u00e4mmt und die Bew\u00e4ltigung einer PTBS gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p><strong>Psychologische Betreuung im Spannungsfeld zwischen Ehrenamt und Profession<\/strong><\/p>\n<p>Im Aufgabenspektrum der MitarbeiterInnen in den PSZ nimmt die Zusammenarbeit mit freiwillig Engagierten lediglich einen Anteil von drei Prozent ein (vgl. BAfF 2015: 10). Dies bedeutet jedoch nicht, dass der freiwillig Engagierte, ohne psychologische oder psychotherapeutische Ausbildung keine Rolle in der psychosozialen oder psychologischen Beratung und Betreuung Gefl\u00fcchteter spielt. Im Laufe unserer Gespr\u00e4che konnten wir herausstellen, dass das Ausma\u00df der impliziten psychologischen Betreuung durch freiwillig Engagierte gr\u00f6\u00dfer ist, als offiziell angenommen.<\/p>\n<p><strong>Stabilisierung <\/strong><\/p>\n<p>Auf die Frage, wie als freiwillig Engagierter zu reagieren ist, wenn sich ein Gefl\u00fcchteter mit Blick auf seine Traumata \u00f6ffnet, antwortet ein Engagierter ohne psychologische oder therapeutische Erfahrung: \u201eKann man eigentlich nur immer wieder zuh\u00f6ren und weil wir da auch zu wenig Ahnung haben [\u2026] Das w\u00e4re glaube ich falsch, wenn wir da irgendwas in die Richtung, dass wir ihn da psychologisch beraten w\u00fcrden, ich glaube da w\u00fcrden wir viel zu viele Fehler machen. [\u2026] Da m\u00fcssen Mediziner ran, oder Leute die sich damit intensiv auskennen\u201c (Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Diesem Selbstverst\u00e4ndnis nach endet die eigene Kompetenz als freiwillig Engagierter mit dem Bedarf des Gefl\u00fcchteten nach expliziter psychologischer oder psychosozialer Beratung. An einer anderen Stelle merkt der freiwillig Engagierte konkreter an, dass mit Blick auf eine Traumafolgest\u00f6rung des Gefl\u00fcchteten, die eigene \u201eGrenze [als Engagierter] absolut erreicht\u201c (ebd.) sei.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz begrenzt sich das Verh\u00e4ltnis der freiwillig Engagierten &#8211; ohne psychologische oder therapeutische Vorkenntnisse &#8211; zu den Gefl\u00fcchteten nicht nur auf eine Sachebene, sondern ber\u00fchrt des \u00d6fteren die Beziehungsebene. So beschreibt ein freiwillig Engagierter ohne psychologische oder psychosoziale Vorkenntnisse den Anspruch des eigenen Engagements mit den Worten \u201eunterst\u00fctzen, begleiten und an die richtigen Leute vermitteln\u201c (Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Zudem passiert es immer wieder, dass die Gefl\u00fcchteten mit ihren Sorgen (vgl. ebd.) an die freiwillig Engagierten herantreten, obwohl diese keinerlei psychologische oder therapeutische Vorkenntnisse besitzen. In diesem Zusammenhang kommt es auch zu emotionalen und psychischen Ausnahmesituationen, die im unsicheren rechtlichen Status des Gefl\u00fcchteten begr\u00fcndet liegen und sich u.a. in Tr\u00e4nenausbr\u00fcchen ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Die Reaktion auf diese Situation schildert ein freiwillig Engagierter so: \u201eJa muss man dann einfach, ohne psychologische Schulung die ich da habe, ihn in den Arm nehmen, einfach mal dr\u00fccken und sagen &#8218;komm, [\u2026] wir versuchen jetzt so schnell wie m\u00f6glich \u00fcber das Bundesamt, dass du hier einen vern\u00fcnftigen Status hast, dass du deine Familie nachholen kannst.\u201c (ebd.). Dieser Fall zeigt exemplarisch die Herangehensweise bei einer impliziten psychologischen Betreuung Gefl\u00fcchteter. Der freiwillig Engagierte versteht den Bedarf des Gefl\u00fcchteten nach der eigenen Familie und versucht durch die Unterst\u00fctzung bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen und der Kl\u00e4rung des Status des Gefl\u00fcchteten, den Familiennachzug voranzutreiben. Zwar bietet der freiwillig Engagierte an dieser Stelle keine explizite psychologische Beratung oder Psychotherapie an, versucht dennoch die Person des Gefl\u00fcchteten durch die eben genannte Unterst\u00fctzung zu stabilisieren und d\u00e4mmt so die Faktoren seiner emotionalen und psychischen Instabilit\u00e4t ein. In diesem Fall w\u00fcrde ein Familiennachzug die unsichere Lebensperspektive und die instabile Lebenssituation des Gefl\u00fcchteten verringern, wodurch beispielsweise eine \u201eTrauma-aufdeckende Psychotherapie\u201c aussichtsreicher wird (vgl. Landes\u00e4rztekammer Baden-W\u00fcrttemberg \/ Landespsychotherapeutenkammer Baden-W\u00fcrttemberg 2011: 13).<\/p>\n<p>Die Stabilisierung des Gefl\u00fcchteten durch die implizite psychologische Betreuung durch den freiwillig Engagierten kann auch in Form der Wohnungsbeschaffung erfolgen. So schildert ein freiwillig Engagierter, dass ein Gefl\u00fcchteter auf eine erfolgreiche Wohnungsbeschaffung durch die freiwillig Engagierten mit einem \u201eStrahlen in den Augen\u201c (Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe) reagierte, da dieser nun einen privaten R\u00fcckzugsort habe. Die Art der Stabilit\u00e4t und Autonomie, die ein Gefl\u00fcchteter durch den Bezug der eigenen Wohnung erlebt, kann ebenfalls dazu beitragen, das Leiden unter einer m\u00f6glichen PBTS zu lindern (vgl. BPtK 2015: 9).<\/p>\n<p><strong>Anerkennung und soziale Integration <\/strong><\/p>\n<p>Die implizite psychologische Betreuung kann auf der Beziehungsebene au\u00dferdem noch intensiver vollzogen werden. So pflegen Gefl\u00fcchtete oftmals eine bessere Beziehung gegen\u00fcber den freiwillig Engagierten als zu den SozialarbeiterInnen, weshalb sie sich den Engagierten emotional und psychisch eher \u00f6ffnen, als dies gegen\u00fcber SozialarbeiterInnen der Fall ist (vgl. Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Die freiwillig Engagierten ohne psychologische Ausbildung und Vorkenntnisse verschlie\u00dfen sich den Gefl\u00fcchteten jedoch nicht, sondern \u00f6ffnen sich dieser vertraulichen Beziehung und versuchen durch intensives Zuh\u00f6ren dem Gefl\u00fcchteten ein Gef\u00fchl der Teilnahme und des Verst\u00e4ndnisses zu vermitteln (vgl. ebd.). Dadurch wird dem Gefl\u00fcchteten, seiner traumatischen Erfahrungen und seinem Status als Opfer entsprechende Anerkennung entgegengebracht, wodurch die Entstehung einer Traumafolgest\u00f6rung einged\u00e4mmt werden kann (vgl. BPtK 2015: 8).<\/p>\n<p>Damit die Gefl\u00fcchteten ihre eigenen psychischen Belastungen besser verarbeiten k\u00f6nnen, leisten freiwillig Engagierte des Weiteren \u2013 im Rahmen einer impliziten psychologischen Betreuung \u2013 intuitive Hilfestellungen zur sozialen Integration. Diese erfolgen oftmals informell und sporadisch, beispielsweise in Form einer Einladung zu einem Essen oder einem Fu\u00dfballspiel durch den freiwillig Engagierten. Dadurch, dass der oder die Gefl\u00fcchtete \u201ewieder was Sch\u00f6nes erleben\u201c (Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe) kann, soll diese\/r von seinen traumatischen Erfahrungen und psychischen Belastungen abgelenkt werden. \u00dcber eine blo\u00dfe Ablenkung hinausgehend, werden durch eine solche soziale Integration des Gefl\u00fcchteten jene Postmigrationsfaktoren reduziert, die dessen psychisches Wohlbefinden oftmals verletzen (vgl. Schweitzer et al. 2006: 184ff.) und das Leiden unter einer PTBS verst\u00e4rken k\u00f6nnen (vgl. BPtK 2015: 9). Zu diesen Faktoren geh\u00f6ren auch die Trennung von der eigenen Familie, eine fehlende soziale Unterst\u00fctzung und Probleme bei der kulturellen und gesellschaftlichen Teilhabe (vgl. Schweitzer et al. 2006: 184ff.).<\/p>\n<p>Allesamt Faktoren, die freiwillig Engagierte im Rahmen einer impliziten psychologischen Betreuung auf einer Beziehungsebene zu d\u00e4mpfen versuchen. Dabei nehmen die freiwillig Engagierten ihre Rolle in der impliziten psychologischen Betreuung nicht als herausragend wahr, sondern verstehen ihre Hilfestellungen mehr als allt\u00e4gliche Unterst\u00fctzung, denn als psychologische Bew\u00e4ltigungsstrategie. Nichtsdestotrotz kann letzteres ein Effekt der impliziten psychologischen Betreuung durch freiwillig Engagierte sein. Wie erfolgreich diese Hilfestellungen tats\u00e4chlich sind und ob sie f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten eine entsprechende Bew\u00e4ltigungsstrategie darstellen, l\u00e4sst sich im Rahmen dieser Arbeit nicht beantworten. Dennoch l\u00e4sst sich festhalten, dass die dargelegten Folgen einer impliziten psychologischen Betreuung, dem aktuellen Forschungsstand zufolge, Verarbeitungs- und Bew\u00e4ltigungswege jener Postmigrationsfaktoren sein k\u00f6nnen, die Gefl\u00fcchtete oftmals psychisch belasten und zu einer Traumafolgest\u00f6rung f\u00fchren k\u00f6nnen, bzw. diese zumindest verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chten wir unser Augenmerk auf die freiwillig Engagierten richten. So gewannen wir im Laufe unserer Forschung die Erkenntnis, dass durch den engen Kontakt mit traumatisierten Personen, freiwillig Engagierte mit Leidenserfahrungen konfrontiert werden, die insbesondere f\u00fcr jene ohne psychologische oder therapeutische Ausbildung belastend sein k\u00f6nnen. Welche Bew\u00e4ltigungsstrategien die freiwillig Engagierten mit und ohne psychologische bzw. therapeutische Ausbildung in Folge dessen anwenden und wie sich ihr Verst\u00e4ndnis vom jeweils eigenen Engagement voneinander unterscheidet, wird im Folgenden u.a. n\u00e4her dargelegt.<\/p>\n<h3><strong><a id=\"Ge\"><\/a>Die Gefahr &#8211; Sekund\u00e4re Traumatisierung freiwillig Engagierter<\/strong><\/h3>\n<p>Wie im vorangehenden Kapitel dargelegt wurde, besteht ein Unterschied zwischen der expliziten und der impliziten psychologischen Betreuung und Beratung von Gefl\u00fcchteten durch freiwillig Engagierte. Grundlegend f\u00fcr diese Unterscheidung ist die Berufsausbildung als PsychologIn oder TherapeutIn und die daraus resultierenden T\u00e4tigkeitsfelder des freiwilligen Engagements. Personen, die eine Berufsausbildung als PsychologIn oder TherapeutIn haben, \u00fcbernehmen im Rahmen ihres Engagements eine explizite psychologische oder therapeutische Betreuung. Andere freiwillig Engagierte gew\u00e4hrleisten durch ihre t\u00e4gliche Arbeit im Rahmen ihres Engagements eine implizite psychologische Betreuung.<\/p>\n<p>Durch den intensiven Kontakt mit den Gefl\u00fcchteten entwickeln sich bei den freiwillig Engagierten ein Vertrauensverh\u00e4ltnis und eine gegenseitige Sympathie. Die gemeinsamen Gespr\u00e4che k\u00f6nnen von den zu behandelnden Sachfragen abschweifen und es findet ein Austausch \u00fcber die jeweiligen Lebenswege statt (vgl. ebd. \/ vgl. Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Den freiwillig Engagierten werden Fotos von der Flucht oder der zerst\u00f6rten Heimat gezeigt. Ihnen wird anhand dieser Fotos vermittelt, welchen Verlust die Gefl\u00fcchteten erlitten haben oder weitergehend erleiden und welche Hoffnungen sie hegen. Vor allem wird versucht \u00fcber Fotos zu vermitteln, in welchen Zwangslagen sich der Rest der Familie des Gefl\u00fcchteten befindet (vgl. Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Die freiwillig Engagierten werden zum einen konfrontiert mit Tod, Leid und Krieg und zum anderen mit suizidalen Handlungen Gefl\u00fcchteter, und versuchen Anteil zu nehmen an dem Ungl\u00fcck und dem Unrecht dass ihrer\/ihrem Gegen\u00fcber geschehen ist. Dieser Umstand macht sie betroffen (vgl. Interview Bochum 16.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe) und bringt sie oftmals an den Rand dessen, was sie ertragen k\u00f6nnen (vgl. Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe).<\/p>\n<p>Die freiwillig Engagierten beschreiben es als schwierig, einen ad\u00e4quaten Umgang mit den Leiden, die an sie herangetragen werden, und den Erfahrungen, die sie im Rahmen ihres Engagements machen, zu finden (vgl. Interview Bochum 16.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Grunds\u00e4tzlich halten sie es f\u00fcr ihre Aufgabe, den Gefl\u00fcchteten zuzuh\u00f6ren und alles in ihrer Macht Stehende in Bewegung zu setzen, um die Lage in der sich die Gefl\u00fcchteten befinden, zu verbessern.<\/p>\n<p>Freiwillig Engagierte, deren Arbeit eine Ausbildung zur PsychologIn oder TherapeutIn zu Grunde liegt, \u00fcbernehmen auch eine explizite psychologische Betreuung von Gefl\u00fcchteten. Sie f\u00fchren therapeutische Sitzungen mit gefl\u00fcchteten Menschen durch, um ihnen dabei zu helfen einen Umgang mit ihrem Seelenleid zu finden. Dabei legen sie in einem ersten Schritt ihr Hauptaugenmerk darauf, dem Gefl\u00fcchteten ein Gef\u00fchl der Selbstbestimmung zur\u00fcckzugeben (vgl. Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016a: Mitarbeiterin im PSZ).<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von ihrer Ausbildung droht allen freiwillig Engagierten die Gefahr der Sekund\u00e4ren Traumatisierung (ST). Die ST wird als Krankheit verstanden und resultiert aus der wiederholten Konfrontation mit traumatischen Berichten, da die Betroffenen mittelbar zu ZeugInnen von Verbrechen und unmenschlichen Erlebnissen werden. Der Krankheitsverlauf entwickelt sich schleichend und die Betroffenen befinden sich in einem permanenten Zustand der Erregung. Die ST resultiert nicht aus Sorge um das eigene Wohlergehen, sondern aus Sorge um die Sicherheit der prim\u00e4r traumatisierten Person (vgl. Figley 2002: 41ff.). Wie die PTBS zeigt die ST eine Symptomatik in Form von Albtr\u00e4umen, Entfremdung und Schlafst\u00f6rungen, oder in Gestalt von Burnout-Symptomen, wie Niedergeschlagenheit, k\u00f6rperliche Beschwerden und Zynismus (Maercker 2009: 172). Indikatoren f\u00fcr eine ST sind belastende Gef\u00fchle wie Wut, Scham, Trauer und Depression. Inwiefern eine ST eine Gefahr f\u00fcr freiwillig Engagierte darstellt, h\u00e4ngt davon ab, wie empathief\u00e4hig sie sind, auf welche Art und Weise sie mit dem Inhalt des Traumas des prim\u00e4r Traumatisierten konfrontiert wurden, welche eigenen unverarbeiteten Traumata sie mit sich tragen, wie empf\u00e4nglich sie f\u00fcr emotionale \u201eAnsteckung\u201c sind und inwieweit das eigene Leben durch Sicherheit und Stabilit\u00e4t gepr\u00e4gt ist (vgl. Figley 2002: 44ff.).<\/p>\n<p>Sowohl freiwillig Engagierte mit therapeutischer Ausbildung als auch ohne haben in unseren Interviews auf Symptome einer ST hingewiesen. W\u00e4hrend TherapeutInnen und PsychologInnen auf das Aufkommen von eigenen Traumata hinwiesen, und dies als ST bezeichneten, berichteten freiwillig Engagierte ohne therapeutische Ausbildung von gro\u00dfer Wut, die sich gegen\u00fcber dem b\u00fcrokratischen Staatsapparat entwickelt. Dies kann ebenfalls ein Hinweis auf eine m\u00f6gliche ST sein.<\/p>\n<p>Im Folgenden werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Verarbeitung der Konfrontation mit den Leiden und Problemen gefl\u00fcchteter Menschen zwischen professionellen TherapeutInnen und freiwillig Engagierten ohne therapeutische Ausbildung beleuchtet. Dabei kommt zum Tragen, dass Personen mit einer therapeutischen oder psychologischen Ausbildung ein Bewusstsein \u00fcber die Gefahr einer ST haben und \u00fcber Kenntnisse verf\u00fcgen, dieser zu begegnen. Dies ist bei freiwillig Engagierten ohne therapeutische Ausbildung eher seltener der Fall, und dennoch wenden sie intuitiv Methoden an, um durch ihr Engagement nicht seelisch in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Die F\u00e4higkeit sich selbst vor einer ST zu sch\u00fctzen, wird als Resilienz bezeichnet, und meint die Widerstandsf\u00e4higkeit gegen m\u00f6gliche psychische Krisen (Borgert 2013: 10).<\/p>\n<p><strong style=\"font-size: 1rem;\"><a id=\"Be\"><\/a>Kampf um Ressourcen &#8211; Bew\u00e4ltigungsstrategien Professioneller und Fachfremder<\/strong><\/p>\n<p>Freiwillig Engagierte in der Fl\u00fcchtlingshilfe werden oft mit Geschichten und Erlebnissen konfrontiert, die ihr bestehendes Weltbild ersch\u00fcttern und ihre Vorstellungskraft sowie ihr bisheriges Wissen bei weitem \u00fcbersteigen.<\/p>\n<p>Der Mensch nutzt Kategorien, um Gruppen von Objekten oder Ereignissen aufgrund ihrer Gemeinsamkeit zusammenzufassen und um seine Erlebnisse mit bereits vorhandenem Wissen in Kontakt zu bringen. Kategorien helfen ihm dabei die Welt in seiner Vorstellung zu ordnen, von seinen Erfahrungen zu profitieren und bereits vorhandenes Wissen auf neue Erfahrungen anzuwenden. Die Zuordnung zu einer Kategorie erlaubt es ihm in angemessener Art und Weise auf Objekte oder Erlebnisse zu reagieren (Waldmann 2008: 5ff.). Die Erfahrungen, die freiwillig Engagierte machen, passen oft nicht in ihre bestehenden Kategorien. Deswegen werden &#8218;Copingstrategien&#8216; angewandt, um im besten Falle einen ad\u00e4quaten Umgang mit dem Erlebten zu finden. Unter Copingstrategien werden Strategien verstanden, die darauf ausgerichtet sind, die neuen Erfahrungen, die in kein bestehendes Kategoriensystem passen, zu kompensieren. Durch die Anpassung der bestehenden Kategorien oder durch die Erschaffung neuer Kategorien, die das Individuum benutzt, um sich ein Bild von der Welt zu machen, versuchen die freiwillig Engagierten die Konfrontation mit Leid zu bew\u00e4ltigen (vgl. Fischer 2009: 384). Diese kognitive Leistung wird als Teil pers\u00f6nlicher Ressourcen verstanden, die dazu beitragen, sich vor einer ST zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend bei therapeutisch oder psychologisch ausgebildeten freiwillig Engagierten vorausgesetzt werden kann, dass ein Wissen \u00fcber eine m\u00f6gliche ST vorhanden ist, muss davon ausgegangen werden, dass Personen ohne therapeutische oder psychologische Ausbildung nicht \u00fcber dieses Wissen verf\u00fcgen. Daraus resultieren jeweils unterschiedliche Strategien bei der Kompensation der eignen Konfrontation mit Leidenserfahrungen und der PTBS gefl\u00fcchteter Menschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Schutz pers\u00f6nlicher Ressourcen<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die freiwillig Engagierten mit einer therapeutischen oder psychologischen Ausbildung haben gegen\u00fcber der anderen Gruppe von freiwillig Engagierten den Vorteil, dass sie die seelischen Belastungen, mit denen sie konfrontiert sind, besser als solche erkennen und mit entsprechenden Strategien f\u00fcr den professionellen Umgang vertraut sind. Freiwillig Engagierte mit therapeutischer oder psychologischer Ausbildung berichten davon, dass fr\u00fchere Traumata auch bei ihnen wieder hervortreten (vgl. Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016a: Mitarbeiterin im PSZ). Eine Interviewpartnerin erz\u00e4hlte, dass sie im institutionellen Rahmen ihres Engagements Supervisionen, Team- Supervisionen und Fall-Supervisionen machen, um seelischen Belastungsst\u00f6rungen vorzubeugen (vgl. ebd.). Unter einer Supervision wird die Bearbeitung von Problemen verstanden, die sich aus der Interaktion zwischen TherapeutIn und PatientIn ergeben. Dabei sollen im Gespr\u00e4ch zwischen dem\/der SupervisorIn und dem\/der SupervisandIn die beruflichen F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten verbessert werden, aber auch die pers\u00f6nlichen Ressourcen des\/der TherapeutIn gest\u00e4rkt werden (vgl. Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen o.J.). Unter pers\u00f6nlichen Ressourcen werden die k\u00f6rperliche Konstitution, die geistigen F\u00e4higkeiten, emotionale F\u00e4higkeiten sowie Bildung, eigene Motivation, Erfahrungen und Glaubenssysteme verstanden, die dazu beitragen, Probleme zu bew\u00e4ltigen (vgl. o.V o.J). Nichtsdestotrotz berichtete diese Inteviewpartnerin von Schlafst\u00f6rungen in Folge einer ST. Sie versucht diesen zu begegnen, indem sie an sch\u00f6ne Bilder denkt oder Atem\u00fcbungen macht, um ihr \u201eSystem herunterzufahren\u201c. Alternativ liest sie ein gutes Buch bis ihr das Einschlafen m\u00f6glich scheint. Sie betont dabei, dass es sich um B\u00fccher mit sch\u00f6nem Inhalt handelt und nicht um Thriller (vgl. Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016a: Mitarbeiterin im PSZ). Andere TherapeutInnen finden auf anderen Wegen Ablenkung. Zum Beispiel singen sie im Kirchenchor und widmen sich religi\u00f6sen Themen (vgl. Interview D\u00fcsseldorf 04.11.2016: Engagierte im PSZ). Die freiwillig Engagierten ohne therapeutische Ausbildung berichten von einer starken Wut, die sie gegen\u00fcber dem b\u00fcrokratischen Staatsapparat entwickelt haben. Dies geht soweit, dass sie sich nicht mehr in der Lage sehen, sich mit Beh\u00f6rden bezogen auf das Thema Flucht und Integration auseinanderzusetzen. Die pers\u00f6nlichen Ressourcen der freiwillig Engagierten sind dabei deutlich angegriffen. Dadurch, dass die freiwillig Engagierten ohne therapeutische Ausbildung nicht \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der professionellen Supervision verf\u00fcgen und \u00fcber die Gefahren der ST nur intuitiv wissen, droht ihnen eine besonders gro\u00dfe Gefahr die pers\u00f6nlichen Ressourcen, und damit die F\u00e4higkeit einen ad\u00e4quaten Umgang mit der Konfrontation mit Leid zu finden, einzub\u00fc\u00dfen und sekund\u00e4r traumatisiert zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Soziale Ressourcen<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die Gruppe von freiwillig Engagierten ohne therapeutische Ausbildung ist es umso wichtiger auf soziale Ressourcen zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen, da sie einer gr\u00f6\u00dferen Gefahr ausgesetzt sind, pers\u00f6nliche Ressourcen einzub\u00fc\u00dfen. Diese Gruppe freiwillig Engagierter sucht die soziale Interaktion, um ihre Erfahrungen zu verarbeiten und so ihre pers\u00f6nlichen Ressourcen zu entlasten. Zu den sozialen Ressourcen z\u00e4hlen zum einen die engeren Beziehungen in der <strong><em>Familie<\/em><\/strong> und zum anderen die Beziehungen im weiteren Familienkreis und zu anderen Personen. Soziale Ressourcen nehmen bei allen interviewten freiwillig Engagierten eine gro\u00dfe Rolle ein; dies ist insbesondere bei jenen ohne therapeutische oder psychologische Ausbildung der Fall. F\u00fcr sie spielt die Familie eine besonders gro\u00dfe Rolle, um mit den Folgen des eigenen Engagements umgehen zu k\u00f6nnen. Das gleiche gilt f\u00fcr die <strong><em>Organisation<\/em><\/strong>, in deren Rahmen das eigene Engagement koordiniert wird, oder \u00fcber die man sich und das eigene Engagement identifiziert. Bei den Funktionen, die die Organisationen f\u00fcr die freiwillig Engagierten \u00fcbernehmen, sind Unterschiede zwischen freiwillig Engagierten mit einer psychologischen oder therapeutischen Ausbildung und freiwillig Engagierten mit anderweitiger Berufsausbildung im freiwilligen Engagement zu erkennen. Diese werden im Folgenden dargelegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4.2.1 Bezugsrahmen &#8211; Lokal und International <\/strong><\/p>\n<p>Die freiwillig Engagierten ohne therapeutische Ausbildung verstehen ihr Engagement als lokale Intervention in eine staatliche Mangelversorgung hinein (vgl. Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016b: Mitarbeiterin im PSZ). Es ist ihnen wichtig, Menschen, zu denen sie pers\u00f6nlichen Kontakt haben, dabei zu helfen, sich in die lokale Gesellschaft zu integrieren. Die freiwillig Engagierten ohne therapeutische Ausbildung pr\u00e4sentieren den gefl\u00fcchteten Menschen die Stadt, in der sie leben, als ihre Heimat und m\u00f6chten ihnen dabei helfen, sich in eben dieser neuen Heimat zurechtzufinden. Es geht den Engagierten darum, anzupacken und konkrete Hilfestellung zu gew\u00e4hrleisten (vgl. ebd.). Aus diesen pers\u00f6nlichen Beziehungen entwickeln sich auf Sympathie beruhende Beziehungen, die weit \u00fcber die Sachebene hinausgehen (vgl. Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Trotz der Bezugnahme auf die lokale Ebene des eigenen Engagements, verstehen die freiwillig Engagierten die Migrationsbewegung und die mangelnde Versorgung Gefl\u00fcchteter in Deutschland als Ergebnis \u00fcberregionaler und internationaler Prozesse. Vor diesem Hintergrund sehen sie kein nahendes Ende ihrer Arbeit, sondern vielmehr eine wachsende, ihre Zukunft bestimmende Aufgabe. Aus ihrer Perspektive werden die zunehmende Mobilit\u00e4t der Menschen und die vergleichsweise schlechter werdenden Lebensbedingungen auch in 25 Jahren noch pragmatisches Engagement auf lokaler Ebene erfordern (vgl. ebd.). Die freiwillig Engagierten organisieren sich in Gruppen in freundschaftlicher Atmosph\u00e4re, die sich auf lokale Probleme und Umst\u00e4nde fokussieren. Der lokale Rahmen ist das Verbindende der freiwillig Engagierten. Die Gruppen, in denen sie sich engagieren, bieten ihnen die M\u00f6glichkeit, Probleme bei der praktischen Arbeit anzusprechen, ihrem \u00c4rger \u00fcber b\u00fcrokratische Prozesse Luft zu machen und sich in einem intimen Rahmen \u00fcber die seelischen Belastungen auszutauschen (vgl. Interview Bochum 16.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Die Gruppe, in der sich engagiert wird, wird also unmittelbar zur sozialen Ressource der freiwillig engagierten Person. Es entwickeln sich neue Freundschaften und durch die zunehmende Vernetzung entsteht ein Bezugsrahmen auf lokaler Ebene, der eine enge Zusammenarbeit der freiwillig Engagierten gew\u00e4hrleistet. Im Zuge dessen lernen diese voneinander, Aufgaben zu bew\u00e4ltigen und Herausforderungen anzunehmen. Das Netzwerk gibt Ansto\u00df, eigene Lern- und Denkprozesse zu korrigieren und neue Perspektiven auf das eigene Handeln zu zulassen. Diese engen Beziehungen, die sich aufbauen, bieten den freiwillig Engagierten Halt, wenn sie sich mit Problemen konfrontiert sehen, die sie seelisch \u00fcberlasten. Diese soziale Eingebundenheit verschafft den freiwillig Engagierten eine gr\u00f6\u00dfere Resilienz, also eine gr\u00f6\u00dfere psychische Widerstandsf\u00e4higkeit, um m\u00f6gliche Krisen durch in der Gemeinschaft vermittelten Ressourcen abzuwehren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Engagement der Nicht-TherapeutInnen die internationale Dimension der Migrationsbewegungen zwar ber\u00fccksichtigt, sich jedoch auf die pragmatische Hilfe vor Ort konzentriert, liegt dem Engagement der befragten TherapeutInnen und PsychologInnen ein internationaler Berufsethos zu Grunde. Sie sehen ihr Engagement als Teil einer globalen Bewegung,\u00a0 nehmen in der Darstellung ihres Engagements Bezug auf globale Organisationen ihres Berufsstandes und betten ihre T\u00e4tigkeit in diesen globalen Rahmen ein (zum Fl\u00fcchtlingsengagement als globale Bewegung vgl. <a href=\"https:\/\/engagementforschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de\/?p=114\">Die Politische Dimension des Engagements<\/a>). Dies resultiert aus den geschaffenen \u00fcberregionalen und transnationalen Institutionen, in deren Rahmen sich freiwillig engagierte TherapeutInnen und PsychologInnen gegenstandsbezogen austauschen, fortbilden und Lobbyarbeit betreiben. Im Rahmen unserer Interviews wurden vor allem die Organisationen &#8218;Bundesarbeitsgemeinschaft f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge&#8220; (Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016a: Mitarbeiterin im PSZ), &#8222;International Physicians for Prevention of Nuclear War&#8220; (Interview D\u00fcsseldorf 04.11.2016: Engagierte im PSZ) und &#8222;Medicines sans Frontieres&#8220; (ebd.) (zu Deutsch: \u00c4rzte ohne Grenzen) genannt. Vor allem letztgenannte Organisation tr\u00e4gt dazu bei, dass die TherapeutInnen und PsychologInnen ihre Arbeit in Deutschland als Symptombek\u00e4mpfung verstehen, die mit der Bek\u00e4mpfung der Ursachen von Flucht einhergehen muss (vgl. Interview D\u00fcsseldorf 13.10.2016a: Mitarbeiterin im PSZ). F\u00fcr die St\u00e4rkung der Resilienz des\/der einzelnen Engagierten ist die internationale Organisation nicht ausschlaggebend. Daf\u00fcr wirkt die r\u00e4umliche Distanz zu gro\u00df und der tats\u00e4chliche Austausch ist zu selten.<\/p>\n<p><strong>4.2.2 Die Familie &#8211;\u00a0 Kern sozialer Ressourcen\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Sowohl f\u00fcr Engagierte mit therapeutischer Ausbildung als auch ohne ist die Familie die erste Adresse, um \u00fcber aufkommende Frustrationen und Leiden zu sprechen. Der Familie kommt dementsprechend eine Hauptrolle bei der St\u00e4rkung der Resilienz von freiwillig Engagierten zu.<\/p>\n<p>Voraussetzung daf\u00fcr ist die M\u00f6glichkeit, die Privatsph\u00e4re vor den Folgen des Engagements bestm\u00f6glich zu sch\u00fctzen. Dadurch wird ein R\u00fcckzugsraum gew\u00e4hrleistet, der es den freiwillig Engagierten erm\u00f6glicht, ihr Engagement aufrechtzuhalten ohne zu vergessen, dass es noch ein eigenes Leben gibt. Dies stellt f\u00fcr die freiwillig Engagierten einen st\u00e4ndigen Drahtseilakt dar. Zum einen m\u00f6chten sie das pers\u00f6nliche Leid der gefl\u00fcchteten Menschen teilen und zum anderen den privaten Bereich nicht als R\u00fcckzugsort gef\u00e4hrden. Um dies zu gew\u00e4hrleisten, treffen sich die freiwillig Engagierten mit den Gefl\u00fcchteten nicht im h\u00e4uslichen Umfeld des Engagierten, sondern im \u00f6ffentlichen Raum. Je l\u00e4nger eine Zusammenarbeit zwischen Engagierten und Gefl\u00fcchteten besteht, desto enger werden die Verh\u00e4ltnisse, und desto mehr verwischen die Grenzen zwischen dem privaten Bereich und dem Bereich des freiwilligen Engagements (vgl. Interview Bochum 16.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Dies gilt vor allem f\u00fcr die implizite psychologische Betreuung, da diese in weniger eng gesteckten formellen Grenzen stattfindet. Aber auch Engagierte, die eine explizite psychologische Betreuung von Gefl\u00fcchteten \u00fcbernehmen, k\u00e4mpfen darum, die Belastungen aus ihrem Engagement nicht mit nach Hause zu nehmen, da sie bef\u00fcrchten die Familie damit zu sehr zu belasten. Stattdessen sehen sie den Bedarf, die Familie als Hort der Freude zu bewahren (vgl. Interview D\u00fcsseldorf 04.11.2016: Engagierte im PSZ).<\/p>\n<p>Beinah alle befragten Personen haben darauf hingewiesen, dass sie nicht die einzigen ihrer Familie sind, die im Fl\u00fcchtlingsengagement t\u00e4tig sind. Vor allem bei freiwillig Engagierten, die eine implizite psychologische Betreuung \u00fcbernehmen, ist das eigene Engagement Teil eines Familienengagements im Rahmen der lokalen Hilfsorganisation. Das gemeinsame Engagement entwickelt sich in den Familien zur Herausforderung, die gemeinsam bew\u00e4ltigt wird. Daraus resultiert, dass die Familie zum einen als Arbeitspartner im Rahmen des Engagements auftritt und zum anderen als R\u00fcckzugsraum die Resilienz gegen ST st\u00e4rkt. Das gemeinsame Engagement scheint sich vor allem auf EhepartnerInnen auszuwirken. Durch das gemeinsame Projekt verbringen sie mehr Zeit denn je miteinander und versuchen gemeinsame L\u00f6sungen f\u00fcr auftretende Probleme zu erarbeiten (vgl. Interview Bochum 16.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Dieser Umstand ist vor allem f\u00fcr jene engagierten (Ehe-)PartnerInnen von herausragender Bedeutung, die beruflich bedingt bis dato sowohl r\u00e4umlich als auch zeitlich und thematisch in ihrem Alltag voneinander getrennt waren. Sie entwickeln im Rahmen ihres gemeinsamen Engagements eine gr\u00f6\u00dfere Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die F\u00e4higkeiten des jeweils anderen und setzen diese F\u00e4higkeiten arbeitsteilig im Rahmen ihres Engagements ein (vgl. ebd.). Daraus resultiert, dass das Thema der Integrationshilfe das beherrschende ist, wenn die Familie sich im h\u00e4uslichen Rahmen oder auf Familienfeiern trifft (vgl. Interview Bochum 07.09.2016: Engagierter in der Gefl\u00fcchtetenhilfe). Dies ist zum einen ein weiteres Indiz daf\u00fcr, dass die Familie ausschlaggebend daf\u00fcr ist, die Resilienz gegen ST zu gew\u00e4hrleisten, stellt zum anderen aber ein Zeichen f\u00fcr die Untrennbarkeit von freiwilligem Engagement und famili\u00e4rer Sph\u00e4re dar.<\/p>\n<h3><strong style=\"font-size: 1rem;\">Wo der Staat spart, zahlen freiwillig Engagierte mit ihrer Gesundheit \u2013 Ein Fazit<\/strong><\/h3>\n<p>Wie eingangs dargelegt, stehen die gesundheitliche Versorgung Gefl\u00fcchteter und die damit einhergehenden Kosten im Spannungsverh\u00e4ltnis mit dem politischen Wunsch nach einer m\u00f6glichst kostenneutralen und restriktiven Zuwanderung Gefl\u00fcchteter. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn das Verwertungspotential der MigrantInnen in der deutschen Volkswirtschaft zumindest fraglich scheint. Es sei daran erinnert, dass das Recht auf Asyl das einzige Recht darstellt, das Menschen ohne deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft gegen\u00fcber dem deutschen Staat erwirken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In diesem Essay wurde der Zusammenhang zwischen dieser staatlich verschuldeten und juristisch manifestierten Versorgungsl\u00fccke bei der psychologischen Betreuung Gefl\u00fcchteter auf der einen Seite und die daraus resultierenden psychischen Belastungen und Krankheiten unter Gefl\u00fcchteten und freiwillig Engagierten hergestellt. Die Auswirkungen des eingeschr\u00e4nkten Zugangs zu Gesundheitsdienstleistungen f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen mit einer PTBS wurde ebenso dargelegt, wie dessen Auswirkungen auf die Arbeit freiwillig Engagierter, die entweder eine explizite oder implizite psychologische Betreuung von gefl\u00fcchteten Personen \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Zur Bew\u00e4ltigung einer PTBS w\u00e4re der schnellstm\u00f6gliche Zugang zu einer psychologischen Therapie f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen zwingend notwendig, was durch das Asylbewerberleistungsgesetz derzeit verhindert wird. Diese Regelung sieht einen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen f\u00fcr Gefl\u00fcchtete erst nach 15 Monaten vor. Erschwerend kommt hinzu, dass dem Asylpaket II zufolge, relevante Asylgr\u00fcnde nach der Erstanh\u00f6rung nicht mehr geltend gemacht werden k\u00f6nnen. Dieser Umstand missachtet, dass traumatische Erfahrungen nicht sofort in ihrer Ganzheit sprachlich kommunizierbar sind und erst durch eine psychologische Betreuung als solche erkannt werden.<\/p>\n<p>Die staatliche Versorgungsl\u00fccke macht es notwendig, dass freiwillig Engagierte je nach Qualifikation eine explizite oder implizite psychologische Betreuung Gefl\u00fcchteter gew\u00e4hrleisten. Das quantitative Ausma\u00df dieser Versorgungsl\u00fccke wird besonders darin deutlich, dass 40 bis 50% der erwachsenen Gefl\u00fcchteten in Deutschland unter einer PTBS leiden. Dieser Anteil ist in der Allgemeinbev\u00f6lkerung mit 2,3% hingegen schwindend gering.<\/p>\n<p>Vor allem f\u00fcr freiwillig Engagierte ohne therapeutische Ausbildung birgt die Konfrontation mit dem Seelenleid gefl\u00fcchteter Menschen die Gefahr einer Sekund\u00e4ren Traumatisierung. Die Engagierten werden konfrontiert mit Tod, Leid und Krieg und m\u00fcssen Wege finden, mit den Einblicken in die Abgr\u00fcnde der Unmenschlichkeit umzugehen. Anders als die freiwillig engagierten TherapeutInnen und PsychologInnen, verf\u00fcgen sie oftmals weder \u00fcber angeleitete Verarbeitungsstrategien, noch wissen sie um die Gefahren einer Sekund\u00e4ren Traumatisierung, sondern scheinen nur zu ahnen, dass ihre Psyche durch ihr Engagement in Mitleidenschaft gezogen wird. Ihre Resilienz schmilzt mit abnehmenden pers\u00f6nlichen Ressourcen, die ihnen zur Verf\u00fcgung stehen. Umso wichtiger ist ihre soziale Eingebundenheit in eine lokale Engagement-Gruppe, die ihnen erg\u00e4nzend zur Familie soziale Ressourcen gew\u00e4hrleisten kann und eine Verarbeitung erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Doch um die Familie f\u00fchrt kein Weg vorbei. Sie spielt die zentrale Rolle beim Erhalt der Resilienz. Unabh\u00e4ngig von der Berufsausbildung ist der famili\u00e4re Bezug f\u00fcr alle freiwillig Engagierten der Kern sozialer Ressourcen. Besonders f\u00fcr die freiwillig Engagierten ohne therapeutische oder psychologische Ausbildung \u00fcbernimmt die Familie, aufgrund der mangelnden M\u00f6glichkeiten des professionellen Umgangs mit psychologischen Belastungen, eine Schl\u00fcsselfunktion.<\/p>\n<p>Dort wo freiwillig Engagierte in der Fl\u00fcchtlingshilfe t\u00e4tig sind, k\u00f6nnen sie dem zerst\u00f6rerischen Mechanismus einer PTBS einen Riegel vorschieben und Menschen(-leben) retten. Doch zu einem hohen Preis. Vor allem die Personen, die eine implizite psychologische Betreuung vornehmen, laufen Gefahr die staatliche Mangelwirtschaft mit ihrer Gesundheit zu bezahlen.<\/p>\n<h3>Ein Beitrag von Zakaria Rahmani und Stephan Daiber<\/h3>\n<p><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n<p>Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union (2013): Richtlinie 2013\/33\/EU des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen f\u00fcr die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (Neufassung). [online] <a href=\"http:\/\/www.bmi.gv.at\/cms\/BMI_Asylwesen\/rechtsgrundlage\/files\/2014\/Richtlinie_2013_33_EU.pdf\">http:\/\/www.bmi.gv.at\/cms\/BMI_Asylwesen\/rechtsgrundlage\/files\/2014\/Richtlinie_2013_33_EU.pdf<\/a> [01.01.2017].<\/p>\n<p>BAfF (o.J.): Ein Jahr nach dem \u201eSommer der Solidarit\u00e4t\u201c \u2013 Was bewegt sich? Ehrenamt in der psychosozialen Arbeit mit Gefl\u00fcchteten: Zwischen praktischer Unterst\u00fctzungsarbeit und politischer Verantwortung, [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.baff-zentren.org\/news\/ehrenamt-in-der-psychosozialen-arbeit-mit-gefluechteten\/\">http:\/\/www.baff-zentren.org\/news\/ehrenamt-in-der-psychosozialen-arbeit-mit-gefluechteten\/<\/a> [01.10.16].<\/p>\n<p>BAfF (2015): Versorgungsbericht. Zur psychosozialen Versorgung von Fl\u00fcchtlingen und Folteropfern in Deutschland, 2. Aufl., [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.baff-zentren.org\/news\/versorgungsbericht\/\">http:\/\/www.baff-zentren.org\/news\/versorgungsbericht\/<\/a> [01.07.16].<\/p>\n<p>BAfF (2016): Stellungnahme der BAfF zum Gesetzesentwurf vom 1.2.2016 (\u201eAsylpaket II\u201c). [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.baff-zentren.org\/news\/stellungnahme-m-asylpaket-ii\/\">http:\/\/www.baff-zentren.org\/news\/stellungnahme-m-asylpaket-ii\/<\/a> [05.10.16].<\/p>\n<p>BAMF (2016): Subsidi\u00e4rer Schutz. [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bamf.de\/DE\/Fluechtlingsschutz\/AblaufAsylv\/Schutzformen\/SubsidiaererS\/subsidiaerer-schutz-node.html\">http:\/\/www.bamf.de\/DE\/Fluechtlingsschutz\/AblaufAsylv\/Schutzformen\/SubsidiaererS\/subsidiaerer-schutz-node.html<\/a> [20.12.16].<\/p>\n<p>Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (o.J.): Supervision. [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bdp-verband.de\/psychologie\/glossar\/supervision.shtml\">https:\/\/www.bdp-verband.de\/psychologie\/glossar\/supervision.shtml<\/a> [24.12.16].<\/p>\n<p>Borgert, Stephanie (Hrsg.) (2013): <em>Resilienz im Projektmanagement. Bitte anschnallen, Turbulenzen! Erfolgskonzepte adaptiver Projekte<\/em>, Wiesbaden: Springer Verlag.<\/p>\n<p>BPtK (2015): BPtK-Standpunkt: Psychische Erkrankungen bei Fl\u00fcchtlingen, [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bptk.de\/uploads\/media\/20150916_BPtK-Standpunkt_psychische_Erkrankungen_bei_Fluechtlingen.pdf\">http:\/\/www.bptk.de\/uploads\/media\/20150916_BPtK-Standpunkt_psychische_Erkrankungen_bei_Fluechtlingen.pdf<\/a> [03.11.16].<\/p>\n<p>Charit\u00e9 (o.J.): Die Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS). [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/psychiatrie.charite.de\/patienten\/krankheitsbilder\/krankheitsbilder\/posttraumatische_belastungsstoerungen_ptbs\/\">https:\/\/psychiatrie.charite.de\/patienten\/krankheitsbilder\/krankheitsbilder\/posttraumatische_belastungsstoerungen_ptbs\/<\/a> [08.12.16].<\/p>\n<p>DIMDI (2016): ICD-10-GM. Version 2017. Systematisches Verzeichnis. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.dimdi.de\/dynamic\/de\/klassi\/downloadcenter\/icd-10-gm\/version2017\/systematik\/\">http:\/\/www.dimdi.de\/dynamic\/de\/klassi\/downloadcenter\/icd-10-gm\/version2017\/systematik\/<\/a> [1.12.16].<\/p>\n<p>Figley, Charles (2002): Mitgef\u00fchlsersch\u00f6pfung. Der Preis des Helfens, in: Hudnall-Stamm B. (Hrsg.), <em>Sekund\u00e4re Traumast\u00f6rungen: Wie Kliniker, Forscher und Erzieher sich vor traumatischen Auswirkungen ihrer Arbeit sch\u00fctzen k\u00f6nnen<\/em>, Paderborn: Junfermann Verlag, Paderborn.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung (o.J.a): Niederlassungserlaubnis h\u00e4ngt von Integration ab. [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2016\/05\/2015-05-25-aufenthaltserlaubnis.html?nn=694676\">https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2016\/05\/2015-05-25-aufenthaltserlaubnis.html?nn=694676<\/a> [11.12.16].<\/p>\n<p>Die Bundesregierung (o.J.b): Wohnsitzregelung erleichtert Integration. [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2016\/05\/2015-05-25-wohnsitz.html?nn=694676\">https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2016\/05\/2015-05-25-wohnsitz.html?nn=694676<\/a> [13.01.17].<\/p>\n<p>Die Bundesregierung (2015a): Bundestag ber\u00e4t \u00fcber Gesetzespaket. Asylverfahren \u00e4ndern und beschleunigen, [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2015\/09\/2015-09-29-asyl-fluechtlingspolitik.html\">https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2015\/09\/2015-09-29-asyl-fluechtlingspolitik.html<\/a> [07.10.16].<\/p>\n<p>Die Bundesregierung (2015b): Besprechung der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der L\u00e4nder zur Asyl- und Fl\u00fcchtlingspolitik am 24. September 2015. [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/_Anlagen\/2015\/09\/2015-09-24-bund-laender-fluechtlinge-beschluss.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=4\">https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/_Anlagen\/2015\/09\/2015-09-24-bund-laender-fluechtlinge-beschluss.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=4<\/a> [12.10.16].<\/p>\n<p>Die Bundesregierung (2016a): Asylpaket II in Kraft. K\u00fcrzere Verfahren, weniger Familiennachzug, [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2016\/02\/2016-02-03-asylpaket2.html\">https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2016\/02\/2016-02-03-asylpaket2.html<\/a> [12.01.17].<\/p>\n<p>Die Bundesregierung (2016b): Gesetz in Kraft getreten. Integrationsgesetz setzt auf F\u00f6rdern und Fordern, [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2016\/08\/2016-08-05-integrationsgesetz.html\">https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2016\/08\/2016-08-05-integrationsgesetz.html<\/a> [11.12.16].<\/p>\n<p>Fischer, Gottfried \/ Riedesser , Peter (2009): <em>Lehrbuch der Psychotraumatologie<\/em>, M\u00fcnchen: Reinhardt Verlag UTB.<\/p>\n<p>Frey, Conrad (2007): Sekund\u00e4rer traumatischer Stress bei den Helfenden, in: Maier T., Schnyder U. (Hrsg.), <em>Psychotherapie mit Folter- und Kriegsopfern. Ein praktisches Handbuch<\/em>, Bern: Verlag Hans Huber.<\/p>\n<p>GMK (2016): 89. Konferenz der Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren f\u00fcr Gesundheit der L\u00e4nder am 29.\/30. Juni 2016 in Rostock-Warnem\u00fcnde. [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.gmkonline.de\/documents\/Ergebnisniederschrift_89_GMK_2016_Warnemuende.pdf\">https:\/\/www.gmkonline.de\/documents\/Ergebnisniederschrift_89_GMK_2016_Warnemuende.pdf<\/a> [01.12.2016].<\/p>\n<p>Hochschule Niederrhein (2016): ReKulDH. [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.hs-niederrhein.de\/forschung\/socon\/projekte\/rekuldh\/\">https:\/\/www.hs-niederrhein.de\/forschung\/socon\/projekte\/rekuldh\/<\/a> [12.01.17].<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr \u00c4rztliche Qualit\u00e4t in Schleswig-Holstein (2016): Interpretationshilfe nach Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) des Instituts f\u00fcr \u00c4rztliche Qualit\u00e4t in Schleswig-Holstein mit Unterst\u00fctzung des Ministeriums f\u00fcr Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung, [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/bit.ly\/2jbUefP\">http:\/\/bit.ly\/2jbUefP<\/a> [02.11.17].<\/p>\n<p>KVS Sachsen (2015): Die Anspr\u00fcche auf medizinische Behandlung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, in: <em>KVS-Mitteilungen<\/em>, Heft 4\/2015.<\/p>\n<p>Landes\u00e4rztekammer Baden-W\u00fcrttemberg \/ Landespsychotherapeutenkammer Baden-W\u00fcrttemberg (Hrsg.) (2011): Traumatisierte MigrantInnen. Ambulante medizinische, psychosoziale und psychotherapeutische Versorgung von traumatisierten MigrantInnen in Baden-W\u00fcrttemberg, [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.suedost-ev.de\/veroeffentlichungen\/dok\/versorgungsbericht.pdf\">http:\/\/www.suedost-ev.de\/veroeffentlichungen\/dok\/versorgungsbericht.pdf<\/a> [08.09.16].<\/p>\n<p>Maercker, Andreas (Hrsg.) (2009): <em>Besonderheiten bei der Behandlung und Selbstf\u00fcrsorge f\u00fcr Traumtherapeuten<\/em>, 3. Aufl., Heidelberg: Springer Medizinverlag.<\/p>\n<p>o.V. (o.J.): Ressourcencheck. [online]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.uni-siegen.de\/zpe\/projekte\/aktuelle\/lamospfh\/materialien\/ressourcencheck_luedenscheid.pdf\">https:\/\/www.uni-siegen.de\/zpe\/projekte\/aktuelle\/lamospfh\/materialien\/ressourcencheck_luedenscheid.pdf<\/a> [24.12.16].<\/p>\n<p>o.V. (2015a): Fl\u00fcchtlinge. Sachsens Landr\u00e4te gegen Gesundheitskarte f\u00fcr Asylbewerber, [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.focus.de\/regional\/sachsen\/fluechtlinge-sachsens-landraete-gegen-gesundheitskarte-fuer-asylbewerber_id_5004586.html\">http:\/\/www.focus.de\/regional\/sachsen\/fluechtlinge-sachsens-landraete-gegen-gesundheitskarte-fuer-asylbewerber_id_5004586.html<\/a> [12.01.17].<\/p>\n<p>o.V. (2015b): Fl\u00fcchtlingskrise. Kabinett beschlie\u00dft neues Asylgesetz, [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/fluechtlinge-bundesregierung-beschliesst-neues-asylgesetz-a-1055193.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/fluechtlinge-bundesregierung-beschliesst-neues-asylgesetz-a-1055193.html<\/a> [12.01.17].<\/p>\n<p>o.V. (2016a): Fl\u00fcchtlinge. De Maiz\u00e8re nennt falsche Attest-Zahlen, [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/thomas-de-maiziere-falsche-zahlen-bei-attest-statistik-von-fluechtlingen-a-1098265.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/thomas-de-maiziere-falsche-zahlen-bei-attest-statistik-von-fluechtlingen-a-1098265.html<\/a> [10.08.16].<\/p>\n<p>o.V. (2016b): Asylpaket II. Kabinett beschlie\u00dft versch\u00e4rfte Fl\u00fcchtlingsgesetze, [online]\u00a0<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/asylpaket-ii-bundesregierung-bringt-verschaerfte-asylgesetze-auf-weg-a-1075424.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/asylpaket-ii-bundesregierung-bringt-verschaerfte-asylgesetze-auf-weg-a-1075424.html<\/a> [10.08.16].<\/p>\n<p>Schweitzer, Robert \/ Melville, Fritha \/ Steel, Zachary \/ Lacherez, Philippe (2006): Trauma, post-migration living difficulties, and social support as predictors of psychological adjustment in resettled Sudanese refugees. In: <em>The Australian and New Zealand journal of psychary<\/em>, Jg. 2006, Nr. 40(2), S. 179-187.<\/p>\n<p>Waldmann, Michael (2008): Kategorisierung und Wissenserwerb, in: Jochen M\u00fcsseler \/ Wolfgang Prinz (Hrsg.), <em>Lehrbuch allgemeine Psychologie<\/em>, Heiderlberg: Spektrum Verlag.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Durch die EU-Aufnahmerichtlinie ist Deutschland dazu verpflichtet, vulnerable Schutzsuchende zu erkennen und einen Zugang zur medizinischen und psychosozialen Versorgung zu erm\u00f6glichen (vgl. BAfF 2015: 1).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 F\u00fcr eine Vertiefung des Krankheitsbildes der PTBS, siehe Kapitel 2.3 der vorliegenden Arbeit.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Leistungsberechtigt sind laut \u00a71 Abs. 1 AsylbLG alle materiell bed\u00fcrftigen, asylsuchenden Personen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Status des subsidi\u00e4ren Schutzes wird jenen Personen erteilt, bei denen weder der Fl\u00fcchtlingsschutz, noch die Asylberechtigung greifen; denen bei R\u00fcckf\u00fchrung in das Heimatland jedoch ernsthafter Schaden droht (vgl. BAMF 2016).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bei dem ICD-10 handelt es sich um die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Folgeverfahren ist das Verfahren, das auf einen Asylantrag \u2013 bis zu dessen Gew\u00e4hrleistung oder Ablehnung \u2013 folgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Pyrrhussieg f\u00fcr freiwillig Engagierte? (AT) Die psychologische Betreuung von Gefl\u00fcchteten stellt einen besonderen Teilaspekt der Gesundheitsversorgung gefl\u00fcchteter Menschen in Deutschland dar. Obwohl die Gesundheitskarte (eGK) gefl\u00fcchteten Personen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen gew\u00e4hrleisten soll, erhalten Asylsuchende die eGK erst nach einem Aufenthalt von 15 Monaten. 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